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PulliKind

Du darfst neimals aufgeben

Prolog

„Och, ne! Nicht schon wieder so ein langweiliges Museum!“, seufzte ich genervt.
„Ich weiß, Cassie. Wie kommt Frau Kreuzberg eigentlich auf die Idee, uns in ein Museum zu stopfen?!“
„In London gibt es bestimmt besseres als das!“, schimpfte Leander.

Leander war schon immer eine gute Meckerliese… es ist einfach zum Totlachen ihm dabei zuzuschauen, denn bei jeder Kopfbewegung fällt ihm seine schwarze Strähne ins Gesicht,
die er sich jedes Mal wieder zurückstreichen muss. Trotzdem musste ich mir ein Lachen verkneifen - wenn man sich erst einmal mit ihm anlegt, dann hört der Streit niemals auf - aber so ganz gelingt mir das anscheinend doch nicht, denn seine großen grünen Augen funkelten mich leicht verärgert an.

Plötzlich riss mich Edward aus den Gedanken: „Mensch Leute ist doch cool! Vielleicht begegnen wir ja dem neuen Einstein der Zukunft!“ Ja. Edward war schon immer der Schlaukopf der Klasse. Normalerweise halte ich mich bei seinem Wissenschaftlichen Geschwafel ja zurück… Aber das ging nun wirklich zu weit! „Das interessiert doch nun wirklich niemanden!“, fuhr ich ihn an, was ich danach aber sofort wieder bereute. Denn Edward schien das Museum wirklich zu interessieren.  Ich sah sofort in seinem Blick, dass ich ihn gekränkt hatte. Und der etwas kleinere braunhaarige Junge mit den geschmeidigen grauen Augen zog sich rasch wieder auf seinen Platz zurück. Ich hätte anfangen können zu heulen! Das wollte ich doch nicht! Nächstes Mal halte ich lieber meine Klappe.

Der Bus hielt an und auf einmal riss mich schon wieder was aus meinen schuldvollen Gedanken. Diesmal jedoch die Lautsprechanlage des Busses mit Frau Kreuzbergs mal wieder überfreundlicher Stimme: „Liebe Schülerinnen und Schüler, ich bitte euch nun geordnet und rücksichtsvoll den Bus zu verlassen. Wir sind da.“
„Na toll“, raunte Leander mir zu, „und schon wieder ein langweiliger Ausflug auf einer langweiligen Klassenfahrt!“

Kapitel 1: Cassie

Im Museum angekommen sollten wir uns mal wieder in Reih und Glied aufstellen. Dann begann die Führung… und schon waren meine Gedanken wo anders. Plötzlich bemerkte ich wie jemand mit mir redete… oh.  Anscheinend war die Führung schon zu Ende. Da ich anscheinend gerade angebrüllt wurde fing ich an zuzuhören und merkte bald, dass Frau Kreuzberg mir sagte, dass ich, weil ich nicht zugehört habe einen 25 Seiten langen Aufsatz darüber schreiben dürfte. Dann stöckelte sie wieder von mir weg und machte Edward und Leander Platz. „Na?“, neckte Edward mich, „schon wieder einen Aufsatz?“

„Nun, um ehrlich zu sein, habe ich die gesamte Führung lang nicht zugehört.“, gestand ich Edward, der mal wieder anfing mich auszulachen. „Denn ich höre sowieso nie zu…  ich meine …         Wie auch? Wenn es so sterbenslangweilig ist?“
Da fing Leander auch an zu lachen. Und um ehrlich zu sein, war es wirklich urkomisch!
Die ganze Klasse hört zu, nur ich mal wieder nicht. Und schon fing ich auch an zu lachen.
Wir lachten immer weiter… Als plötzlich ein Blitz in das Museum einschlug. Auf einmal gingen alle Lichter aus. Und erst jetzt wurde mir bewusst, dass es schon Nacht war! Unser Lachen erstarb. Da kriegte ich ausnahmsweise Mal mit, wie Frau Kreuzberg uns hysterisch mitteilte, dass alle sofort aus Sicherheitsgründen das Museum verlassen sollten. Ich merkte wie Leander mich anstubbste und mir zuflüsterte: „Cassie, Edward. Lasst uns hier verstecken! Sie werden uns
suchen und wir werden dieser blöden Frau Kreuzberg eine heiden Angst einjagen!“ Wir willigten ein und duckten uns hinter einem Ausstellungsstück. Als schon wieder ein Blitz einschlug und alle Lichter flackerten wurde ich langsam hysterisch.

Nach einiger Zeit merkten wir, dass wir hier nicht alleine waren. Edward fing an uns etwas zuzuflüstern: „Hört ihr das auch? Diese Stimme… kommt mir irgendwie bekannt vor…“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Jetzt bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun.
Diese Stimme… diese Stimme… “Ja“, flüsterte ich, „ das ist doch dieser komische Professor von vorhin oder?“ Und schon wieder ging ein heiseres Lachen von ihm aus. Durch das schaurig flackernde Licht konnten wir den Professor ausmachen. Was war das für eine Maschine da bei ihm? Der Professor drehte an ein paar Schaltern, drückte ein paar Knöpfe… und… Wamm!!!!!
Und noch ein Blitz!

Ich war kurz davor, vor lauter Schrecken los zu schreien, als Leander mir seine Hand vor den Mund hielt. Ich war ihm echt dankbar, denn sonst wären wir aufgeflogen. Doch da merkte ich es, der Professor war weg! Gerade eben hatte er doch noch da gestanden! Edward machte ein Gesicht, als hätte er ein Gespenst gesehen! Was war das? Konnte ich ihm von den Lippen lesen, als wir auf einmal bemerkten, dass Leander fehlte. Ich bekam es schon wieder mit der Angst zu tun. Als Edward auf Leander, der vollkommen unversehrt vor der Maschine stand, zeigte, war ich jedoch erleichtert. Uns ist nichts passiert. Aber dem Professor? „Wo in aller Welt ist der hin?“, hörte ich Leander sagen, der immer noch das Gerät betrachtete.

Wir gingen auf Leander zu. Ich wollte schon >>Nein! Nicht!<< brüllen, doch es war schon zu spät! Leander drehte und drückte an Knöpfen rum, als auf einmal ein Blitz einschlug!
„Verdammt!“, war das letzte, was ich noch hervorbrachte, bevor sich alles um uns herum in Luft auflöste…

Kapitel 2: Cassie

Und nun waren wir nicht mehr im Museum von London. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis aus vollkommener Dunkelheit diese Straßen wurden. Es war zuerst, als würde das
Museum mit diesen Straßen verschmelzen. Dann kam vollkommene Dunkelheit und daraus wurden wiederum diese Straßen.

Dann sprach Edward aus, was allen gerade durch den Kopf ging: „Wo sind wir?“
„Um ehrlich zu sein. Ich habe keine Ahnung.“, gestand Leander, “aber ich denke wir werden es herausfinden müssen.“ Ich schaute mich um. Da lief plötzlich ein Passant an uns vorbei.
„Nichts Besonderes“, dachte ich. Doch dann sahen wir es. Er trug eine Zeitung bei sich, auf der allerdings 3. Juni 1954 stand. „Das kann doch nicht sein!“, meinte Edward. Leander schlug vor, wir sollten mal bei irgendwem nach dem Datum Fragen. Wir entschlossen uns es in einem Bäckersladen zu versuchen, da wir langsam auch ganz schönen Hunger bekamen.

Beim Bäcker angekommen fragten wir eine Frau hinter dem Tresen. Sie hatte kurze rot gefärbte Haare und war von etwas rundlicher Statur. Nachdem wir unsere Frage stellten, meinte sie, dass heute natürlich der 3. Juni 1954 sei.  Das überraschte mich wenig. Denn anscheinend waren wir in eine Zeitmaschine geraten...

Nachdem wir uns ein paar Brötchen kauften, wollten wir schon aus dem Laden gehen, als uns auffiel, dass wir ja immer noch nicht wussten, wo wir eigentlich waren. Ich drehte noch mal um und fragte sie. Wir waren immer noch in London. Doch irgendetwas beunruhigte mich.
Denn wie um Himmels Willen sollten wir es zurück ins Jahr 2012 schaffen? War das überhaupt noch möglich? Und spätestens da, wurde uns allen klar: Wir müssen den Professor finden!

Kapitel 2 b: Christina

Währenddessen im Bus:

„So, liebe Schülerinnen und Schüler! Ich werde euch jetzt durchzählen, also stellt euch ordnungsgemäß in einer Reihe auf und seid leise! Jeder merkt sich seine Zahl, damit ich auch nochmal nachfragen kann!“, dröhnte Frau Kreuzberg Stimme durch den Bus. Und schon fing sie an zu zählen… „Man, echt! Nervt die rum!“, wollte ich gerade zu Johanna sagen, als mir auffiel, dass Cassies gold-blonde Haare einen Sitz vor mir fehlten! Ich ließ den Blick durch den Bus schweifen. Da merkte ich es! Nicht nur Cassie war weg sondern auch Edward und Leander!

Als Frau Kreuzberg gerade an mir vorbei lief und sich wunderte wo die drei hin sind meinte ich: „Vielleicht sind sie noch im Museum!“ Und schon fing Frau Kreuzberg wieder an zu meckern:
„Die werden noch ärger kriegen! Das verspreche ich dir!“ Auf einmal schrie sie durch den Bus, dass Josh, Alex, Johanna und ich nach den dreien schauen sollen. Ich hätte ebenfalls schreien können, jedoch vor Entsetzen! Sie kann doch nicht 4 Kinder alleine nach draußen in die bitter
kalte, Gewitter durchzogene Nacht schicken! Die hat wirklich einen an der Waffel! Aber nun gut. Was blieb uns anderes übrig? Ihr Wort ist Gesetz!

Also kämpften wir uns nach draußen, durch die Eiseskälte zurück zum Museum. Doch als wir da ankamen war schon abgeschlossen. Mit dieser Nachricht gingen wir zurück zu frau Kreuzberg.
Die jedoch gab uns den Schlüssel. Und schon wieder ging es für uns kläglicher Weise zurück zum Museum.

Kapitel 3: Cassie

Wir suchten wo wir konnten, aber so ganz funktionierte das nicht. Da bekam Edward eine geniale wie zugleich bescheuerte Idee: „Wir müssen denken wie ein Professor. Also: Wo würdet ihr als verrückter Kerl im weißen Kittel mit strubbeliger Kopfmähne wohl hingehen?“
Leander fing an zu lachen doch ich fand das nicht witzig:
„Wir haben jetzt keine Zeit zum Witze reißen! Immerhin könnte es sein, dass wir hier nie mehr rauskommen!“
„Mensch, Cassie!“, nun legte mir Edward einen Arm um die Schulter und versuchte mit ernster Miene weiter zu sprechen, „Na-türlich kommen wir hier wieder raus! Wir müssen nur diesen verrückten Kerl finden und dann kommen wir vielleicht wieder nach Hause.“
Als er sah, wie ich die Augen verdrehte fügte er mit ernster, versprechender Miene  noch schnell etwas  hinzu: „Du darfst niemals aufgeben! Wir kommen nach Hause. Versprochen!“
Na ja. Wenn er meinte. Immerhin war ja er der Schlaukopf hier. Aber mal ehrlich! Haalllo!
58 Jahre in der Vergangenheit!!! Nun gut. Meckern brachte uns auch nicht weiter. Ich wollte ja schließlich nicht so werden wie Leander!

Nach ewigem überlegen kam mir dann doch eine Idee: „So falsch ist deine Frage eigentlich gar nicht gewesen! Gibt es hier vielleicht eine Wissenschaftlermesse oder auch so ne Ausstellung wie im Londoner Museum 2012?“ „Ja“, meinte Edward nach kurzem Überlegen, „diese Ausstellung ist doch jedes Jahr… seit 1954.“ Er überlegte kurz weiter, als ihm etwas auffiel, „Oh… moment mal. Es ist ja 1954.“ Und nach meiner Berechnung zu Folge ist sie in… 4 Tagen…!“
„Noch so lange??? Das darf nicht sein!“, teilte uns Leander seine Meinung mit. „Dann müssen wir ja mindestens ganze 3 Tage in der Vergangenheit leben!“
Oh ja… so sah es aus. 4 Tage hier. Wie sollen 3 gerade Mal 13 und 14 Jahre alte Jugendliche alleine an einem Fremden Ort, in einer Fremden Zeit überleben? Voralldingen war es so, dass wir unser gesamtes Geld schon für Brötchen ausgegeben hatten… Die Nacht. Alleine auf der Straße.
Und wie soll es weiter gehen, wenn wir hier nicht mehr rausfinden? Kinder ohne Zukunft.
Der Zweifel säte in mir. Schaffen wir es überhaupt noch die nächsten 3 Tage lang, auf der Straße, ohne Geld und vollkommen alleine zu überleben? Wenn ja. Dann wie lange? Ich bin mir sicher:
Auch hier gibt es Straßenräuber und Banditen.

Nur kurz vor einer Panik-Attacke fiel mir ein, was Edward gesagt hatte:
„Du darfst niemals aufgeben!“

Kapitel 3b: Christina

Als wir die Tür zum stockfinsteren Museum aufschlossen blieb mir vor lauter Schrecken fast das Herz stehen! Denn kaum waren wir über die Türschwelle getreten, liefen Ratten so knapp vor unseren Füßen vorbei, dass wir fast draufgetreten wären! Und eins ist klar! Ich hasse Ratten!
Ich kriege dann voll den Panikanfall! Doch zum Glück ist das nochmal gut gegangen!
Josh schaltete das Licht an, sodass wir uns besser umsehen konnten. Nachdem wir alles abgesucht hatten, waren wir uns schon ziemlich sicher, dass sie endgültig verschwunden sind.
Aber, als wir schon gerade gehen wollten, entdeckten Alex und Johanna die Rucksäcke der beiden Jungen. Ich bekam es mit der Angst zu tun.
„Was ist mit ihnen passiert?“, fragte ich eigentlich mehr zu mir selbst, aber schon bekam ich eine Antwort von Johanna.
„Vielleicht wurden sie ja entführt“, brachte sie leise hervor.
„Ich denke, wir sollten jetzt besser zurück zum Bus gehen und Frau Kreuzberg berichten, was wir gesehen haben…“, schlug ich den anderen vor. Gesagt, getan. Kurze Zeit später waren wir durch den kalten Gewitterschauer zurück in den Bus gelangt.

Nachdem wir Frau Kreuzberger berichteten, was wir im Museum erlebt hatten, machte sie ein Gesicht, als wenn sie gerade veräppelt worden wäre. Sie glaubte uns nicht. Und um sich zu überzeugen, ging sie mit uns wieder ins Museum. Ich konnte es nicht glauben! Und schooon wieder ging es für uns ins Museum! Schon wieder ein Trip durch die Dunkelheit. Durch das nicht enden wollende Gewitter. Durch die Kälte, die schon wieder meinen Rücken auf eisige Weise runterschlich.

Als wir nun klitsch nass im Dunklen des Museums standen wurde Frau Kreuzberg erst richtig klar, dass sie sich mit dem Verschwinden der 3 einen riesen Ärger eingehandelt hatte.

Sofort gingen wir im strammen Marsch wieder zurück zum Bus. Von dort aus wollte sie die Polizei anrufen. Die meinten jedoch, dass unsere Vermissten noch nicht lange genug fehlen und wir noch fast 2 Tage mit einer Vermissten-Anzeige warten müssten.

Kapitel 4: Edward

Da sah ich in Cassies Himmel blauen Augen blankes Entsetzen. So, voller Angst hatte ich Cassie noch nie gesehen! Sie war ein immer starkes, taffes Mädchen gewesen, wofür sie auch immer von allen Seiten bewundert wurde. Das hätte ich nie von ihr gedacht. Sonst zeigte sie nie ihre Gefühle. Anscheinend hatte sie bemerkt, dass man ihre Angst und Panik sah, denn nur wenige Augenblicke später setzte sie wieder ihre gleichgültige Miene auf und fragte mit anscheinend gewollter cooler, jedoch etwas zitteriger Stimme, wie es jetzt wohl weiter gehen sollte.
Da viel mir etwas ein: „Oh, shit! Normalerweise braucht man eine Erfindung, um zu den Ausstellungen zu gelangen!“
„Hä?“, entfuhr es Leander, der offensichtlich nur Bahnhof verstand.
„Soweit ich weiß, haben wir doch auch nichts erfunden. Und wir waren schließlich vorhin auch noch da.“, warf Cassie ein wenig skeptisch ein. Nachdem ich ihnen erklärte, dass die Ausstellungsstücke zuerst von Juroren bewertet werden und unbefugte während dieser Zeit aus Sicherheitsgründen den Raum nicht betreten dürfen, verstanden sie langsam, worauf ich hinaus wollte. Plötzlich unterbrach Leander mich mit einem Fragenden Blick in seinen grün leuchtend, funkelnden Augen: „Also habe ich das richtig verstanden, dass wir entweder ein Ausstellungsstück erfinden oder Juroren werden müssen?“
Die Beiden schauten mich entgeistert an, während ich das Wort ergriff: „Nun ja… irgendwie schon.“

Nach einigem Diskutieren waren wir uns einig. Juroren konnten wir nicht werden. Also musste eine Erfindung her. Doch es war jetzt schon Nacht. Also Schlafenszeit. Nur wo sollten wir übernachten? Ich fragte die anderen und stieß auf die gleiche Antwort, die ich auch schon hatte. Nämlich die Straße. Denn wir können ja nicht einfach wie Joseph und Maria rumbetteln. Nicht in diesem Zeitalter. Das ging nicht. Da waren wir uns einig. Zum Glück hatte Cassie ihren Rucksack dabei. Da war ziemlich viel drin: eine Taschenlampe, eine Decke (falz es im Bus zu kalt wurde), eine Wasserflasche, eine Uhr, die jedoch verrückt spielte, da wir einmal durch die Zeit gereist sind… und zu guter Letzt ihr Handy. Zuerst dachten wir: „Ja! Dann können wir jemanden um Hilfe rufen!“...aber dann viel uns auf, dass es ja bescheuert wäre zu erzählen, dass wir in die Vergangenheit gereist sind… dann würden uns echt alle für verrückt halten! Und das brachte uns auch nun nicht weiter. Was aber hilfreich war, waren natürlich Decke, Wasser und Taschenlampe.

Leider stand uns jetzt eine ziemlich kalte Nacht bevor. Und zwar so kalt, dass Cassie uns barmherzig einen Vorschlag machte: „Los Jungs. Kommt mit unter die Decke. Sonst friert ihr mir ja noch ab!“ Sofort schoss Leander und mir ein Grinsen über das Gesicht. Langsam zeigte sie wirklich eine andere aber super nette Seite von sich.

Es war schon spät in der Nacht, als ich plötzlich aufwachte. Das war eigenartig. Normalerweise schlief ich wie ein Stein! Mein Vater meinte immer, dass das Haus zusammenfallen könnte und ich, ich würde wahrscheinlich weiter tief und fest Schlafen. Langsam beschlich mich ein Gefühl der Angst. Ich wache nie einfach so auf. Irgendetwas ist hier faul. Da erst bemerkte ich es.
Wir waren hier nicht alleine. Irgendwer oder was atmete mir in den Rücken, sodass sich meine Nackenhaare aufstellten. Meine Hand schlich geräuschlos und fast unsichtbar unter der Decke entlang zur Taschenlampe. Ich hätte dieser Person wohl die Lampe über den Kopf hauen müssen… Ruckartig drehte ich mich um. Mit erhobener Taschenlampe. Bereit zum Schlag, als ich auf einmal inne hielt. Denn diese vermeintliche „Person“ war in Wahrheit eine kleine, süße Baby-Katze!

Ihr schwarz-grau geschecktes Fell schien in der Sternenklaren Nacht regelrecht zu leuchten!
So ein schönes Geschöpf hatte ich noch nie gesehen.Ich nahm die Taschenlampe runter und die Katze kam zu mir, strich im vorbei gehen zaghaft meinen Arm und setzte sich auf meinen Schoß. Ich fing an sie zu streicheln. Ich weiß nicht, wie lange ich das tat, doch als ich das nächste Mal von dieser kleinen Katze wieder aufschaute, war aus der Sternenklaren Nacht schnell ein wunderschöner Sonnenaufgang geworden.Das Kätzchen sprang von meinem Schoß und legte sich neben mich, sodass mir genug Platz blieb, um mich zu räkeln. Ich hatte wunderbar, wenn auch kurz geschlafen. Da regte sich auf einmal was links von mir. Ich sah hin und merkte, dass Cassie wach geworden ist. Als sie registrierte, dass ich wach war, weckten wir auch Leander und machten uns bereit für einen weiteren anstrengenden Tag. Denn schließlich brauchen wir so langsam aber sicher mal eine Erfindung! Als mir plötzlich eine Idee kam...

Kapitel 5: Cassie

Und da sagte Edward etwas, was mich ein wenig durcheinander brachte… und ich dachte er hat sie nicht mehr alle: „Wir sind im Jahr 1954! Mensch, Cassie dein Handy!“
Leander starrte ihn an, als hätte Edward auf Chinesisch gesprochen, was im Übrigen sehr witzig aussah, sodass ich lachen musste und mir von der Meckerliese mal wieder nur so vor Zorn funkelnde Blicke abbekam. Und unserem Schlaukopf ging das mal wieder gehörig auf die Nerven…, denn immerhin wollte es uns gerade seine „brillante Idee“ mitteilen.
Also verkniff ich mir das Lachen, hielt die Klappe und Leander hörte auf mich so sauer anzustarren. „So weit so gut…“, fing Edward seine Worte wieder auf und fuhr fort, „jedenfalls wollte ich euch nur sagen, dass wir, weil wir uns ja im Jahr 1954 befinden, einfach das Handy nehmen und behaupten können, wir hätten es erfunden! Zu dieser Zeit gab es nämlich noch keine Handys!“ Eine Welle des Glücks durchzog mich und ein breites Grinsen machte sich auf meinem Gesicht bemerkbar. Endlich war er wieder da unser alter guter Edward! Genauso kannten wir ihn! Immer voller Ideen! Ein wahrhaftiger Schlaukopf!

Kurz bevor ich vor lauter Glücksgefühlen fast umgefallen wäre, warf Leander seine Bedenken ein: „Und was ist, wenn der Professor ein Juror ist? Der wird dann doch meinen, dass es nicht unsere Idee war! Und dann kriegen wir richtig Ärger, wegen Urheberrechts-Verletzung!“
Da fing Edward an ihn auszulachen: „Welche Urheberrechte?! In dieser Zeit ist das Handy doch noch gar nicht erfunden! Und ich meine, selbst wenn doch, so ist dieses Modell noch nicht raus, diese Technologie! Glaubst du etwa das gab es früher schon?!“ Und er lachte immer weiter, weiter und weiter. Langsam verlor ich die Geduld! Ich nahm meine Flasche Wasser und schüttete einen Teil auf ihm aus. Ich konnte mich nicht bremsen und Leander schien es erst gar nicht versuchen zu wollen. Auf einmal wurde Edward still. Und dann wurde es richtig schlimm.

Wir stritten und stritten bis ins geht nicht mehr, als sich plötzlich das kleine Kätzchen zwischen uns drei stellte und anfing zu Miauen. Alle wurden still und starrten auf das süße Ding herab, welches uns die ganze Zeit anstarrte und miaute. Es lenkte uns einige Zeit ab. Wir bückten uns und streichelten es. Da fiel mir etwas auf. Es hatte ja noch keinen Namen! Um vom Streit abzulenken fragte ich also Leander und Edward, wie es heißen sollte. Es kamen hunderte von Vorschlägen wie: „Wie wäre es mit Kitty?“ Oder „Was ist denn mit Molly?“
Irgendwann kam so ein bescheuerter Vorschlag wie Krümelkuchen! Und Luftballon!
Langsam dachte ich sie verlieren den Verstand! Das war doch nicht ihr ernst oder?!
Plötzlich kam mir ein Gedanke: „Wie wäre es denn mit Miezi? Immerhin miaut sie uns die ganze Zeit an…“ Und noch bevor ich ausgesprochen hatte bekam ich schon die Zustimmung der beiden. Der Name schien sogar Miezi selbst zu gefallen, denn als ich zu ihr mit piepse Stimme sagte: „Na kleines? Ist Miezi nicht der perfekte Name für dich?“ fing sie wieder an zu Miauen.

Der Tag verging wie im Flug und Miezi schien uns bei der Suche nach der morgigen Ausstellung nicht mehr von der Seite zu weichen. Es wurde mal wieder Nacht und der Himmel leuchtete vor lauter Sternen und dem Vollmond. Ja. Der Vollmond. Er leuchtete echt wunderschön. Als alle außer mir schon eingeschlafen waren ließ ich mich von ihm mit Miezi im Arm einlullen.
Denn so unheimlich es im stock dunklen draußen auch war… der Mond bewachte meinen Schlaf.

Kapitel 6: Edward

Und schon wieder mal war ich als erster wach geworden. Aber es schien noch Nacht zu sein, darum versuchte ich noch einmal einzuschlafen. Das wollt mir aber irgendwie nicht so ganz gelingen. Nach ewigem wenden und drehen lag ich nun auf dem Rücken. Durch mein Gezappel hatte ich wohl Leander geweckt, der mich jetzt durch seinen noch schlaftrunkenen Blick anstarrte. Ja. In meinen 13 Jahren hatte ich bisher im Gegensatz zu Leander, meinem ein Jahr älteren besten Freund, noch nie viel Schlaf. Doch trotzdem war ich jeden Morgen komplett ausgeruht und kein wenig müde. Darüber wunderte Leander sich jedes Mal aufs Neue.
Schon von klein auf waren wir beste Freunde. Quasi beste Freunde auf den ersten Blick.
Jedoch gab es natürlich auch mal Streitereien. Wir stritten uns über alles Mögliche. Kekse, die Fernbedinung, eigentlich alles, über das man Streiten konnte. Auch schon mal über ein Mädchen… Cassie. Aber das ging letzt endlich, nach einer Essensschlacht, für uns beide schlecht aus… Nach jedem Streit hatten wir uns wieder vertragen. Echte Freunde eben.
Uns bringt so schnell nichts auseinander!

Nachdem nun auch Cassie aufgestanden war, war es nach der Museumsuhr erst 5 Uhr morgens. Aber wir mussten ja auch besprechen, was wir am nächsten Tag, bei der Präsentation unserer „Erfindung“ sagen konnten. Letztendlich entschlossen wir uns jedoch den Vortrag recht spontan zu halten.

So blieb uns also für diesen Tag noch genug Zeit mal etwas zu Essen aufzutreiben, da wir ja schon 2 Tage hier waren. Und so langsam aber sicher brauchten wir auch mal wieder was zu trinken, denn die paar Tropfen, die noch in Cassies Flasche waren reichten im Leben nicht aus, um die Zeit zu überbrücken, bis wir wieder in London 2012 waren. Als plötzlich sein Magen knurrte, jammerte Leander uns voll: „Wir haben nichts mehr zu Essen. Und so langsam bekomme ich wirklich einen Bären-Hunger!“ Nur da wir kein Geld mehr hatten blieb uns nichts anderes mehr übrig, als uns einen gut bezahlten Job zu suchen.

Also machten wir uns zusammen mit Miezi auf den Weg zurück zum Bäcker, bei dem wir nachgefragt hatten, wo wir hier gelandet sind. Dort angekommen trafen wir wieder auf die rothaarige Frau vom letzten Mal, die uns sagte, dass sie unsere Hilfe gut gebrauchen könnte. Also fegte ich den Boden, Leander wischte Fenster, Cassie stand an der Verkaufstheke und die Bäcke-rin, die sich als Mrs. Elizabeth Smith entpuppte fing an Brötchen, Brote und andere Gebäck Waren zu backen. Und Miezi… na ja. Sie tapste zu allen Gästen hin, blickte diese mit ihren zuckersüßen Glubschaugen an und ließ sich streicheln.

Am Ende des Arbeitstages erzählte uns Elizabeth aufgeregt, dass wir heute einen so großen Umsatz gemacht hätten, einen so großen gab es schon seit 1940 nicht mehr! Außerdem lobte sie unsere große Freundlichkeit der Kunden gegenüber und belohnte uns mit 10 Pfund pro Person. Das war deutlich mehr, als wir uns erhofft hatten! Also zogen wir los und kauften uns erst einmal 3 Flaschen Wasser. Essen brauchten wir nicht mehr, da wir von Mrs. Smith jede Menge bekommen hatten. Das Einzige, was uns jetzt noch fehlte, war eine Unterkunft. Keiner von uns wollte schon wieder auf der Straße übernachten. Wir gingen die Straßen entlang, als uns ein mit Rosenranken geschmücktes Hotel ins Auge stach. Drinnen hieß man uns mit den Worten: „Willkommen im Hotel Rosegarden!“ willkommen.

Von unseren 30 Pfund hatten wir allerdings nur noch 27 Pfund übrig, was nur noch für ein Zimmer reichte. Drum mussten wir uns halt eins teilen. Wir bekamen Zimmer 315. Auf dem Zimmer angekommen duschten wir uns alle nacheinander ab. Das tat echt so was von gut!
Nach fast 4 Tagen ohne duschen und zwei Nächten auf der Straße, hatte ich das echt mal nötig!
Die Zeit verging und ich stand immer noch unter der Dusche, als meine Gedanken zum heutigen Verlauf des Tages wanderten. Mir fiel auf, dass wir den Tag lang noch nicht so viel gesprochen hatten… eigentlich hauptsächlich nur beim Arbeiten in der Bäckerei. Ich dachte mir, dass es mal Zeit wäre zu besprechen wie das morgen alles so ablaufen sollte. Ich stieg aus der Dusche, trocknete mich ab, zog mir wieder mein blau kariertes Hemd und meine ebenfalls blaue Jeans an und ging zurück zu den anderen. Ich wollte gerade anfangen zu plappern, als ich merkte, dass die drei schon eingeschlafen waren. Cassie auf dem Bett, Leander auf dem Boden und Miezi auf dem Kleiderschrank. Wie nett von ihnen! Sie hatten mir das kuschelige Sofa übrig gelassen.
Und so legte ich mich hin und schon bald war auch ich schon wieder in die Welt der Träume eingetaucht...

Kapitel 7: Leander

Am nächsten Morgen wurden wir unsanft durch einen Schrei geweckt. Wir wussten nicht, was es war, drum liefen wir so schnell es ging hinaus auf den Flur. Dort konnten wir unseren Augen nicht trauen! Ein etwas kleinerer schwarz maskierter Typ stand mit einem Messer einer - wie es wohl aussah - reichen Frau gegenüber und schien sie zu bedrohen! Sofort lief ich wieder in Zimmer 315, holte mir die Taschenlampe und rannte wieder hinaus auf den Flur. Ich holte weit aus… und traf den Mann direkt im Gesicht. Anscheinend hatte ich ihn im Auge getroffen, denn er hielt seine Hand darauf. Plötzlich holte er mit seinem Messer nach mir aus. Ich sprang geschickt mit einer 90 Drehung zur Seite, sodass er in die Wand stach. Mein Gegner versuchte sein Messer wieder aus der Wand zu bekommen, als mir auf einmal Cassie und Edward zur Seite traten. Sie hatten das Bettlaken mitgebracht, dass sie nun auseinander fummelten und in 4 gleich große Teile zerrissen, um ihn gleich darauf damit die Hände zu fesseln. Der Maskierte wand sich die ganze Zeit in unserem Griff, sodass wir ihm erst einmal wieder eins mit der Taschenlampe über den Kopf hauen mussten. Er schaute uns und die ängstliche Dame ein letztes Mal mit einem hasserfüllten Blick an und fiel zu Boden, sodass wir ihn jetzt wirklich ohne weitere Probleme fesseln konnten. Da öffnete sich eine andere Zimmertür. Ein groß gewachsener blonder Mann schaute sich um und fragte, was passiert sei. Als er erfuhr, dass dieser am Bodenliegende Typ die immer noch schock erfrorene Frau bedroht hatte, rief er sofort die Polizei.

Nur wenige Minuten später waren sie auch schon da. Nachdem nun auch die Polizisten erfuhren was sich abgespielt hatte, namen sie den Maskierten sofort fest. Denn wie sich nachher auf der Polizeistation herausstellte, war der Mann, den wir so locker leicht umgehauen hatten, ein Massenmörder. Bisher sei er immer erwischt, wurde uns Berichtet. Und nach einer kleinen Zeugenbefragung von Cassie, Edward, der Frau und mir konnten wir auch schon wieder gehen.
Dem Mörder drohte jetzt eigentlich die Höchststrafe. Lebenslängliche Haft, aber aus Angst er könnte ausbrechen, bekam er nun den Tot zu spüren. So wie alle unschuldigen anderen Menschen, die er einfach eiskalt ermordet hatte.

„Los lasst uns wieder ins Hotel gehen.“, schlug Edward vor, als wir gerade mal ein paar Meter von der Station entfernt waren. „Ja. Wir müssen ja noch unsere Sachen holen, um uns auf den Weg zur Ausstellung zu machen.“, stimmte ich ihm zu. Und so gingen wir wieder durch die Straßen zurück zum Hotel Rose-garden. Als wir gerade den Flur unseres Stockwerkes
erreichten, sahen wir, dass das Messer immer noch in der Wand steckte. Also zogen wir es wieder raus, nahmen es mit in unser, durch unseren schnellen Abgang, unordentliches Zimmer und packten unsere sieben Sachen.

Nachdem wir das Rosegarden verließen, streunten wir durch die Gassen, Richtung Erfindungswettbewerb. Als wir in das etwas düstere Gebäude eintraten bekamen wir recht viele ungläubige Blicke zu spüren. Ein Raunen und Flüstern ging durch die Menge, sodass wir beim durquetschen, durch die Menschenmenge ein paar Wörter wie „viel zu jung!“, „bekommen bestimmt keine Auszeichnung…“ oder „was sollen die denn schon erfunden haben?!“ mitbekamen. Irgendwann bemerkten wir, wie wir ausgelacht wurden. Und so langsam aber sicher platzte mir der Kragen! Ich blieb abrupt stehen, weshalb Cassie und Edward mir hinten rein liefen, doch das war mir egal!
„Na ihr werdet schon sehen, ihr!!! Wir werden gewinnen, das verspreche ich euch!“, brüllte ich auf einmal durch den Raum und alle erstarrten einen Augenblick, ließen sich das gesagte durch den Kopf gehen und finge plötzlich an zu lachen. Sie lachten uns einfach aus.

Kapitel 8: Cassie

Ich hatte mich voll erschrocken, als er einfach so stehen blieb und rum brüllte. Aber dann, als alle anfingen ihn auszulachen, wurde er langsam knallrot, wie eine Tomate. Die Wut kochte nur so in ihm. Wie ein Vulkan, kurz vor seinem ausbrauch. Die Leute um uns konnten ja nicht wissen, - obwohl es schon ziemlich fies war was sie taten - dass Leander so extrem leicht reizbar war. Drum schoben wir ihn einfach weiter durch die Menschenmenge, vorbei an den lachenden Vollidioten und den Erfindungen fremder Leute.

Schließlich, als wir das Anmeldeformular ausfüllten, schien er sich wieder etwas beruhigt zu haben. Wir bekamen Startnummer 13. Meine Lieblingszahl. Jedoch mussten wir uns etwas älter schummeln. Denn ich und Edward waren gerade mal 13. Leander schon 14. Aber das reichte immer noch nicht. Letzt endlich waren wir allesamt 16. Unseren Nachnamen mussten wir zum Glück nicht angeben, da die Leute uns nicht abkauften, dass wir gewinnen könnten. Der nächste Nachteil war, dass wir Miezi draußen lassen mussten. Ich hatte sie vollkommen ins Herz geschlossen! Hoffentlich lief sie nicht weg! Wir wurden auf eine riesige Bühne aus knarrendem Holz geschickt, auf der auch schon 12 andere Erfinder Platz gefunden hatten. Die Gerätschaften sahen zum Teil den heutigen Gebrauchsgegenständen sehr ähnlich. Das eine sah aus wie eine Waschmaschine. Der Erfinder war anscheinend auch noch sehr jung, denn sein Hemd, auf dem die Nummer 5 klebte, schien ihm zu groß zu sein. Ich schaute weiter in die Runde und entdeckte Erfindungen, ähnlich der elektrischen Zahnbürste oder der Heizung. Da kam auf einmal die Nummer 14 zu uns hinauf. Ich traute meinen Augen kaum! Mir entfuhr ein Seufzer.
Endlich hatten wir ihn gefunden! Ich stupste Edward und Leander an, die rechts und links von mir standen. Sie schauten zuerst mich an und folgten dann meinem Blick. Dann sahen auch sie, wie der Professor geradewegs auf die Bühne zuging. Dieser jedoch schien sich zu wundern, was wir, ein Teil der Kinder, denen er ein paar Ausstellungsstücke vorgeführt hatte, auf der Bühne eines Erfinderwettbewerbs im Jahre 1954 zu suchen hatten.

Kapitel 8b: Christina

Wir waren also wieder nach Hause gefahren, und mussten den Eltern und Angehörigen der dreien eine schlechte Nachricht mitteilen. Sofort war ganz Berlin in Aufruhr. Alle fragten sich gebannt, wo die drei und der Professor, der nun auch als Vermisst gemeldet wurde, hin sind.

Mittlerweile wurde angefangen nach allen zu suchen. Alles wurde abgesucht, aber niemand gefunden. Da die Polizei niemanden, der auf unsere Beschreibung passt gefunden hatte, waren sie schon kurz davor sie einfach aufzugeben.

Überall in den Medien wurde von der Suche nach dem Kindern berichtet, aber weder deutsche noch britische Behörden hatten wenigstens einen Hinweis darauf, wo sie sich befinden könnten.

Eines Tages stürmten zwei Polizisten plötzlich in unsere Klasse, 8e. Der Chemie-Unterricht wurde unterbrochen, worüber ich im Übrigen eigentlich ganz froh war. Sie fragten uns einige unwichtige Sachen. Als dann aber eine Frage kam, mit der ich nicht gerechnet hatte, hörte ich zu: „Wo wurden die Kinder das letzte Mal gesehen?“  Da antwortete Frau Kreuzberg:
„Na ja… das letzte Mal im Museum…“

Kapitel 9: Edward

Und da zeigte Cassie auf ihn! Ich hätte schwören können, das ist ein Traum! Endlich hatten wir ihn gefunden! Der Professor starrte uns irgendwie verwirrt an… aber das würden wir auch noch hin kriegen! Jetzt war ich voll optimistisch, was unsere Reise nach Hause betraf. Ich schaute mich ein wenig um. Erst jetzt, nach all der Zeit in der wir hier waren, fand ich mal ein wenig Ruhe und Zeit mich wirklich Mal umzuschauen! Nun fiel mir auf, dass alle Leute voll altmodisch gekleidet waren! Bei manchen sah das echt ziemlich komisch aus… schwarze Hosen, Bunt-Falten-Röcke, schlichte weiße Hemden und jede Menge Jacketts, deren Ärmel einen ein wenig an Matrosen-Outfits erinnerten.
„Nachdem nun auch unser letzter Teilnehmer auf der Bühne steht, wollen wir doch beginnen!“, hörte ich da einen der Juroren sprechen. Dann ging eigentlich alles ganz schnell. Unsere Namen wurden verlesen. Die Person, deren Name verlesen wurde, kam ein bis zwei Schritte nach vorne und verbeugte sich vor den Juroren und dem Publikum und ging danach wieder zurück zu seinem ehemaligem Platz. Wir packten uns bei den Händen um gemeinsam nach vorne zu schreiten. Wir verbeugten uns und traten immer noch Hand in Hand haltend zurück. Das rührte unsere Zuschauer zutiefst. Wahrscheinlich hatten sie noch nie solche jungen „Erfinder“ zu sehen bekommen.

Jeder Teilnehmer stellte seine Erfindung vor. Wir waren an der Reihe und Leander fing an zu plappern: „Wir haben nach einigem tüfteln das Handy erfunden. Dieses Gerät kann mit anderen Leuten, die auch eins haben Kontakt aufnehmen. Man kann damit telefonieren, also sich damit unterhalten, egal, wo die andere Person ist.“ Ein Raunen ging durch die Menge. Niemand wollte so recht glauben, dass es stimmt, was Leander sagte. Nach einer kurzen Kunstpause fuhr Leander fort: „Man kann damit jemandem eine Nachricht schreiben, ohne dass sie jemand überbringen muss. Außerdem kann man damit Musik hören und noch vieles mehr!“
Unsere fiesen Gegner, die Leander vorhin schon ausgelacht hatten, fingen damit schon wieder an.

Plötzlich rief jemand durch den Saal: „Das soll wohl ein Scherz sein! Ihr wollt doch nicht ernsthaft behaupten, dass ihr so etwas erfunden habt!“ Leander. Knall rot. Kurz vor einem Wutausbruch. Er schnappte schon nach Luft, um los zu brüllen, als ich ihm etwas heftig in den Arm zwickte. Doch er schien dankbar dafür zu sein, denn sein irrer Blick schien sich wieder einigermaßen zu beruhigen. Doch das war nicht immer so… Früher verstand ich mich überhaupt nicht mit ihm - und stand total auf Edwards wunderschöne Augen. Wir waren auch mal zusammen, doch das hielt nicht lange, da er immer versuchte, mit mir anzugeben. Ja. Edward war halt nicht so beliebt und kein allzu großer Mädchenschwarm, wie Leander. Also nutzte er mich aus, um noch beliebter zu werden. Doch da wusste ich ja nicht, dass Leander mich auch mochte. Sogar mehr als nur mochte. Eines Tages war ich gerade auf dem Weg zum Kunstraum, als Johanna und Christina zu mir kamen und meinten, es hätte eine riesige Essensschlacht gegeben. Ich war extrem verwundert und dachte, das sei ein gut gemeinter Scherz, doch als sich am nächsten Tag so einige Gerüchte breit machten, wurde ich doch misstrauisch. Was war nur passiert? Diese Frage stelle ich mir heute immer noch.

Da drängte sich auf einmal eine Stimme in mein nachdenkendes Unterbewusst sein und ich war wieder an Ort und Stelle, weit, weit weg von meinen Gedanken, nur an eins musste ich immer noch denken, auch als Leander unseren Vortrag hielt. Freunde. Nichts weiter als gute Freunde?

Kapitel 10: Christina

Und so machte sich die ganze Klasse wieder auf „Klassenfahrt“ nach London. Auf den Weg zum Museum in London. London. Der Ort des Schreckens. Der Ort, an dem drei meiner Mitschüler spurlos verschwunden sind. Einfach so. Wie vom Erdboden verschluckt. Einfach weg…
Das machte der gesamten 8e sehr zu schaffen, dass so was von uns verlangt wurde. Selbst unsere Parallelklassen bekamen Bange, als sie hörten, dass wir schon wieder eine Woche fehlen würden.

Doch eins war klar. Frau Kreuzbergs Wort war Gesetz.
Und ebenfalls das der Polizei. Nun saßen wir also wieder einmal im Bus. 12 Stunden Fahrt. Langeweile und Schrecksekunden, durch Erinnerungen, ohne Ende. Ich holte mir mein Buch raus und fing an zu lesen. Alle versuchten sich irgendwie zu Beschäftigen und vor den dunklen Gedanken zur Reise des Tatortes abzulenken. Es schien manchen auch wirklich gelungen zu sein. Nur mir irgendwie nicht. Ich hatte immer noch voll schiss.

So ging es die ganze Zeit. Manche lasen, hörten MP3 Player, manche quatschten mit ihren Sitznachbarn und manche schliefen einfach so ein. Wurden durch ihre Gedanken hin in Albträume verfrachtet und hatte einen sehr unruhigen Schlaf. Und langsam merkte ich, dass auch ich immer müder und müder wurde. Irgendwann fielen auch mir die Augen zu und auch ich bekam einen etwas unangenehmeren Traum zu spüren...

Kapitel 11: Christina

Als ich schweißgebadet, vor Hitze und mit Blutverschmiertem Mund aus meinem Tiefschlaf gerüttelt wurde, war ich so müde, dass ich am liebsten weiter geschlafen hätte. Doch der metallische Geschmack von Frischblut war einfach zu ekelig, um ihn zu ignorieren und einfach weiter zu schlafen. Außerdem war diese elendige Hitze ebenfalls kaum noch auszuhalten.
Langsam begann ich das Geschehen rund um mich herum richtig wahr zu nehmen. Aus verschwommenen Stimmen und eigenartigen Lauten wurden nun verzweifelte Schreie, die um Hilfe ruften. Verzweifelte Schreie, die meinen Namen ruften! Und schlagartig wurde mir klar, dass etwas Furchtbares passiert sein musste!

Benommen versuchte ich meine von Blut und Schlafsand verklebten Augen zu öffnen. Urplötzlich wird mir schlecht. Ich presse mir meine Hand auf den Mund um nicht würgen zu müssen. Doch es ist zu spät. Ich erbreche mein gesamtes Abendbrot, dass jedoch nur aus einem Apfel bestand neben mich auf meine mit mir am Boden liegende Tasche. Ich schaue mich um. Denn ich bemerke, dass ich rücklings auf dem Boden liege, zusammengekauert zwischen brennendem Plastik und Stoffbezügen der Sitze. Und mir wird klar: Der Bus brennt!
Um mich herum steht alles in Flammen und giftige Gase machen sich in meiner Lunge breit. Wie eine Katze auf leisen Pfoten schlich sich die dreckige Luft durch meine Atemgänge bis hin zu meiner Lunge. Ich bekam keine Luft mehr und das einzige, was ich noch zu Stande brachte war ein elendiges Krächzen. Dann fielen meine Augen zu, alles wurde schwarz und kein Ton drang mehr zu mir durch. Kein Schrei bekam mehr meine Aufmerksamkeit zu spüren. Ich war wie weggeblasen.

Kapitel 12: Edward

Der Ansager faselte irgendwas von einem riieeesen Gewinn und davon, dass die heutigen Gewinner was echt Unglaubliches erfunden hätten. Ich machte mir Hoffnung. Da fing er auf einmal an so zu moderieren, wie es im 21. Jahrhundert immer diese ollen Moderatoren von DSDS gestalten… ÜBERTRIEBEN spannend… eigentlich sogar so schlimm, dass alle DSDS Moderatoren dagegen schon einstecken konnten! Was mir mittlerweile die Nerven raubte. Wir waren hier nun schon so lange in der Vergangenheit gefangen… und dennoch wollte man uns hier einfach nicht mehr rauslassen oder wie durfte ich das nun verstehen?! Aber gut… Aufregen brachte schließlich auch nichts mehr… also konnte ich nur zuhören, wie der in komplett royal blau gekleidete Ansager versuchte unser Gehirn auf „Numero-Uno“ zu entstalten...

"Also meine verehrten Damen und Herren, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Juroren und Jurorinnen! Lasst uns zur feierlichen Preisverleihung kommen! Lasst uns unseren neuen Nachwuchswissenschaftler preisen!", sprach er und machte eine kleine gekünstelte Sprechpause, bevor er überfreudig und mit verzogenen Gesichtsmuskeln fortfuhr, "Heute, an diesem einzigartigen Tage, sind uns mehrere geniale Wunder zugekommen!"
Ach du heiliges Brot! Jetzt kam auch noch ein Trommelwirbel dazu! Die hatten se doch nicht mehr alle an der Waffel! Nicht mehr alle Tassen im Schrank! Einen an der Klatsche!!!!!!!!!
Oder was man sonst in so einer Situation nur denken konnte! – ich meine ja gut… eigentlich bin ich hier ja der Schlauii, aber das ist jetzt ja schon Schleimerei! Also, dass der noch nicht ausgerutscht ist, ist mir echt ein einziges, riesengroßes Wunder.

Ich schaute rüber zu meiner Rechten, Cassie. Ja, es war unglaublich, aber sie lächelte tatsächlich bei dem Gedanken daran, dass irgendwelche auf wichtigtuenden Leutchen sich einbildeten, uns, aus der Zukunft kommenden Jugendlichen, beurteilen zu können. Erst jetzt fiel mir auf, wie sie mit Leander Händchen hielt! Ein Gefühl von Betroffenheit schlich sich in mich hinein und mein Herz gefror. Ich liebte Cassie. Das wurde mir jetzt wirklich klar, doch ich wollte nicht schon wieder einen Streit mit Leander anfangen! Er war doch mein bester, wenn auch Mädchen betrügender mich, seinen besten Freund, wütend machender Kumpel! Denn das nächste krasse daran war, Leander mit Cassie Hädchenhalten zu sehen, war ja, dass Leander mit Johanna zusammen ist! Was fiel dem ein, Johanna zu betrügen und ihr und Cassie das Herz zu brechen?! Doch was mich noch mehr verwunderte, war, dass Cassie anscheinend nichts von seiner Beziehung zu JoJo wusste. Unglaublich. Ich begann zu überlegen, nein wirklich ernsthaft mit mir selber zu diskutieren, ob ich Cassie nicht lieber die Wahrheit über Leander sagen sollte...

Doch was würde mir das schon bringen? -nen Haufen Streitereien mit Cassie, weil sie mir nicht glauben wird; -ne Menge Streitereien mit Leander, weil er sich verraten fühlen wird (was er dann gewissermaßen ja auch wäre); -Unruhe und vielleicht sofortig endende Freundschaften mit den beiden?

Diese Liste in meinem Kopf, voller unheilvollen, eventuell zukünftigen Tatsachen bereitete mir echt Angst! Das konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen!

Naja… egal. Jetzt wollte ich mir echt keine Gedanken über so etwas machen. Ich wandte meinen Blick von den beiden ab, die immer noch grinsend in die Menge dreinblickten und hörte weiterhin, jedoch etwas verstört, dem Ansager zu.

Kapitel 13: Christina

Als man mich auffand lag ich bewusstlos auf dem Boden des mittlerweile gelöschten Busses.  Ich habe glücklicherweise nichts weiter als ein paar Kratzer, blaue Flecken und einen gebrochenen Fuß abbekommen. Doch das war im Vergleich zu dem, was den anderen passiert war noch sehr wenig. Manche haben Rauchvergiftungen davon getragen. Doch… es gab… es gab auch… Ach! Ich kann diesen Satz immer noch nicht einmal zu Ende denken…
Doch verdrängen kann ich es auch nicht. Ich leide immer noch unter Schock. Ich bin einer der wenigen Überlebenden. Tot.

Über zwei Drittel der Klasse. Tot. Tot, tot, tot, tot. Ich konnte es immer noch nicht glauben.
Wer genau überlebt hatte… das wusste ich nicht. Doch egal, wer nun wirklich nicht mehr unter uns weilt. Traurig bin ich über jeden Einzelnen. Niemand hat es verdient zu sterben…
Wirklich Niemand. Nicht einmal unsere strenge Lehrerin Frau Kreuzberg. In so einer Situation ist jeglicher Streit vergessen. Wer in so einem Moment noch an Rache denkt... jemandem den Tod zu wünschen… so etwas könnte ich einfach nicht verstehen!

TOCK TOCK!
Es klopfte an der Tür meines Einzelzimmers. Ich sah langsam auf, zuerst sah ich ihre Beine,
die in engen, zerfetzen Röhrenjeans steckten. Ich sah weiter hoch, langsam, damit ich nicht noch einmal Ohnmächtig wurde wie im Bus. Mein Blick ging immer weiter nach oben. Über das ebenfalls zerfetzte, pinke T-Shirt und über die Herzchen Kette an ihrem Hals. Ich sah immer weiter, Stück für Stück nach oben. Nun erblickte ich ihren von langen, orangerötlichen Haaren umgebenen Kopf.

Johanna! Ich konnte es nicht glauben! Da stand Johanna doch wahrhaftig vor mir!
Kaum verletzt! Ich war so überglücklich darüber, dass Johanna unversehrt war, dass ich anfing zu weinen. Tausende von winzig kleinen, salzigen Tränen rannen mir über meine Wangen.
Ich war super glücklich!

Kapitel 14: Cassie

Nach der Begrüßung der Sabbeltasche flüsterte Leander mir etwas zu: „Ich weiß doch, dass du immer noch auf Edward stehst, Süße.“
1.Süße? Und 2. Woher wusste er das? Auf einmal, urplötzlich ergriff er meine Hand und sein Gerede ging weiter: „Lass ihn uns eifersüchtig machen! Früher oder später wird er uns zur Rede stellen, weil ich eine Freundin habe… Johanna. Das weiß er ganz genau. Und dann wird er dir seine Liebe gestehen und ihr kommt zusammen! Und ich? Ich bin mal wieder der Held des Tages! – Krasser Plan, oder?“ Ich brauchte echt viel Mühe, um nicht die Kinnlade runterklappen zu lassen… was hatte dieser Volltrottel eigentlich für Ideen?! Ich meine… Ja, klar, ich liebe Edward… wirklich, ich weiß. Aber sich da einfach so einzumischen? Na… mal sehen, vielleicht funktioniert sein Plan ja… Doch habe ich immer versucht meine Liebe zu Edward geheim zu halten… eigentlich hätte er niemals was merken dürfen! Ich setzte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck auf und grübelte… woher wusste er das?

Wie es aussah, bemerkte Leander nach einer Weile meinen fragenden Blick und erklärte mir:
„Ja, ja, ja. Es tut mir ja Leid, aber ich musste dein Tagebuch unbedingt lesen! Ich wollte einfach mal wissen, was so ein heiß begehrtes, hübsches Mädchen wie du, Cassie, in ein Tagebuch schreibt!“

Stille. Hatte er gerade wirklich gesagt, dass er mein Tagebuch gelesen hatte? Und da fiel es mir wieder ein! Ich hatte doch gewusst, dass irgendetwas aus meinem Rucksack fehlte! Es war mein Tagebuch gewesen! Ich wusste echt nicht, ob ich mich jetzt geschmeichelt und beleidigt fühlen sollte… Aber nun gut. Streiten ging jetzt nicht. Denn wir standen immer noch auf der Bühne. Mitten in der Preisverleihung.

Also setzte ich ein gespielt fröhliches Lächeln auf und achtete weiter auf den immer noch vor sich hinredenden  Mann. „Kommen wir nun zu unserem Platz 10!“, er zog die Wörter „Platz“ und „Drei“ lang, um Spannung Aufzubringen, machte mal wieder eine kurze Pause, um einen silberglänzenden Briefumschlag zu öffnen und fuhr dann fort, „Unsere Nummer zehn der besten Erfindungen 1956 geht an… Samantha Willow und ihre …“ Wie ich halt so bin habe ich ab da nicht mehr zugehört. Ich bin einfach zu unaufmerksam. Das war ich schon immer. Wie in der Museums Führung. Nie bin ich fähig zuzuhören. Aber egal… so wichtig kann es ja gar nicht gewesen sein… obwohl. Woher will ich das schon wissen?

Jedenfalls waren wir als ich meine Lauscher das nächste Mal spitzte schon bei der Verkündung von Platz 1. Entweder haben wir es tatsächlich auf den ersten Platz geschafft, oder wir waren nicht in den Platzierungen mit inbegriffen…

Angespannt warte ich auf die Verkündung. Davon hängt unsere Zukunft ab. Aber wieso sollte ich Zweifel haben? Wo wir doch eine so technische Erfindung haben… Allerdings sitzt der Professor in der Jury. Und wir treffen ihn nur und dürfen uns mit ihm unterhalten, wenn wir gewinnen.

„Und Platz 1 der 10 besten Erfindungen des Jahres 1956 geht an...

Kapitel 15: Cassie

Ich war so gespannt, wer nun gewinnen würde! Doch der Moderator musste natürlich erst einmal den Umschlag öffnen… „… Justin und Martha Mc Clay!“
Er brüllte die Gewinner aus seinem Munde heraus. Doch… wir waren es nicht! Ich konnte es einfach nicht fassen und schaute mich entsetzt um… da bemerkte ich es. Ich weinte. Ich weinte, weil nun meine ganze Zukunft den Bach runter ging. Wie und ich wiederhole gerne: Wie sollen wir es jetzt noch nach Hause schaffen? Ich war am Verzweifeln. Nun stand ich hier oben auf der Bühne und weinte. Ich weinte, weinte und weinte. Ich war nicht mehr zu retten. Leander sah mich mitleidig an und drückte meine Hand. Doch auch sein Trost brachte mir jetzt nicht mehr viel.

Leander ließ meine Hand los. Edward kam zu uns herüber und es begann ein Gruppenknuddeln. Jetzt waren wir so weit, dass wir alle drei weinten. Wie es aussah bekam der Moderator Mitleid mit uns und stolzierte über die knarrenden Bretter der Bühne. Er drückte uns alle noch einmal ab und wünschte uns eine schöne Zukunft.

Ja klar dachte ich. Genau DAS werden wir jetzt nicht mehr haben! Doch wir konnten es nicht ändern… Wir mussten jetzt tatsächlich nach vorne blicken. Nach vorne blicken in die Zukunft einer Vergangenheit! Wie absurd das klang… doch ja, ändern konnte ich es nicht. Also nahm ich es hin und machte mich zum gehen bereit.

Edward ergriff das Wort: „Ach, Freunde! Ihr dürft niemals aufgeben! Ich weiß, dass ich diesen Satz schon einmal erwähnte… aber das ist nun wirklich das einzige, was uns in diesem Moment helfen kann!“ „Nun gut“, wechselte Leander nun das Thema, „Wie wäre es, wenn wir einfach mal diese Bühne verlassen, nach draußen gehen und Miezi suchen?“
„Aber natürlich!“, stimmte ich erstaunt mit ein, „Unser armes kleines Kätzchen hatte ich ja schon ganz vergessen!“

Und so machten wir uns auf den Weg. Leander ging vor. Dahinter folgten ich und Edward.
Über die quietschenden Holzdielen, die schwarze Marmortreppe, vorbei an all den uns immer noch auslachenden Menschen. Mein Blick galt Leander, der schon wieder mit geballten Fäusten und hoch rotem Kopf durch die Menge glitt. Doch dieses Mal scheint er sich zu beherrschen. Also schreiten wir weiter durch den nicht enden wollenden Raum voller nervenaufreibender Leute. Wir erreichten nun endlich den Ausgang, erwischten durch die Tür nach draußen und suchten nach unserem Kätzchen. Doch vergebens. Nirgendwo war sie aufzufinden! Schlimmer konnte dieser Tag ja wohl kaum noch werden!

Wir suchten und suchten sehr lange. Und tatsächlich da! Endlich! Drei Blöcke weiter haben wir sie wieder gefunden! Ich war schon den Tränen nahe und konnte es kaum glauben!
„Miezi!“, quietschte ich vergnügt und sie sprang in meine Arme. So kuschelig wie immer! Als hätte ich etwas anderes erwartet... Es kam mir jetzt schon vor wie eine Ewigkeit, Miezi das letzte Mal in den Armen gehalten zu haben! Ich kuschelte mich in ihr plüschiges, flauschiges, graues Fell. Mein Gesicht liegt federweich gebettet auf ihrem Rücken, als wir auf einmal von hinten angesprochen werden.

Oh mein Gott! „H-H-H-Herr Pr-pr-professor!“, Edward klappte die Kinnlade runter, was ihn irgendwie süß erschienen ließ. Ich errötete bei dem Gedanken daran und drehte mich schnell weg, in Richtung Professor. „Oh, Herr Professor! Was treibt sie denn in unsere Richtung?“, fragte ich ein wenig übertrieben gewählt und starrte ihr immer noch ein wenig entgeistert an.
„Ich… ähm… ich habe mich gefragt, wie… also nun wie ihr eigentlich ins Jahr 1956 gekommen seid.“ Der Professor hatte gerade erst über die Lippen gebracht, was er uns fragen wollte, als Leander auch schon sofort erwiderte: „Aber Herr Professor! Was reden sie denn da?“
So empört, wie Leander dabei klang… ich war geschockt! Was redete er denn da? Wir wollten nach Hause! Und der Professor war unsere einzige Chance! Also erwiderte ich: „Leander, ist schon gut. Er kann uns helfen!“ und stupste ihn mit dem Ellbogen an.

Leanders Gesichtszüge entspannten sich und ich redete weiter: „Könnten sie uns vielleicht helfen, zurück ins Jahr 2012 zu kommen?“ Der Professor grinste mich breit an und meinte nur: „Also zuerst, nennt mich Harro! Und klar, kann ich das! Deshalb bin ich ja auch zu euch gekommen! Ich selber möchte auch gerne wieder nach Hause…“ Da ergriff Edward voller Neugierde das Wort: „Ähm… ich weiß nicht, ob es sich vielleicht nicht gehört dir, Harro diese Frage zu stellen… aber, wieso bist du eigentlich hierher gereist?“
„Ähm… das hat persönliche Gründe…“, mehr wollte uns Harro anscheinend nicht sagen. Aber gut, man kann ihn ja zu nichts zwingen. Immerhin kamen wir jetzt wieder nach Hause!
Und unsere Zukunft war doch noch gerettet worden! Ich war wieder überglücklich und die Momente des Trauerns schon vergessen!

„Aber wieso seid ihr eigentlich hier? Und wie lange schon?“, fragte Harro uns, nach kurzer Redepause. Und wir berichteten ihm, was wir in all dieser Zeit so erlebt hatten. Von Leanders versehen, über den Fang eines Verbrechers bis hin zu unserer Handy Idee auf dem Erfinderwettbewerb.

Kapitel 16: Christina

Johanna verbrachte noch Stundenlang bei mir auf dem Krankenzimmer, nachdem wir eine Runde durch das Krankenhaus gewandert waren. Wir schauten uns um und merkten bald, wie Recht die Ärztin doch hatte! Viel zu viele Mitschüler waren verstorben! Die Kreuzberg jedoch hatte überlebt… doch das konnte man ihr nicht übel nehmen. Aber, wenn man so über die Station nachdachte, war immer noch genug Grund zum Weinen da. Und das taten wir auch.
Wir waren mittlerweile auf dem Zimmer und weinten bittere Tränen. Viele waren gestorben. Viele Freunde. Und wir trauerten tatsächlich über jeden Einzelnen. Josh war tot, ebenso wie der tapfere Alex, die hübsche Leila aus Cassies Clique, der verrückte Laney, die schlaue Sahra, der freche Kyle, der Franzose Jaques und die schüchterne Stella. Sie alle waren tot. Weg für immer!

Ich weinte und weinte, als plötzlich eine Durchsage per Lautsprecher kam: „Es tut mir sehr leid es mitteilen zu müssen, aber“, das war die zittrige Stimme der Chefärztin. Dass sie diese Durchsage durchführte konnte ja schon mal nichts Gutes bedeuten… also lauschte ich weiter ihren Worten: „…aber ich muss ihnen sagen, dass wir leider die Leben ein paar weiterer Menschen verloren haben. Ich –..“ Auf einmal brach ihre Stimme ab und ein leises Wimmern war aus den riesigen Lautsprechern zu hören. „Oh nein!“, war das einzige, was so ziemlich das ganze Krankenhaus herausbrachte. Es gab noch mehr Tote! Das durfte einfach nicht wahr sein. Doch es war es.

Dann, urplötzlich ging die Durchsage weiter: „Ich…-ach! Es tut mir zutiefst Leid! Wir haben auch noch versucht jeden Einzelnen zu reanimieren. Aber vergebens. Es gibt 4 weitere Tote.
Klarissa McDraw, Jeffrey Klinter, Lucie Jeyson und Paul Wedney.“

Ich hörte irgendwo auf der Station jemanden ebenfalls schluchzten, jammern und weinen. Ich nahm an, es ist Sandra. Sie war mit Jeffrey zusammen. Doch jetzt war er von uns gegangen. Ich konnte es nicht glauben. Die einzigen Überlebenden waren Johanna, Lena, Jessie, Michaela, Sam und ich!

Ich war überwältigt von dieser Neuigkeit, ebenso wie Johanna. Wir ließen ein weiteres Bett für Johanna in mein Zimmer bringen. Wir legten uns eine Runde hin und schliefen erst einmal unseren Frust weg.

2 Kommentare

Joanna am 5. März 2017

Schreib bitte eine Fortsetzung! Ich finde dein Schreibstil toll und die Geschichte auch.

Plimaus am 31. Dezember 2015

Du musst unbedingt eine Fortsetzung schreiben... *_* Dein Schreibstil ist toll, du kannst gut traurig schreiben... Ein dickes Lob von mir