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Saphir

Erde im Jahr 3156. City under glass

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Es war spät. In der gläsernen Stadt wurde das Licht langsam gedimmt. Schön langsam, möglichst naturgetreu. Damit die Menschen nichts merkten. Damit sie nicht merkten, dass sie in einer stählernen Stadt unter einer Glaskuppel lebten und künstlichen Sauerstoff zum Atmen bekamen. Aber das hatten sie auch sich selber zuzuschreiben. Die Menschen hatten die Luft verdorben, die Natur, die Gewässer. Die Tiere waren gestorben. Die wenigen Menschen,
die unter der Kuppel waren, waren vermutlich die einzig Überlebenden.
Es war kein Sauerstoff mehr in der Luft.

Auf der Stahlstaße, am Rande der City, hielt eine Shuttlekapsel aus Glas. Ein etwa vierzehn-jähriges Mädchen mit roten Haaren und dunklen Augenringen stieg aus. Sie sah müde aus.
Sie schaute auf ihr Pad und lief schneller.
Noch etwa eine Stunde, dann würde das Licht vollends erloschen und die Stadt unter der Kuppel würde nur noch von einigen wenigen Lampen erleuchtet sein.
Das Mädchen sollte ihrer Großmutter Sauerstoff bringen. Sauerstoff konnte man kaufen,
in kleinen, praktisch zu tragenden Mikroflaschen.
Die Großmutter des Mädchens wohnte außerhalb der Kuppel. Sie gehörte zu den wenigen Menschen, die sich unter Kuppel nicht wohl, sich gefangen fühlten. Sie hatte einen eigenen Sauerstoffrecycler für das Haus. Nur für das Einkaufen und zum Spazierengehen brauchte sie Sauerstoff in Flaschen. Dass sie außerhalb wohnte, hatte den Nachteil, dass man ihr oft Flaschen bringen musste. Das Mädchen schaute zum gläsernen Kuppeldach und lief schneller.

Das Mädchen wurde beobachtet. Ein schwarz gekleideter Mann stand hinter einer Säule und beobachtete sie. Der Schwarzgekleidete kannte die Großmutter des Mädchens.
Er hatte eine Gabe, wie 10 Prozent der Bevölkerung unter der Kuppel. Keiner wusste,
warum und wodurch diese Gaben entstanden. Durch die Strahlen?
Der Mann konnte seine Gestalt wechseln
Und der Mann würde zuschlagen. Er würde sich rächen.

Es wurde immer dunkler in der Stadt. Das Mädchen eilte weiter. Es war zu spät. Sie durfte nicht so spät draußen sein.
War da ein Schatten? Nein, wieso sollte sie jemand aus der City verfolgen sollen. Und die aus dem Untergrund... die waren abgetaucht. Alles war friedlich unter der Kuppel.
Nein, wieso sollte sie jemand verfolgen. Sie ging schneller, rannte fast.
Sie schrie nicht, als sie von hinten der Strahl eines Tasers traf. Langsam sank sie zu Boden.

Der Schwarze stieg über sie hinweg. Er würde sich rächen.

Aber auch der Schwarzgekleidete wurde beobachtet. Ein groß gewachsener Mann, um die vierzig Jahre alt, sah das Mädchen zu Boden sinken. Besorgt schaute er in ihre Richtung.
Dann stieg er, hinter dem Schwarzen, in die Kapsel, die in die Stadt außerhalb fuhr.

Das Mädchen kam langsam zu sich. Das einzige, woran sie sich erinnern konnte, war ein greller Lichtblitz und eine dunkle Gestalt. Was wollte der dunkel gekleidete Fremde von ihr?
Warum hatte er sie nicht ausgeraubt? Wollte er zu ihrer Großmutter? Das Mädchen musste dort hin. Sie raffte sich auf und stieg in die nachfolgende Shuttlekapsel.

Der Mann in Schwarz ging die Straße von der kleinen, verwahrlosten Stadt, außerhalb der Kuppel, wo die Menschen nur mit Sauerstoffflaschen vor die Tür gehen konnten, hinunter.
Er wusste, was sein Ziel war. Das letzte Haus der Straße. Nichts stand ihm mehr im Weg.
Er würde sich rächen. 100 Meter hinter ihm ging der andere Mann. Als der Dunkle leise die Tür des letzten Hauses öffnete und hinein ging, stellte er sich in den Hauseingang.

Das Mädchen hastete die Straße entlang, die Sauerstoffmaske fest aufs Gesicht gepresst. Da war das Haus. Das letzte der Straße. Sie wollte hastig die Tür öffnen, als eine Hand sie am Arm packte und in den dunklen Hauseingang zog. Sie wollte schreien, doch der Fremde, der sie festhielt, zog ihr die Sauerstoffmaske vom Gesicht.
Sie rang nach Luft. Ihre Lunge glühte. In der Luft war nichts – kein Sauerstoff zum Atmen.
Sie fing an, in wilder Panik an der Flasche zu reißen. In Todesangst schlug sie auf den Mann ein. Gleich würde sie ohnmächtig werden...
Der Mann packte ihren Arm und setzte ihr die Maske auf. Zitternd sog das Mädchen den Sauerstoff ein und ließ sich auf den Boden sinken.
„Du musst still sein!“, flüsterte der Mann unter seiner Sauerstoffmaske.
„Der Mann in Schwarz wird deine Großmutter umso schneller töten, wenn du laut bist!“
Entgeistert schaute ihn das Mädchen an. Gerade eben hatte der Mann sie selber fast umgebracht und nun wollte er ihre Großmutter retten? Sie wollte aufstehen und davon laufen aber der Mann packte sie und zerrte sie wieder auf den Boden.
„Du musst mir vertrauen!“, zischte der Fremde eindringlich „Ich bin ein Freund. Hör zu!
Der dunkle Mann ist dort drinnen. Er will deine Großmutter töten. Ich beobachte ihn schon länger. Er ist nicht er selber. Er ist besessen von einem Geist der vielen Feinde deiner Großmutter“
„Meine Großmutter hatte Feinde? Das ist nicht wahr. Sie ist eine alte Frau, ein bisschen verrückt vielleicht, die hier alleine lebt! Sie hat doch keine Feinde!“ Wer war dieser Mann?
Er seufzte. „Deine Großmutter hat dir nichts erzählt, nicht wahr? Du bezeichnest deine Großmutter als verrückt?“ Er lachte ungläubig „Sie arbeitete gegen die Obrigkeit und wusste zu viel. Der Geist im Körper des Mannes starb im Kampf gegen sie. Er ist wahnsinnig. Er will Rache.“ Das Mädchen schaute skeptisch. Sie vertraute diesem Mann nicht.
„Meine Großmutter ein Rebellin?“
„Die Anführerin“, sagte der Fremde. „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Dieser Mann wird sie töten, wenn wir noch länger warten!“

Der Schwarzgekleidete hatte die Gestalt des Mädchens angenommen und trat langsam zu der alten Frau die auf einem Stuhl saß und über ihrem Pad brütete. Ihre Augen leuchteten auf, als sie das Mädchen erkannte. Der Mann in Gestalt des Mädchens sagte kein Wort.
Langsam ging er auf die alte Frau zu und setzte ihr ein Messer an den Hals.
Die alte Frau war verwirrt. Panische Erkenntnis flackerte in ihren Augen auf, als der Mann seine wahre Gestalt an nahm. „Luco“, flüsterte sie „du hast es geschafft, in einen Körper zu gelangen“ Es war keine Frage. Die alte Frau schloss die Augen.
„Rache!“, flüsterte der Mann. Seine Augen glühten vor purem Hass. „All die Jahre... und nun... Ich werde mich rächen. Du bist am Ziel angelangt. Du hast die Obrigkeit gestürzt... und mich getötet... und nun...Rache tut so gut“ Ein teuflisches Lächeln glitt über sein Gesicht.
„Auf Wiedersehen“, flüsterte er beinahe zärtlich. „Auf Wiedersehen, Laja“
Er wollte gerade zustechen, als die Tür aufflog.
Der Mann hielt inne und die Frau schlug die Augen auf „Sija! Oreon!“, rief sie.
Der Dunkle blickte erstaunt von dem Mädchen zu dem Mann.
„Nun, das erschwert die Sache ein wenig aber ich werde mich rächen und wenn ich dabei sterbe!“, stieß er durch die Zähne hervor. „Ihr kommt zu spät!“
Abermals wollte er zustechen. Dem Mädchen entfuhr ein Schluchzer.
Plötzlich sank der dunkle Mann zu Boden, er sackte einfach weg, wie von einer unsichtbaren Keule getroffen.
Die alte Frau erhob sich von ihrem Stuhl.
„Danke Oreon. Das war knapp“, bemerkte sie mit zitternden Knien.
„Was ist passiert?“, rief das Mädchen verstört aus „Wer ist dieser Mann? Was wollte der Dunkle von dir und warum hat er mich niedergestreckt? Du arbeitest gegen die Obrigkeit? Wieso?
Und warum fiel der Mann einfach um?“ Sie schrie fast.
Die alte Frau tauschte einen müden Blick mit dem Mann.
„Kind“, sagte sie „Kind“ Ihre Stimme sackte ab. „Komm her.“
Das Mädchen sank in die Umarmung ihrer Großmutter wie ein kleines Kind.
„Der dunkle Mann war besessen von einem Geist und wollte mich umbringen. Er benutzte dich dazu, um zu erfahren wo ich wohnte.
Ich arbeitete lange gegen die Obrigkeit, das ist wahr. Seit meinem zwanzigsten Lebensjahr setzte ich mich gegen die damalige Regierung ein. Vor zehn Jahren stürzten wir die Regierung. Nun ist alles gut. Es gibt einen neuen Präsidenten mit dem wir in Frieden leben können.
Dieser Mann hat die Gabe einen Feind zu töten ohne ihn zu berühren. Er braucht dazu seinen vollen Geisteseinsatz. Er hat mir das Leben gerettet. Mein Sohn!“
Der Mann lächelte die alte Frau voller Wärme an.
Das Mädchen schaute den Mann entsetzt an. „Dieser Mann ist mein Onkel?“, rief das Mädchen.
„Kind“, sagte ihre Großmutter beruhigend. „Dieser Mann... er ist dein Vater“
Das Mädchen sagte nichts. Zitternd schaute sie den Mann an. Nein. Das konnte nicht sein
„Dieser Mann ist mein Vater?“, rief das Mädchen verstört. „Großmutter! Mein Vater ist tot.
Er ist verschollen! Vor fünf Jahren verschwand er!“
„Ich tauchte unter“, fing der Mann an „Ich wurde gesucht von der Regierung. Es war das Beste für euch beide, glaub mir! In den letzten Jahren habe ich deine Mutter und dich so vermisst. Aber es war das Beste. Sie hätten euch gegen mich eingesetzt. Sie hätten euch als Geiseln genommen und vielleicht gefoltert!“ Seine Stimme brach ab. „Kannst du mir das verzeihen?“, fragte er das Mädchen, fast flehend. „Du musst mir glauben. Ich tat es aus Liebe zu euch beiden“ Er sah plötzlich sehr erschöpft aus.
Das Mädchen schaute den Mann an. „Du bist mein Vater“
Dann wurde alles schwarz.

Als sie wieder aufwachte, fand sie sich in den Armen ihrer Mutter wieder. Sie lag auf einer weichen Matratze in einem Zimmer der Großmutter.
Ihre Mutter strich ihr sanft übers Haar. „Dein Vater hat mir alles erzählt. Sija, wir sind eine Familie. Dein Vater ist wieder da. Er liebt uns! Ich weiß, es ist nicht einfach für dich... aber wärst du bereit, noch einmal anzufangen? Sija, ich bin so glücklich. Dein Vater ist zurückgekehrt!“
Ein paar Tränen rannen der Mutter die Wange hinunter.
Der Mann, der der Vater des Mädchens war, kam ins Zimmer und umarmte sie alle beide.
Das Mädchen schmiegte sich in die Arme ihrer Eltern.
Auch ihr rann eine Träne übers Gesicht. „Vater“ sagte sie zu ihrem Vater.
Er schaute sie an und lächelte.

4 Kommentare

schwefelfell am 11. Juli 2017

Kennst du "Breathe"? Ist im Prinzip auch wie deine Geschichte, also dass die Menschen unter einer Glaskuppel leben

Leseratte am 17. Mai 2017

Diese Geschichte ist ECHT gut! Nur manchmal sind son klein bisschen Unregelmäßigkeiten im Rytmus, aber sonst echt toll geschrieben! Schreib auf jeden Fall weiter!

Saphir am 10. Juli 2014

oooooh danke

joem am 9. Juli 2014

echt ne coole Geschichte!!!!! em liebt Fantasygeschichten!!! Jo mag sie eher nicht so gern.... aber diese.... phänomenal