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Joanna

Flammenherz

Hallo Insa, hi ihr alle. Das ist die zweite Kurzgeschichte, die ich auf Deutsch schreibe. (Dem Anfang von dem ersten habe ich auch geschickt. Danke fürs Reinstellen, Insa! ) Noch ist diese Geschichte nicht fertig, aber ich werde mehr schicken, wann es mehr gibt. Entschuldige mich bitte für die Rechtschreib/Gramatik Fehler.

Über ein paar Komentare wurde ich mich freuen…

Viel Spaß beim Lesen!

Ich erinnere mich nur an verschwommene Bilder von dem Feuer, das meine Eltern verschluckt hat.

Die Flammen, die meine Hände gierig leckten. Der Rauch, der meinen Atem stahl. Meine verzweifelten Schreie für meine Eltern, die nicht kamen. Der Beton der Straße, wogegen meine Schulter prallte.

Die Dunkelheit, der von alle Seiten auf mich zukroch.

Ich sitze jetzt am Esstisch, umgeben von anderen Waisenkindern.

Sie essen.

Ich versuche den Kloß in meinem Hals runterzuschlucken.

Jemand fragt mich etwas, aber es ist mir egal, was sie mich fragen.

Mir ist alles egal.

„Nein danke.“  Leid macht erwachsen, sagen sie. Aber meine Stimme ist so hoch wie die eines verzweifelten Erstklässlers.

Jemand bedient sich an meinem Kartoffelpure. Ich sehe, wie einige Kinder mich beobachten und versuchen dabei nicht aufzufallen.

Deshalb fallen sie mir auf.

Die älteren tuscheln miteinander und werfen verstohlene Blicke in meine Richtung. Sie wollen einander nicht zeigen, wie viel Angst sie vor mir haben, deshalb spotten sie. Trotzdem fürchten sie sich.

Ich sehe es aber in ihren Augen.

Die kleinen Kinder fürchten sich auch. Sie verstecken es nicht und zappeln auf den harten Plastikstühlen herum.

Aber wie ich aussehe ist mir egal.

Meine Arme sind fast bis zu meinen Ellenbogen verbrannt. Krieg herrscht auf meinem Gesicht, als ob ich aus Wachs wäre und es einfach geschmolzen ist.

Egal.

Ich spüre die Flammen noch auf meiner bloßen Haut, wie sie ihren tödlichen Tanz fröhlich ausführen.

Komm, tanz mit! Du gehörst uns.

Du gehörst uns…

Du gehörst…

Du…

Du…

… uns.

Vor meinen Augen tanzen die Flammen noch.

So schön.

So munter.

So viel Trauer.

Ich schiebe den Stuhl zurück und gehe zur Tür.

Meine Schritte hallen.

Die wenigen Meter kommen mir wie eine Ewigkeit vor.

Ein Fuß vor den anderen.

Ja, so geht’s.

Links. Rechts. Wieder links. Ich stolpere. Links. Rechts.

Nur noch ein paar Schritte!

Links. Nochmal rechts.

Meine Schuhe fühlen sich bleischwer an.

Oder meine Füße. Es ist mir ja egal.

Die Tür lässt sich langsam öffnen. Der klebrige Griff ist kalt.

Kalt wie der Tod.

Ein Wunsch nach Rache durchströhmt mich, und meine unsicheren Schritte hören auf. Der Tod hat sie genommen. Er wird das noch bereuen.

Ich laufe die Treppen hoch, ein, zwei, drei Stockwerke, und stoße die Tür zu meinem Zimmer auf.

Nun weiß ich, was zu tun ist.

Ich werde den Tod finden, selbst wenn es mein Leben kostet.

Ich werde meine Eltern zurückholen.

Die Fensterscheibe gleitet lautlos nach oben. Ich blicke mich nochmal in meinem Zimmer um, falls ich etwas vergessen habe.

Nein.

Ich setze mich auf die Fensterbank und gleite genau so leise nach draußen.

Die Fliesen sind glatt und kühl unter meinen Füßen. Sie spiegeln das Mondlicht, aber ich bin Nichts, nichts als ein Schatten, der gebeugt über die Dächer huscht.

Hier bin ich in Sicherheit. Unten in einer Gasse singen einige Betrunkene. Ich höre, wie Glas zersplittert. Hier kommen sie an mich nicht ran.

Hoffentlich.

Das Meer aus Dächern kommt mir unendlich weit vor.

Ja, das ist es. Ein Meer.

Ich bin das Segelschiff, das über die Wellen gleitet.

Unter mir schlafen die Fische.

Über mir funkeln die Sterne.

Als Kleinkind hatte ich davon geträumt, einen Stern zu besitzen. Jetzt nicht mehr.

Sie sind aus Feuer. Riesige Feuerbälle.

Ich hasse sie.

Nun ist das Meer zu Ende, den Strand habe ich erreicht, ich muss nur den Anker setzen. Meine Schulter pocht, als hätte sie ihr eigenes Gedächtnis. Als ob es sich an den Sturz noch erinnerte.

Heute springe ich nicht. Heute brenne ich auch nicht.

Stattdessen klettere ich von dem Dach hinab auf ein Auto, von da an ist es ein Kinderspiel.

Meine Reise an dem silbernen Fluss entlang fühlt sich wie ein Traum an. Der Mond, im Wasser gespiegelt, die weißen Wolken, die mein Atem bildet, das gefrorene Gras, das unter meinen Stiefel knirschte.

Ich ging weiter, bis ich den Wald erreichte und zu den dunklen Kronen der Bäume hinaufstarrte. Der Wind wehte durch die Äste und ich hätte schwören können, dass sie meinen Namen flüsterten.

Fiamma…

   Komm…

Fiiiaaamaaa…

  Zu uuuns…

„Das bildest du dir nur ein. Weder Bäume noch der Wind können sprechen! Und woher sollen sie deinen Namen kennen?“ Na toll, nun rede ich mit mir selbst.

Meine Stimme ist klein und verloren zwischen den riesigen Bäumen, und statt mich mutiger zu fühlen habe ich ein unangenehmes Gefühl.

So, als ob jemand sich hinter einem Baumstamm versteckte und mich beobachtete.

Als ob die Bäume mich belauschen. Und lachen.

Wie wenig du weißt.

Wie doof du bist.

Dachtest, wir könnten nicht sprechen?

Dass wir tot sind, wie deine Eltern?

„Ihr könnt nicht reden! Und ich werde meine Eltern züruckholen!“ schreie ich in die Nacht.

Aber der Nebel verschluckt meine Wörter.

Ich spüre, dass es eine schlummernde Bestie ist, ein Ungeheuer, das sich nun schläfrig mit mir unterhält.

Und wie willst du das anstellen? Noch nie hat ein kleines, unwichtiges Nichtsnutz das geschafft. Nicht einmal der mächtige Orpheus hat das hingekriegt… aber wie schön der spielen konnte!

Ich stolpere rückwärts und kralle meine Hände in die Rinde eines Baumes… Warte.

War ich nicht gerade am Waldrand?

Der Nebel ist überall, es bewegt sich, und es dämmert mir, dass er lebt.

Dass er mit mir spricht.

Dass ein Ast mit entsetzlicher Geschwindigkeit auf meinen Kopf zubiegt, aber es ist zu spät.

Und der Wald lacht.

Kommentar

Fjalra am 28. März 2017

Wow, gute Geschichte! Ich mag deine Ausdrucksweise sehr, auch in deinen anderen Geschichten! Wie heist denn der 1. Teil?