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Felicitas Nicholls

Kein M zu viel

Hey, ich wollte den Anfang meiner Geschichte „Kein M zu viel“ auf dieser Seite veröffentlichen. Das letzte mal, als ich hier etwas gepostet habe, ist jetzt schon mehr als vier Jahre her.

Marion

Ich weiß nicht, welcher Idiot von Arzt unserem Vater sagte, er sei zeugungsunfähig, aber offensichtlich war es kein besonders guter Arzt. Wie sich herausstellte, war unser Vater mehr als einfach nur zeugungsfähig, schließlich zeugte er uns alle drei auf einmal. Mich - Marion, die Gemeine, Maja, die Kluge und Mai, die Schöne. Das sind wir, die drei M’s. Die es eigentlich nicht geben sollte, aber es gibt uns und das macht das Leben weiß Gott nicht leichter. Ihr wollt wissen, warum ich die Gemeine bin? Wartet ein paar Seiten ab, dann wisst ihr warum. Maja ist die Kluge von uns, weil ihre Nase immer zu in einem Buch steckt und sie gefühlt alles weiß, wirklich ALLES. Egal wie absurd die Frage auch sein mag, Maja hat immer eine Antwort parat. „Wieso haben Katzen Angst vor Gurken?“ Keine Ahnung, fragt mich nicht, aber Maja weiß es ganz bestimmt. Mai ist die Schöne. Passend zu ihrem Namen. Wir wurden am 2 Mai geboren und lieben diesen Monat wie verrückt. Im Mai hat man den Winter nur noch zart in Erinnerung, weil die Kälte verflogen ist und man schon fast im Sommer lebt. Der Mai birgt Abenteuer, Liebe und Versprechen. Der Mai brachte uns zur Welt. Es gibt keinen schöneren Monat als den Mai und niemand ist schöner als Mai, deshalb ist sie die Schöne. Schön sind wir zwar alle, weil wir alle gleich aussehen, aber Mai weiß das Beste aus sich rauszuholen. Zu dem bewegt sie sich stets wie eine Elfe, anmutig und sanft. Mai ist schön und das weiß sie auch. Sie verbirgt ihre Schönheit nicht. Im Gegenteil, sie will Model werden. Mai zieht sich gerne schöne Sachen an und liebt es, sich zu schminken, sie weiß genau, wie schön sie ist. Aber sie ist deshalb niemals eitel oder arrogant. Sie weiß, wie es ist und macht das Beste daraus. Sicher fragt ihr euch, warum ich das erzähle. Nun, ich will Schriftstellerin werden und man sagte mir, man solle nicht direkt ein Buch schreiben wollen, sondern erst einmal eine Art Tagebuch, damit man Schreibtechniken üben kann. Das ist also mein Leben, welches undenkbar ohne Maja und Mai wäre, denn sie sind mein Leben. Immer zusammen. Niemals getrennt. Uns gibt es nur zu dritt und deshalb werde ich wohl auch die meiste Zeit von uns schreiben. Marion, Maja und Mai, die drei M’s. Und weil es uns ohne den verkorksten Arzt wohl nicht gäbe, muss er natürlich erwähnt werden. Danke. Danke für alles, danke, dass du unseren Vater glauben hast lassen, er könnte keine Kinder kriegen. Ohne deinen Fehler, kein uns. Und dieses Leben ist so lebenswert, dass ich manchmal vergesse, dass es den Tod noch gibt.  Manchmal ist Vergessen besser. Und manchmal wünschte ich, es gäbe uns nicht.

Maja

Marion will, dass ich ein paar Zeilen über sie schreibe, sie sagt: „Wer viel liest, kann auch gut schreiben.“ Sie tut so, als hätte sie das Schreiben erfunden, dabei mache ich seit Jahren nichts anderes, außer Lesen versteht sich. Aber so ist Marion. Sie will jeden Tag etwas Neues, Anderes, Aufregendes. Erst will sie Starköchin werden, dann Olympia-Siegerin (dabei ist sie die unsportlichste von uns allen), plötzlich wieder Schauspielerin und jetzt eben Schriftstellerin. Wer weiß, was sie morgen sein will. Vielleicht ein Ninja? Marion hat niemals normale Ziele oder Träume. Sie denkt und lebt groß. Größer, schneller, besser. Am Ende kommt dann meistens aber nicht sehr viel bei rum und sie sitzt wieder auf dem Boden, hört Johnny Cash und malt vor sich hin. Malen ist eines der wenigen Dinge, die sie wirklich tut. Ich glaube, das liegt daran, weil es wie Atmen für sie ist. Sie braucht es und gleichzeitig denkt sie nicht viel darüber nach. Marion ist die Älteste von uns und Mai die Jüngste, ich kam zwischen den beiden zur Welt und brauchte am längsten. Auch heute noch trage ich Entscheidungen am längsten mit mir rum. Oder brauche morgens immer länger im Bad und mehr Zeit, während Marion schon wie ein Sturm davon fegt. Immer in Bewegung, immer in Eile. Als könnte es ihr nie schnell genug gehen. Außer beim Malen, beim Malen hat sie alle Zeit der Welt und Geduld wie Buddha. Auch wenn Mai die Schöne von uns ist, ist Marion doch immer die Begehrte. Ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem nicht mindestens zwei Jungs auf sie scharf waren. Aber nicht einfach dieses „du bist heiß und anziehend scharf“, sondern voller Leidenschaft und Hingabe. Marion ist Meisterin darin, Herzen zu stehlen und sie dann zwischen ihren langen Fingern zum Brechen zu bringen. Die Jungs liegen ihr zu Füßen, bereit ihr Herz zu verschenken. Aber Marion nimmt keines an und ihr eigenes Herz hütet sie wie verrückt. Vielleicht hat sie Angst davor jemanden zu treffen, der wie sie ist und Herzen einfach bricht, sobald er sie zwischen die Finger bekommt. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass sich Marion niemals verliebt. Ganz gleich wie charmant, klug und gutaussehend der Kerl auch ist, der vor ihr kniet. Ihr Herz bleibt stets verschlossen. 

Mai

Marion und Maja sagen, ich wäre die Schöne von uns, dabei sind wir alle schön, nur eben anders. Maja ist schön, weil sie verdammt klug ist und man in ihren Augen all das Wissen sieht. Vielleicht ist sie dadurch nicht jedermanns Typ, aber Männer die was im Kopf haben, werden sich in ihre Augen verlieben und darin versinken wollen. Marion ist ein Wirbelsturm, auch wenn sie sehr faul ist, ist sie doch immer voller Energie und Tatendrang, auch wenn dieser gerne mal wieder schnell im Alltag versickert. Sie bedeutet Abenteuer, für manch einen mag sie vielleicht sogar gefährlich wirken, weil sie undurchdringlich ist. Dieses Wilde und zugleich Geheimnisvolle an ihr ist wohl genau das, was die ganzen Kerle heiß macht. Sie ist unzähmbar, an ihr verbrennt sich jeder seine Finger. Aber die Jungs lieben das Feuer und deshalb lieben sie auch Marion. Sie weiß das und deshalb wartet sie wohl auch auf den Einen, der nicht nur das Feuer sieht und davon geblendet wird. Wartet auf den Einen, der durch ihre Flammen sieht. Ich glaube, dass es noch eine ganze Weile dauert, bis sie so jemand findet. Marion ist in der Liebe nicht gerade einfach. Was meine Schönheit betrifft, so ist sie recht klassisch. Ich bin sportlich dünn, habe lange Beine, die in jedem Kleid toll aussehen. Marion und Maja sagen immer, ich hätte etwas Zartes und Unschuldiges, als wäre alles an mir vollkommen rein. Ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll. Es klingt so langweilig. Als müsste man mich beschützen, als gäbe es keine hässlichen Seiten an mir. Dabei gibt es die. In Mengen. Vielleicht nicht äußerlich, aber in mir drin, da ist nicht alles schön und rein. In mir gibt es vieles, das hässlich und schmutzig ist. Nur will das keiner sehen, so wie niemand durch Marions Flammen sieht. 

2 Kommentare

Fjalra am 28. März 2017

Du kannst gut mit den Worten umgehen, finde ich. Wie geht's weiter?

Joanna am 27. März 2017

Sehr schön geschrieben! Du hast gesagt, dass das nur den Anfang von deine Geschichte ist. Kannst du mehr davon schicken? Ich wurde gerne mehr davon lesen!