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Schimmerlicht

Sonnenuntergang

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Kapitel 1

Ich hab hier die vielen Geschichten gesehen und es gab sooo viele tolle, dass ich dachte ich versuchs auch mal. Ist aber das erste Mal. dass ich eine SOLCHE Geschichte fertig schreiben will, also kann es sein, dass es hin und wieder etwas seltsam klingt oder total langweilig ist. Hoffe aber es gefällt euch trotzdem.

Mit zitternden Lidern öffnete ich meine Augen und sah in das gleißende Sonnenlicht. Ich musste einige Male blinzeln, bevor ich etwas erkennen konnte, und ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit. Über mir sah ich den Himmel, strahlend blau, ohne eine einzige Wolke. Eigentlich ein schöner Augenblick, um den Anblick zu genießen und tief durch zu atmen. Doch etwas in meinem Innern warnte mich davor.

Verwirrt von diesem Gefühl richtete ich mich auf und mein ganzer Körper fühlte sich schwer an, so unendlich schwer. Als ob mich etwas am Boden halten wolle und sich weigerte, mich los zu lassen. Meine Augen fielen beinahe wieder zu und ich brauchte unglaublich viel Kraft um sie nicht wieder zu schließen. Noch nie hatte ich mich so müde gefühlt. So kraftlos und verletzlich. Am liebsten hätte ich mich wieder hingelegt und wäre eingeschlafen. Aber dieses Gefühl, das mir etwas zuflüsterte, wie eine von Angst durchzogene Warnung, hielt mich davon ab. Hier stimmte etwas nicht.

Ich betrachtete meine Umgebung. Zu meinen Füßen erstreckte sich eine Wiese mit unzähligen Blumen die aussahen wie Löwenzahn, Klatschmohn und Butterblumen. In der leichten Brise wippten sie leicht hin und her, als tanzten sie zu einer Melodie die ich nicht hören konnte. Das Gras reichte mir im Sitzen bis zu den Schultern und die länger gewachsenen Halme kitzelten mich an der Wange. Ein riesiger Wald lag etwa zweihundert Meter vor mir, mit Bäumen, so hoch wie ich mir Riesen vorstellte, so dick, dass zwei Dutzend Leute, Hand in Hand ihn nicht umfassen konnten, und sie strahlten eine Macht aus mit der sie sagten "Wir haben mehr gesehen und gehört als ihr es euch vorstellen könnt". Sofort bekam ich einen gewissen Respekt vor ihnen, einen Respekt voller Ehrfurcht vor diesen mächtigen Gestalten.

Der Wald breitete sich zu beiden meiner Seiten aus, und als ich mich drehte und sah, dass er auch hinter mir verschlossen blieb, wusste ich, dass ich auf einer großen Lichtung sitzen musste. Wie Wächter standen die Bäume um mich herum, und über allem darüber die Sonne, die mich, so kam es mir vor, neugierig betrachtete, wie ich nach einem Weg oder einem Pfad Ausschau hielt, der mich auf die Lichtung geführt haben könnte. Doch nirgends war einer, nirgends ein Hinweis darauf woher ich kam. Als ich nochmals hinsah, bemerkte ich auch, dass da keine Fussabdrücke, keine umgeknickten Grashalme waren, die auf meine Spuren deuteten. Wieder dieses Gefühl, dieses Mal noch stärker, noch drängender, dass eine Gefahr lauerte, bis es mir die Frage einflüsterte, welche die ganze Zeit schon in mir gerufen hatte. Wo war ich?

Ich versuchte mich daran zu erinnern was passiert war bevor ich aufgewacht bin. Doch egal wie sehr ich mich anstrengte und meinen Kopf durchsuchte, die Erinnerungen wollten nicht kommen, Da war nichts außer Leere, eine kalte Wüste in der nicht mal Sand oder Staub lag. Ein leerer Raum, ohne Möbel, ohne Fenster, auch kein Spinnennetz hing in einer Ecke. Nur etwas kleines war an die Wand geschrieben, das einem jedoch sofort in die Augen stach. In roten Buchstaben stand mein Name dort. Levata.

Das einzige Stück Erinnerung das ich noch hatte. Verzweifelt klammerte ich mich an diesen kleinen Fetzen, sprach ihn immer wieder leise vor mich hin, als könnte ich es nicht glauben. Eigentlich konnte ich es auch nicht. An einem Namen hingen Erinnerungen, Bilder, Worte, Gefühle die man erlebt hatte. An meinem Namen war nichts dergleichen gebunden.

Ich heiße Levata. Wie konnte es sein, dass ich mich an nichts anderes erinnerte? Was war mit mir passiert? Hatte ich überhaupt eine Erinnerung? Ein Meer aus Fragen durchflutete mich und verschluckte alles, sodass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Taumelnd stand ich auf und fiel wegen der Trägheit die immer noch auf mir lag beinahe hin, doch ich konnte mich gerade noch fangen. Unsicher machte ich ein paar Schritte vorwärts, ließ mich einfach gehen, und ehe ichs mir versah stand ich auch schon am Rand der Lichtung. Sofort lief ich auf den nächsten Baum zu und stützte mich. Dabei fiel mein Blick auf meine nackten Füße und mir wurde der Schmerz der Äste und Dornen, die sich in das Fleisch gebohrt hatten, bewusst.

Meine Hand jedoch, welche ich nicht an den Stamm lehnte, fühlte etwas ganz anderes. Sie lag auf dem roten Stoff des Kleides das ich trug. Es war unglaublich weich, roch nach Lavendel, und selbst in meinem verwirrten Zustand sah ich, dass es wunderschön war. Es reichte mir ein Stück bis unter die Knie und war schulterfrei, doch es passte mir wie angegossen. Um meinen Bauch war eine schwarze Schleife gebunden die mir auf der rechten Seite etwas herunter hing. Darüber waren im Stoff dunklere Linien eingestickt, die ich als Blumenranken und Rosen erkannte. Der Rock bestand aus vielen Schichten, die nach außen immer etwas feiner und dünner wurden und so etwas wie Stufen bildeten, was es noch weicher zu machen schien. Auch wenn ich es eigentlich nicht wusste, ich war mir sicher noch nie etwas so schönes getragen zu haben.

Außer dem Kleid trug ich nichts. Es war auch nichts da das ich mein Eigen nennen konnte, nicht einmal etwas das mir half weiter zu kommen. Ich stand also hier, wusste weder wo ich war, noch wo ich herkam oder was ich machen sollte. Und ich war ganz allein.

Ich war den Tränen nahe. Ich konnte mich an niemanden erinnern. Womöglich gab es auch niemanden der sich an mich erinnern konnte. Niemand ist da, der mich vermisst. Wenn sich so Einsamkeit anfühlte, dann war es eine schreckliche Erfahrung. Wie gern hätte ich jetzt jemanden gehabt der zu meiner Seite stand und mich tröstete. Nur um nicht alleine zu sein. Selbst die Bäume, die dicht um mich herum standen, als wollten sie sagen dass ich nicht allein war, dass sie hier waren, selbst sie konnten mir das Gefühl der Einsamkeit nicht nehmen, das Gefühl die einzige auf der ganzen Welt zu sein.

Hätte ich gewusst dass verzweifelte Wünsche in Erfüllung gehen, ich hätte das alles wahrscheinlich nicht zu denken gewagt. Erschrocken machte ich einen kleinen Hüpfer, als ich das Rascheln der Blätter hörte, welche überall vermischt mit den Kletten und anderen gemeinen Sachen auf dem Boden lagen. Dieses Mal stieg leichte Panik in mir auf. Auch wenn ich es mir gewünscht hatte, mit Gesellschaft hatte ich nicht gerechnet. Wer verirrte sich in diesen Teil des Waldes? Vor allem sah er so groß und unübersichtlich aus, dass die Wahrscheinlichkeit einem Verirrten ausgerechnet in diesem Labyrinth zu begegnen eins zu einer Million stand. Doch Wunder waren schließlich möglich. Im nächsten Moment sah ich einen Wolf zwischen den Bäumen auftauchen.

Alle Alarmglocken in mir läuteten, alles in mir rief fort zu laufen und mich zu verstecken, auf einen Baum zu klettern oder in einen See zu springen, wo der Wolf mir nicht folgen würde. Aber erstens war die Rinde der Baumstämme zu glatt, als dass ich mich hätte daran klammern können, geschweige denn in meinem Kleid. Und zweitens sah ich weit und breit keinen See, nicht mal einen Teich, in dem ich mich hätte retten können. Ich versuchte meine Beine zu bewegen, sie dazu zu bringen mich fort zu tragen. Doch mein Körper wollte mir nicht mehr gehorchen, wollte sich nicht mehr rühren. So starrte ich also nur den Wolf an, der immer näher kam und mich mit seinen bernsteinfarbenen Augen hungrig ansah...

Kapitel 2

Hey, also hier ist das zweite Kapitel, ich hoffe mal dass ich Fortschritte gemacht habe. Und noch was an ALLE die Gedichte schreiben: Ganz großen Respekt von mir!!! Für diese paar Zeilen die ich hier geschrieben habe hab ich mir fast den ganzen Nachmittag den Kopf zerbrochen, jede einzelne Minute. Wie könnt ihr das nur so gut?!?! ;P Also schlussendlich bin ich doch ein kleines Bisschen stolz darauf... Ich red mal wieder zu viel. VIEL SPASS BEIM LESEN!!!

Der Wolf kam immer näher, geduckt wie auf der Jagd. Ich bemerkte dass sein eines Ohr ganz schwarz war unter dem sonstigen grauen Fell. Er machte einen leichten Kreis um mich herum, und ich stand nur da, tat nichts um mein Leben zu retten, keinen einzigen Schritt. Der Wolf beobachtete mich aufmerksam, vielleicht überlegte er wie lange er etwas von meinem Fleisch hatte. Es konnte auch sein dass er mich gar nicht fressen, sondern nur töten wollte weil ich in sein Territorium gerungen bin. Oder er wartete einfach auf sein Rudel, damit sie mich gemeinsam zur Strecke bringen konnten. Keine von diesen Vorstellungen war schön. Ich hatte gedacht etwas mehr Zeit auf dieser Welt verbringen zu können bevor ich starb, vor allem da ich nichts von ihr wusste. Doch dieser Wunsch wurde mir wohl nicht zugeteilt.

Der Wald war ganz still. Alle lauschten und sahen zu was geschah, kein einziger Vogel zwitscherte in den mächtigen Baumkronen. Alle würden zusehen wie ich hier getötet werde.

Schließlich geschah was ich die längste Zeit schon hätte tun sollen, aber nicht so wie ich es im Sinn hatte: Ich machte einige Schritte zurück. Doch irgendwie stolperte ich über eine Wurzel und fiel nach hinten in ein Dornengebüsch. Sofort wickelten sich die eisernen Schlingen um meine Arme und Beine und die Dornen zerkratzten meine Haut. Ich versuchte mich zu befreien, doch dadurch gruben sie sich nur noch tiefer hinein, bis Blut aus den Wunden floss und meinen Körper rot färbte. Der Wolf hatte das Blut gesehen, womöglich auch schon gerochen, denn er bleckte die Zähne und fing an zu knurren. Er stand jetzt genau vor mir und ich wusste, dass ich zum letzten Moment gekommen war, den mir das Leben noch schenkte. Und dann begann ich zu singen.

Ich sang, zuerst nur leise, doch nach den ersten paar Zeilen wurde meine Stimme fester. Ich wusste nicht warum. Ich wusste nicht warum ich plötzlich anfing zu singen, wo ich doch dem Tod in die Augen sah. Es kam einfach aus mir heraus, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Wie eine innere Stimme die mich dazu bewegte das Unerwartete zu tun.

Der Wolf schien auch leicht verwirrt zu sein, denn er hörte mit einem erstaunten Laut auf zu knurren und sah mich nur an. Wie eine Statue stand er da, fing die Klänge auf, die mal höher, mal tiefer von mir kamen. Seine Augen wurden weicher, die Drohung dahinter verschwand und ich sah ein Funkeln darin. Dann setzte er sich hin. Ich wusste nicht was das hieß, doch ich sang weiter. Das Gefühl der Angst war aus mir gewichen und der Lauf der Melodie nahm mich ein. Ein Ton nach dem anderen kam mir über die Lippen, Zeile für Zeile, und da warf der Wolf den Kopf in den Nacken und fing an zu heulen, zwei undurchdringliche Stimmen die den Wald in ihren Besitz nahmen. Ich vergaß wo ich war. Noch immer lag ich in den Dornen, doch sie existierten nicht mehr. Ich schwebte über allem darüber, nahm nichts wahr außer meiner Stimme und die des Wolfes, als hätten wir immer zusammengehört, vereint durch einen Augenblick der den nächsten ersetzte, ein Feuer das nur darauf gewartet hatte aufzulodern und die ganze Welt verschlang. Er wollte mich nie umbringen, wir haben uns gefunden, vielleicht war ich selber auch ein Wolf...

Ich dachte dass wir nie aufhören würden zu singen, nie mehr auch nur daran dachten etwas anderes zu tun. Ich schloss die Augen, die Zeit verging, ich nahm gar nicht wahr wie lange wir hier zusammen alles zum Still Stehen brachten. Doch als das Heulen eines anderen Wolfes die Luft durchschnitt, war alles vorbei. Der Wolf senkte augenblicklich den Kopf und sah in die Richtung aus welcher der Ruf kam. Er erstarrte kurz in dieser Pose, doch dann warf er mir einen kurzen Blick zu und verschwand rennend zwischen den Bäumen.

Ich konnte es nicht glauben. Was ich getan hatte, was passiert ist, dass es jetzt vorbei war. Der Zauber der aufgerufen wurde lag immer noch leicht auf mir und ich dachte noch einige Momente daran was geschehen war. Wie wunderschön es gewesen ist. Die Stimme des Wolfes hallte immer noch in meinen Ohren und der Augenblick wollte nicht vergehen. Wie sehr wünschte ich nur der andere Wolf wäre nicht dazwischen gekommen! Wäre er nicht gewesen würden wir wahrscheinlich jetzt noch singen. Aber es war nicht so. Wir wurden gestört. Wir sangen nicht mehr. Er war weg.

Diese Gedanken brachten mich schmerzlichst in die Gegenwart zurück, wo mir die Dornen in meinem Fleisch bewusst wurden. Jetzt, da ich nicht mehr unter so großem Schock und Angst stand wie vorhin, konnte ich sogar versuchen mich aus meinen Fesseln zu befreien. Ganz vorsichtig, um es nicht noch schlimmer zu machen, löste ich mich aus meinem Gefängnis, bis ich schließlich neben dem Gebüsch saß und mir die restlichen Dornen aus der Haut zog. Die auf estochenen Stellen taten unheimlich weh und waren immer noch mit Blut verschmiert, also versuchte ich so gut es ging es weg zu wischen, mit den Händen oder den Blättern die auf dem Boden lagen. Eben, es hatte nirgends eine Stelle mit Wasser. Das Kleid war noch ganz, es hatte keinen einzigen Kratzer abbekommen, es war auch kein Dreck dran oder sonst etwas. Merkwürdig. Es sah genau so aus wie am Anfang. Trotzdem, Wasser wäre jetzt ganz gut gewesen um die Wunden auszuwaschen damit sie sich nicht entzündeten. Ausserdem war mein Mund ganz trocken und langsam beschlich mich der Durst.

Ich musste also Wasser finden. Doch wo sollte ich anfangen?  Ich wusste nicht wo man Wasser fand wenn man keines sah. Ich kannte nicht einmal wirklich die Hinweise auf Wasser. Vielleicht dem tiefsten Punkt folgen den man sah? Doch hier war der Boden überall gleich flach, es gab keinen tiefsten Punkt. Nächster Versuch. Vielleicht etwas mit Moos? Aber auch hier war ich nicht erfolgreich. An den Bäumen wuchs kein Moos und sonst gab es nur Gestrüpp und keine Steine an welchen etwas hätte wachsen können. Mein Mut sank. Meine letzte Idee war noch Tieren zu folgen. Tiere mussten auch trinken, also gingen sie zu einer Wasserstelle die sie kannten. Aber das einzige Tier das ich bisher gesehen hatte ausser Vögel war der Wolf, und der ist schon auf und davon.

Deprimiert stand ich auf. Wenn ich es nicht mit Taktik machen konnte, dann musste ich wohl einfach ausprobieren. Aber in welche Richtung sollte ich gehen? Auf die Lichtung zurück zu gehen brachte keinen Erfolg. Dem Wolf hinterher zu laufen war auch nicht schlau, denn falls ich ihm wieder begegnen sollte bezweifelte ich dass er mich ein zweites Mal am Leben ließ wenn ich ihm wieder etwas vorsang. Ich entschiede mich also für die entgegengesetzte Richtung der Wolfes, so sehr mein Herz auch dagegen strebte. Mein Verstand war halt stärker.

Tapfer lief ich voraus, ignorierte meine Füße welche bei jedem Schritt klagend aufriefen und hielt Ausschau nach helfenden Hinweisen auf Wasser. Aber schon nach hundert Metern musste ich den ersten Rückschlag erleiden. Ich hatte keine Ahnung ob ich gerade aus lief oder schon den ersten Bogen gemacht hatte. Es sah alles gleich aus. Jeder Busch glich dem anderen, jeder Baum hatte die gleiche Form wie der nächste. Durch die dichten Blätter konnte ich auch die Sonne nicht erkennen. Da begann ich auch schon den nächsten Fehler. Ich drehte mich in die Richtung aus der ich dachte gekommen zu sein. Doch irgendwie sah es auch dort genau gleich aus. Als ich mich wieder zurück drehte erkannte ich den Weg nicht als den, den ich eingeschlagen hatte. Verwirrt sah ich nochmals zurück, und wieder konnte ich mich nicht erinnern ob die Bäume schon vorher so gestanden hatten. Dann wurde mir entsetzt meine eigene Blödheit klar. Ich hatte mich so eben gerade hilflos in einem riesengroßen Wald verirrt, aus dem ich vielleicht gar nicht mehr heraus kam. Was sollte ich jetzt machen? Es konnte doch nicht sein dass ich starb weil ich weinend am Boden sitzen werde.

Nein, ich fiel jetzt nicht nochmals in ein tiefes Loch meiner Emotionen, sonst passierte noch etwas verrücktes wie beim Wolf. In solchen Situationen brauchte man Ruhe, Willen und Selbstvertrauen. Obwohl ich schon bewiesen hatte dass meinem Selbstvertrauen nicht über den Weg zu laufen ist. Ich lief also unbeirrt weiter und hoffte dass der Wald nicht so groß war wie diese sibirischen Wälder, so groß wie ein ganzes Land oder noch mehr.

Während ich weiter voran ging hielt ich die Augen wachsam auf den Weg vor mir gerichtet um möglichen Gefahren frühzeitig zu entkommen. Und dieses Mal richtig. Doch schon bald senkte ich den Blick und beobachtete meine Schritte. Ich dachte über vieles nach. Warum ich mich an nichts erinnerte. Wo ich vielleicht herkam. Was mit mir passieren wird. Hatte ich denn überhaupt eine Chance diesen Ort lebendig zu verlassen und zurück zu dem zu finden was ich war? Oder zumindest nur heraus zu finden? Nach meinen bisherigen Erfolgen stand die Wahrscheinlichkeit dazu eher außer Reichweite. Wahrscheinlich werde ich hier elendig verhungern, oder eher verdursten. Aber was wenn ich überlebte? Würde ich dann als eine Wilde in der Wildnis leben oder in die Zivilisation gelangen? Was sollte ich anfangen in der Zivilisation ohne ein Gedächtnis oder sonstigen Erfahrungen? Die Leute würden mich doch nur weg schicken und ich würde wieder hier im Wald landen.

Ich verbrachte fast die ganze Zeit mit Fragen zu mir selbst, bis das Licht orangen wurde, das Zeichen dass der Tag bald zu Ende war.

Beinahe hätte ich das Loch im Baum übersehen. Einfach aus dem Nichts, nach unendlicher Weite Gleichnis war da ein Baumstamm mit einem Faustgroßen Loch darin. Es sah nicht mal harmlos aus, sondern richtig gewalttätig, insofern man sagen konnte dass ein Loch - ein Loch! - gewalttätig ist. Es war ziemlich grob hinein gemacht worden, als hätte jemand seine Wut dabei benutzt. Fast machte es mir sogar Angst. Ich trat näher heran um es mir genauer anzuschauen. Außer einem Specht würde wohl kein Tier ein Loch in einen Baum haben wollen und selbst für den Specht war es zu nah am Boden. Wer hatte es also gemacht? Auch den Sinn konnte ich mir nicht erdenken. Mit den Fingern fuhr ich über die Oberfläche die ganz viele Wellen und Hicke hatte. Um das Loch zu machen hatte man ein Werkzeug oder einen anderen Gegenstand benutzt, wie ich feststellte, vermutlich ein Messer. Doch das alles half mir nicht weiter. Ich hatte immer noch kein Wasser gefunden, mein Magen fing auch an zu knurren da an den Büschen keine Beeren wuchsen, oder überhaupt etwas ungiftiges, und ich brauchte auch noch einen Ort wo ich mich über die Nacht niederlegen konnte.

Zu müde um noch einen besseren Schlafplatz zu suchen legte ich mich am Fuß des Baumes zwischen die Wurzeln hin. Während ich sie so musterte dachte ich was für ein Wunder es doch war dass ich noch über keine gestolpert bin sondern nur am Anfang, denn meine Füße waren schon ganz wund. Ich wusste nicht ob ich es noch einen Tag schaffte so weit zu laufen. Ich war zu erschöpft, orientierungslos und ohne Wasser bald am Ende. Die Wahrscheinlichkeit zu überleben rückte in immer weitere Ferne. Obwohl ein Pflaster für die Wunden auch nicht schlecht gewesen wäre.

Pflaster... Woher kannte ich dieses Wort? Ich dachte genauer nach. Ein Pflaster war ein klebriges Stoff ähnliches Viereck das man auf eine Wunde klebte um sie zu schützen. Pflaster gab es viele in... Krankenhäusern? Mir fiel auf dass ich schon an vieles gedacht hatte was ich vielleicht nicht wissen sollte ohne ein Gedächtnis. Auswaschen der Wunden gegen Entzündungen. Tiefstem Punkt folgen, nach Moos suchen oder Tieren folgen um Wasser zu finden. Hoffentlich nicht so groß wie diese sibirischen Wälder, so groß wie ein ganzes Land oder noch mehr. Klar, einige Sachen waren vielleicht ein Instinkt, zum Beispiel das mit dem Wasser suchen. Aber mir fiel das Lied wieder ein, das Lied welches ich mit dem Wolf gesungen hatte. Ja, woher kannte ich das Lied? Ich versuchte mich daran zu erinnern und eine Strophe nach der anderen fiel mir wieder ein. Sofort fing ich wieder an zu singen.

Fühlst du dass es anders ist?
Sich alles geändert hat, so viel
weil du was besonderes bist?
Ein Gedanke, ein Wunsch, ein Ziel

Der Gedanke an den nächsten Morgen
Der Wunsch dich wieder zu sehn
Die Zeit mich um dich zu sorgen
Zusammen weit weit weg zu gehn

Und nie mehr lasse ich dich los
Wir schaffen das, wir zu zweit
Die Hoffnung macht uns stark und groß
bis sie auch deinen Weg dir zeigt.

Der Tod ist nur ein kleines Licht,
ein kleines Stück Unwirklichkeit
Denn weißt du, Liebende sterben nicht
weil Liebe bedeutet Unsterblichkeit

Bei der letzten Strophe war ich wieder dabei weg zu schweifen,
an einen Ort ohne Sorgen, fern von dieser Welt. Doch die plötzliche Kälte holte mich zurück in die Wirklichkeit. Das Licht war fast verschwunden, und je dunkler es wurde umso mehr wurde die Wärme vertrieben. Auf meinem Körper bildete sich überall Gänsehaut. Da ich nichts sonst hatte verteilte ich hilflos einen Haufen Blätter auf mir um sie irgendwie als Decke benutzen zu können, aber ehrlich gesagt wurde es dadurch nur noch kälter. Ich nahm sie also gleich wieder weg. Über das Lied konnte ich nicht weiter denken. Mit dem schwinden des Lichtes schwand auch meine Kraft wach zu bleiben, und so übergab ich mich dem Drang hin die Augen zu schließen.

Die Nacht wahr unruhig. Mehrmals wachte ich mit vor Schreck geweiteten Augen auf und lauschte in die Dunkelheit, wo mich immer nur die Rufe der Eulen und das Zirpen der Insekten erwartete. Jedes Mal hatte ich das Gefühl von Albträumen geweckt worden zu sein, doch nie konnte ich mich an sie erinnern. Nur an Angst, die Angst die man hatte vor dem Tod,
als wäre man gerade dabei zu sterben. Es kostete mich viel Mühe danach wieder einzuschlafen.

Nach einigen Stunden schreckte ich wieder aus dem Schlaf hoch, doch dieses Mal durch ein Geräusch. Die Sonne war wieder aufgegangen, denn das Licht schien mir ins Gesicht. Als ich dann den Wolf sah, meinen Wolf mit dem schwarzen Ohr, schlug mein Herz schneller. Und noch schneller als ich den Pfeil erblickte der auf meinen Kopf gerichtet war.

Kapitel 3

Ich weiss nicht so recht was ich von diesem Kapitel halten soll. Irgendwie ist es nämlich etwas anders als sonst... Bin also etwas auf eure Meinungen angewiesen! Naja, jetzt schick ichs halt mal. Wenn ihr wollt kann ich beim nächsten Kapitel noch Bilder von Kapitel 1-4 beilegen, hab noch ein bisschen gemalt :)

Bedrohlich schwebte der Pfeil über meinem Gesicht. Ich wagte nicht an einen anderen Ort zu schauen, nicht einmal zum Wolf um heraus zu finden was er damit zu tun hatte. Mein Blick war auf die tödliche Waffe gerichtet, so sehr, dass ich beinahe vergaß zu atmen.

„Wer bist du?“ Beim Klang der Worte zuckte ich zusammen.
Sie gehörten einem Mann, einem eher jungen Mann. Wahrscheinlich war er erst gerade in ein Alter gekommen in dem man sagen konnte, er sei erwachsen. Seine Stimme war tief und rau und hatte schon die Autorität eines Erwachsenen angenommen. Das Selbstbewusstsein und die Überlegenheit darin waren nicht zu überhören, sie schwangen mit wie die Flügelschläge einer Libelle, fein aber deutlich.

Ich konnte nicht antworten. Wieder fühlte ich die Last der Angst auf mir, die es mir unmöglich machte etwas zu tun das ich wollte. Sie drohte mich bei lebendigem Leibe zu erdrücken, presste Glück und Freude aus mir heraus und ließ mich in der Dunkelheit zurück. Mit einem Mal wurde mir klar dass die Angst Dunkelheit war. Man sah nichts außer Schwärze. Man hörte nichts außer Stille und das Pochen seines Herzens. Doch sie gab einem das Gefühl der Leere, dass es nichts mehr gab das noch zu retten war. Sie verbarg den Weg nach außen, betäubte die Sinne, ließ ihre Opfer in ihr ersticken. In ihren Händen war ich verloren. Verloren in der Dunkelheit, verloren in der Schwärze. Verloren im Nichts.

„Wer bist du?“, fragte der Mann nochmals, dieses Mal ungeduldiger. Beim Klang seiner Stimme wurde mir anders. Sie kam mir bekannt vor, mein Gefühl sagte mir dass diese Stimme für etwas verantwortlich war, das mir widerfahren ist. Etwas wichtigem. Für einen Moment wurde die Angst leichter. Ein Lichtstrahl durchbrach die Dunkelheit, schwach, doch voller Hoffnung. Ich griff danach, wollte nicht dass er verschwand und mich wieder im Dunkeln zurück ließ. Denn bei dieser Vorstellung stellte sich jemand weiteres neben die Angst. Trauer. Gemeinsam beugten sie sich über mich und warfen ihre Schatten auf meinen Körper.

Mühsam brachte ich einige Worte über die Lippen, begleitet von den beiden grausamen Gefährten. „Bitte... der Pfeil. Töte mich nicht.“ Meine Augenlider fingen an zu flattern. Ich fühlte wie meine Augen feucht wurden, und da rann schon die erste Träne meine Wange hinunter. Ich biss mir auf die Lippe und versuchte sie zurück zu halten, doch weitere bannten sich ihren Weg hindurch und fielen zu Boden. War ich denn wirklich so schwach? Konnte ich nicht ein einziges Mal gegen meine Gefühle ankämpfen und stark sein? Ich musste stark sein. Mir blieb nichts anderes übrig wenn ich leben wollte, durfte keine Schwächen zeigen. Ich kam mir vor wie ein verängstigtes Häschen das in der Falle saß, wissen dass der Tod naht, doch immer bereit zur Flucht. Ich wollte auch die Flucht ergreifen. Ich wollte fort rennen, weit weg wo mich niemand fangen konnte und ich lebte. Aber ich war gefangen. So wie ich da lag und weinte hatte ich keine Möglichkeit zu fliehen. Ich würde sterben ehe ich nur einen Schritt gemacht hätte. Doch warum fühlte sich sterben nun so anders an? Warum strebte mein Körper dagegen an, an diesen anderen Ort zu gelangen, wo ich keine Sorgen, keine Angst und Trauer mehr zu fürchten brauchte, wobei ich mich noch vor einigen Stunden ohne Gegenwehr hingegeben hätte?

Die Tränen benebelten meine Sicht und ich musste ein leises Schluchzen unterdrücken, doch ich konnte erkennen dass der Mann nach kurzem Zögern tatsächlich den Bogen senkte. Und sogar auf den Boden warf. Vielleicht hatte er ja Erbarmen mit diesem Mädchen, das weinend da lag, kaum mehr als ein Häufchen Elend. Vielleicht verspürte er sogar Mitleid. So wie ich war hielt ich das für möglich. Erleichtert atmete ich ein, was klang wie ein erstickter Laut. Schnell wischte ich mir mit der Hand über mein feuchtes Gesicht und bemühte mich darum gefasst auszusehen,
als ich mich aufrecht setzte und mein Gegenüber ansah.

Der Mann war groß für sein Alter, über 1 Meter 90. Ich schätzte ihn auf neunzehn oder zwanzig Jahre. Er hatte nur braune Kleider an, die schon ganz abgenutzt und alt aussahen. Der Mantel den er trug war braun, genau wie das Hemd das darunter zu sehen war, nur etwas heller war es. Seine Hosen waren auch braun, und ich sah mit einem etwas sehnsüchtigen Blick dass er Schuhe trug, die mich irgendwie an Mokassins erinnerten. Er hatte eine prall gefüllte Tasche umgehängt, an der ein kleinerer Beutel hing, und hinter seinem Rücken sah ich einen Köcher mit den dazu gehörigen Pfeilen. Seine dunkelblonden Haare waren verstrubbelt, sein Gesicht war dunkel vom Dreck der darauf lag. Alles von ihm war dreckig. Seine Kleider, seine Sachen, er selbst. Doch mir wurde schnell klar dass auch ich so aussehen musste. Ungepflegt, dreckig, blutverschmiert.

„Nun? Ich warte immer noch auf eine Antwort.“ Er war zu mir hin gelaufen und blieb vor mir stehen, womit mir seine ganze Größe noch mehr bewusst wurde. „Und denk ja nicht du könntest mir was falsches andrehen, denn das merke ich schnell“, fügte er scharf hinzu. Mit einem Blick zum Wolf redete er weiter. „Wir wollen ja nicht dass meine Eclissi plötzlich, nun ja“, er sah mich wieder an, „Appetit auf dich bekommt.“ Die Kälte, die mir durch die Drohung durch den Körper fuhr, war unverkennbar. Er hatte also doch kein Mitleid. Und die Art wie er die Worte sagte, so plötzlich und ernst, ließ mich ihn noch mehr fürchten. Eine Drohung wie diese hatte ich nicht erwartet, auch wenn er mich vorhin wohl umgebracht hätte bei einer falschen Reaktion. Warum wollte er mich gleich töten? Ich hatte ihm nicht einmal etwas angetan. Verdattert gab ich ihm eine Antwort.

„L.. Levata. Ich heiße Levata.“ Meine Stimme klang brüchig. Er sah mich weiterhin an, als wartete er darauf dass ich weiter sprach. Seine Augen waren immer noch fest auf mich gerichtet.
Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und senkte den Blick. Doch ich sagte nichts weiter. Als er merkte, dass dies meine vollständige Antwort war, zuckte sein linker Mundwinkel nach oben, immer weiter. Plötzlich fing er an zu lachen. Laut schallend drang sein Gelächter durch die Luft, dass es jeder hätte hören können der in der Nähe stand.

Verwirrt starrte ich ihn an. Was ging hier vor sich? Der Mann drehte sich zum Wolf um, Eclissi, wie ich nun annahm dass sie hieß, und lachte weiter. Vor Lachen brachte er die Sätze kaum über die Lippen, die er zu ihr sagte. „Has... Hast du das gehört, Eclissi? Hast du es gehört? Sie heißt Levata!“ Eclissi sah ihn mit einem verständnislosen Blick an. Sie saß jedoch brav da und beobachtete das Ganze. Ihre Haltung, ihre Aufmerksamkeit ließen mich glauben dass sie verstand was er sagte.

Der Mann hielt sich den Bauch und konnte sich nicht halten. „Hah... Levata! Was für ein Zufall!“ Er lachte noch weiter, ich wusste nicht recht was ich jetzt tun sollte. Doch mit einem Schlag erstarb seine Stimme. Rasend schnell drehte er sich um, lief auf mich zu und bückte sich wieder, dass sein Gesicht nur wenige Zentimeter vor meinem war. Erschrocken wich ich kaum merklich etwas zurück. Mein Herz schlug wie wild, meine Furcht wurde immer größer, bis er wieder zu sprechen begann. „Hast du mir nicht richtig zugehört oder bist du taub?“, zischte er zwischen zusammen gebissenen Zähnen. Sein Gesicht war erfüllt von Wut, seine Augen brannten vor Zorn. „Ich sagte du sollst mich nicht anlügen! Wer bist du?“

Tränen stiegen mir wieder hoch. Ich wollte sie davon abhalten zu fließen, und für einen Moment gelang mir dies sogar. Aber ich spürte dass ich es nicht lange aushalten würde. Also sah ich ihn so fest an wie ich nur konnte, genau so wie er es tat.
„Ich heiße Levata.“

Nichts. Nichts geschah. Die Spannung zwischen uns lies fast keinen Platz übrig. Die Luft wurde erfüllt von Rufen, die Vögel konnten diesem Ereignis nicht widerstehen, der Wolf saß da und hörte zu. Doch niemand von uns schien sie zu bemerken, weder ich noch der Mann. Er sah aus als würde er über etwas nachdenken, sein Blick war nicht mehr so klar. Dann stand er auf.
„Na gut“, sagte er und wich einige Schritte zurück. „Wenn du es nicht sagen willst, dann lassen wir es halt sein.“ Er ging noch ein paar Schritte zurück, bis er einige Meter von mir entfernt stand. Noch während die Worte aus seinem Mund kamen, gefror mein Blut zu Eis.
„Eclissi. Bring sie um.“

2 Kommentare

Lollypop am 5. November 2013

"Eclissi. Bring sie um.".......wow!!! Das ist mein Lieblingssatz von deiner Geschichte Sooo toll. Ja, wie Ella sagt, wir warten sehnsüchtig auf deine Fortsetzung LG

Ella am 13. September 2013

Also ich weiß gar nicht was dir daran langweilig, komisch etc. vorgekommen ist. Ich find's einfach nur: WOW!!!!!!! Super spannend!!! Ich hoffe es gibt eine Fortsetzung Lg Ella