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Gwendolyn

Todesblick

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Prolog

Liebe Leser, dies hier ist meine zweite Geschichte, an der ich arbeite. Ich hoffe sie gefällt euch und ich würde mich über Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge... freuen. Viel Spaß beim Lesen. LG Gwendolyn

May lief durch die gepflasterten Straßen. Sie liebte diese Stadt. Die weißen Häuser mit ihren blauen Dächern, die auf einem Hügel zwischen duftenden Pinien und Zypressen standen. Ganz oben stand ein kleines Schloss mit weißen Türmen und goldenen Kuppeln. Verträumt sah sie in den wolkenlosen Himmel. Plötzlich blieb sie mit den Füßen an etwas hängen und stolperte einige Schritte, bevor sie sich wieder fasste. May drehte sich um und stieß einen Schrei aus. Es war kein Stein, über den sie gestolpert war, wie sie zuerst gedacht hatte, es war das Bein eines Menschen. Es war der Sohn des Stadtoberhauptes. Bleich und reglos lag er da. Die einst sanften braunen Augen waren stumpf und leer. May fiel schluchzend neben ihm zu Boden. Sachte strich sie ihm eine hellbraune Strähne aus dem Gesicht. Er war ihr sehr nahe gestanden. May konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wie konnte das geschehen? Warum Jonas? Einige Menschen bogen neugierig um die Ecke. Als sie May mit Jonas sahen, begannen sie zu flüstern. Eine junge Frau kam auf sie zu und legte May die Hand auf die Schulter.

„Alles wird gut.“

An die Menschenmenge gewandt rief sie: „Schnell! Wir brauchen den Notarzt!“


Kurz darauf hörte man die schrille Sirene des Krankenwagens. Das Auto blieb vor der Gasse stehen und einige Sanitäter liefen herbei. Mays leerer Blick war in die Ferne gerichtet.

„Tut mir Leid, junges Fräulein. Er ist schon von uns gegangen. Kommen Sie, wir nehmen Sie mit.“, sprach einer der beiden Ärzte.

May schüttelte den Kopf und umklammerte Jonas Hand. Wie aus weiter Ferne hörte sie die Stimmen der andere.

„Wenn sie nicht freiwillig mitkommt, müssen wir ihr eine Spritze geben.“


„Natürlich geht sie nicht freiwillig mit. Das arme Mädchen steht unter Schock.“


„Oh mein Gott. Das ist Jonas. Jonas Franklin. Jemand muss seine Familie verständigen.“

„Das Bestattungsinstitut kommt gleich.“


May schluchzte auf. Er war tot und würde nie wieder zurückkommen. Wer macht sowas? Ein Mann im schwarzem Anzug und Brille kniete sich vor ihr hin und legte die Hände auf Mays Schultern.


„Ich bin Herr Morgan vom Bestattungsinstitut. Wir müssen den Leichnam jetzt mitnehmen, dass sich die Familie verabschieden kann. Wer bist du denn?“

May hob langsam den Kopf. Ihr Blick war tränenverschleiert.


„May. May Castaller.“, flüsterte sie mit rauer Stimme.


„Also May, würdest du dann bitte seine Hand loslassen?“

Sie schüttelte den Kopf „Bitte nehmen sie mich mit. Er war mein Freund.“

Erneut drang ein Schluchzen aus ihrer Kehle. Der Mann sah sie etwas geschockt an. Dann nickte er. „Na gut. Du kannst mitkommen.“

Er half ihr beim Aufstehen und langsam begaben sie sich zum Auto.

May ging erst zu Jonas nachdem sich seine Familie verabschiedet hatte. Langsam setzte sie sich auf den Stuhl neben dem Bett und griff nach seiner Hand. Er war so kalt. Man hatte ihm die Augen geschlossen und es sah aus, als würde er nur tief und fest schlafen. Gleich öffnet er wieder die Augen und lächelt mich an, dachte May. Mit dem gleichen Lächeln, mit dem er sie schon vor zwei Jahren verzaubert hatte. Doch nichts geschah. Sie holte eine weiße Seerose aus ihrer Tasche und legte sie in seine Hände. Jonas hatte diese Blumen geliebt. Sie erinnern ihn an den Sonnenaufgang. Das erste Licht nach der Dunkelheit. An einen Hoffnungsschimmer in der Finsternis. Auf dem weißen Laken sah er aus wie ein Engel. Friedlich und sanft und doch stark wie ein Löwe. May stand auf und legte seine Hand wieder auf seine Brust. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn auf die Stirn.„Ich liebe dich.“, flüsterte sie. Dann drehte sie sich um und ging, ohne nochmal zurück zu schauen.

Am nächsten Tag nach der Beerdigung, hatte der Bürgermeister eine Versammlung aller auf dem Marktplatz einberufen. Er habe eine Ankündigung zu machen, hieß es. Neben der Bühne standen einige Polizisten. May stand mit ihren Eltern in der vorderen Reihe, als Miss Franklin, Jonas Mutter, zu ihr kam. Ihre Augen waren gerötet und ihr Gesicht eingefallen. May lief ihr einige Schritte entgegen. So konnte sie ohne Mithörer reden. Ms. Franklin nahm sie wie eine Tochter in die Arme und strich ihr behutsam übers Haar.

„Ach May. Meine kleine May.“, flüsterte sie immer wieder.


Nach einer Zeit lösten sich die beiden und Miss Franklins Stimme wurde eindringlicher: „May hör mir zu. Mein Mann ist nicht mehr er selber. Er hat seinen Tod nicht verkraftet. Jonas war sein ganzer Stolz. Ich wollte dir nur sagen, dass Jonas dich sehr geliebt hat und er hätte gewollt, dass du das hier bekommst.“


Sie reichte May eine silberne Kette mit einem schlichten Kreuz dran. Diese Kette hatte Jonas Tag und Nacht getragen. Er hatte sie nie abgelegt. Es war sein Glaube an Gott, der ihn immer gestärkt hatte.

Vorsichtig nahm May die Kette entgegen.


„Ich bin mir sicher.“, beantwortet Miss Franklin Mays unausgesprochene Frage. Dann verschwand sie in der Menschenmenge.

May starrte auf das Kreuz. Sie zog den Ring, den Jonas ihr geschenkt hatte, vom Finger und fädelte ihn mit auf die Kette. Dann band sie sie sich um den Hals und stellte sich zu ihren Eltern. Die Menge verstummte, als der Bürgermeister auf die Bühne trat. Er sah mitgenommen aus und die letzten Stunden schienen ihn um Jahre gealtert zu haben. Sein Blick glitt zornig über die Menge. Er stellte sich hinters Podium und die Menschen verstummten.


„Einwohner von Maelera. Vor zwei Tagen ist mein Sohn gestorben. Er wurde ermordet. Von einem Schatten.“

Neben May schrien die Menschen empört auf. Von einem Schatten? Jonas war von einem ihresgleichen getötet worden. Ihre Eltern sahen sie erschrocken an. May starrte gerade aus. Sie nahm alles nur noch verzerrt war.


„Wir normalen Menschen sind bei den Schatten nicht mehr sicher! Sie haben das Gesetz gebrochen. Sie sind Verräter und Mörder. Sie haben in unserer Stadt nichts mehr zu suchen. Sie sind nicht wie wir. Tötet sie! Jagd sie aus Maelera hinaus. Traut niemandem mehr über den Weg, ohne ihm vorher in die Augen zu schauen. Man erkennt sie an ihrer intensiven Augenfarbe. Jeder Schatten kann euch oder eure Kinder in der Dunkelheit hinterhältig umbringen. Wollt ihr das Leben eurer Kinder aufs Spiel setzten? Wollt ihr, dass sich Maelera in ein Schlachtfeld verwandelt? Wir müssen rechtzeitig handeln, um unsere Kinder und Familie zu schützen! Die Schatten sind eine Gefahr, sie müssen verschwinden.“


Das Gesicht des Bürgermeisters war rot vor Zorn. Er stieg von der Bühne hinunter, gab einigen bewaffneten Polizisten ein Zeichen und verschwand in der Menge. Schreie wurden laut. Schatten versuchten, verzweifelt unbemerkt zu fliehen. Es fielen Schüsse. Immer mehr Polizisten kamen aus den Gassen. Die Menschen bekämpften sich untereinander. Jeder sah in seinem Freund einen Schatten. Chaos brach aus. Verletze lagen auf dem Boden. Tote starrten mit leeren Augen in den Himmel. Mays Mutter packte ihre Tochter am Arm und rannte in Richtung Stadttor. Kinder sahen ihre Eltern sterben. Auf den Straßen klebte Blut. May war wie geschockt und stolperte hinter ihrer Mutter her. Ihr Vater war in der Menge von ihnen getrennt worden. Sie wollte anhalten, doch ihre Mutter zog sie weiter. Schatten rannten neben ihnen und versuchten dem sicheren Tod zu entkommen. Unter ihrer Bluse spürte May Jonas Kette mit dem Ring dran. Das Letzte, was sie von ihm besaß. Vor ihnen lag das rettende Tor. Mit verschleiertem Blick lief sie mit ihrer Mutter und den Schatten, die noch am Leben waren, in die rettende Wildnis.

Kapitel 1

Die ersten Strahlen der Morgensonne drangen durch die weißen Vorhänge und hüllten das Zimmer in ein angenehmes Licht. Draußen zwitscherten die Vögel leise. Es war ein perfekter Sommertag. Als ich jedoch das Klappern des Briefkastens vernahm, setzte ich mich abrupt auf und stieß beinahe mit dem Kopf an die Decke. Das erinnerte mich wieder an das, was ich die ganze Zeit versuchte zu verdrängen. Der Test. Der aussagte, ob ich normal war und mein Leben weiter führen durfte, oder ob ich ein Schatten bin. Menschen die durch ihren Blick andere töten können. Sie werden von der Regierung mitgenommen. Sie sind gefährlich. Meine Eltern hatten mir versichert, dass ich keiner bin. Denn ich bin weder aggressiv noch vorlaut. Beides Anzeichen eines Schattens.

Ich schwang die Beine aus dem Bett und lief im Nachthemd die Treppe hinunter. Leise öffnete ich die Haustür. Früher war unsere Stadt eine Schönheit gewesen. Ich hatte ein Foto in unserem Schulbuch gesehen. Die Häuser waren in strahlendem Weiß mit blauen Dächern und Fensterläden. Doch jetzt waren die Häuser ein schmuddeliges Grau und die Dächer hatten braune Ziegel, die einen an Matschpfützen erinnerten. Von den Türen blätterte die Farbe ab. Diese ist wie bei jedem in unserem Stadtteil grün. Unsere Stadt ist aufgeteilt in vier Sektoren. Jeder Sektor hat eine Farbe. In dieser Farbe oder auch noch in Grau müssen wir uns kleiden. Das alles hatten die Schatten während des Krieges in unserer Stadt Maelera angerichtet.

Mit zitternden Fingern holte ich den Umschlag aus dem Briefkasten und ging hinein. In der Küche empfing mich schon meine Mama.

„Aha hab ich doch richtig gehört. Na dann mach mal auf.“

Langsam öffnete ich den Umschlag und entfaltete das Papier:


Sehr geehrte Lucy Maria Samberlayn (Sektor 2),
wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie morgen um 11 Uhr im Institut für den Test eingetragen sind. Sie schützen damit die Bevölkerung und Regierung, was eine große Ehre ist. Bitte erscheinen Sie pünktlich im Empfangsbereich. Dort werden wir Ihnen alle weiteren Informationen zubringen lassen.
 Falls dies nicht geschieht sehen wir uns gezwungen, rechtliche Maßnahmen einzuleiten.
 Mit freundlichen Grüßen, 
Tricia Hudson und Wayne Rollins (Regierungsabgeordnete Sektor 2)“


Ich sah auf. Meine Mutter schrieb den Termin in den Kalender. Dann schaltete sie die Kaffeemaschine ein und begann, den Tisch zu decken. Vater musste heute schon früh in die Arbeit und meine kleine Schwester Helen in die Schule. Schnell ging ich noch mal die Treppen hoch in mein Zimmer, um mich anzuziehen. Wir trugen Schuluniformen. Ein grauer Rock oder Hose plus eine Bluse in der jeweiligen Sektor Farbe und graue Stiefel. Ich packte mein Schulzeug noch in meine Tasche und ging in die Küche. Beim Frühstück herrschte eine ungewohnte Stille. Bald drauf stand Papa auf, nahm sich noch ein Brötchen und ging in die Arbeit. Nachdem die Haustür zuschlug, warf ich Mama einen fragenden Blick zu. Später formten ihre Lippen und sie zeigte auf Helen. Sie schaute auf die Küchenuhr und wandte sich an meine Schwester.

„Geh schon mal hoch und mach dich fertig. Du kommst sonst zu spät zur Schule. Lucy und ich kümmern uns um den Rest.“

Ich schloss die Tür hinter Helen und drehte mich zu Mama um. Sie hatte ihre Haare zu einem lockeren Knoten zusammen gebunden und einige Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Als sie aufsah, hatte sich eine Sorgenfalte auf ihrer Stirn gebildet.

„Lucy, dein Vater ist etwas angespannt.“


Als ob ich das nicht bemerkt hätte. Ich wollte wissen warum.


„In seiner Arbeit hat es wieder Unruhen gegeben.“

„Was für Unruhen, Mum? Aufstände? Waren es Schatten?“

Normalerweise fängt die Verwandlung in einen Schatten am 16. Geburtstag an. Man kann nicht eher feststellen, ob man anders ist. Doch bei manchen beginnt es schon früher. Diese Menschen sind extrem gefährlich, denn sie werden von einer kleinen Untergrundorganisation angeworben, die gegen unsere Regierung ist. Angeblich besitzen diese Menschen ein Mittel, das bewirkt, das ganz normale Bewohner ihnen gehorchen. Aber unsere Polizei schafft es, dem entgegen zu wirken.

„Die Schatten haben einige Sprüche gegen die Regierung an die Mauer des Gebäudes geschrieben. Manche seiner Kollegen sind sich nicht mehr sicher, ob es stimmt, dass Schatten gefährlich sind.“


„Wie kann man nur so etwas denken? Natürlich stimmt das. Wenn die Schatten in unserer Nähe wohnen würden, wären wir innerhalb einer Woche tot.“

Meine Mutter legte mir ihre Hände auf die Schultern.


„Lucy du musst dich vor solchen Menschen in Acht nehmen. Ihnen kann man nicht trauen. Sie würden dich an Schatten verraten, ehe du piep sagen kannst. Versprich mir, lass dich nicht mit solchen Leuten ein ja?“


Ich nickte. Aber was ,wenn ich selber ein Schatten bin? Was dann? Ich wagte nicht, die Frage laut auszusprechen. Zu sehr fürchtete ich mich vor der Antwort. Stattdessen half ich meiner Mutter den Tisch abzuräumen. Wenig später kam Helen in die Küche. Die blonden Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden.


„Ich geh dann mal. Tschüss Mum. Tschüss Lucy.“


Sie warf sich ihre Tasche über die Schulter und sprang die Treppe hinunter. Mum sah ihr mit dem kleinen Anflug eines Lächelns hinter her.


„Erzähl ihr nichts von dem ganzen, Lucy. Sie ist noch jung und unbeschwert. Sie muss sich früh genug mit solchen Themen beschäftigen.“


Nachdem die Küche wieder in einem ordentlichen Zustand war, ging ich hoch in mein Zimmer und stellte mich ans Fenster. Mein Blick fiel auf die Teststation. Ich seufzte. Dort, wo sich alles entscheiden würde. Ich wünschte, ich hätte das schon alles längst hinter mir. Könnte ein ganz normales Leben führen, nächstes Jahr meinen Abschluss machen und eine Familie gründen. Noch wusste ich nicht, was ich später einmal werden wollte. Früher wollte ich immer Architektin werden. Mir gefiel der Gedanke, unseren Sektor neu aufzubauen und nicht mehr in diesen eintönigen und hässlichen Gebäuden leben zu müssen. Mit schönen Häusern und Straßen. Als das meine Lehrerin hörte, musste ich nacharbeiten und meine Eltern wurden informiert. Daheim hatte mir dann meine Mutter erklärt, dass es besser ist, wenn alle Häuser gleich sind, da es dann keinen Streit gibt und die ärmeren Menschen nicht benachteiligt sind. Auch dass Grau eine Farbe ist, die nicht besonders auffällt und raussticht. Ich hatte es sogar verstanden und nie wieder davon gesprochen. Meine Mutter hat mir in letzter Zeit öfters Prospekte mitgebracht, wo einige Berufe aufgelistet waren. Doch ich hatte noch keinen Blick darauf geworfen. Im Moment hatte ich einfach andere Sorgen, als mir Gedanken darüber zu machen, welchen Beruf ich ausüben wollte.

Ich seufzte und warf einen Blick auf die Uhr, die über meinem Bett hing. Inzwischen war es 8:10. Ich schaute auf die Zeiger und beobachtete, wie der Sekundenzeiger sich gleichmäßig über das Uhrenblatt schob. Meine Gedanken ließen sich erneut in Richtung Test schieben. Wie der Test wohl aussehen würde? Ich würde kein Schatten sein. Alles würde gut werden. Aber was, wenn doch?, fragte die Stimme in meinem Kopf. „Ach halt die Klappe!“, knurrte ich und schüttelte den Kopf, um die schrecklichen Gedanken loszuwerden. Im Badezimmer putzte ich mir noch die Zähne und sah in den Spiegel. Ich sah ein durchschnittliches Mädchen mit blassem Gesicht, welches von dunklen Locken umrahmt wurde. Sie hatte rote Lippen und grüne Augen, die ängstlich aufgerissen waren und mich musterten. Ja, sagte ich mir, du bist weder besonders hübsch noch hässlich. Du bist ein ganz normales Mädchen. Nichts besonderes und kein Schatten. Ich holte noch einmal tief Luft, warf einen letzten Blick auf mein Spiegelbild und lief nach unten.

„Mum ich geh dann auch mal.“, rief ich und schaute in die Küche. Mama stand am Herd und kochte. Sie blickte auf und sagte: „Okey pass auf dich auf meine Süße. Bis heute Mittag.“

Ich zog meine Schuhe an, warf meine Tasche über die Schulter und machte mich auf den Weg. Langsam stapfte ich über die gepflasterten Straßen. Wie trostlos es hier aussah. Wenigstens erschien unser Viertel durch die Sonnenstrahlen etwas freundlicher. Normalerweise hörte man wenigstens das Lachen der Kinder und die hektischen Schritte der Erwachsenen, doch heute waren die Straßen menschenleer.

„Luce!“

Ich drehte mich um und sah Katrina auf mich zu laufen. Sie umarmte mich und fragte: „Hast du den Brief bekommen?“


Ich nickte. Katrina hatte den Test schon hinter sich.

„Du brauchst wirklich keine Angst haben. Ich darf dir zwar nichts erzählen aber es ist nicht schmerzhaft.“

Sie lachte kurz auf bevor sie fortfuhr.

„Und morgen Nachmittag treffen wir uns vor dem Institut und dann wird gefeiert.“

Ihre gute Laune war ansteckend und ich vergaß den Test einfach.

„Wusstest du, dass sie Claire mittgenommen hatten?“, fragte ich Katrina in der Pause.

Claire war in unserer Klasse bis sie vor zwei Tagen einfach nicht mehr kam.

„Nein. Warum denn?“


Katrinas Blick wurde ernst.

„Angeblich soll sie mit einem Jungen aus Sektor 1 liiert gewesen sein. Sie wollten sogar heiraten, meint meine Nachbarin.“


Wie kann man so etwas tun? Es ist verboten mit Leuten aus anderen Sektoren zu reden, geschweige denn, befreundet zu sein oder zu heiraten. Das ist schon fast Hochverrat.

„Das wäre doch eh irgendwann rausgekommen. Wie kam die überhaupt zu einem Jungen aus 1?“, hakte ich nach.


„Ich hab keine Ahnung. Claire war schon immer etwas naiv und nicht sehr weit blickend.“

Oh ja. Vor zwei Jahren hatte sie mal unsere Lehrerin gefragt, ob wir nicht mal in der ganzen Stadt einen Stromausfall als Versuch machen können.

„Oh weißt du was? Gestern Abend hat mich Alec so angerufen.“


Ich machte große Augen. In Alec war Katrina schon lange verliebt.

„Und? Was wollte er?“

Katrina wurde rot und lächelte.

„Also er hat gefragt, ob wir uns übermorgen mal treffen können. Unten am Fluss.“


„Hast du ja gesagt? Ohh Katii das is echt megaaa süß.“

Kati nickte.


„Aber was über was soll ich denn mit ihm reden? Oder wenn ich was falsch mache?“

Ich legte den Arm um ihre Schulter.

„Hey du schaffst das schon ja? Ich komm vorher nochmal bei dir vorbei.“

Sie nickte und wir liefen lachend zum Schulhaus zurück.
 Kurz bevor die Mathestunde begann, gingen wir ins Klassenzimmer. Jacob blieb vor unserm Tisch stehen.

„Du solltest schon mal anfangen, den Blick zu üben, Kleine.“

Er stieß seinen Kumpel Luke an und prustete los.


„Jacob, halt die Klappe. Das ist nicht witzig. Hau ab!“

Mit hochrotem Kopf saß ich da und versuchte, mich unter Kontrolle zu bekommen. Kati sah mich grinsend an.

„Wenn man dich so sieht, könnte man schon meinen, du seist ein Schatten.“

Ich stöhnte auf.

„Bitte Kati, mir ist im Moment nicht zum Spaßen zu Mute.“


Sie nickte mitfühlend.

„Weißt du, am Tag vor meinem Geburtstag hatte ich mich auch elend gefühlt, aber danach ging es mir super.“

Kati hatte sich am Tag davor von der Schule abholen lassen. Ich weiß noch, wie alle sie angestarrt hatten, als sie den Raum verließ. Es musste schrecklich gewesen sein. Zum Glück ist mir das nicht passiert.

Kapitel 2

Nachdem Helen und ich abends heimgekommen sind, ging ich hoch in mein Zimmer und begann zu lesen, bis Mum uns zum Abendessen rief. Das Essen verlief recht schweigsam. Dads Laune hatte sich nicht unbedingt gebessert. Nur Helen redete unaufhörlich und erzählte von der Schule und ihren Klassenkameraden. Nachdem ich Mum noch in der Küche geholfen hatte, zog ich mich wieder in mein Zimmer zurück. Alle Zimmer sahen in jedem Haus gleich aus. Dieselben hellgrauen Wände, weiße Vorhänge, helle Holzmöbel und Bettwäsche, Sofa, Kissen in der jeweiligen Sektorfarbe. Lediglich durch Fotos oder Erinnerungsstücke unterschieden wir uns. Morgen um die Zeit würde ich mit meiner Familie und Katrina feiern. Hoffentlich. Ich griff zu einer der Broschüren, die Mum mir wegen der Berufswahl dagelassen hatte. Es gibt fünf Berufsqualifikationen. Je nach Abschluss kann man frei wählen. Allerdings wurden meist immer nur die Besten genommen, deshalb ist es auch sehr wichtig, dass man gut in der Schule ist. Je nach Berufsqualifikation bekommt man auch ein gewisses Gehalt. Ganz oben waren Regierungsabgeordnete. Dies ist quasi die Elite. Nur ganz wenige schaffen es. Von diesen ganz wenigen sind es nur zwei Leute, die den jeweiligen Sektor vertreten. Danach kommt die Dienstleistung 2. Dazu gehören Manager, Firmenchefs und Wirtschaftler, also auch mein Vater. Dort möchte jeder seine Kinder arbeiten sehen. Die dritte Stufe bilden die Lehrer, wobei dies intern nochmal unterteilt ist. Die Gruppe der Dienstleistung 1 bilden die niederen Aufgaben wie Frisör, Verkäufer, Boten oder Sekretärinnen. Ganz unten, für Leute ohne Abschluss, ist der Beruf Trasher. Diese kümmern sich um den Müll und die Abwasserregelung. Diese Menschen sind das Nichts der Gesellschaft. Von jedem belächelt und ignoriert, erledigen sie ihren Aufgabenbereich meist im Morgengrauen, wenn sie keiner sieht, um dem Rest der Gesellschaft den Anblick ersparen zu können. Zum Glück bin ich in keiner solchen Familie aufgewachsen. Obwohl man es diesen Leuten nahe legt, keine Familie zu gründen, geschieht es doch immer wieder, dass sie Kinder zeugen, ohne an die gesellschaftlichen Folgen zu denken. Die meisten Kinder aus solchen Familien sind oft genauso wenig intelligent wie ihre Eltern. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber dies passiert äußerst selten. Eine Ausnahme bei diesem Schema bilden die Retaros. Sie sorgen für unsere Sicherheit und kümmern sich um Verbrechen. Nur Männer können Retaros werden. Nach der Geburt werden alle männlichen Babys, die sich dafür eignen, in eine Sonderschule gebracht. Sind sie nach ihrem 5. Lebensjahr trotzdem ungeeignet werden sie an die Eltern zurückgegeben. Reatros bleiben 40 Jahre im Dienst. Danach bekommen sie eine Villa im Regierungsviertel und werden geehrt. Ich tendierte momentan zum Management, auch wenn es nicht mein Traumberuf ist, aber er hat zumindest ein gutes Ansehen.

Ich legte mich auf mein Bett und malte mir meine Zukunft aus. Mit meinem Partner. Nach dem 18. Geburtstag musste man sich in der Partnervermittlungsstelle melden. Dort werden einem je nach Interessen und Schulabschluss einige Männer vorgestellt, mit denen man sich verabreden kann, und so weiter. Natürlich darf man sich auch einen anderen Freund suchen. Manche haben auch schon in der Schule den Richtigen gefunden. Zeit hat man bis zum 23. Geburtstag. Wenn man sich bis dahin nicht für jemanden entschieden hat, übernimmt das die Regierung. Wählt man einen Partner, der einem nicht von der Vermittlungsstelle vorgeschlagen wurde, muss man erst ein Jahr zusammen sein, bevor man heiratet. Zudem wird man nochmals von den Regierungsabgeordneten überprüft, ob man zusammenpasst. So wird verhindert, dass Leute nur aus einer reinen Verliebtheit heraus heiraten und sich danach scheiden lassen. Dies hat nämlich schlechte Auswirkungen auf die Psyche der Kinder. Ich freute mich schon darauf, mit meinen Vorgeschlagenen ausgehen zu können.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war es schon viertel vor neun. Schnell sprang ich aus dem Bett und ging unter die Dusche. Eine halbe Stunde später war ich fertig. Unten sang mir meine Familie ein Happy Birthday. Der Kuchen stand schon auf dem Tisch und es steckten 16 Kerzen drin. Ich setzte mich an den Tisch und packte meine Geschenke aus. Von meinen Eltern bekam ich in wunderschönes, grünes Kleid und dazu passende Ohrringe. Ich fiel ihnen um den Hals. Das Kleid war so schön. Dann übereichte mir Helen ihr Paket. Vorsichtig wickelte ich das Papier ab und öffnete die Schachtel. Auf schwarzem Stoff lag ein silbernes Amulett an einer Kette. Ich klappte es auf und sah ein Foto von Helen und mir, wie wir lachend am Meer standen.

„Oh Hel, danke.“, hauchte ich und umarmte sie.

Ich steckte die Kette in meine Hosentasche, denn es war nicht gestattet, während des Testes persönliche Gegenstände zu tragen. Wir frühstückten ausführlich und machten uns dann auf den Weg. Heute am Tag meines Tests hatte meine Familie frei. Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien warm vom blauen Himmel und der Fluss glitzerte. Hel nahm meine Hand und drückte sie. Dieses Zeichen hatten wir mal ausgemacht, als wir noch klein waren. Es hieß, ich verstehe dich und bin für dich da. Ich war ihr dankbar. Schon bald kam die Teststation in Sicht. Nervös strich ich mir eine Haarsträhne hinter die Ohren. Ich schaute im Fenster in mein Spiegelbild. Mein Blick traf den meiner Mama. Sie lächelte. Doch ihre Augen verrieten die Anspannung, die sie trug.

Die Schiebetüren glitten auf und wir betraten einen großen Raum. Im Empfangsbereich kam eine junge, blonde Frau auf uns zu. Sie trug ein schwarzes Kleid und eine Brille.

„Lucy Maria Samberlayn?“ fragte sie.
Ich nickte und trat vor.

Sie schrieb etwas auf ihr Klemmbrett und bedeutete mir ihr zu folgen. Ich drehte mich um, sah meine Familie. Mama und Papa lächelten mir aufmunternd zu und Helen drückte mir die Daumen. Die Frau führte mich in einen weißen Raum und schloss die Tür hinter mir. Ich setzte mich auf einen Stuhl und wartete. Kurz drauf kam sie wieder mit einem jungen Mann und einer Frau, dann ging sie.


„Hallo Lucy.“, begrüßte mich der Mann und gab mir die Hand. „Ich bin Dr. Martin Clifton. Und das ist meine Kollegin Dr. Janet Lewinsky.“


Auch die Frau gab mir die Hand.

„Wir werden jetzt den Test mit dir machen. Du brauchst keine Angst zu haben. Wir werden dir ein Mittel spritzen, was dich wütend macht. Dann schaust du dir bitte die Maus an. Aber wir halten immer ein Beruhigungsmittel bereit. Mach dir keine Gedanken. Wir werden hier hinter diesem großen Fenster warten.“


Ich schaute mich verwirrt um.

„Entschuldigen Sie bitte, aber welche Maus denn?“


Dr. Clifton antwortete. „Diese hier. Janet bringt sie gerade herein.“


Es war eine ziemlich große Maus. In einem kleinen Käfig. Die Frau holte eine Spritze hervor und stach mir in den Arm. Es pikste kurz und ich spürte, wie sie die Flüssigkeit in mein Blut drückte. Dann ging sie. Zuerst spürte ich gar nichts. Dann bemerkte ich, dass die Wände langsam immer näher kamen. Es fiel mir langsam schwerer zu atmen. Es war, wie wenn jemand langsam die Luft aus dem Raum heraussaugte. Ich wollte hier raus. Ich ging auf die Tür zu und drückte die Klinke runter. Aber sie öffnete sich nicht. Ich bekam Panik. Auch die Fenster ließen sich keinen Spalt öffnen. Was ist das nur für ein Test? Kati hatte erzählt, es gab keine Schmerzen. Das ich nicht lache. Sie hatten mich eingesperrt. Mich angelogen. Mein Kopf fühlte sich an, als ob er jeden Moment zerspringt, und bei jedem mühsamen Atemzug schmerzte meine Lunge. Doch meine Angst verwandelte sich in Wut, als ich an den Doktor dachte. Keine Angst sollte ich haben. Natürlich. Ich werde hier wahrscheinlich ersticken. Aber Angst? Nein, die brauch ich nicht haben. Ich hämmerte mit den Fäusten an die Wand und trat gegen die Tür. Aber niemand kam. Ich begann zu schreien und versuchte die Fenster einzuschlagen. Das Atmen wurde immer beschwerlicher. Mein Blick glitt durch den Raum und blieb an der Maus hängen. Eine erneute Wutattacke ran durch mich. Ich lief auf den Käfig zu. Die Maus kroch in die Ecke und rollte sich zusammen. Ich packte den Käfig und schleuderte ihn gegen die Scheibe. Er fiel scheppernd zu Boden.

„Dieser scheiß Käfig!“

Mein Schrei hallte von den Wänden wieder. Mein Blick traf den der Maus. Die Maus verdrehte die Augen und kippte um. Ich warf das Metallteil durch den Raum und stampfte mit dem Fuß auf. Plötzlich spürte ich in meiner Schulter einen Stich und es wurde schwarz. Vor meinen Augenlidern wurde es heller. Langsam kam ich wieder zum mir und schlug die Augen auf. Über mir sah ich die Neonröhren an der weißen Decke hängen. Ein Gurt war über meine Hüfte befestigt und fesselte mich an die Liege. Ich öffnete ihn leise und stand auf. Wie war der Test ausgefallen? Warum war ich nicht zuhause? Mit kleinen Schritten lief ich auf die Tür zu und drückte die Klinke runter. Durch einen Spalt sah ich wie die Ärzte mit meiner Familie sprachen. Über was redeten sie? Ich quetschte mich durch den Spalt und blieb an der Wand stehen. Hels Blick glitt über mich und ihre Augen wurden groß.

„Lucy!“, rief sie und rannte auf mich zu.


Ich schloss sie in die Arme und flüsterte „Alles ist gut.“


Mama stieß einen spitzen Schrei aus und die Ärzte zogen Helen von mir weg. Vater stellte sich schützend vor Helen.

„Rühr unsre Tochter nicht an, Missgeburt!“


Ich erstarrte. Missgeburt? Sie sagten nicht deine Schwester. Sie sagten unsere Tochter. Sahen sich mich nicht mehr als diese an?


„Lucy Maria Samberlayn, du bist ein Schatten.“


Was? Nein das konnte nicht sein. Tränen traten mir in die Augen und ich schluchzte auf. Jetzt bemerkte ich den ängstlichen Blick in den Augen meiner Mutter und den wütenden in Vaters Augen. Für sie war ich jemand, der nie hätte geboren werden dürfen. Ich sank auf die Knie. Meine Familie wollte mich nicht mehr. Mein Blick traf Hels. In ihren Augen sah ich Verzweiflung.


„Nein! Lasst mich zu Lucy! Ich will zu meiner Schwester!“

Sie begann, um sich zu schlagen, sodass Papa Mühe hatte sie festzuhalten. Mama redete beruhigend auf Helen ein. Doch sie hörte nicht. Die Ärztin meinte, es wäre besser jetzt zu gehen. Meine Mutter nickte und öffnete die Tür.


„Hel! Hel!“

Ich wollte auf die Tür loslaufen, doch der Arzt packte meine Arme und hielt mich fest. Auch Hel klammerte sich mit aller Kraft am Türrahmen fest.

„Ich tu dir nie weh. Ich hab dich lieb.“, schrie ich.

Hoffnung glomm in Helens Augen auf.


„Du bleibst meine liebe Schwester, egal wer du bist.“

Dann schlug die Tür zu.
 Tränen der Verzweiflung liefen mir die Wange hinunter. Die Ärzte zerrten mich zu einem Raum und stießen mich hinein. Die Tür schlug ins Schloss und ein Riegel schob sich hervor. Die Botschaft war deutlich: Von hier gibt es kein Entrinnen. Die Dunkelheit kam immer näher. Ich fühlte mich eingeengt und bedroht. Ich kauerte mich in eine Ecke zusammen und weinte. Laute Schluchzer entfuhren mir und mein ganzer Körper bebte. Heute Morgen noch hatten mir alle versichert, dass es unmöglich sei, ein Schatten zu sein. Aber das Unmögliche ist Wahrheit geworden. Mein Schluchzen wurde immer lauter. Langsam sickerte es durch, was ich bin.

„Ich bin ein Monster.“, flüsterte ich.

Das Wort kam über meine Lippen wie eine abstoßende Krankheit. Aber es gibt kein anderes Wort dafür. Ich fühlte mich, wie der einsamste Mensch der Welt. Wenn einen niemand haben will, weil er anders ist. Ich glaubte zu verstehen, warum wir die anderen Sektoren nicht betreten durften. Dann würde nämlich genau das passieren. Nur, dass das hier tausend Mal schlimmer war. Ich wurde gehasst von meiner Familie. Verstoßen. Weil ich böse bin. Nicht durch mein eigens verantwortliches Handeln, sondern von Natur aus. Verzweiflung machte sich in mir breit. Ich konnte doch nichts dafür! Warum ausgerechnet ich? Warum? Langsam stand ich auf.

„Ich bin ein Monster!“, schrie ich. „Ein Monster!“

Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig. Tränen strömten nur so über mein Gesicht. Ich brach zitternd zusammen.

Plötzlich erklang eine Stimme aus der Dunkelheit.

„Nein bist du nicht. Du bist kein Monster. Du bist… ein Schatten.“

Kapitel 3

Ich schreckte hoch.

„Wer ist da?“

Ein Junge trat in das Licht, das durch ein kleines Fenster hereinfiel. Er hatte dunkelbraune, gelockte, etwas längere Haare und seine Haut hatte die Farbe von Milchkaffee. Mit seinen gewittergrauen Augen schaute er auf mich herunter.

„Ich bin auch ein Schatten.“

Ich konnte ihn nur verblüfft anstarren.

„Gestatten, James Hurrington. Und mit wem habe ich die Ehre?“

Mein Mund war trocken.

„Lucy Samberlayn.“ krächzte ich. „Warum bist du hier? Du kommst nicht aus Sektor 2.“

Nachdenklich sah er mich an.

„Nein das komm ich nicht. Ich stamme aus Sektor 3. Aber unsere Teststation musste schließen. Wegen einer Krankheit.“

Er schien nicht gerade traurig darüber zu sein. Im Gegenteil, die Gelassenheit schien ihm ins Gesicht geschrieben.

„Und dir macht das nichts aus? Das deine Familie dich ignoriert. Deine Mitmenschen vor dir beschützen wollen. Dass sie dich für eine Missgeburt halten?“

Meine Stimme war immer lauter geworden und am Ende schrie ich fast. Seine Augen weiteten sich und er wand sich ab. Meine Worte drangen in mein Gedächtnis.

„Tut mir Leid. Das wollte ich nicht. Ich wollte dich nicht als Missgeburt bezeichnen.“ , stotterte ich.

Mit einem Funkeln in den Augen drehte er sich um.

„Aber genau dafür hälts du mich, oder besser uns, oder?! Für eine Missgeburt.“

Das letzte Wort spie er aus wie Gift.

„Sei doch einfach froh, dass du sie los geworden bist!“

Ich war aufgesprungen.

„Sie sind meine Familie, verdammt! Ich liebe sie und würde sie niemals loswerden wollen!“

„Sie dich aber nicht, und glaub mir, sie wollten dich nie wiedersehen.“

Meine Augen wurden groß und füllten sich mit Tränen.

„Du bist so ein Arschloch.“

„Soll ich dich anlügen?“, fragte er gelassen.

„Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Nur weil deine Emotionen einem tiefgefrorenen Stein gleichen, heißt es nicht, dass es anderen genauso geht!“

Ich kochte vor Wut und Trauer. Eigentlich müsste er doch Verständnis haben?!

„Ich weiß ganz genau, wer ich bin, im Gegensatz zu dir.“

„Du hast doch keine Ahnung. Oder kannst du zufällig auch Gedanken lesen?“

„Nein, das nicht. Aber sonst würdest du dich jetzt kaum so aufführen wie ein kleines Kind, dem man die Süßigkeiten weggenommen hat.“

Mit einem lässigen Grinsen sah er auf mich herab.

„Du aufgeblasener, eingebildeter Vollidiot.“, fauchte ich.

„Die Liste meiner Namen wird ja immer länger.“

Er lehnte sich an die Wand.

„Willst du weiter wie Rumpelstilzchen hier rumhüpfen oder kannst du dich endlich mal erwachsen benehmen und mir vielleicht zuhören?“

Das ist doch die Höhe! Was erlaubt der sich eigentlich? Mit einem Knurren hockte ich mich an die Wand.

„Und was hat mir der ach so tolle James Hurrington zu sagen?“

„Freut mich, dass wir einer Meinung sind.“

Er setzte sich neben mich.

„Halt bloß Abstand.“, zischte ich.

Er ignorierte mich und holte tief Luft.

„Es ist nicht gefährlich, ein Schatten zu sein, oder einem zu begegnen.“

Meine Augen verengten sich zu Schlitzen.

„Es ist gefährlich, so zu denken!“

„Und warum?“, fragte er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Wer war er? Wer war er, dass er so dachte?

„Weil man sich so gegen das auflehnt, wofür die Regierung seit Jahren gekämpft hat. Schatten sind gefährlich, sie töten wahllos harmlose Menschen. Und noch immer schaffen es Schatten, sich den Retaros zu entziehen und in den Sektoren ihr Unwesen zu treiben und zu morden. Doch das sind nicht alle. Außerhalb der schützenden Mauern warten noch weitere. Sie warten auf einen Moment der Schwäche der Regierung und Menschen, die so denken wie du, beschleunigen diesen Prozess nur noch.“, antwortete ich automatisch.

James lachte laut auf.

„Hast du das aus deinem Schulbuch auswendig gelernt, damit du bei deiner Lehrerin punkten kannst, um einen guten Abschluss zu bekommen?“

„Das steht in den Schutzverordnungen.“, verbesserte ich ihn. „Außerdem ist dieses Wissen wichtig um hier leben zu können.“

James starrte mich an, als ob ich ein Geist wäre.

„Du meinst das wirklich ernst.“

Er schüttelte den Kopf.

„Hör auf, mich wie ein Kleinkind zu behandeln.“

„Sorry, aber das geht bei dir nun mal nicht anders. Muss ja ganz von vorne anfangen.“

„Was ist eigentlich dein Problem, Hurrington?“, fauchte ich. „Lass mich doch einfach in Ruhe.“

Er stand tatsächlich auf und legte sich auf eine Pritsche. Ich schloss die Augen und lehnte den Kopf gegen die Wand. Offenbar war ich dabei kurz eingenickt, denn als ich die Augen erneut öffnete, schien die Sonne nicht mehr durch das kleine, vergitterte Fenster hinein und es war merklich dunkler geworden. Hurrington lag noch immer auf seiner Pritsche. Plötzlich war ein Klappern zu hören und durch eine Klappe an der Tür wurde ein Tablett hineingeschoben. Mein Magen sich bei dem Anblick bemerkbar. Sofort sprang ich auf und stürzte mich auf das Tablett. Es war für jeden ein Becher Wasser, ein Stück Brot und ein Teller voller brauner Pampe. James nahm sich seinen Teller und setzte sich auf den Boden. Ich tauchte den Löffel in die Pampe und steckte ihn mir vorsichtig in den Mund. Und am liebsten hätte ich es gleich wieder ausgespuckt. Mühsam würgte ich die Pampe hinunter.

„Igitt was ist das denn?“, angeekelt verzog ich das Gesicht.

„Was hast du denn erwartet? Dass Mama vorbeikommt und ihrer verwöhnten Prinzessin was zu essen kocht?“

„Nur, weil du nicht weißt, was gutes Essen bedeutet.“, schnaubte ich.

„Schade, dass deine Mutter dir nie wieder sowas kochen wird.“

Das saß. Es war wie ein gezielter Schlag in die Magengrube. Ich drehe den Kopf weg, damit er meine Träne nicht sah, nahm mir das Wasser und Brot und verkroch mich wieder in die Ecke. Das Brot war hart, doch mithilfe des Wassers ließ es sich halbwegs kauen. Nach einer Zeit setzte sich James neben mich. Als ich nicht reagierte, schob er mir vorsichtig die Haare hinters Ohr.

„Hey, es tut mir leid. Das war unter die Gürtellinie gewesen.“

Ich sah auf, in Erwartung eines spöttischen Kommentars, doch in seinen Augen stand die pure Ehrlichkeit. Hatte sich James Hurrington gerade bei mir entschuldigt? Ach du heiliges bisschen. Er räusperte sich.

„Kannst du mir einfach einen Moment zuhören, ohne mich zu unterbrechen?“

Ich nickte.

„Wie du wahrscheinlich weißt, dauert die Wandlung in einen Schatten drei Tage. Was danach mit ihnen passiert, interessiert keinen, weshalb es auch fast niemand weiß. Wenn man Glück hat, wird man umgebracht, doch die meisten bekommen ein Mittel gespritzt, durch welches sie der Regierung restlos ausgeliefert sind. Diese Schatten sind dafür verantwortlich, dass es bei Aufständen Tote gibt. Allerdings geschieht dies nicht aus eigenem Willen heraus, sondern aus dem Willen der Regierung.“

„Aber warum sollte sie das tun. Das gibt überhaupt keinen Sinn.“, wiedersprach ich.

„Was weiß denn ich, was in den Köpfen dieser machthungrigen Gestalten vor sich geht. Ich weiß aber, dass Schatten nicht gefährlich sind, sie können natürlich auch den Blick kontrollieren. Ein weiterer Aspekt, den euch die ach so tolle Regierung nicht erzählt hat. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, aber auch Menschen sind nicht alle gut. Selbst die besten Menschen können zum Mörder werden.“

Das war alles so verkehrt.

„Woher soll ich wissen, dass du mich nicht anlügst?“

„Da musst du mir wohl vertrauen.“

„Davon träumst du.“

„Meine Verwandlung ist in zwei Tagen abgeschlossen. Ich für meinen Teil möchte nicht als Marionette der Regierung enden, aber das ist deine Entscheidung.“

„Ach, und was hast du vor? Willst du einen Tunnel graben?“

„Das würde vermutlich zu lange dauern. Aber ansonsten erstmal abwarten. Du wirst schon sehen.“

„Sehr vertrauenserweckend.“, murrte ich.

„Was haben wir denn erwartet, Hoheit? Dass ich Ihnen einen Plan A und B liefere, am besten noch einen Notfallplan mit Unfallversicherung?“

Ich presste die Zähne aufeinander um ihm nicht alle möglichen Schimpfwörter an den Kopf zu werfen.

„Wie wärs, wenn du einfach schlafen gehst? Dann hältst du wenigstens einmal deine arrogante Klappe.“

„Stets zu Diensten.“

Er verbeugte sich und legte sich dann endlich schlafen. Ich schloss die Augen. Vor nicht einmal 12 Stunden war mein Leben noch in reinster Ordnung gewesen, und dann war es mir nichts dir nichts auf den Kopf gestellt worden. Und dann kam auch noch dieser aufgeblasene Volltrottel daher und stellte mein ganzes Weltbild auf den Kopf. Ich wusste immer noch nicht, was ich davon halten sollte. Waren Schatten wirklich so ungefährlich? Und die Regierung so hinterhältig und machtbesessen? Mein Schädel dröhnte von den ganzen Fragen. Was ist richtig und was falsch? Was war eine Lüge und was die Wahrheit?

Ich schüttelte den Kopf, um all die Gedanken loszuwerden. Das klappte, bis sie sich in eine gefährliche Richtung begaben – meine Familie. Vor ein paar Stunden hatten sie mir noch zum Geburtstag gratuliert, mir ein Kleid und Ohrringe geschenkt. Helen hatte mir eine Kette… Moment! Ich griff in meinen Ausschnitt und holte sie hervor. Vorsichtig öffnete ich das Amulett und betrachtete das Foto darin. Helen war mit ihren hellblonden Locken und den blauen Augen schon immer wunderschön gewesen. Während ich dagegen immer durchschnittlich war – bis heute. Ob ich sie je wiedersehen würde? Oder mit ihr reden würde? Tränen traten mir mal wieder in die Augen.

„Am besten du denkst gar nicht mehr an deine Familie. Sie wollen dich eh nicht.“

Ich zuckte zusammen, als ich Hurringtons Stimme hörte. Wütend blickte ich auf. Er saß auf seiner Pritsche, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. „Was weißt du denn schon davon?“

„Nun, sie würden wohl kaum jemand als Missgeburt bezeichnen den sie lieben.“

„Du bist echt das Allerletzte.“

„Ich wiederhole nur deine Worte in abgeänderter Form.“, erwiderte er ungerührt.

Ich zeigte ihm den Mittelfinger und drehte mich weg. Er sollte nicht sehen, wie sehr mich seine Worte verletzten.

„Du kannst gern die andere Liege nehmen.“, meinte James.

Was? Erst machte er mich runter und dann das? „Danke, hier ist es bequemer.“, knurrte ich.

Er zuckte mit den Schultern und legte sich wieder hin. Inzwischen war es komplett dunkel geworden. Ich lehne den Kopf zurück an die Wand und schließe die Augen. Doch obwohl ich wahnsinnig müde bin, rattert mein Gehirn munter weiter. Ich kann es nicht abstellen. Wird mein Dad seine Arbeit verlieren, weil ich ein Schatten bin? Hatte ich ihr Leben zerstört? Ich ekelte mich vor mir selbst, bei diesem Gedanken. Was würden sie der Schule erzählen? Was würde Katrina denken? Heute Abend wollte ich mit ihr feiern. Ich wollte ihr helfen, sich für ihr Date zurechtzumachen. Meine Eltern wollten mit mir was gutes Kochen und ich wollte mein neues Kleid anziehen. Früher sind reichere Leute bei einem besonderen Anlass zum Essen wohin gegangen. Dort haben sie sich dann bekochen und bedienen lassen. Auch das gibt es nicht, weil es sich zum Beispiel Trasher nicht leisten können. Deshalb leben wir unseren Luxus ab und zu daheim aus. Und dann sah ich wieder den Blick meines Vaters vor mir. Wie er Helen vor MIR beschützen wollte. Mums angstvoller, wütender Blick, als hätte ich es die ganze Zeit schon gewusst und mich wie ein Kuckuck in die Familie eingeschlichen hätte. Hätte ich es vorher wissen können? Dass ich böse bin? Verdammt. Ich dachte an Helens hoffnungsvollen Blick. Konnte sie mir noch vertrauen? Dass ich nicht böse bin? Aber ich bin böse, schließlich bin ich ein Schatten, oder? Stimmt es, dass die Regierung die Schatten unter ihrem Willen als Abschreckung benutzen? Aber was ist der Zweck dahinter? Nein, das kann nicht sein. Die Regierung beschützt uns ja vor den Schatten. Aber was, wenn doch? Was ist, wenn James die Wahrheit sagt? Ich wusste nicht mehr weiter. Alles ist so verdreht. Früher hatte ich die Menschen in schwarz und weiß unterteilt. Doch jetzt ist alles einfach nur grau und löchrig.

Mein Körper wollte dringend schlafen, doch mein Geist wehrte sich dagegen. Frustriert öffnete ich die Augen.

„James? Bist du noch wach?“, flüsterte ich. Keine Antwort. „James?“, fragte ich etwas lauter. Immer noch nichts. Gut. Sehr gut. Immer wenn ich total aufgelöst war, hatte ich gesungen. In der Schule hatte ich auch Gesangsunterricht gehabt und war im Chor gewesen. Beim Aufräumen daheim hatte ich vor drei Jahren unter meinem Bett eine lose Diele entdeckte. Darunter befand sich auf Papier geschrieben ein Lied samt Noten. Zuerst wollte ich es Mum und Dad zeigen, doch mein Bauchgefühl hatte mir davon abgeraten. Genau konnte ich es auch nicht mehr sagen, aber ich hatte niemandem davon erzählt. Immer wenn ich alleine war, habe ich dieses Lied geübt, bis ich es schließlich auswendig konnte. Es hatte eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mich. Hoffentlich findet es daheim niemand. Ich überprüfte nochmal ob James wirklich schlief. Dann stellte mich wieder in mein Eck. Im stehen konnte man viel besser singen. Die Töne klangen dann reiner und klarer. Ich schloss die Augen, um mich ganz der Musik hingeben zu können. Dann holte ich tief Luft und begann zu singen:

There’s a time, when I must go.

I can’t say when. I don’t know why.

I don’t want to go, far away without you.

But it’s just for you.

Now it’s time for me.

I love you forever, but I must go.

I can’t stay here with you.

It’s too dangerous – for you.

Bald kommt die Zeit, da ich dich verlassen muss.

Ich weiß nicht wann oder wie.

Ich will nicht gehen, soweit und ohne dich.

Aber ich muss es tun.

Die Zeit ist hier.

Ich liebe dich, doch ich muss gehen.

Ich kann nicht bleiben, hier mit dir,

Es ist gefährlich nur für dich.

I want you to know, in our house in safety.

Please do it for me

For me and our child.

I must go now, but you have to go on.

Do it just for me, for your love to me.

I will never forget you.

No matter where I am,

When we look to the stars

It always be the same.

Good bye my darling, bye

Don’t forget me don’t be sad.

We will see us again.

Ich will dich in Sicherheit,

Tu es doch für mich

Für mich und unser Kind.

Ich muss gehen, aber gib nicht auf.

Tu es nur für mich, für deine Liebe für mich.

Ich werd dich niemals vergessen.

Egal wo ich auch bin,

schauen wir zu den Sternen

es werden immer dieselben sein.

Good bye, darling, bye

Trauer nicht zu sehr,

we will see us again.

We will see us again.

Ich ging vollkommen in der Musik auf. Tränen liefen mir über die Wangen und ich sang das Lied immer und immer wieder. Ich nahm nichts mehr war, außer der Musik und das beruhigende Gefühl in mir. Die Zelle um mich herum verschwamm. Mein Geist durchbrach die Mauern und Türen. Niemand konnte mich aufhalten. Ich stieg höher und höher. Den Wolken entgegen, auf in die Freiheit.

Ich wusste nicht, wie lange ich dastand und dieses Lied sang. Für manche erscheint es vielleicht langweilig, aber so ist es nicht. Es ist wie ein warmer Sommerregen nach Wochen endloser Hitze. Es ist wie das Wasser, kurz vorm Verdursten oder wie ein Anker in der tosenden Flut. Das Lied ist ein Hoffnungsträger, das Gefühl, nicht aufhören zu können. Egal wie schlimm die Situation ist, das Lied lässt es dich einen Moment lang vergessen.

Vorsichtig öffnete ich die Augen und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Als ich wieder klar sehen konnte, erstarrte ich. James saß auf seinem Bett und blickte mich an. Verdammt. Ich hatte doch extra geschaut ob er schon schläft. Ich spürte wie ich einen knallroten Kopf bekam.

„Woher kennst du dieses Lied?“, fragte James.

„Ich wüsste nicht was dich das angeht, Hurrington.“, zischte ich wütend. Warum hatte er das mit angehört? Warum ausgerechnet dieser arrogante Kerl? Wahrscheinlich würde er sich wieder darüber lustig machen.

„Das geht mich sehr wohl etwas an.“ James war aufgesprungen und kam wie ein Panther auf der Jagd auf mich zu. Nur bin ich die Beute. Ich hob das Kinn, trat aber gleichzeitig einen Schritt zurück.

„Nein, tut es nicht.“, sagte ich kühl und ballte meine zitternden Finger zu Fäusten.

James kam noch näher. Seine Augen grauen Augen blitzten. Wie der Himmel bei einem Sturm. Was für ein unangebrachter Gedanke, schaltete ich mich selber.

„Oh doch, verdammt, und jetzt antworte mir.“, seine Stimme glich einer kalten Eisenklinge.

„Ich hab keine Angst vor dir.“

James Kiefer war angespannt und er ballte die Hände zu Fäusten. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und eine Falte bildete sich auf seiner Stirn. Dass er um seine Beherrschung kämpfte, merkte ich erst, als er sie gnadenlos verlor.

„Warum kannst du mir nicht einfach antworten, verdammt?“, brüllte er. Erschrocken wich ich bis zur Wand zurück, doch er trat vor und packte mich fest an den Oberarmen.

„Du hast keine Ahnung, wieviel eigentlich auf dem Spiel steht und führst dich auf wie sonst wer.“ Er packte noch fester zu und schüttelte mich.

„James, hör auf…“, begann ich, doch er ließ mich nicht ausreden.

„Ich sollte dich besser hier verrotten lassen, du dämliche, regierungsgesteuerte, verwöhnte Idiotin.“

Bei diesen harten Worten traten mir die Tränen in die Augen. Das stimmte doch gar nicht. Er hatte keine Ahnung was ich durchmachen musste. Er ist dieser arrogante, gemeine Vollpfosten, der nichts kapierte.

James ließ mich los und ich strauchelte kurz, bevor ich mich an der Mauer abstützen konnte. Schnell trat ich zurück in mein Eck und kauerte mich auf den Boden. James Hände hatten rote Abdrücke auf meinen Oberarmen hinterlassen. James sah mich mit ausdruckslosem Gesicht an, doch seine Stimme passte nicht zu seiner Mimik.

„Ich wollte dir nicht weh tun, oder Angst einjagen.“

Er ging vor mir in die Hocke, seufzte und fuhr sich durch die Haare.

„Weißt du, du hast von so viel keine Ahnung. Was du glaubst zu wissen ist vielleicht ein Sandkorn in einer Wüste. Und die Zeit drängt und du… du stellst dich so stur.“

„Du gibst mir ja auch nicht wirklich einen Grund, dass ich dir vertrauen kann.“, stellte ich fest.

„Ich hab die Beherrschung verloren, aber du machst es mir ja auch nicht gerade einfach.“

Ich erwiderte nichts drauf. Für einen kurzen Moment sah es aus, als wäre James doch ein netterer Mensch. Doch dieser Augenblick ist verflogen.

„Woher kennst du dieses Lied?“, fragte James leise.

Ich seufzte. Soll er es doch wissen, was will er denn schon großartig damit anfangen? Er kommt eh nie zu mir nach Hause.

„Ich habe es gefunden. In meinem Zimmer unter einer losen Diele.“

„Und du hast niemandem davon erzählt?“, fragte James ungläubig.

„Nein, sie hätten mir es ja weggenommen.“

James schüttelte den Kopf. „Das ist total unlogisch.“

„Das kann dir doch egal sein, was meine Gründe waren. Fakt ist, dass ich es niemandem erzählt habe. Kannst du mich jetzt in Ruhe lassen?“, fauchte ich.

James stand wortlos auf und ging zurück zu seiner Liege. Dort legte er sich hin und schloss die Augen. Entnervt lehnte ich den Kopf an die Wand. Mein Magen knurrte und mir war kalt. Trotzdem würde ich mich ganz sicher nicht auf die Liege legen. Ich schloss die Augen und hoffte, zumindest etwas Schlaf zu finden.

Kapitel 4

Ich saß in einem hellen, leeren Raum. Er leuchtete, sodass ich die Wände nur erahnen konnte. Wo war ich hier? Vor mir tauchte meine Schwester Helen auf. „Helen.“, rief ich und stürmte erfreut auf sie zu. Doch kurz bevor ich sie erreichte und in die Arme schließen konnte, wich sie einen Schritt zurück und blickte mich mit ihren großen, blauen Augen an. „Du bist gefährlich, oder?“

Ich schüttelte den Kopf: „Nein Helen bin ich nicht. Ich bin noch immer deine Schwester. Ich würde dir niemals weh tun.“

„Doch du bist gefährlich. Du bist böse.“, ertönte eine neue Stimme und mein Vater erschien hinter Helen. Diese blickte zwischen mir und Dad hin und her.

„Wie konntest du uns das antun? Du weißt was das für unseren Ruf bedeutet?“, flüsterte Mum und eine Träne rollte über ihre Wange, doch sie strich sie trotzig beiseite. Als wäre es ein Fehler, über mich zu weinen. Mir zerriss es das Herz, sie so traurig zu sehen, und nun liefen auch mir die Tränen übers Gesicht.

„Mum ich wollte das nicht. Ich kann doch nichts dafür.“ Meine Stimme war nur noch ein Krächzen.

„Wage es ja nicht uns die Schuld daran zu geben!“, donnerte mein Vater.

Plötzlich trat James neben mich: „Komm Lucy, wir gehen. Sie wollen dich nicht.“

„Nein!“, schrie ich und wehrte seine Hand ab. „Sie sind meine Familie!“

„Du bist nicht unsere Tochter.“, sagte Dad tonlos.

„Nein, Dad, bitte. Ich hab dich doch lieb, du hast mir abends immer vorgelesen und mich getröstet, wenn ich mir weh getan habe oder…“

„Genug. Das war meine Tochter gewesen, aber diese bist nicht du.“, unterbrach mich Dad mit eisiger Stimme.

„Nein.“, flüsterte ich. „Helen bitte, vertrau mir. Helen, nein, ich hab dich doch lieb!“

 

Ein brennender Schmerz riss mich aus meinem Alptraum. Ich riss die Augen auf und fuhr hoch. Über mir gebeugt war James und ich wich erschrocken zurück. Meine Wange brannte wie Feuer und ich fuhr vorsichtig mit den Fingern drüber. „Hast du mir eine Ohrfeige verpasst?“

„Du hast im Schlaf geschrien und um dich getreten. Das hat gestört.“ James kniff die Augen zusammen.

Noch ehe ich realisieren konnte, was ich da tat landete meine Hand mit einem zufriedenstellenden Klatscher auf seiner Wange und hinterließ einen roten Abdruck. James zog die Augenbrauen zusammen.

„Wofür war das denn?“

„Dafür, dass du ein arroganter Mistkerl bist.“, knurrte ich. „Und wage es ja nicht, mich nochmal anzufassen!“

„Ich weck dich aus einem Alptraum und du dankst mir, indem du mir eine klatscht?“

„Falsch gedacht, ich bin in einem Alptraum wieder aufgewacht.“, erwiderte ich.

Er verzog das Gesicht. „Oh das tat weh.“ Und griff sich ans Herz. Ich verdrehte genervt die Augen. „Hör auf.“

„Du hast übrigens das Frühstück verpasst.“, erzählte er mir nebenbei.

Mein Magen antwortete mit einem lauten Knurren. „Hättest du mir nicht was aufheben können?“, zickte ich ihn an.

Er zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich hätte es dir eh nicht geschmeckt.“

„Du bist echt das Letzte.“ Wütend stampfte ich mit dem Fuß auf. „Ich bin halb am Verhungern.“

„Ich hatte auch Hunger.“, sagte James.

„Musst du immer das letzte Wort haben.“, keifte ich. Das ist ja nicht zum Aushalten. Mein Magen knurrte erneut. Na super! In mir fuhren die unterschiedlichsten Emotionen Achterbahn. Frustriert und mit einem Gefühl der Ohnmacht legte ich mich schließlich doch bäuchlings auf meine Liege. So war der Hunger zumindest etwas leichter auszuhalten.

„Oh, war der Boden wohl doch zu unbequem?“, fragte James spöttisch. Wenn er nicht gleich seine Klappe hält, raste ich echt aus. Ich versuchte es mit ignorieren.

„Ich mag es nicht, wenn man mich ignoriert.“, teilte mir James mit. Mir lag schon eine Antwort auf der Zunge, doch ich konnte sie gerade noch zurückhalten. So einfach bekam er nicht, was er wollte. Ich schloss die Augen. James sagte nichts mehr. Na endlich! Jetzt im Nachhinein war ich eigentlich ziemlich dankbar, meinem Alptraum entkommen zu sein. Aber das würde er sicherlich nicht erfahren. Und was machte ich jetzt in der Zeit? Ich vermisste Katrina oder Helen, mit denen ich mich Stunden hätte unterhalten können. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Was wird in den nächsten Tagen passieren? Was wäre, wenn ich kein Schatten wäre? Hätte ich es beeinflussen können? Warum bin ich so eine schreckliche Tochter?

Um mich abzulenken stellte ich mir mein erstes Treffen mit meinem möglichen Partner vor. Was eigentlich unsinnig ist, weil es dazu nie kommen wird, aber es trägt zumindest dazu bei, dass ich mich einigermaßen normal fühle und nicht wie ein Monster.

Ich würde im Briefkasten einen weißen Zettel vorfinden, wo alle Namen aufgelistet wären und die Termine, wann mich die einzelnen Männer abholen. Dann würde ich mit Katrina ein Outfit zusammenstellen und mich im Badezimmer fertigmachen. Meine Haare würde Mum mir hochstecken. Dann würde es an der Haustür klingeln. Dad würde die Türe öffnen und ihn hereinbitten. Er hätte für mich einen Blumenstrauß dabei und wir würden spazieren gehen. Wir würden uns unterhalten und uns kennenlernen. Er wäre charmant und höflich. Würde mich aber vor jedem beschützen. Er würde wie ich gerne kochen und wäre sportlich. Am Ende, nachdem er mich nach Hause gebracht hätte, würde er mich um ein zweites Treffen bitten. Ich würde zustimmen, weil er mich beeindruckt hat und ich ihm nicht wiederstehen kann. Wir würden uns immer öfter treffen und schließlich würde er mir seine unsterbliche Liebe gestehen und mich küssen. Ich würde schwebend nach Hause gehen und er würde der Regierung Bescheid geben. Dann würden meine Eltern seine Familie zu einem Dinner einladen und danach kommt die offizielle Verlobung. Zwei Monate später würde ich ihn heiraten. Mit einem wunderschönen weißen Kleid. Zur Hochzeit trägt jedes Brautpaar weiße Kleidung. Dies ist die einzige Ausnahme und symbolisiert die Reinheit und Unschuld dieser Ehe. Nach den Feierlichkeiten würden wir ein eigenes Haus haben, darum musste sich der Mann kümmern. Er würde mich über die Türschwelle tragen und wir würden die erste gemeinsame Nacht verbringen. Nach einem Jahr würden wir unser erstes Kind bekommen.

Ich spann meine Geschichte gedanklich noch weiter. Als sich die Klappe öffnete und ein Tablett mit Essen reingeschoben wurde. Ich sprang auf schnappte mir mein Teller mit der braunen Pampe und die Scheibe Brot und setzte mich auf die Liege. James starrte mich einen Moment lang an, dann brach er in schallendes Gelächter aus. Ich beachtete ihn gar nicht, sondern schob mir zwei Löffel von der Pampe in den Mund. Es schmeckte immer noch nicht appetitlich, doch es war besser als letztes Mal. Und außerdem hatte ich solchen Hunger, dass es mir schon fast egal war.

„Hat der Hunger die Prinzessin wohl von ihrem hohen Ross runterkommen lassen?“

„Das liegt nur daran, dass ich kein Frühstück hatte, sonst würde ich das Zeug hier nicht essen.“, erwiderte ich.

„Jaja, natürlich.“

Ich löffelte weiter das braue Zeug und spülte mit einem Schluck Wasser hinterher.

Als ich fertig war, stellte ich die Schüssel wieder aufs Tablett.

James aß langsam und genüsslich. Ich schüttelte den Kopf. Wie konnte man diesen Fraß nur genießen?

Spätestens heute wusste jeder in unserem Sektor, dass ich ein Schatten bin. Ich seufzte. Hoffentlich konnte Dad seine Arbeit behalten. James blickte auf: „Was ist?“

„Nichts was dich angehen würde.“, erwiderte ich.

„Wollte ja nur nett sein, eure Hoheit.“

„Du bist nie nett. Und hör auf mich dauernd Hoheit oder Prinzessin zu nennen.“

„Dann komm endlich von deinem hohen Ross hinunter.“

„Man lege mir den roten Teppich zu Füßen.“ Ich lächelte ihn zuckersüß an.

James erwiderte nichts und stellte seine Schüssel ebenfalls aufs Tablett. Ich legte mich auf meine Liege und blickte an die Decke. Die Trauer und Sehnsucht nach meiner Familie sind zu einem dumpfen Schmerz zurückgegangen. Wahrscheinlich würde er nie komplett verschwinden. Was würde ich nicht dafür geben, ein ganz normaler Mensch zu sein. Kein Schatten, einfach nur ich. Meine Mum würde mich wieder lieben und umarmen, mein Vater wäre weiterhin stolz auf mich und ich hätte wieder meine Schwester. Ein kleiner Teil meines Gehirns gab die Hoffnung nicht auf, dass sie mir immer noch vertraute. Und mich nicht verraten würde, wenn ich mich mit ihr treffen würde. Meine Gedanken sind eindeutig zu sehr vom Konjunktiv geprägt.

Ich musste immer wieder an unsere letzten gemeinsamen Sekunden denken. Wie sie sich gegen Dad gewehrt hatte und wie die Hoffnung in ihren Augen erschienen ist, als ich ihr gesagt hatte, dass ich sie lieb habe. „Du bleibst meine Schwester egal wer du bist.“ Das waren ihre letzten Worte gewesen. „Du bist auch meine Schwester und ich werde dir nie wehtun.“, flüsterte ich.

„Was hast du gesagt?“, ertönte James Stimme und riss mich aus meinen trübseligen Gedanken.

„Nichts.“

„Führen wir jetzt schon Selbstgespräche? Vielleicht wirst du ja langsam senil?“

„Du hast doch keine Ahnung“, fauchte ich. Er wusste nichts von meiner wunderbaren Schwester, wahrscheinlich würde er es nicht mal verstehen.

Die Zeit kroch dahin wie eine Schnecke im Staub. Ich wollte nicht mehr so oft an meine Familie denken, denn das machte den Schmerz nur noch schlimmer. So starrte ich einfach die ganze Zeit an die Decke und wiederholte in Gedanken den Unterrichtsstoff, den ich für die letzte Prüfung gelernt hatte. James ignorierte ich einfach. Was ziemlich leicht war, da er auch nicht versuchte, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Wenn wenigstens jemand hier sein würde, mit dem ich mich unterhalten könnte. Aber nein, es musste ja ausgerechnet James Hurrington mit hier drinsitzen, der mir irgendwas über die Boshaftigkeit der Regierung erzählen will und dabei mein gesamtes Weltbild auf den Kopf stellte. Ich wusste immer noch nicht so recht, was ich davon halten sollte. Warum soll die Regierung denn böse sein und uns vortäuschen, dass die Schatten böse sind? Das ergibt keinen Sinn. Außerdem sind Schatten quasi die Inkarnation des Bösen, schließlich können sie andere mit ihrem Blick töten. Ich meine, das sagt ja eigentlich schon alles. Ich wollte einfach nicht glauben, dass die Regierung böse ist. James muss sich einfach geirrt haben. Das ist die einzig logische Erklärung. Vielleicht glaubt er ja wirklich, dass Schatten nicht böse sind, aber deshalb muss es noch lange nicht der Wahrheit entsprechen.

Die Klappe an der Tür öffnete sich und das Tablett mit den leeren Tellern wurde abgeholt.

„Lust auf ein Spiel?“, fragte James.

Ich blickte verwirrt zu ihm hinüber und zog eine Augenbraue hoch: „Und wo ist der Haken?“

James grinste. „Gibt keinen. Einfach nur ein Spiel gegen Langeweile.“

Jetzt war ich erst recht misstrauisch.

„Komm schon, ich beiß nicht.“

„Hmpf, das beruhigt mich irgendwie gar nicht.“

James lachte. „Wirklich ohne Hintergedanken. Wir müssen auch nicht reden.“

Vorsichtig setzte ich mich neben ihn auf den Boden. Aus seiner Hosentasche holte er ein Stück Kohle. Damit zeichnete er auf den Boden ein vier mal vier großes Gitter.

„Bei uns zu Hause hieß es Blick oder Schwert.“, er lachte leise und malte neben das Gitter aus zwei Strichen ein Schwert und aus einem Strich und einem Kreis das Auge.

„Pass auf du bist entweder die Regier… ähm sagen wir das Schwert oder das Auge und musst versuchen, in diesem Gitter eine Reihe mit deinen Symbolen zu bilden. Es geht waagrecht, senkrecht und diagonal, ok? Wir setzen jeweils abwechselnd, bis einer gewonnen hat oder beide verloren. Alles klar?“

Ich nickte.

„Gut welches Symbol nimmst du?“

Ich deutete auf das Schwert. James verzog keine Miene. Und dann spielten wir. Ich hatte gar nicht gedacht, dass es soviel Spaß machen konnte. Wir sprachen fast nicht miteinander, sondern zeichneten immer weiter neue Gitter und anschließend abwechselnd die Symbole hinein. Es hatte etwas erstaunlich Beruhigendes an sich. Immer wieder dieselben Bewegungen ausführen. Die aktuelle Situation verblasste im Hintergrund.

Wir hatten bald den kompletten Boden mit den Gittern bedeckt und gingen auf die Wände über. Ich betrachtete James aus dem Augenwinkel. Er hatte einen markanten Kiefer und ein gerades, stolzes Profil. Seine dunkelbraunen Haare waren verwuschelt und fielen ihm immer wieder in die Stirn. Er sah ziemlich gut aus. Das ändert aber alles nichts daran, dass er ein Idiot war. Auch wenn er gerade mal nett war und wir etwas spielten. Arrogant blieb er trotzdem. Plötzlich schnippte etwas vor meinen Augen und ich zuckte zurück. James lachte.

„Wo hast denn die ganze Zeit hingeschaut, hmm?“

„Zumindest nicht dahin wo dus gerne hättest.“, erwiderte ich und wurde augenblicklich rot.

„Ja klaar, deshalb wirst du auch rot wie eine Tomate.“

Ich verdrehte die Augen. „Du bist nicht der Mittelpunkt alles Geschehens, Hurrington.“

James sagte nichts mehr, doch seine Mimik ließ erraten was er dachte. Soll er doch denken, dass ich ihn attraktiv finde. Das hat überhaupt nichts zu sagen. Außerdem weiß er das wahrscheinlich selber gut genug.

Die Klappe in der Tür öffnete sich und wir bekamen unser Abendessen: Zwei harte Scheiben Brot und zwei Becher Wasser. Ich hatte gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war.

„Oh eine Menüänderung. Vielleicht mundet es Ihnen ja diesmal besser.“

„Klappe Hurrington.“, knurrte ich und nahm mein Brot und mein Wasser.

Das Brot war ziemlich hart, aber das ist man hier ja inzwischen schon fast gewöhnt. Sehnsüchtig dachte ich an die ofenwarmen Brötchen meiner Mutter. Außen knusprig und innen fluffig weich.

Den wievielten Tag waren wir jetzt bereits hier? Dies müsste mein zweiter sein. Fühlt sich schon an wie eine halbe Ewigkeit. Ich legte mich wieder auf meine Liege. Mit meinen Überlegungen bin ich noch keinen Schritt weitergekommen. Stimmt es wirklich, dass wir nach unserer Wandlung zu Marionetten der Regierung gemacht werden? Will James wirklich hier ausbrechen? Wie will er das schaffen? Zu viele Fragen standen offen und ich hatte zu wenige Antworten. Aber was soll ich machen? James würde ich ganz bestimmt nicht fragen. Oh meine Eltern hätten bestimmt gewusst, was zu tun ist. Nein, bloß nicht an meine Familie denken. Doch es war zu spät. Erneut rollte eine Träne über meine Wange. Trotzig strich ich sie weg, doch die Trauer drohte mich wieder zu überwältigen. Nein, nein, nein ich wollte nicht schon wieder vor Hurrington heulen wie ein jämmerlicher Schoßhund. Ich setzte mich auf.

„Los komm schon, schrei mich an, sag mir was du über mich denkst.“, presste ich mit erstickter Stimme an James gewandt hervor.

„Was?“, James zog die Augenbrauen zusammen.

„Du sollst mich anbrüllen, wie dus sonst auch immer machst und mir die Meinung geigen.“, schrie ich ihn an. „Jetzt mach schon.“

Lange konnte ich die Tränen und die Traurigkeit nicht mehr zurückhalten. Komm schon James. Ich hoffte mich so ablenken zu können.

James blickte mich noch einen Moment lang kopfschüttelnd an, doch dann tat er endlich worum ich ihn gebeten hatte.

„Warum kannst du nicht einfach aufhören an deine Familie zu denken? Bist du wirklich so blöd oder willst du einfach nur Mitleid haben? Kapier doch, dass sie dich nicht wollen! Du bist für sie ein Nichts, die Inkarnation des Bösen, kapiert?! Also hör endlich auf hier rum zu flennen und hör mir gefälligst mal zu: Schatten sind nicht gefährlich.“

„Doch natürlich sind sie das. Wir können Leute mit unserem Blick töten.“

„Wow hast du das ganz alleine herausgefunden?“, fragte James höhnisch.

„Natürlich musst du gleich wieder das arrogante Arschloch spielen.“, fauchte ich. Die Wut auf James und meine Situation verdrängte die Trauer erfolgreich. Das Problem: Inzwischen war ich auf 180 und hochgradig genervt von Hurrington.

„Du bist arrogant, ich das Arschloch. Passen wir doch perfekt zusammen.“, James grinste frech.

Ich stemmte die Hände in die Hüften: „Ich bin bestimmt nicht die Arrogante von uns und die Worte perfekt und zusammen will ich mit dir im Zusammenhang garantiert nicht hören.“

„Oh da wird aber jemand aggressiv.“

„Ich bin nicht aggressiv.“

„Der Witz des Jahrhunderts.“

„Hahaha. Verdammt lustig.“

„Freut mich das du es genauso siehst.“ James grinste.

Ich verdrehte die Augen: „Freut mich, dass du Ironie so gut erkennst, wo du doch direkt mit ihr verwandt bist.“

„Oho, versuchen wir heute mal witzig zu sein, Hoheit?“

„Ich geh jetzt schlafen.“

Die Diskussion hatte ihren Part wunderbar erledigt. Zum Einschlafen ging ich gedanklich alle Primzahlen durch. Es fängt an mit der 1, 2, 3, 5, 7, 11, 13…

Ich wurde geweckt, als mich jemand an der Schulter schüttelte. Verschlafen öffnete ich die Augen. Es war noch dunkel und eine schemenhafte Gestalt stand über mir gebeugt. Ich stieß einen kleinen Schrei aus und trat meinem Gegner zwischen die Beine. Mein Gegenüber stieß ein Knurren aus.

„Verdammt Samberlayn.“

Oh es war James. Eigentlich müsste ich mich entschuldigen doch stattdessen knurrte ich: „Was willst du?“

„Ich gehe jetzt.“

„Wie bitte?“ Jetzt war ich richtig wach und setzte mich auf. James deutete hinter sich. Dort stand eine schwarze Gestalt in einem Kapuzenumhang, sodass man nicht ausmachen konnte ob es eine Frau oder Mann ist.

„Und? Will er mit uns durch die Mauer gehen oder was?“

„Er zeigt uns einen Weg nach draußen. Du kannst mit mir mitkommen oder du lässt es eben bleiben. Es ist deine Entscheidung.“

James stand auf und ging zur Tür, dann drehte er sich zu mir um. Wenn ich mit ihm gehe, musste ich ihm vertrauen. Wer weiß, wo er mich hinführt? Ich blickte mich in der Zelle um und sah schließlich James an. Und meine Entscheidung war gefallen. James Silhouette wirkte nicht mehr arrogant oder überheblich, sondern aufrichtig und ehrenhaft. Ich wusste nicht, was es war, aber dies war ausschlaggebend für meine Entscheidung. Hier ist mein Wille untergraben, aber wenn ich mit James gehe, besteht zumindest ein winzig bisschen Hoffnung auf eine Entscheidungsfreiheit meinerseits. Ich stand auf und ging zu James.

„Ich komme mit.“

James nickte. Es war ihm nicht anzusehen ob er meine Entscheidung guthieß.

Ich stand auf und folgte James aus der schweren Eisentür hinaus.

„Wer ist das?“, fragte ich flüsternd.

„Weiß ich nicht.“

„Was?“, zischte ich aufgebracht. Er folgte dieser Gestalt einfach, ohne zu wissen, wer es war oder was er im Schilde führte?

„Glaubst du etwa, ich habe mir seine Kontaktdaten geben lassen und mir seinen Beziehungsstatus angeschaut?“, knurrte er mich an.

„Ich…“, fing ich an, doch ich wurde von der Gestalt unterbrochen.

„Ruhe!“ Es klang mehr nach einem tierischen Fauchen, als nach einer menschlichen Stimme.

James und ich verstummten augenblicklich. Die Gestalt wand sich wieder um und lief lautlos den dunklen Gang entlang. Man konnte gerade noch so die Hand vor den Augen erkennen. Die Gestalt und selbst James hatten kein Problem dabei. Zielstrebig liefen sie durch die Dunkelheit. Wie machten sie das nur? Ich hatte die ganze Zeit Angst, plötzlich gegen ein Hindernis zu rennen oder zu stolpern. Ich biss mir auf die Unterlippe und beschleunigte meine Schritte. Mit ausgestrecktem Arm hastete ich den anderen hinterher. Ich durfte sie auf keinem Fall verlieren. Endlich bog die Gestalt in einen Raum ab. Dort kniete sie sich auf den Boden und hantierte an etwas rum, was ich in der Dunkelheit aber nicht zu erkennen vermochte. Schließlich drehte sie sich zu uns um und deutete auf den Boden. James und ich traten näher hinan. Da erkannte ich, dass es sich um ein Loch handelte.

„Wenn ihr unten seid geht gerade aus, bis zur dritten Abzweigung. Dort biegt ihr rechts ab. Etwa fünf Meter weiter biegt ihr nach links ab. Folgt dem Gang, bis euch drei Möglichkeiten geboten werden. Ihr nehmt die Linke. Durchquert den Fluss und klettert die siebte Leiter auf der rechten Seite wieder nach oben. Klopft 3x lang, 2x kurz.“, flüsterte die Gestalt, „Beantwortet keine Fragen und stellt keine.“

Was? Ich bin jetzt nicht wirklich mitgekommen. Gerade aus, nach der dritten links, gleich wieder rechts und dann? Hoffentlich hatte James es sich gemerkt. Ich blickte ihn an. Er flüsterte vor sich hin. Hoffentlich war es die Wegbeschreibung. Dann blickte er die Gestalt an: „Danke.“ Und kletterte durch die Öffnung hinab. Ein letztes Mal sah ich zu der Gestalt. Aufrecht stand sie da, komplett eingehüllt in eine schwarze Robe. Ich holte tief Luft, versuchte die aufkeimende Angst zu unterdrücken und stieg die Leiter hinab. Nach etwa 20 Stufen trat ich mit meinen Füßen ins Leere und wäre fast gefallen.

„James?“, flüsterte ich leicht panisch.

„Spring.“ Von unten war James genervte Stimme zu hören.

Was? Aber ich hatte keine Ahnung wie tief es war. Ich blickte entsetzt nach unten. Da glomm ein Funken auf und Sekunden später erkannte ich James etwa zwei Meter unter mir mit einer Fackel in der Hand. Tief sah es trotzdem aus.

„Wird’s bald oder willst du dort oben versauern?“

Ich biss die Zähne zusammen und ließ mich fallen. Meine Knöchel schmerzten, als ich hart auf dem Boden landete.

„Du musst mehr in den Knien abfedern, oder dich abrollen.“, meinte James skeptisch.

„Danke für deine liebreizenden Worte.“, erwiderte ich wütend. Ich blickte mich um. Neben uns floss ein Fluss, bestehend aus einer stickenden Brühe, die einem den Atem raubte. Ich trat einige Schritte zurück und hörte ein Quieken. Ich schrie auf und sprang zur Seite. Eine Ratte flitzte den Gang entlang.

„Wo sind wir hier?“, entsetzt blickte ich mich um.

„Nun, das hier nennt man Kanalisation.“ James lächelte spöttisch.

Igitt. Ich legte die Hand auf meinen flauen Magen. Oh Gott war das eklig. Ich hielt mir die Hand vor Mund und Nase und atmete angestrengt aus.

„Geht es Euch nicht gut, Hoheit? Wollt ihr vielleicht ein entspannendes Bad zu euch nehmen?“ James deutete auf die stinkende Brühe voller Unrat. Ich starrte ihn an. Wie konnte er nur?

„Ich hasse dich.“, knurrte ich aufgebracht.

James zuckte mit den Schultern. „Ein hartes Wort, aber damit kann ich leben.“

Ich stieß wütend die Luft aus und lief den Gang entlang. James lief mir hinterher. An der dritten Abzweigung bog ich rechts ab. James hatte mich eingeholte und leuchtete mit der Fackel den Weg aus. Nach fünf Metern ging es nach links. Jetzt hatte ich keine Ahnung, wie es weiterging. Ich ging etwas langsamer.

„Weißt wohl nicht mehr, wies weiter geht?“, feixte James.

„Ja Hurrington, Ihr seid der einzige mit einem funktionierenden Superhirn.“, lästerte ich und zeigte ihm den Mittelfinger.

„Ich an deiner Stelle würde lieber brav sein, sonst lasse ich dich doch noch zurück und dann verirrst und dich hier unten, wo es stickt und kalt ist und es vor Ratten nur so wimmelt.“

Verdammter Idiot. Ich kochte vor Wut. Womit hatte ich das nur verdient? Ich ballte meine Hände zu Fäusten und biss die Zähne zusammen. Irgendwann würde ich ihm alles zurückgeben. Meine Rache würde fürchterlich sein. Der Gedanke hielt meine Wut unter Kontrolle. Der Gang war lang. Schweigend liefen wir nebeneinander her. Nach dem kurzen Adrenalin-Schub machte sich nun die Müdigkeit in mir breit und ich unterdrückte ein Gähnen. Was erwartet uns an dem Ort, wo wir rauskommen? Unbewusst hoffte ich auf ein warmes, gemütliches Bett und etwas Leckeres zu essen. Doch das war natürlich schwachsinnig. Wahrscheinlich würde ich noch lange warten müssen, bis ich mal so richtig ausschlafen konnte. Ich spürte wie mir erneut die Tränen hochkamen. Nein, bloß nicht weinen. Energisch kniff ich die Augen zusammen und blinzelte die verräterische Flüssigkeit weg. Endlich erreichten wir die Stelle mit den drei Wahlmöglichkeiten. Welchen sollten wir nochmal nehmen? Verdammt ich musste wirklich besser aufpassen. James ging zielstrebig auf den linken Gang zu. Ich ertappte mich dabei wie ich ein kleines bisschen froh war, dass er dabei war. Nicht länger als notwendig wollte ich an diesem schmutzigen, ekelerregenden Ort bleiben. Auch wenn ich so James Hilfe in Anspruch nehmen musste. Es wurde kaum merklich wärmer, als wir in das Loch gegangen waren. Das dieser Ausdruck stimmte, stellte ich etwas später zu meinem Leidwesen fest: Der Gang wurde immer flacher und enger. Bald schon mussten wir auf allen vieren hintereinander den Gang entlang krabbeln. Mein Herzschlag beschleunigte sich und meine Atmung ging unregelmäßig. Ich hasste enge Räume, hatte panische Angst davor. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Ganz ruhig Lucy. Meine Hände zitterten. Du willst James ja nicht um Hilfe bitten. Ich schloss die Augen und atmete bewusst tief durch während ich langsam weiter kroch. Dir wird nichts passieren. Alles gut.

„Bist du sicher, dass das hier der Richtige ist?“, fragte ich James zur Ablenkung.

„Hast du was gegen diesen Gang?“

„Das war nicht meine Frage.“

„Und ich antworte auf dumme Fragen nur mit Gegenfragen.“

Ich seufzte genervt und verdrehte die Augen. Die Decke wurde noch niedriger und wir mussten auf dem Bauch voran kriechen. Wie James das mit der Fackel schaffte, war mir ein Rätsel. Jetzt bekam ich langsam wirklich Panik. Ich biss mir auf Unterlippe, bis ich Blut schmeckte. Oh Gott, was ist, wenn es noch enger werden würde und wir stecken bleiben? Tränen der Verzweiflung liefen mir über die Wangen. Meine Arme streiften die Mauern rechts von mir. Das trug nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. Ich atmete wie nach einer Sportstunde und bekam trotzdem nicht genügend Luft in meine Lugen. Meine Ellbogen und meine Knie waren aufgerissen. Bitte mach, dass wir bald da sind. Ich hatte ein riesigen Kloss im Hals. Mein Kopf dröhnte und mein Gesichtsfeld engte sich ein. Bloß nicht ohnmächtig werden. Dann hat James erst Recht etwas, worüber er sich lustig machen konnte. Ich biss mir erneut auf meine Unterlippe und zog mich weiter. Hoffentlich wird der Gang nicht noch enger. Bitte nicht. Doch meine Bitte wurde nicht erhört. Ich konnte nicht mal mehr den Kopf heben, ohne an die Decke zu knallen. Das war zu viel. Ich konnte nicht mehr. Die Tränen liefen mir nur so übers Gesicht, meine Lungen schmerzten. Gerade als ich mich gehen lassen wollte, vernahm ich James Stimme: „Gleich sind wir draußen. Nur noch ein kleines Stück.“ Ich holte tief Luft und kroch mit letzter Kraft vorwärts. James schob sich nach draußen und erleuchtete den Raum dahinter mit Licht. Hoffnung stieg in mir auf und ich stemmte mich aus dem Loch hinaus. Zitternd blieb ich am Boden liegen und atmete heftig ein und aus.

„Da verträgt wohl jemand die Enge nicht, hmm?“

Ich war zu kaputt um ihm eine Antwort zu geben. Ich sog immer noch gierig die Luft ein. Meine Augen schlossen sich wie von selbst. Meine Hände zitterten. Ich wollte einfach nur noch hier liegen bleiben.

„Lucy. Alles in Ordnung?“, James Stimme klang wie aus weiter Ferne an meine Ohren.

Meine Lungen lechzten immer noch nach frischer Luft. Ich spürte wie ich mich jemand auf den Rücken drehte und meinen Oberkörper anhob. Die Luft strömte viele einfacher in meine Lungen.

„Atme, Lucy. Tief einatmen. Ganz ruhig.“

Jemand legte mir die Hände auf die Schultern und stützte mich. Die Berührung hatte etwas tröstendes und beruhigendes an sich.

„Mum?“, wollte ich sagen, doch es kam nur ein Krächzen über meine Lippen. Langsam wurde ich ruhiger und der Schleier um meine Augen lichtete sich. Am Anfang war noch alles verschwommen. Doch schon bald wurde mein Blick klarer. Ich erkannte den schmutzigen Fluss und bemerkte schon bald darauf den Gestank wieder. Doch alles war nur halb so schlimm im Vergleich mit dem Weg durch den engen Gang. Eine Person schob sich mein Gesichtsfeld und ich brauchte einen Moment, bis ich es zuordnen konnte: James.

„Alles in Ordnung?“, fragte er und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Meine Haut prickelte unter seiner Berührung.

Ich nickte. „Ich habs nicht so mit engen Gängen.“ Meine Stimme klang ziemlich heißer.

„Ja das hab ich bemerkt.“, sagte er trocken. „Warn mich doch das nächste Mal bitte vor.“

„Damit du dich dann darüber lustig machen kannst? Nein danke, darauf kann ich verzichten.“

„Was? Ich würde nie…“

„Was würdest du nie? Mich deswegen verspotten? Oh ich glaube schon.“ Ich stemmte mich auf die Füße und schwankte einen kurzen Moment, bevor ich das Gleichgewicht wieder hatte. „Oh, hat eure Hoheit wohl Klaustrophobie? Nun ja, bei Euch im Palast musste man ja nun auch nicht unter so einer Enge leiden.“, äffte ich ihn nach.

James starrte mich einen Moment lang an. Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder, ohne etwas zu sagen. Sein Gesichtsausdruck wechselte von Entsetzen über wütend bis hin zu seiner gewöhnlichen Ausdruckslosigkeit.

Gut, soll er sich halt dahinter verstecken. Mir doch egal. „Wo müssen wir lang?“

„Durch den Fluss.“, antwortete er mit tonloser Stimme.

„Was? Ist jetzt nicht dein Ernst?“

Ich blickte den Fluss an. Igitt was da alles drin rumschwimmen würde?

„Hast du vorhin nicht richtig zugehört?“, fragte James bissig.

Ich würde ihm am liebsten den Hals umdrehen. So was von arrogant konnte man doch gar nicht sein. James stellte sich an den Rand der stinkenden Brühe und ließ sich langsam hineingleiten. Verdammt, der meinte das wirklich ernst. Zögerlich trat ich ein paar Schritte vor. James hielt mit einer Hand die Fackel hoch. Sein Kopf ragte noch aus dem Wasser hinaus ohne, dass er schwimmen musste.

„Jetzt komm endlich oder willst du hier Wurzeln schlagen?“

Ich holte tief Luft. Entweder ich ging jetzt mit ihm durch diesen stinkenden Fluss, oder ich würde mich hier verirren und verhungern beziehungsweise müsste wieder durch den schrecklichen Gang. Beides nicht so verlockend. Vorsichtig setzte ich mich an den Rand und ließ langsam meine Beine hineingleiten. Das Wasser war kühl und fühlte sich ziemlich eklig an meinen nackten Schenkeln an.

„Schwimmen kannst du aber?“, fragte James und beobachtete mich.

„Ich bin ja nicht blöd, natürlich kann ich schwimmen.“

„Dann komm jetzt rein oder ich gehe.“

Genervt ließ ich mich komplett ins Wasser hineingleiten. Leider konnte ich nicht wie James noch stehen. Angeekelt streckte ich den Kopf soweit es geht nach oben, um nicht etwas von diesem Abflusswasser zu schlucken. James lachte. „Da kann ich dich sogar verstehen, dass du das nicht ins Gesicht bekommen willst.“

Ich streckte ihm die Zunge raus. Er kam zu mir rüber. „Soll ich dir helfen?“

Mir lag schon eine gepfefferte Antwort auf der Zunge, doch ich schluckte meinen Stolz hinunter. Das war sogar für James mal ausgesprochen nett. Also nickte ich nur. Beinahe schon vorsichtig legte er mir einen Arm um die Hüfte und stützte mich. So durchquerten wir den Fluss: Er lief, den einen Arm um mir zu helfen, in der andren Hand die Fackel, während ich zumindest versuchte, mit den Beinen zu strampeln. Schon ziemlich armselig. Als wir endlich das andere Ufer erreicht hatten, gab mir James die Fackel, während er sich nach oben zog. Unter seinem nassen blauen T-Shirt konnte man seine Muskeln deutlich sehen. Ich reichte ihm die Fackel hoch und stemmte mich ebenfalls aus dem Wasser. James griff wortlos mit der freien Hand nach meinem Arm und zog mich hoch. Mann oh Mann war der stark. Als ich an meiner Bluse roch, rümpfte ich die Nase.

„So angeekelt von dir selber?“, fragte James.

„Wenn du wüsstest wie du riechst, würdest du dich auch so verhalten.“

„Willst du eine Kostprobe?“, fragte er spöttisch und kam einen Schritt auf mich zu.

„Nein, danke.“, fauchte ich. „Wo geht’s weiter?“

„Die Gestalt hat gesagt, die 7. Treppe auf der rechten Seite… hmm… sind jetzt nur die Leitern auf der rechten Seite gemein oder insgesamt? Aber wenn es insgesamt gewesen wäre, hätte er die rechte Seite nicht erwähnen müssen. Ich denke, wir zählen nur die Leitern auf der rechten Seite.“

Während seines Monologes konnte ich ihm gar nicht richtig folgen. Wie konnte man so ein gutes Kurzzeitgedächtnis haben? Oh Mann. Wie ein Hund seinem Herrchen folgte ich ihm durch den Gang. James zählte leise die Leitern, an denen wir vorbeikamen. An der siebten blieb er stehen. Ich blickte nach oben. Die Sprossen endeten kurz vor einem eisernen Deckel.

„Ladies first.“, sagte James spöttisch mit einer angedeuteten Verbeugung.

Denkst du!

„Alter vor Schönheit.“, konterte ich mit einem süßlichem Lächeln auf den Lippen.

Ja auch ich konnte mal Kontra geben, wenn mich was aufregt. James zuckte mit den Schultern und stieg die Leiter hoch. Oben klopfte er einige Male an den Deckel. Langsam kam ich hinterher. Das eiserne Schloss, welches uns den Weg nach oben versperrt hatte, öffnete sich mit einer lautlosen, schellen Bewegung. James zog sich nach oben und verschwand aus meinem Blickfeld. Vorsichtig kletterte ich die letzten Sprossen nach oben. Eine Hand packte mich am Unterarm und zog mich nach oben. Erschrocken zuckte ich zusammen und konnte gerade noch einen Aufschrei unterdrücken. Ich schlug mit der Hüfte gegen die Kante und rappelte mich mühsam auf. Hier war es ebenfalls ziemlich dunkel. Im Schein der Fackel, die James übrigens nicht mehr trug, konnte man nur wenig erkennen. Der Boden war staubig und die Luft warm. Ich blickte zu dem Mann, der uns den Deckel geöffnet hatte. Offenbar hatte er James die Fackel abgenommen. Er trug eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sein dunkelgrauer Bart war etwas länger und verlief spitz zu.

„Folgt mir.“

James und ich liefen ihm hinterher. Die Wände waren, soweit man das erkennen konnte, voller Regale, in denen sich Schriftrollen und Gegenstände tummelten. Wir traten aus einer schweren Eisentür hinaus, welche der Man an vier Schlüssellöchern zusperrte. Der Raum, in dem wir nun waren, glich einem Kleiderschrank. Es gab verschiedene Oberteile in den vier Sektorfarben Grün, Blau, Ocker und Rot. Auch einige Perrücken konnte ich in dem schummrigen Licht ausmachen. Am Ende des schmalen Raumes befand sich eine ebenfalls schmale Wendeltreppe. Diese stiegen wir nun hinauf. Es war erstaunlich, wie beweglich der alte Mann noch war. Oben angekommen sperrte der Mann eine weitere winzige Tür auf. Er blickte kurz hindurch und drehte sich zu uns um.

„Wartet hier bis ich euch hole.“ Dann drehte er sich um und verschwamm.

„Wo sind wir hier?“, fragte ich leise.

„Wir sind gestorben und das ist jetzt der Ort danach.“, antwortete James.

„Haha.“

„Auf dumme Fragen gibts dumme Antworten.“

„Das war keine dumme Frage.“, empörte ich mich.

„Warum sollte ich diese Frage beantworten können? Glaubt du, ich wurde eingeweiht?“

Ich wand mich ab. Wieso ist es einfach nicht möglich, mit ihm ein normales Gespräch zu führen? In dem Moment öffnete sich die Tür und der Mann winkte uns hindurch. Ich trat vor, duckte mich durch die kleine Tür hindurch und landete in einem Kleiderschrank. Der alte Mann stand in der offenen Tür und hielt einige alte Mäntel beiseite. Vorsichtig trat ich in dem Raum hinaus. Es sah fast genauso aus wie bei uns Zuhause, mit der Ausnahme, dass die Polstermöbel in Ocker gehalten waren. Polytheisten. Wir waren im Sektor der Polytheisten. Das Betreten eines anderen Sektors wurde mit einer hohen Freiheitsstrafe bestraft, denn es gefährdete den Frieden der Gesellschaft. Ein Grund mehr, warum wir nun gesucht wurden. Ich blickte mich weiter um. Die Räume waren sehr kahl. Keine Bilder oder persönliche Erinnerungen hingen an den Wänden. Es sieht aus, als wäre gerade jemand neu eingezogen, oder zieht aus.

„Setzt euch und zieht das an.“ Der Mann reichte uns zwei ockerfarbene Oberteile und zwei neue graue Hosen. Dann verschwand er in einen angrenzenden Raum.

„Dreh dich ja um.“, sagte ich zu James.

„Angst, dass man euch was wegschaut, Majestät?“

Ich zeigte ihm den Mittelfinger und drehte mich um. Langsam knöpfte ich meine durchnässte Bluse auf und linste dabei vorsichtig über meine Schulter. James hatte sich doch umgedreht. Erleichtert atmete ich auf. Ich zog mich nicht gerne vor anderen Leuten um. Schnell schlüpfte ich aus meinen alten Sachen und zog die neuen über. Die Hose war mir etwas zu lang und die Bluse ein bisschen enger als ich es gewöhnt war, aber es war ganz passabel. Jetzt gehörte ich also zu den Polytheisten. Ich drehte mich zu James um. Der stand da und beobachtete mich.

„Du Blödmann.“, fuhr ich ihn an, doch James lachte nur.

„Im Bikini bist du dir doch auch nicht zu schade, oder?“

„Zu schade? Ich bin doch kein Zootier, das sich einfach so begaffen lässt.“

„Woher weißt du, dass es einem Zootier egal ist, ob es angeschaut wird?“

„Willst du mich verarschen?“

Unser ‚Gespräch‘ wurde von dem Mann unterbrochen, der erneut ins Zimmer kam.

„Ach, wie ich höre, seid ihr fertig. Setzt euch.“.

Er deutete aufs Sofa.

„Eine Tasse Tee?“

Ich war zu verblüfft, um etwas zu sagen.

„Sehr gerne.“, hörte ich James antworten und ließ mich aufs Sofa fallen. Der Mann, der uns hineingelassen hatte, war alt. Er hatte graues Haar, einen grauen, brustlangen Bart und dunkle Augen, die kein Geheimnis preisgeben zu schienen. Auf einem Auge trug er ein Monokel. Doch was mich verblüffte war seine Kleidung. Es war nicht die typische Kleidung, die jeder in seiner Sektorfarbe zuhause hatte der die wir jetzt trugen. Er trug eine graue Bundhose, in die eine Art wollenes, ockerfarbenes Hemd gesteckt wurde. Dazu trug er Hosenträger, was heute nun wirklich keiner mehr trägt und einen knielangen schwarzen Mantel. Das könnte ihm schon als Frevel ausgelegt werden, da schwarz die Kleidung der Regierung ist. Um seinen Hals trug er eine Kette, doch der Anhänger war nicht zu erkennen. James reichte mir eine Tasse Tee. Ich nahm sie wortlos entgegen, ohne den Blick von dem Man abzulenken. Er nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse, lehnte sich in seinem Sessel zurück, der uns gegenüber stand und blickte uns an.

„Mein Name ist Bartholomäus Meister. Es gibt einen Grund dafür, dass ihr jetzt hier seid und nicht in dem Verlies. Doch zuerst muss ich euch vertrauen.“

„Das können Sie.“, bekräftigte James.

Wie bitte? Hatte ich vielleicht auch ein Wörtchen mitzureden? Der Mann verstieß eindeutig gegen unsere Gesetzte. Er stellte sich gegen die Regierung. Ich hatte immer versucht, alles richtig zu machen. Das würde das jetzt alles zerstören.

„Wer seid ihr?“, fragte Bartholomäus.

„Ich bin James Hurrington.“, erwiderte James sofort.

Was ist denn mit dem los? Er sah mich auffordernd an. Ich verdrehte die Augen.

„Lucy Samberlayn.“, sagte ich widerwillig.

Bartholomäus nickte, nur um kurz drauf wieder den Kopf zu schütteln. Das war verwirrend.

„Das ist schön zu wissen, dann kann ich euch beim Namen ansprechen, doch das wollte ich eigentlich gar nicht wissen. Ich wollte wissen ‚Wer seid ihr?‘.

Ich blickte ihn skeptisch an.

„Wahrscheinlich wisst ihr das selber nicht so genau.“, murmelte er.

Hä? Was wollte er denn jetzt von uns? James wusste es anscheinend auch nicht, denn er hielt mal, erstaunlicherweise, seine große Klappe.

„Wer sind Sie überhaupt? Warum sollten wir Ihnen vertrauen?“, fragte ich.

„Lucy!“, fuhr mich James empört an.

„Was denn?“, fauchte ich.

Bartholomäus hob beschwichtigend die Hände. „Ganz ruhig Kinder. Es ist eine berechtigte Frage. Wenn du mir vertraust, freut mich das James, doch sie ist noch nicht so weit.“

„Verdammt Lucy, du regst mich wirklich auf. Bei dir könnte ich jedes Mal an die Decke gehen, so nervig, eingebildet und stur du bist.“ Mir klappte die Kinnlade runter.

„Sag mal, spinnst du jetzt komplett?“

„Ich zeig euch wo ihr schlafen könnt.“

Bartholomäus trat zwischen uns. Trotzig streckte ich mein Kinn vor. Bartholomäus warf uns nochmal einen warnenden Blick zu, bevor er sich umdrehte. Wir folgten ihm in den ersten Stock hinauf. Er zeigte mir den Weg durch eine Tür, bevor er sich James zuwandte. Vorsichtig stieß ich sie auf und betrat den dahinterliegenden Raum. Vor den hellgrauen Wänden stand ein Bett mit ockerfarbenen Bezüge. An den Wänden hingen die Fotos eines lachenden Mädchens. Alleine, mit ihrer Familie oder ihren Freunden. Vielleicht ist es seine Tochter oder seine Enkelin? Ich ließ mich auf das Bett nieder und strich mit der Hand über die weiche Decke. Wie lange ist es her, dass ich in einem Bett geschlafen hatte? Zwei Nächte? Drei Nächte? Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Ich spürte nun die bleierne Müdigkeit in meinen Gliedern und ließ mich in die Kissen sinken. Der Duft von frisch gewaschener Wäsche hüllte mich ein und erinnerte mich an Zuhause. Wieder kamen die Tränen hoch und ich versuchte verzweifelt sie zu unterdrücken. Energisch drückte ich mein Gesicht in ein Kissen, als es klopfte. Ich hob den Kopf. „Herein.“, sagte ich mi krächzender Stimme. Bartholomäus trat in das Zimmer ein und zog einen Stuhl an das Bett.

„Machs dir ruhig bequem Lucy, ich erzähl dir eine kleine Geschichte.“

Das letzte Mal hatte mir meine Mum mit sieben Jahren was vorgelesen, bevor sie gesagt hatte ich sei nun zu alt dafür. Doch nun war ich gespannt was der alte Mann wohl erzählen würde. Gehorsam kuschelte ich mich unter die Decke und blickte ihn erwartungsvoll an. Bartholomäus Augen waren nun voller Wärme.

„Auch wenn es keine schöne ist, mein Kind.“

Er setzte sich auf den Stuhl und faltete die Hände in seinem Schoß.

„Ich möchte, dass du einfach zuhörst, auch wenn es für dich falsch erscheint.“

Er holte nochmal tief Luft.

„Die Geschichte ereignete sich vor langer Zeit. Auch wenn du es vielleicht nicht glauben kannst, aber einst lebten Schatten und Menschen Seite an Seite. Die Kinder spielten gemeinsam auf der Straße. Die Häuser waren in einem strahlendem weiß mit blauen Dächern umgeben von Pinien und Zypressen. Früh wenn die Sonne aufging, schien die Stadt zu leuchten, abends glühte sie im goldenen Abendrot. Dort wo heute das Regierungsgebäude steht, stand damals ein weißes, kleines Schloss mit goldenen Kuppeln. Der damalige Bürgermeister der Stadt war sehr beliebt gewesen. Er regierte zuvorkommend und kümmerte sich um Arme und Reiche. Sein Sohn war ein hübscher junger Mann und seine Freundin war ein Schatten. Sie waren sehr glücklich miteinander. Doch dann geschah etwas, was alles zerstörte. Der Sohn des Bürgermeisters wurde tot in einer Gasse aufgefunden. Getötet von einem Schatten. Der Bürgermeister ist daran zerbrochen. In seiner Wut, wusste er nicht was er tat. Er hetzte die Bevölkerung gegen die Schatten auf. Es gab ein Blutbad. Nachbarn erschlugen die Nachbarskinder einer Schattenfamilie. Menschen vertrieben ihre einstigen Freude aus der Stadt. Kinder verloren ihre Eltern, Eltern sahen ihre Kinder sterben. Es war grausam. Die Schatten wurden gejagt, vertrieben und gehasst. Ein Einzeltäter wurde auf die Gesellschaft übertragen. Die Wut und Angst auf Schatten wurde immer weiter hochgepuscht. Bis heute.“

Ich hatte ihm aufmerksam zugehört. Als er von der Stadt berichtete, kam mir das Bild, dass ich einst in meinem Schulbuch hatte, in den Kopf. Doch war der Rest ganz anders. Hatten nun die Schatten die Stadt so zugerichtet oder der Bürgermeister selber in seiner großen Wut? Ich blickte ihn zweifelnd an. Woher sollte ich wissen, was der Wahrheit entsprach?

„Du musst nichts darauf sagen, Liebes. Es muss sehr verwirrend für dich sein. Nur steckst du jetzt leider mittendrin. Schlaf gut, ruh dich aus. Morgen ist ein neuer Tag.“

Er stand auf, verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Ich seufzte auf. Er war nun schon der zweite, der mir diese Variation der Geschichte erzählte. Mein ganzes bisheriges Leben lang wurde ich vor Schatten gewarnt und habe die Regierung als unser aller Retter kennen gelernt. Ich drehte mich auf die andere Seite. Wie gern würde ich jetzt mit Helen sprechen. Ob sie mir überhaupt zuhören würde? Sie musste einfach. Aber was wenn nicht? Wie würde ich reagieren wenn sie mich abblocken würde? Ich hatte so viele Fragen auf die ich keine Antwort wusste. Wie würde es jetzt weitergehen? Hier konnten wir nicht ewig bleiben. Wir sind höchstwahrscheinlich gesuchte Verbrecher und schon bald würde jeder Sektor unsre Gesichter kennen. Aber das hatte alles Zeit bis morgen. Ich schloss die Augen und sofort übermannte mich die Müdigkeit. Von ihr ließ ich mich in einen traumlosen Schlaf hinüber geleiten

Kapitel 5

Als ich aufwachte lag ich wieder in meinem Bett. Ich fühlte die Wärme der Decke und hörte Mum in der Küche, wie sie die Kaffeemaschine bediente. Es war alles nur ein Alptraum gewesen!

Heute ist der Tag nach meinem Geburtstag. Ich bin kein Schatten, konnte mein Leben normal weiterleben.

Erleichtert lächelte ich und schlug erfreut die Augen auf. Ich blinzelte paar Mal, doch das Bild blieb: Ich war nicht in meinem Zimmer. Ich lag nicht in meinem Bett und das unten war nicht meine Mum. Einen Moment lang blieb mir die Luft weg vor Enttäuschung, Frust und Trauer. Mühsam schluckte ich den dicken Kloß hinunter, der sich in meiner Kehle gebildet hatte…

14 Kommentare

Gwendolyn am 24. September 2017

Zu dem Thema Zeit habe ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus Zukunft (Aufteilung in Sektoren) und Fantasie (Schatten)

Gwendolyn am 23. September 2017

Liebe Dohle, Es freut mich, dass dir meine Geschichte so gut gefallen hat

Dohle am 22. September 2017

Ich bin fasziniert von dieser Geschichte und freue mich schon auf die Fortsetzung. Die "Welt" ist gut durchdacht, allerdings habe ich mich beim Lesen gefragt in welcher Zeit alles spielt/an welche Zeit die Welt angelehnt ist. Der Prolog hörte sich mit Notarzt für mich recht modern an. Ich würde mich über eine kurze Antwort freuen und werde die Geschichte so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen. LG Dohle

Gwendolyn am 18. September 2017

So, eine Fortsetzung ist jetzt geschrieben. Sie dürfte bald zu lesen sein

Gwendolyn am 5. September 2017

Danke! Ich sag Bescheid wenn's soweit ist

S-fell am 31. August 2017

Wirklich eine sehr schöne Geschichte! Wäre sie ein Buch, würde ich es kaufen

Gwendolyn am 16. Juli 2017

@Lilie: Vielen Dank, ich versuchs zu verbessern Es freut mich, dass dir die Geschichte so in Erinnerung bleibt. Ich habe schon einige weitere Seiten, wird aber noch etwas dauern, bis eine Fortsetzung kommt

Gwendolyn am 16. Juli 2017

@Mina: Ich bin fast 18 und hab fürs schreiben etwa 2 Monate gebraucht. Die Gedanken dahinter existieren schon etwas länger

Lilie am 15. Juli 2017

Das ist echt cool! Seit ich diese Geschichte gestern gelesen habe, muss ich ständig daran denken und frage mich ob die beiden es schaffen sich zu befreien. Ich hoffe du schreibst (ich kann dich doch duzen?) eine Fortsetzung mit einem Happy End. LG Lilie

Lilie am 14. Juli 2017

Das ist eine echt schöne Geschichte. Man kann am eigenen Leib fühlen was in den Menschen vor sich geht. Es klingt vielleicht herablassend, aber ich würde ein bisschen besser beschreiben, damit man sich alles besser vorstellen kann. Trotzdem würde ich mich über eine Fortsetzung sehr sehr freuen. LG Lilie

Mina am 13. Juli 2017

Wie alt bist du denn, dass du so schön schreiben kannst? Wie lange hast du daran gearbeitet?

Gwendolyn am 13. Juli 2017

Vielen lieben Dank

Amalie am 13. Juli 2017

Wow, wow, wow, wow. Mitreissend, traurig, aber schön. Gibt's ne Fortsetzung?

Leseratte am 11. Juli 2017

voll die schöne geschichte!