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Sarah Königs

Wenn Dämonen kämpfen

Kampf


„Komm schon, Katie!“, hörte ich Mikes Stimme. Ich stöhnte auf, Ashley war tausendmal besser als ich. Ich sah in ihren Augen ganz kurz etwas Freundliches aufblitzen, etwas Aufmunterndes. Dann kam sie langsam näher und bewegte sich wie eine Schlange. Ihre Augen blitzten und  ihre schwarzen Haare hüllten sich um ihre Schultern. Sie starrte mich durchdringend an, während ich dasselbe versuchte. Angestrengt starrte ich sie an und konzentrierte mich darauf, bloß nicht zu blinzeln.

Ashley verengte ihre Augen zu Schlitzen und legte den Kopf schief. Ich folgte der Bewegung, sah ihren lauernden Blick. Sie streckte mir die Hand entgegen und ich ergriff sie, ohne zu wissen, warum. Ihr Blick durchbohrte mich. Ich taumelte und mir wurde schwarz vor Augen.

Ich öffnete die Augen und schaute in Ashleys besorgtes Gesicht. „Ist alles okay?“, fragte sie.
Ich nickte langsam. Schon wieder hatte ich verloren. Dabei hatte Grandma es uns so oft gezeigt.
Ich lief ins Haus und warf mich schluchzend in ihre Arme.
„Nicht gut gelaufen, Kleines?“, fragte sie und ich schüttelte den Kopf. „Ach meine Kleine, das wird schon! Nicht aufgeben!“, meinte sie und drückte mich fest an sich.

Demon High School

„Los, komm! Wir suchen dich schon überall. Da will uns jemand sehen.“ Ashley sah mich aufmunternd an. „Kopf hoch, das war doch nur zur Übung!“, sagte sie und nahm mich in die Arme. Ich folgte ihr durchs Haus. „Er ist ein bisschen… unheimlich.“ „Wer?“, fragte ich.
Sie deutete den Gang hinauf. Dort stand ein Junge, er trug einen schwarzen Mantel und sah tatsächlich unheimlich aus. Als er uns erblickte, lächelte er. „Hallo.“, sagte meine Schwester. „Hallo, Ashley. Und du musst Katie sein.“, sagte er und musterte mich. ich nickte und bemerkte, wie ich rot wurde. „Ich bin Jonathan und komme von der Demon High School.
Ich wurde geschickt, um zu testen, ob ihr fähig seid, in unser Internat beizutreten.“
Ich stutzte, eine Schule für unseresgleichen, das klang spannend.
„Ihr müsst dafür zeigen, ob ihr kämpfen könnt. Ich will einen fairen Kampf.“, fuhr er fort und lächelte wieder. Mein Herz hämmerte wie wild, als ich ihn ansah. Dann dachte ich an seine Worte. Ein Kampf. Bestimmt würde ich verlieren. wenn dann auch noch meine Mutter Caro, Oma, Mike und er zuguckten. Oh Gott! Er sah total süß aus.

Nachdem er sich verabschiedet hatte, ging ich ins Wohnzimmer zu Grandma und teilte ihr meine Sorgen mit. Sie seufzte.
„Hör mal zu, Katie. Ich war auch noch nie gut im Kämpfen. Aber ich habe es weiter versucht und mir gesagt, dass ich das kann. Und eines Tages konnte ich es, ich war so glücklich.“
Sie lächelte mich an. „So wird das bei dir auch sein.“
Ich nickte unsicher.

Mikes Kampf

Mike hatte mich aufgefordert, doch mit ihm zu üben. Er stand einige Meter von mir entfernt und sagte: „Also, Katie, du musst immer wachsam sein! Du musst kämpfen. Kämpfen wie ein Löwe!“ Trotz der großen Entfernung konnte ich jedes Wort deutlich verstehen. Er kam auf mich zu, es ging los. Oh Gott! „Hast du das verstanden?“, fragte er und lächeltet kurz. Ich starrte ihn an, legte den Kopf schief und ging näher. Er wich zurück.
Ich hielt den Blickkontakt, während er versuchte, meinen Blicken auszuweichen. Meine Gedanken kreisten und ich musste an die Schule denken, die Schule für Dämonen. Ich atmete tief durch und konzentrierte mich auf den Kampf. Den Blick weiterhin auf Mike gerichtet ging ich weiter. 
Mikes Blick wurde verschwommen und leer. Ich beugte mich vor und verstärkte den Blick.
Er fiel hin und blieb mit geschlossenen Augen auf dem  Boden liegen. Grinsend sprang ich in die Luft. Gewonnen, endlich gewonnen!

„Mike?“, fragte ich, aber ich bekam keine Antwort. Was war passiert? Ich rüttelte an seiner Schulter, aber nichts passierte. Ich legte meine Hände auf seine Brust und ließ Wärme in seinen Körper strömen. Langsam öffnete er die Augen und rappelte sich auf.
„Herzlichen Glückwunsch, Katie!“, murmelte er. Ich lächelte. „Gut gemacht.“
Er fiel mir um den Hals.

Liebeserklärung

„Siehst du, Katie. Du kannst es!“, tönte Grandmas Stimme an mein Ohr. Caro und Ashley grinsten mich an. Hoffentlich gewann ich, wenn Jonathan übermorgen wiederkam. Ich spürte ein  Kribbeln im Bauch. Ich musste es einfach schaffen. wenn ich es nicht hinbekam, würde ich ihn nie wieder sehen. Ich schluckte. Es musste einfach klappen.

Mike ließ sich nicht blicken. Wahrscheinlich war er zu niedergeschlagen, schließlich hatte er immer schon gewonnen. Er war mein bester Freund. Er wohnte bei uns, weil seine Eltern tot waren und da hatten wir ihn aufgenommen. Als ich an seinem Zimmer klopfte, kam keine Antwort.
Wo er wohl war?
„Am See!“, schoss es mir durch den Kopf. Mike liebte den See, er saß oft am Ufer und sah dem Sonnenuntergang zu.

Also ging ich dorthin und- wie erwartet- saß Mike am Ufer und starrte in die Ferne. Als er mich sah, lächelte er. Ich setzte mich neben ihn. „Was ist los?“, fragte ich.
„Katie, wir sind Freunde, ich, ehm…“ Er stockte. „Ich liebe dich.“
Ein Schock traf mich. Ich starrte ihn an, stand dann auf und lief los.
„Katie!“, rief er, aber ich lief weiter.

Letzte Vorbereitung

Am nächsten Tag übte ich mit Caro. Sie stand aufrecht und wie eine Statue vor mir und lächelte. Ich lächelte zurück. Dann wich ich schnell ihren stechenden Blicken aus. Schritt für Schritt ging ich auf sie zu. Sie richtete ihren Blick auf mich und fasste meine Hand. Dann zog sie mich mit sich. Es kam mir vor wie ein Tanz. Sobald ich fast am Ziel war, gelang es Caro, neue Kräfte zu sammeln. Ich entzog ihr meine Hand und durchdrang sie mit meinem Blick. Sie war gerade dabei zu fallen, aber ich schnappte ihre Hand und zog sie mit einem Ruck nach oben.
„Wow, Katie. Das war unglaublich.“, sagte sie und drückte meine Hand. „Ich bin stolz auf dich!“

Ashley wollte mit mir shoppen gehen. „Du hast ja so toll gewonnen, das muss sein!“, meinte sie und lachte. Es war spaßig, mit ihr durch die Geschäft zu gehen. Sie kaufte sich einen Herzanhänger und ein schwarzes Kleid und ich ein rotes T-Shirt mit einer blauen Jacke. Auf dem T-Shirt stand
I love Demons!
„Das ist ja cool!“, rief Con, als sie es sah.

Großer Tag

Am nächsten Morgen sah ich Mike beim Frühstück und mied seinen Blick. Ich konnte ihm ansehen, dass er geweint hatte. Als es klingelte, schrak ich hoch. Kurz darauf kam Jonathan herein und schenkte uns ein Lächeln. Mir blieb die Luft weg und ich musste lächeln, ohne zu wissen, warum. „Kommt ihr?“, fragte er mit seiner weichen Stimme. Ich sah ihn an und stand auf.

Ashley war nur wenige Meter von mir entfernt und zwinkerte mir zu. Als ich zur Seite blickte, standen dort Con, Grandma, Mike und Jonathan. Mein Blick blieb an ihm hängen und als er ihn bemerkte, nickte er. Meine Schwester tänzelte auf mich zu, während ich ihr stechende Blicke zuwarf. Ihre schwarzen Augen flackerten nervös. Ich ging auf sie zu und bohrte meinen Blick in ihren. Ihre Augen sahen auf einmal leer aus, bevor sie auf den Boden fiel. Gewonnen!
Ich lächelte. Con kam zu mir und umarmte  mich. Grandma drückte mich und lächelte.
Als Jonathan kam und mich ansah, wurde ich rot.
„Herzlichen Glückwunsch.“, sagte er und lächelte.
Schmetterlinge schwirrten in meinem Bauch umher. Ich lächelte zurück. „Na dann, viel Glück.“, hörte ich eine leise Stimme hinter mir- Mike. Er schloss mich in seine Arme, dann ging er mit hängendem Kopf davon. „Was ist denn mit dem los?“, fragte Ashley erstaunt. Ich zuckte mit den Schultern. Ashley strahlte mich an. „Du hast es geschafft!“ Ich runzelte die Stirn.
„Bist du nicht sauer, weil du nicht gewonnen hast?“, fragte ich. Sie schüttelte den Kopf und lächelte. „Aber nein.“

Mike tat mir leid. Er sah ganz fertig aus. Es war sicherlich nicht so einfach für ihn.
„Katie.“, sagte Jonathan hinter mir und riss mich aus meinen Gedanken. Ich drehte mich um und sah ihn an. „Ehm, ich komme dich morgen abholen, also pack heute deine Sachen.“, erklärte er und ich nickte. Er nahm meine Hand, drückte sie und lächelte. Ich lächelte zurück.
Mein Herz hämmerte wie wild.

Abschied

Mein ganzes Zimmer stand voller Kartons. Nach langem Suchen hatte ich alles eingepackt. Während Jonathan alles in sein Auto packte, verabschiedete ich mich von meiner Familie.
Caro wollte mich fast nicht mehr loslassen. „Viel Spaß, ruf an, wenn du was brauchst.“, sagte sie und küsste mich auf die Stirn. Ashley umarmte mich und murmelte: „Lass dich von keinem fertigmachen, Schwesterlein.“ Grandma verabschiedete mich mit den Worten: „Pass auf dich auf, Kleines.“, nachdem sie mich in die Arme geschlossen hatte. ich war schon vor der Tür, als Mike auf mich zugerannt kam. er sah mich kurz an.
„Viel Glück und… wehr dich.“ Er stockte. „Wie ein Löwe.“, murmelte er so, dass nur ich es verstehen konnte. Er drückte mich fest und strich mir durchs Haar.

Ich schielte zur Seite. Jonathan sah konzentriert auf die Straße und es war still. „Darfst du überhaupt schon Auto fahren?“, fragte ich da. Überrascht warf er mir einen Blick zu.
„Ich bin achtzehn.", antwortete er und schaute wieder auf die Straße. Achtzehn.
Vier Jahre Unterschied. Ich betrachte ihn aus den Augenwinkeln. Schmetterlinge flatterten in meinem Bauch. Bei uns studierte man mit sechzehn, sodass man mit achtzehn fertig war.

Neue Freunde und Feinde

Neben dem Eingang standen zwei Statuen aus Marmor, er waren Engel. Jonathan öffnete die Tür und ging dann zum Auto, um alles auszuladen. „Du teilst dein Zimmer mit Lea Brenner.
Heute Abend findet eine Versammlung statt.“, sagte er zu mir. Eine Frau kam uns auf der Treppe, die wir hinaufstiegen, entgegen. „Hallo, Jonathan.“, sagte sie. Dann schaute sie mich an. „Herzlich willkommen, Katie!“ Sie reichte mir die Hand.
„Ich bin Vanessa.“, sagte sie lächelnd. Ich nickte.

„Hey, Katie!“ Ein dünnes, großes Mädchen begrüßte mich mit einer Umarmung. Sie machte eine einladende Geste ins Zimmer. „Jungs, die Neue ist da.“, sagte sie laut und zwei Jungen tauchten hinter ihr auf. Der kleinere, blonde hieß Taylor und der größere, braunhaarige hieß Sky. Nachdem sie mir beim Auspacken geholfen hatten, schlugen meine drei neuen Freunde vor, mir die Schule zu zeigen. Sie nahmen mich in die Mitte und fügten mal bei dem, mal bei dem Raum Erklärungen hinzu. Da ertönte ein lauter Gong und die Versammlung begann.

Am Eingang einer großen Halle mit Bänken und Tischen stand ein schwarzhaariges Mädchen. Als sie mich sah, kam sie auf mich zu. „Du bist wohl die Neue!“, sagte sie mit gehässigem Ton.
„Wie ich sehe, hast du ja schon Freunde gefunden. ich bin Claire.“ Sie sah mich mit einem Blick voller Hass an. Lea stieß mich an und zog mich mit sich.  Als wir auf der Bank saßen, fragte ich Lea, was denn mit dieser Claire los sei. Schließlich hatte ich nichts getan, weshalb sie mich so hassen könnte. „Ach, die ist immer so zu den Neuen. Sie denkt, sie wäre was Besseres. Und wir sind… Feinde.“, antwortete sie. „Warum?“, wollte ich wissen.
„Weil… Sie… Später, ja?“ Sie lächelte kurz und wies mit dem Kopf nach vorne, wo Vanessa stand. Neben ihr standen Jonathan und eine Frau. Als es schließlich still war, stellte Vanessa mich vor und bat alle, nett zu mir zu sein. Dann gab es Essen, es gab Tomatensuppe. Sie war noch heiß und schmeckte fantastisch.

Feinde

„Also, Katie. Du wolltest wissen, warum wir verfeindet sind.“
Lea saß neben mir auf ihrem Bett. Taylor und Sky waren in ihrem eigenen Zimmer.
„Als ich neu war, war sie die Königin der Schule. Alle Jungen liefen ihr hinterher und sie genoss es. Es gab keinen Jungen, der sie nicht mochte. Außer einen - Taylor. Er würdigte sie keines Blickes. Er verliebte sich in mich und als Claire das sah, wurde sie eifersüchtig. Sie war nämlich diejenige, die in ihn verliebt war. Aber Taylor beachtete sie nicht. Er ging manchmal - extra mit mir an der Hand an ihr vorbei. Du hättest mal ihr Gesicht sehen sollen.“ Sie sah mich an.
Ich hob eine Augenbraue. „Krass.“, sagte ich und musste lachen. „Ja.“ Lea lachte ebenfalls und wir saßen lachend auf dem Bett.

Unterricht

Heute hatten wir in der ersten Stunde Kampfkunst bei Jonathan. Er trug ein blaues Hemd und eine schwarze Jeans. Er erklärte, was es alles zu beachten gab. Es gab sieben goldene Regeln:

1. Verletze den Gegner beim Üben hier an der Schule nicht!
2. Nimm eine aufrechte Haltung an.
3. Sei konzentriert auf den Kampf!
4. Behalte deinen Gegner immer im Auge!
5. Versuche, in deinen Gegner einzudringen!
6. Pass deine Bewegungen deinem Gegner an.
7. Wer diese Regeln nicht beachtet, hat bereits verloren!


Zu jeder Regel erzählte Jonathan, warum dies wichtig war.
Dann klingelte es. Ich war überrascht, dass die Stunde schon zu Ende war. Als ich an der Tür war, rief Jonathan nach mir. Mein Herz machte einen Satz. „Und, Katie, bist du… Sind sie nett zu dir?“ „Ehm, ja.“ Er nickte. „Gut. Du solltest übrigens wissen, dass jeder hier einen Mentor hat, der einem hilft und ihn hier begleitet, bis er in der dritten Stufe ist. Du bist jetzt in der ersten. Und… ich bin dein Mentor.“, sagte er und lächelte. „Also, wenn irgendwas ist, wenn dir irgendwas passiert ist, kannst du jederzeit zu mir kommen. Wenn kein Unterricht ist, findest du mich im Zimmer neben der großen Halle.“ Ich nickte. „Danke.“, murmelte ich und ging hinaus. Draußen atmete ich ein paar Mal tief durch. Jonathan war mein Mentor!!

Lea, Sky und Taylor warteten auf mich. „Wer ist euer Mentor?“, wollte ich wissen. Lea hatte Vanessa und Sky und Taylor Irina. Irina war die dritte Lehrerin. In Geschichte der Dämone machte Vanessa eine Art Test mit uns. Jeder sollte aufschreiben, was er über gute und böse Dämone wusste. Am Ende der Stunde sammelte sie alles ein. Dann hatten wir Pause. Wir gingen auf den Hof, eine riesige Fläche mit Bänken, Bäumen und Wiese. Wir setzten uns auf eine Bank und unterhielten uns. Lea redete über Vanessa. ich erfuhr, dass sie und Irina beste Freundinnen waren und die Schule gegründet hatten. Als sie noch jemanden gesucht hatten, war Jonathan dazugekommen.

Duell

Bestimmt waren die anderen besser als ich in der Duellierstunde bei Jonathan. „Heute werden wir kleine Duelle zum Üben veranstalten. ihr könnt in den Pausen auch mit Freunden üben.“
Er sah sich um. Sein Blick fuhr suchend durch die Reihen, bis er mich entdeckte.
„Katie, zeig doch mal, was du kannst.“
Ich stand auf. Gegen wen ich wohl kämpfen musste?
„Und Claire.“ Nein! Bloß nicht diese Zimtzicke! Ich ging nach vorne, wo Claire bereits wartete. Sie hatte ihr gehässiges Grinsen aufgesetzt.

Ihr durchdringender Blick machte mir Angst. Ich versuchte, Jonathan zu fixieren, aber Claire hatte mich bereits gebannt. Sie kam näher und flüsterte leise Worte, die ich nicht verstand. Auf einmal fingen meine Augen an zu brennen und ich schrie auf. Ich versuchte verzweifelt, gegen die Schmerzen anzukämpfen, die langsam meinen Körper erfassten. Es brannte wie Feuer. Ich fiel hart auf den Boden, spürte Hände, die mich berührten und sah Jonathans Gesicht über mir.
Bald darauf wurde mir schwarz vor Augen.

Freundschaft

Grelles Licht blendete mich, als ich die Augen öffnete. Ich lag in einem Bett. Mein Kopf schmerzte und mein Körper fühlte sich an, als wäre er in tausend Stücke gerissen worden.
Ich drehte den Kopf und es tat weh. „Katie?“ Das war Lea. Sie stand vor mir, daneben Taylor und Sky. „Was ist passiert?“, fragte ich und versuchte mich zu erinnern. Claires gehässiges Grinsen ging mir nicht aus dem Kopf und Jonathans Blick geisterte darin herum. „Claire hat dich angegriffen, mit Dämonenfeuer, das ist ein virtueller Schutz, es verbrennt den Gegner.
Eigentlich ist es eine Illusion. Aber eigentlich dürfte sie das noch gar nicht wissen.
Sie runzelte die Stirn. „Wie geht es dir?“, fragte Taylor. Ich nickte vorsichtig. „Geht so.
Es brennt.“ „Na warte, die kann was erleben!“, meinte Sky. Lea und Taylor gingen kurz darauf, weil sie noch dringend etwas zu erledigen hatten. Sky fragte mich, wie lange ich noch hierbleiben müsse. Ich wusste es nicht. Er nickte und sah sich im Zimmer um. Es war weiß gestrichen und in ihm standen ein kleiner Schrank, ein Sessel und eine Blumenvase.
„Ich halte dich über die Stunden am Laufenden.“ Ich lächelte.

Nachdem Sky gegangen war, überlegte ich, ob ich mich wohl bei Claire rächen würde. Ob ich das könnte? Woher wusste Lea überhaupt, dass Claire Dämonenfeuer angewendet hatte?

Ich hörte das Klicken der Tür und sah Jonathan hereinkommen, der sich in den Sessel, der neben dem Bett stand, setzte.
„Hallo, Katie.“ „Hallo.“ Als ich ihn ansah, spürte ich, dass ich rot wurde. Mein Herz hämmerte wild. „Hattest du Streit mir Claire?“, fragte er und ich schüttelte den Kopf. das Feuer in meinem Körper, dieses Brennen war wieder da. Ich keuchte und Jonathan sah mich besorgt an. Die Hitze war unerträglich und es wurde immer heißer. Ein erstickter Laut kam aus meiner Kehle und ich starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er stand auf und legte sein Hand auf meine Brust. Automatisch breitete sich eine wohltuende Kälte in meinem Körper aus. „D- danke.“, brachte ich hervor und atmete auf. Jonathan nickte und setzte sich wieder. „Wenn irgendwas ist, musst du unbedingt Bescheid sagen. Ich kann nicht die ganze Zeit hier sein.“ „Aber ich kann vielleicht nichts mehr… sagen.“, sagte ich mit zitternder Stimme.
„Doch, du kannst das!“ Seine ruhige, weiche Stimme beruhigte mich und ich spürte Schmetterlinge in meinem Bauch tanzen.

Er stand auf und wandte sich zum Gehen. „B- bitte, geh nicht. I- ich hab’ Angst, dass…“
Meine Stimme hörte sich an wie die einer Dreijährigen. Jonathan drehte sich zu mir um und nickte. „Ist ja gut, Katie. Alles ist gut. Er setzte sich wieder und lächelte mich an.

Alpträume

Ich rannte durch die Gänge der Schule. Claire verfolgte mich. Ich lief weiter und stieß mit Jonathan zusammen. Er nahm mich in die Arme. „Katie.“, flüsterte er. Claire sah mich hasserfüllt an und bannte mich mit ihrem Blick. Ich schrie. Jonathan stand hilflos vor mir und Claire lachte boshaft.

„Katie. hey. Alles okay?“ Jonathan saß neben mir und seine Hand lag auf meiner Schulter.
Ich spürte Tränen in meinem Gesicht. „Es war nur ein Traum.“, murmelte er leise.
„Es hört nicht auf.“, sagte ich. Jonathans Gesicht verschwamm vor meinen Augen.
Ich spürte tausend Nadeln in meinem Körper.

Als ich die Augen öffnete, hatte er mich fest in seinen Armen und das Feuer war fort.
Ich lauschte seinen Atemzügen und kam mir dumm vor. Immer wieder war er derjenige, der mich vorm Verbrennen bewahrte. Ich legte meine Arme um ihn und drückte ihn fest. Sofort ließ er locker und sah mich ernst an. „Katie? Manchmal habe ich das Gefühl, du vergisst etwas.
Du vergisst, dass ich nicht dein Vater bin und auch nicht dein Freund, sondern dein Lehrer.
Ich habe es nie ganz verstanden, warum du in meiner Nähe so anders bist, wenn ich in deiner Nähe bin. Aber jetzt.“ Er seufzte. „Bitte… Ich kann das nicht, ich, ich kann nichts dagegen machen, dass ich dich… so gerne mag.“ Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Wie lange bist du schon in mich verliebt?“, fragte er.
Ich flüsterte: „Seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe.“

Ein Kuss

Ich wachte auf und Jonathan saß im Sessel. Er hatte die Augen geöffnet und sah mich an.
Mein Herz hämmerte wie verrückt.

Wir standen vor der Zimmertür und er drehte sich um.
„Willst du zum Unterricht? Du hättest jetzt Duellierstunde bei mir.“ Er lächelte und mir wurde warm ums Herz.
„J- ja.“, murmelte ich. Jonathan sah mir tief in die Augen und kam näher. Er legte seine Hand auf meine Wange und kurze Zeit später spürte ich seine Lippen auf meinen. Vorsichtig berührten sie sich und ich schmeckte etwas Süßes. Ich atmete durch die Nase ein und sein Geruch erinnerte mich an Rosen und frischen Wind. Er löste sich von mir und blinzelte.
„Ich…ich… Tut mir leid.“, flüsterte er und ging davon.

„Lasst euren Gegner nie zu nahe kommen, denn dann habt ihr keine Chance mehr. Weicht aus oder geht zurück.“ Ich lauschte  Jonathans Stimme und betrachtete ihn. Er trug ein blaues T-Shirt und eine dunkelblaue Jeans. Seine Haare waren zerzaust, aber es sah süß aus. Sky und Taylor sollten ein Übungsduell vorführen. Jonathan stellte sich an den Rand und anstatt Sky und Taylor zuzusehen starrte ich Jonathan an.

In Geschichte bekamen wir die Tests zurück und Vanessa lobte mich. Grandma hatte uns früher Geschichten darüber erzählt. Was sie wohl gerade alle machten? Ashley, Con, Grandma und Mike?

Dämonenfeuer und Cha-Cha-Cha

Irina war eine sehr nette Lehrerin. Sie war klein, dünn und hatte rötliche Haare. Ihre Stimme hallte im Klassenraum wider. „Dämonenfeuer ist ziemlich schmerzhaft und viel Dämone sterben schon bei einer minimalen Portion, aber einige…“, sie schenkte mir ein strahlendes Lächeln, „… einige überleben es. Aber ich verstehe nicht, wie manche Schüler hier so dumm sind und es bei nichtsahnenden Schülern ausprobieren. Es wird hart bestraft und ich warne euch: Lasst es nicht darauf ankommen!“ Sie bohrte einen finsteren Blick in Claire, die schnell den Blick senkte. „Claire! Woher wusstest du, wie man es anwendet? Wir hatten das noch nicht im Unterricht, oder?“ Zustimmendes Gemurmel war zu hören.
„Claire!“ Claire schaute auf, ihr Blick war voller Hass. Dann stürmte sie aus dem Klassenraum. Irina sah ihr kurz nach, dann fuhr sie fort. „Ihr könnt dieses Feuer nicht wirklich besitzen. Es ist eine Illusion, ein virtueller Schutz.“ Es gongte. „Nächste Stunde mehr dazu!“, rief Irina noch, ehe alle auf den Flur stürmten.

Auf dem Weg zum Tanzraum fragte Taylor: „Meint ihr, sie bekommt eine Strafe?“ und sah uns abwechselnd an. Ich zuckte nur mit den Schultern. Kurze Zeit später kam Irina.
„Claire ist bei Vanessa.“, verkündete sie. dann begann sie, zu erklären, wie man Cha-Cha-Cha tanzte. Eine halbe Stunde später tanzten wir. Mein Tanzpartner war Sky. Er wirbelte mich am Schluss wild im Kreis herum und lachte dabei.

Macht und Kampf


Es war eiskalt draußen. Dunkle Wolken türmten sich auf und ein eiskalter, peitschender regen prasselte auf uns nieder. Ich rannte zum Eingang und schlüpfte durch die Tür. Vor mir stand Jonathan, der die Schüler in die Halle dirigierte.

Die drei Lehrer standen vorne. „Böse Dämone können schlechtes Wetter erzeugen und wie es scheint, sind einige auf dem Weg hierher. Ich weiß nicht, warum, aber sollten sie euch angreifen, dürft ihr euch mit all euren Mitteln verteidigen!“ Vanessas Stimme hallte durch den Raum und sofort war ein panisches Flüstern zu hören. Ich schnappte Sätze auf wie.
„Was machen wir jetzt?“, „Hilfe.“ oder „Ich hab’ Angst.“


Zwei Gestalten in schwarzen Umhängen kamen durch die Tür. Es herrschte Totenstille.
Ihre Gesichter waren schwer zu erkennen, da sie unter Kapuzen verborgen waren. Die beiden blieben vor Vanessa stehen und legten die Kapuzen zurück. Es waren eine Frau mit rötlichen Haaren und ein Mann mit braunen Haaren. „Was wollt ihr?“, fragte Vanessa mit gebieterischer Stimme. Der Mann antwortete: „Jemand hat gegen die Regeln verstoßen. Wir kommen im Auftrag von Jack.“ Jack. Jack war der mächtigste Dämon, den es gab. „Jemand hier hat…“, wollte die Frau sagen, aber Vanessa schnitt ihr das Wort ab. „Niemand hat gegen die Regeln verstoßen! Das hier ist meine Schule und Sie kennen meine Regeln nicht!!!“
Die Frau zuckte zusammen. „Gehen Sie! Sofort!“, schaltete Jonathan sich ein.

Die Frau schnaubte laut und drehte sich um. Sie schaute sich um und kam auf mich zu. Ich hatte das Gefühl, dass sie nichts Gutes im Schilde führte und stand auf. Sie starrte mich an, ich starrte zurück und versuchte dann, den Blick abzuwenden. Aber ich war wie hypnotisiert. Ich schrie,
da war er wieder, der brennende, stechende Schmerz, der meinen Körper erfasste. Dieses Mal war er schlimmer.

Jonathan, Vanessa und Irina kamen angelaufen. Vanessa bohrte ihren Blick in die Frau und alles verschwamm vor meinen Augen.

4 Kommentare

Unicorn am 22. April 2017

Bitte eine Fortsetzung!!!

Joanna am 2. März 2017

Coole Geschichte!

Vollmond am 16. März 2016

Super Geschichte, bitte schreib' eine Fortsetzung!!!

Johanna am 8. Februar 2014

Sehr spannend! Klingt nach einer Fortsetzung, warte gespannt!