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Freitag, der 19. August 2016

Am Filmset von Tintenherz

Im November 2006 waren wir zu Besuch beim Dreh in Ligurien.

Copyright: Warner Bros. Pictures

 

Sie stehen überall. In den Gassen, auf den Treppen, auf den Mauern ... Und sie tragen alle Schwarz. Schwarze Mäntel, schwarze Hosen, schwarze Stiefel. Es sind Capricorns Männer. Und dies ist Capricorns Dorf.

Copyright: Warner Bros. Pictures“Welcome to Capricorn's village“.
Das sind die ersten Worte, die Cornelia hört, als sie aus dem Kleinbus steigt, der sie vom Hotel an der Küste in die Berge gefahren hat. Monate lang hatte sie sich wie ein kleines Kind auf diesen Augenblick gefreut: anzukommen am Drehort, an dem Ort, wo ihr Buch "Tintenherz" zum Leben erweckt wird.

 

Zusammen mit ihren Kindern Anna und Ben, mit ihrer Assistentin Angie und Annas Freundin Louisa war Cornelia nach Ligurien gekommen, um zwei Wochen lang mitzuerleben, wie die ersten Szenen für die Verfilmung in einem verlassenen Bergdorf gedreht werden.

In den Bergen, umgeben von Wäldern, die Fassaden zerfallen, Gassen mit uraltem Kopfsteinpflaster und über dem Dorf ein gigantisches, Herrschaftshaus, das an ein steinernes Gefängnis erinnert. Das Dorf ist seit Jahrzehnten verlassen. Für den Rest der Welt ist das Dorf nichts als eine Ansammlung verfallener Häuser, zu denen eine Straße führt, die den Namen nicht verdient. (Tintenherz, S.115)

Wir werden durch die engen Gassen hinauf zum Drehort geführt. Vorbei an alten Gemäuern, die nach Keller riechen, vorbei an verrosteten Autowracks, Requsiten – und immer wieder vorbei an Capricorns Männern, die auf den nächsten Dreh warten und extra für uns die finstersten Gesichter auflegen.

Einer von Capricorns Männern (Copyright: Warner Bros. Pictures)Dann stehen wir plötzlich vor einem kleinen Stall. Davor ein Dutzend Käfige. Und Knopfaugen in einem pelzigen Gesicht mustern uns neugierig von der Seite. Guillaume, der Tierpfleger am Set, hat 'Gwin' auf dem Arm und stellt uns den kleinen Marder vor. Eigentlich heißt er V-Face, weil sein Fellgesicht wie ein V geformt ist. Cornelia nimmt ihn auf den Arm und fühlt sich einen Moment lang wie Staubfinger. Sie haben es schön dort, in dem abgelegen kleinen Garten im Dorf, wo außer den Mardern (Gwin wird von mehreren Mardern gespielt) noch drei kleine Ferkel und die beiden Ziegen Margherita und Cioccolata im Stall auf ihren nächsten Auftritt warten.
Staubfinger und Gwin (Copyright: Warner Bros. Pictures)Im Zentrum des Dorfs wird gerade für eine Szene geprobt. Die Filmleute stellen uns grüne Regiestühle bereit und bauen einen Bildschirm auf, damit wir die Szene mitverfolgen können. Es ist nämlich gar nicht so einfach, die Schauspieler in Aktion zu sehen, da ein Schwarm von Kameraleuten, Kabelträgern, Toningenieuren, Regieassistenten und Statisten um das Geschehen herumsteht.
Cornelia ist ganz still geworden, sitzt in ihrem Stuhl und weiß nicht, wohin sie zuerst schauen soll. “Das ist Capricorns Dorf. So wie ich es immer vor Augen hatte.“ Ein schöneres Kompliment kann sie dem Filmteam nicht machen.

“SILENCE!“
“SILENCIO!“

Das Gemurmel am Set verstummt, die Bewegungen frieren ein und der Dreh beginnt.

“MOVIMENTO!“
“ACTION!“

Und dann erkennt man sie gleich: Basta und Mortola schreiten auf die Kamera zu. Gefolgt von Cockerell, Meggie, Fenoglio und Flachnase, der auf Fenoglio einredend unbeholfen der Gruppe folgt. Hat man sie sich so vorgestellt? Viellicht nicht in allen Details, aber ja, das sind sie wirklich. Die dunklen und die hellen Gestalten aus Cornelias Buch.

Mo und Fenoglio (Copyright: Warner Bros. Pictures)Nur ein paar Sekunden wird die Szene gedreht. Dann kommt wieder alles in Bewegung, die Stimmen sind wieder da und die nächste Probe der Szene wird vorbereitet. Zwischendurch kontrolliert die Maske immer wieder die Gesichter der Schauspieler, Wangen und Hälse werden abgepudert und bei Flachnase wird geprüft, ob die Nase noch sitzt.

Neben uns lässt sich in einer Drehpause Eliza neben ihrem Vater in einen der Regiestühle fallen und legt die Beine auf seinen Schoß. Mister Bennett hat seine Tochter nach Ligurien begleitet. Später wird auch ihre Mutter zusammen mit ihrer Schwester anreisen. Sie und all die anderen Filmleute waren im gleichen Hotel wie wir untergebracht und so kam es, dass einem abends in der Lobby “Flachnase“ über den Weg lief, “Meggie“ aus dem Aufzug kam oder “Resa“ auf der Terrasse ein Buch las – um sich auszuruhen von einem anstrengenden Drehtag. Denn der fängt für einen Großteil des Filmteams schon um 4:00 in der Frühe an. Dann bringen Fahrer die Schauspieler und die Crew hinauf in die Berge. Maske und Kostüm brauchen ihre Zeit, und schließlich will man das Licht der kurzen Spätherbsttage voll und ganz nutzen.

Mo und Meggie (Copyright: Warner Bros. Pictures)Elizas Tag beginnt erst gegen 5:15 Uhr, denn sie braucht nur eine Viertelstunde in der Maske. Dafür hat sie neben dem Dreh auch noch 'Schule'. Ein Privatlehrer gibt ihr Unterricht für die Zeit, in der sie in ihrer Schule in England fehlt. Ich habe sie gefragt, ob sie ihre Freunde vermisst. “Natürlich, aber es passieren so viele aufregende Dinge während der Dreharbeiten, und ich habe so viel Spaß und lerne jeden Tag. Und wenn ich wieder nach Hause zu meinen Freunden komme, ist es immer so, als sei ich nie weg gewesen.“ Mit Brendan und Paul versteht sie sich ganz wunderbar. Überhaupt ist das diesmal eine besonders schöne Atmosphäre am Set.

Cornelias Buch kannte Eliza schon, bevor sie sich für die auditions in London beworben hatte. “Es stand in unserer Schulbibliothek, und ich fand es ganz fantastisch.“ Eliza kennt auch Cornelias Webseite. Zusammen mit ihrem Vater hat sie schon oft im Gästebuch geblättert. Dort hat sie natürlich auch all die enttäuschten Einträge der Fans gelesen, die sich für die Rolle der Meggie beworben hatten und sie rät jedem, der diesen Traum hat, weiter dafür zu kämpfen.

Meggie und Farid (Copyright: Warner Bros. Pictures)Ob sie weiter als Schauspielerin arbeiten möchte? Oh ja, solange es Spaß macht, werde sie nicht aufhören, denn es sei schon immer ihr Traum gewesen, sagt sie, vor der Kamera oder auf der Bühne zu stehen.

Welches Buch neben Tintenherz liegt ihr besonders am Herzen? “Noughts and Crosses“, antwortet sie, ohne lange nachdenken zu müssen,“ von Malorie Blackman“.

“Eliza!“
Der Dreh geht für Eliza weiter und sie gesellt sich wieder zu den anderen Schauspielern. Und während ich ihr nachschaue, wie sie in ihren Stiefeln über das Kopfsteinpflaster läuft, denke ich: “Ja, das ist Meggie.“ Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Ihr alle zustimmen werdet.

Meggie, Mo und Elinor (Copyright: Warner Bros. Pictures)Eliza hatte es schon erwähnt: die Schauspieler am Set verstehen sich alle bestens. Was bei den langen Drehtagen auch ein Segen ist. Doch später am Abend im Hotel gibt es dennoch Streit. Paul und Brendan sind aufgewühlt. Brendan beschimpft Paul, Paul beschimpft Brendan – zum Glück nur auf der Leinwand. Mo und Staubfinger geraten aneinander – dieselbe Szene, immer wieder, aus verschiedenen Kameraperspektiven, mal zurückhaltend, mal impulsiv. Regisseur, Filmteam und Schauspieler haben sich in einem Raum des Hotels versammelt, um gemeinsam die Szenen anzuschauen, die in den letzten Tagen gedreht worden waren. Eliza ist da, sitzt in der zweiten Reihe neben Cornelia, viele Gesichter erscheinen im Lichtkegel des Filmprojektors, die man schon morgens beim Dreh im Bergdorf gesehen hat, die Schauspieler jetzt ohne Maske und Kostüm. Paul Bettany kommt später, setzt sich, hochgewachsen wie er ist, in die erste Reihe und erntet Protest von Eliza. Auf der Leinwand erscheint wieder Brendan Fraser. “He's a wonderful Mo!“, hat Eliza morgens zu mir gesagt. Und sie hat Recht. In dieser einen Szene zeigt sich seine Wärme, seine Verzweiflung und seine ganz besondere Beziehung zu Meggie. Brendan ist Mo. Jemand muss ihn herausgelesen haben ...

Mo (Copyright: Warner Bros. Pictures)Ein langer Drehtag geht zu Ende, das Filmteam zieht sich zurück, um vor dem frühen Weckruf noch ein paar Stunden Schlaf zu haben. Cornelia bleibt noch ein paar Tage - bevor sie zurückkehrt nach LA, denn ihre Kinder haben wieder Schule. Es wird bestimmt noch eine Weile dauern, bis sie wieder in der “wirklichen“ Welt angekommen ist, aber zu Hause warten ja bereits Meggie, Mo, Staubfinger und all die anderen im Schreibhaus. Und schon im Januar sieht Cornelia sie dann in Fleich und Blut wieder. Bei den Fortsetzungen der Dreharbeiten in London.
Und dann wird sie auch endlich der dunkelsten Gestalt ihres Buchs gegenüberstehen. Capricorn! Der hat sich nämlich in der Zeit, in der Cornelia am Set war, nicht blicken lassen.

Cornelia am Tintenherz-Set in Ligurien (Copyright: Warner Bros. Pictures)

14 Kommentare

Jonas Mandelkow am 12. Oktober 2017

tintenherz zelt zu meinen absoluten liblingsbüchern und auch der film ist sooooooooooooooooooooooooo cool

Meggie am 29. September 2017

Ich fände es auch toll wenn die anderen Tintenherz Bücher verfilmt werden würden, auch wenn ich nicht oft Orpheus Meinung bin. Trotzdem lasst den Kerl nicht mitspielen, der vermasselt alles. Und werden die anderen Bücher verfilmt?

Nein, Meggie, es wird keine weiteren Verfilmungen der Tintenwelt geben.

Violante am 29. September 2017

Sag Cornelia, dass sie meinen Vater auf keinen Fall ins Reich der Lebenden holen darf. Dann finge der ganze Ärger ja von vorn an.

Natternkopf am 29. September 2017

Ich hasse es bei den Weissen Frauen und dem Tod. Da ist niemand, um mich zu bedienen. Und diese schreckliche Angst, wenn die gruseligen Todesengel um mich herum schleichen, brrrr. Bitte sag Cornelia, dass sie mich wieder ins Leben schreiben soll.

Mortola am 29. September 2017

Mach bloss, was Basta sagt und bring uns ein Brot mit Marmelade, sonst kommen wir mit Flachnase rüber und ich befehle ihm, dich windelweich zu hauen, auch wenn wir noch im Totenreich hocken und mir noch etwas einfallen muss, wie wir hier rauskommen. Liebe Grüße von Mortola

BASTA am 29. September 2017

Wenn du meinst, dann schick mir wenigstens ein Glas Orangenmarmelade mit einem Schwarzbrot, damit ich deinen Rat befolgen kann. Wenn nicht, dann muss ich mein Messer doch zu etwas anderem verwenden! PS: Meine Adresse ist Weisse Frauen Gasse Nr. 6a

Ok, Basta, Orangenmarmelade also.... Ich hätte gedacht, du bist eher fürs Herzhafte

Meggie am 28. September 2017

BITTE , BITTEE, BITTEEE schreib eine Fortsetzung !!! Die ersten drei Teile waren so cool und interessant, da braucht es eine Fortsetzung !!! Ich würde so gern noch einmal Roxanes Gesang hören und den Riesen sehen genau wie an dem Tag als Fenoglio ihn herbei schrieb. Ich würde so gern mit Mo Doria Abenteuer erleben.

Das tut Cornelia bereits, Meggie

Meggie am 27. September 2017

Ich fände es auch toll mit Farid die Tintenwelt zu besichtigen und Speckfürsten mit dem Schwarzen Prinzen zu sehen . Also wäre ich sehr froh wenn die anderen Bücher auch verfilmt werden würden . Das wäre total COOOL. PS: Noch cooler wäre es, wenn es eine Fortsetzung von Tintentod geben würde, wo dann Orpheus mit dem Däumling Ärger macht oder ein neuer Schurke hervortritt. DAS WÄRE SUPER COOOOOL!!!!!!!

Cornelia schreibt bereits das vierte Buch, Meggie Arbeitstitel ist "Die Farbe der Rache".

BASTA am 27. September 2017

Ich schneid dir die Zunge heraus, wenn du nicht sofort ein neues Buch schreibst, wo ich dem Streichholzfresser und dem herzallerliebsten Zauberzunge mit seiner kleinen Hexe die Kehle aufschlitzen darf.

Dann haben die drei aber Glück gehabt, dass Cornelia bereits das vierte Buch der Tintenwelt schreibt. "Die Farbe der Rache" wird allerdings wohl erst 2019 erscheinen. Wir hoffen trotzdem, dass dich die Neuigkeit ein wenig besänftigt und du dein Messer bis dahin lieber zum Schmieren von leckeren Broten benutzt

ettareseL am 18. April 2017

Ich bin von dem Film nicht ganz so fasziniert. Meiner Meinung nach sind manche Figuren nicht so gut gelungen und ich finde, dass Meggies Bücherliebe zu wenig thematisiert wird. Aber er ist okay. Schade ist es, dass Tintenblut nicht verfilmt wird. Ich wäre sehr gespannt, wie es mit der anderen Welt umgesetzt werden würde.

Tuula am 23. Februar 2017

Ich liebe die Bücher und den Film definitiv auch!

Paula am 26. November 2016

Ich liebe die Tintenwelt, in so einem Buch kann man richtig abschalten ! Ich liebe deine Bücher.

Frida am 22. September 2016

Wie heißt die Stadt eigentlich in Wirklichkeit?

Meinst du den Drehort, Frida? Das war Balestrino.

Staubfinger:) am 20. September 2016

Ich liebe die komplette Tintenwelt-Trilogie und den Film erst recht. Er wirkt so real und noch besser, als ich es mir vorgestellt habe. Ich glaube, meine Welt wäre ein ganzes Stückchen mieser, wenn ich die Tintenwelt nicht kennen würde.