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Donnerstag, der 25. August 2016

Das Theater zwischen den Welten

Die Figurenspielerin Susanne Capar gründete 1991 das Theater zwischen den Welten, ein Figurentheater, das phantastische und zauberhafte Kinderliteratur auf die Bühne bringt.

 

Die Glücksfee (© FITZ Figurentheater)

 

Mit Cornelias Geschichten von Glücksfee Pistazia und Emma und dem blauen Dschinn ist das Theater zwischen den Welten regelmäßig unterwegs, zum Beispiel im FITZ Figurentheater und im Theater in der Badewanne in Stuttgart.

Wir haben Susanne Capar getroffen und mit ihr über ihre Arbeit als Figurenspielerin geredet:

"Wisst Ihr..., was ich... wirklich gerne... mache? – Lesen."
So beginnt Susanne Capar ihre Aufführung von Emma und der Blaue Dschinn.
Hinter ihr auf der Bühne sitzen schon Emma und der Hund Tristan. Als würden sie darauf warten, dass das Spiel endlich beginnt. Susanne Capar liest die ersten Sätze aus Cornelias Buch, legt es zur Seite, und dann – dann lässt sie ihre Puppen weitererzählen. Emma, Tristan, Krim und all die anderen Figuren aus Cornelias Geschichte. Und ganz bald vergisst man, dass die Puppen von jemandem "gespielt" werden. Susanne Capar träumt sich als Emma über den Ozean, sie durchlebt als Tristan aufregende Momente in der Geruchswelt eines Hundes (eines Hundes mit viel zu kurzen Beinen), sie leidet als Krim unendlich unter dem Verlust seines Nasenrings, und sie schwebt und stampft als Gelber Dschinn über die Bühne, leidenschaftlich böse.

"Als Puppenspielerin stelle ich mich ganz in den Dienst meiner Figuren und möchte das auch so", erzählt sie. "Ich möchte das Publikum mit den Figuren faszinieren und sie in deren Welt hineinziehen."

Susanne Capar und der Gelbe Dschinn (© Theater zwischen den Welten)Im Fall von "Emma und der Blaue Dschinn" ist ihr das wirklich gut gelungen. Ich habe mir das Stück im Stuttgarter FITZ!-Figurentheater angeschaut.

Und weil die Kinder, die um mich herum saßen, genau so still und verzaubert zuschauten wie ich, dachte ich, vielleicht würdet ihr ja gerne mal ein bisschen mehr über die Kunst des Figurentheaters erfahren. Also habe ich mich mit Susanne Capar getroffen und sie hat von ihrem Beruf erzählt, in dem es ums Spielen geht. Aber längst nicht nur ums Spielen.

"Auf jeden Fall braucht man einen besonderen Bezug zum Figurenspiel. Den habe ich schon als Kind gehabt", sagt Susanne Capar. Sie hat schon mit acht Jahren begonnen, Figuren zu bauen, konnte sich Tage lang damit beschäftigen, alle möglichen Sorten von krummen Kerlen, netten Gesellen oder fantastischen Kauzen in Form zu bringen. "Als es dann später um einen Beruf ging, war das mein absoluter Lieblingswunsch, mein Traumberuf. Ich bin extra nach Stuttgart gegangen, denn dort kann man Figurenspiel sogar studieren. Als ich angefangen habe mit dem Studium war der Studiengang noch ganz neu."


Susanne Capar mit ihrem Blauen Dschinn (© Theater zwischen den Welten)Bis heute übrigens sind Stuttgart und Berlin, die einzigen Städte in Deutschland, wo man Figurentheater studieren kann.

Als Figurenspieler müsse man ein wahres Allround-Talent sein, sagt Frau Capar, denn zu diesem Beruf gehöre viel mehr als nur das Spielen. Man beschäftigt sich mit Bildender Kunst, mit Technik, mit Literatur und mit der Darstellung von Geschichten auf der Bühne. Ihr könnt ja mal versuchen, euch eure Lieblingsfigur aus Cornelias Büchern richtig bildlich vorzustellen und die dann aufzuzeichnen.
Und dann macht ihr euch nach der Zeichnung an euren ersten Puppenkopf, vielleicht aus Fimo oder Gips oder Pappmaché.

Früher hat Frau Capar gar nicht für Kinder, sondern nur für Erwachsene gespielt. Aber weil sie Kinderbücher so mag und so gerne vorliest, ist sie irgendwann auch auf Cornelias Geschichten gestoßen. Besonders gefallen, sagt sie, habe ihr und ihren Kindern das Märchenhafte und Phantastische. Die besonderen Wesen und Menschen in Cornelias Büchern und die Welt in der sie spielen – ihr wisst schon, eine Welt, die ja irgendwie anders ist als die normale Welt mit Schule, Zimmer aufräumen und Zahnarzt – diese besondere Welt also, "ist wie gemacht fürs Figurentheater.
Beim Figuren bauen und natürlich beim Spielen kann ich mich so richtig austoben, bis in den hinterletzten Winkel meiner Phantasie hinein.
"

Susanne Capar und die Glücksfee (© Theater zwischen den Welten)Vielleicht denkt ihr beim Thema Puppentheater erst einmal nur an Tri-Tra-Trullala, Kasper und den blöden Wachtmeister, der den Bösen immer auf ihren Pappkopf haut. Viele kennen bestimmt auch die Augsburger Puppenkiste. Aber das ist natürlich längst nicht alles. Beim Figurentheater gibt es genau so viele unterschiedliche Arten wie beim, nun ja, sagen wir normalen Theater auch. Vielleicht sogar noch mehr. Eine dieser Arten ist etwa das offene Spiel. Das macht Susanne Capar, und das heißt, dass sie mit ihren Puppen zusammen auf der Bühne ist. Sie sagt, dass es meistens nur den Erwachsenen schwer fällt, sich den Spieler wegzudenken.

"Ich glaube, und das merke ich ja auch, dass die Kinder mich irgendwann gar nicht mehr wirklich sehen. Die Kinder sehen die Figuren und leben mit der Geschichte." (Was mich betrifft, nur so am Rande, ich hatte da auch kein Problem - Hurrah, vielleicht bin ich ja doch noch nicht so schrecklich erwachsen, wie ich manchmal denke)

"Diese Art zu spielen bietet sehr viele Möglichkeiten, eine Einheit von Spieler und Figur zu schaffen", erzählt Susanne Capar weiter. "Ich selbst als Puppenspielerin merke das sowieso. Ich bin während der Vorstellung ganz in meinen Figuren drin."

Ich hab' mich früher als Kind schon oft gefragt, was die Puppen denn eigentlich nach der Vorstellung machen, in ihrer Freizeit sozusagen. Und da hab' ich das dann natürlich auch Frau Capar gefragt, wo ich schon mal mit einer Figurenspielerin zusammensitze. Sie lächelt und meint: "Die leben in ihrer eigenen Welt, würde ich sagen. Die bleiben bei mir, in ihren Kisten und Koffern. Ich habe ein enges Verhältnis zu meinen Figuren, auch wenn manche einen dafür belächeln. Es ist auch jede Puppe ein ganz eigener Charakter und irgendwie auch ein Stück von mir selbst." Wenn eine Puppe lange nicht mehr auf der Bühne war (also sozusagen außer Dienst), dann holt Frau Capar sie erst mal vorsichtig wieder hervor und schaut, ob sie denn vor dem nächsten Auftritt noch mal in die Maske oder Garderobe muss. Oder ob ein bisschen Abstauben reicht.

Emma und der Dschinni (© Theater zwischen den Welten)Viele von Euch fragen Cornelia immer, inwieweit ihre Kinder denn an ihren Geschichten, am Schreiben teilhaben. Cornelia antwortet dann, dass Anna und Ben stets ihre ersten Leser und Kritiker sind. In etwa so ist das auch bei Susanne Capar. Ihre Kinder erleben mit, wie die Puppen fürs Theater entstehen und sie sind auch immer die ersten Zuschauer, wenn das Stück dann steht.

Ihren Kindern vorlesen und auf der Bühne Geschichten erzählen - das bedeutet Susanne Capar sehr viel. Und was war für sie persönlich, als sie selbst Kind war, die schönste Geschichte?
"Als Kind hab ich die Max-Kruse-Geschichten geliebt. Die haben meine Kinder dann später auch wieder gelesen." Falls ihr noch nicht von Max Kruse gehört habt: er ist der 'Papa' vom Urmel und hat den Löwen losgelassen. Schaut mal unter: http://www.max-kruse-urmel.de

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid aufs Puppenspiel, auf Figurentheater und alles, was damit zusammenhängt, dann hab' ich hier noch ein paar Links für euch:

Die Glücksfee im theater zwischen den Welten


www.fitz-stuttgart.de

www.mh-stuttgart.de

www.hfs-berlin.de/puppenspielkunst
   

www.figurentheater-kolleg.de

     
www.puppentheater-museum.de    

www.augsburger-puppenkiste.de

www.hof-lebherz.de


Bestimmt gibt es auch in Eurer Nähe irgendwo ein Figurentheater.
Schaut dort doch einfach mal vorbei.
Es lohnt sich

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