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Dienstag, der 23. August 2016

Die Wilden Hühner vor der Kamera

Im Januar 2006 hatte die erste Verfilmung der Wilden Hühner Kinopremiere. Wir haben damals bei den Dreharbeiten vorbeigeschaut.

Filmszene aus "Die Wilden Hühner" (© Constantin Film)

 

Ein warmer Morgen im September, eine wilde Wiese, Büsche und knorrige Birnbäume – und mittendrin ein alter Wohnwagen. Eine Gestalt, verhüllt mit einem grauen Schal, schleicht um ihn herum und horcht, was drinnen gesprochen wird. Plötzlich wird die Tür aufgerissen und ein Mädchen mit blonden Locken springt heraus. Überrumpelt nimmt der “Spion“ Reißaus, verfolgt von mittlerweile vier Mädchen, die nacheinander aus dem Wohnwagen stürmen. Der “Spion“ stolpert und.... “Cut! Danke!“ Regisseurin Vivian Naefe kommt aus ihrem schwarzen Regiezelt. Da sind sie nun alle zusammen – Die Wilden Hühner. Um sie herum ein hektisches Treiben: Regisseurin, Regieassistenz, Kamerateam, Requisite. Das Filmset für die nächsten Tage ist ein verstecktes, wildes Grundstück in der Nähe von Köln.

Der Wohnwagen - das Bandenversteck der HühnerAn diesem Vormittag wird die Szene gedreht, in der Wilma, die unbedingt in die Bande aufgenommen werden möchte, die Hühner auf Trudes Grundstück belauscht. Der „Spion“ ist Wilma, Sprotte das Mädchen mit den blonden Locken. Wieder und wieder wird die Szene geprobt, so oft eben, bis alles perfekt läuft. Und trotzdem arbeiten die fünf jungen Hauptdarstellerinnen geduldig mit, lassen sich die Laune nicht verderben.

Birgit, eine der Kinderbetreuerinnen, erzählt, dass die Mädchen wunderbar und geduldig mitmachen, obwohl sie wirklich sehr oft lange warten müssen und die Dreharbeiten sehr anstrengend sind. Birgit ist eine der beiden sogenannten medienpädagogischen Fachkräfte, die für die Betreuung der Kinder am Set da sind. Dabei ist auch eine Lehrerin. Die Betreuerinnen wohnen mit den Kindern zusammen im Hotel. “Nach dem Dreh“, sagt Birgit, “geht es meistens gleich in den Hotelpool“. Allerdings verrät Zsa Zsa Inci Bürkle (Trude) später, dass sie nur dreimal die Woche schwimmen dürfen, “wegen dem Chlor, das macht die Haare heller“.

Das Regiezelt In der Nähe des Drehorts steht neben dem Versorgungszelt, in dem Kinder und Filmteam alles finden, wovon ihre Mägen nach langem Dreh so träumen, auch der Wohnwagen der Maske. Dort bekommen die Mädchen morgens zuerst ihre Kostüme. Dann folgt meist eine erste Probe ganz allein mit der Regisseurin. Das sei, so heißt es, Frau Naefe. Danach geht es in die Maske. Paula (Melanie) und Michelle (Sprotte) brauchen immer ein bisschen länger, weil sie künstliche Locken bekommen. Manchmal müssen die Mädchen bis zu viermal am Tag in die Maske, aber auch da gibt's mit der Geduld keine Probleme.

Regisseurin Vivian NaefePrivatgrundstück. Betreten verboten! steht an dem Tor, durch das man zum Drehort kommt. Das gilt auch für Regiehündin Nana, die neugierig vor dem Tor steht – obwohl die echten Hühner, die es sich lohnen würde zu jagen, erst in ein paar Tagen von der Tiertrainerin aus Xanten nach Köln gebracht werden. Hinter dem Tor stehen die Fahrräder der Wilden Hühner, das Fahrrad vom Oberhuhn sofort an der Hühnerfeder, die am Lenkrad hängt zu erkennen. Gedreht wird jetzt eine neue Szene. Die Hühner 'verhören' Wilma. “Nein. Ich bin auf eurer Seite. Ich will für euch spionieren. In eurer Bande!“, hört man Wilma sagen. Die Szene ist leider versteckt hinter dem Wohnwagen. Und näher heran darf man jetzt nicht. Absolute Ruhe beim Dreh.

DrehpauseDer Wohnwagen, den das Filmteam ausgesucht und hergerichtet hat, ist zwar von außen nicht blau mit Sternen so wie im Buch, aber er sieht wirklich richtig gut aus. Genau wie man sich ein Bandenquartier wünscht.

Davor sitzt auf einem Stuhl, wie ein Wachhund für die Hühner, ein riesiges, aufgeblasenes Lufthuhn. Und der Schriftzug Die Wilden Hühner fehlt natürlich auch nicht. Die Innenwände sind mit Blumen, Sternen und Seesternen bemalt, überall hängen Federn und Ketten, ... kurz, er ist so richtig schön wild dekoriert. Die Mädchen haben's gemütlich.

Das "Lufthuhn"
In einer Drehpause hocken die Berlinerinnen Paula, Zsa Zsa und Lucie in einer kuscheligen Sitzecke des Wohnwagens um einen Tisch herum, die beiden Münchnerinnen Michelle und Jette zusammen auf einer Bank. Auf die Frage, ob sie ein paar Fragen beantworten würden, strahlen sie: „Klar, jederzeit!“

 

 

Da sitzen sie also – Die Wilden Hühner. Und, ja, das passt, das sind sie wirklich – Sprotte, Frieda, Melanie, Trude und Wilma.

Die Wilden Hühner von links nach rechts: Melanie, Trude, Sprotte, Wilma und Frieda
Sprotte: Michelle von Treuberg

Frieda: Lucie Hollmann

Melanie: Paula Riemann

Trude: Zsa Zsa Inci Bürkle

Wilma: Jette Hering




Kanntet ihr die Wilden Hühner schon, als ihr euch für das Casting beworben habt?

Die Wilden Hühner: “Ja, die kannten wir alle schon vorher“.
Michelle: “Meine absoluten Lieblingsbücher!“


Spielt ihr alle genau die Rolle, die ihr am liebsten spielen wolltet?

Die Wilden Hühner: “Ja, schon. Wir sind alle zufrieden mit der Rolle, die wir bekommen haben.
Lucie: „Ich hätte zwar genau so gerne Sprotte gespielt, aber Frieda ist auch okay.“


Habt ihr schon vorher mal in einem Film mitgespielt?

Die Wilden Hühner: “Einige von uns. Michelle hat unter anderem in Speer und Er (2005) und Die Hochzeit meines Vaters (2005) gespielt, Paula in Bergkristall (2004) und Störtebeker (wird im Frühjahr 2006 in der ARD gezeigt). Zsa Zsa war schon in Werbespots zu sehen.“


Wie ist das mit dem Auswendiglernen?
Die Wilden Hühner: “Das ist das kleinste Problem. Das fällt uns auch in der Schule leicht, zum Beispiel beim Gedichte auswendig lernen.“


Habt ihr Veronika Ferres, Jessica Schwarz und die anderen erwachsenen Schauspieler gekannt?

Die Wilden Hühner: “Ja, die kannten wir alle schon aus Film und Fernsehen.“
Melanie: “Veronika Ferres kannte ich allerdings nur aus der O-Werbung.“
Michelle: “Benno Fürmann kenne ich noch aus der Pünktchen und Anton-Verfilmung.“


Wie versteht ihr euch untereinander?
Die Wilden Hühner: “Super! Wir sind die Wilden Hühner, die besten Freundinnen!!!“


Und wie versteht ihr euch mit den Jungs?
Die Wilden Hühner: “Klappt gut, obwohl die Jungs uns manchmal ein bisschen zu albern sind. Ist dann auch immer wieder schön, wenn wir unter uns Mädchen sind.“


Gibt es privat auch eine Bande?
Die Wilden Hühner: “Nein, eine Clique gibt es wohl, aber keine richtige Bande wie bei den Wilden Hühnern.“


Was fällt euch beim Schauspielen am schwersten?
Die Wilden Hühner: “Die Hitze. Und das frühe Aufstehen, das ist am schlimmsten.
Jette: “Damit hab ich gar kein Problem. Zu Hause steh ich auch immer so früh auf.“
Die Wilden Hühner: “Das Warten ist anstrengend, aber wir vertreiben uns dann hier im Wohnwagen die Zeit.“


Gefällt euch der Wohnwagen?
Die Wilden Hühner: “Oh jaaaa, wir lieben unseren Wohnwagen.“


Was macht ihr so, wenn ihr in den Drehpausen im Wohnwagen seid?
Die Wilden Hühner: “Bravo lesen, quasseln, ...“
Paula: “Was Mädchen halt so machen.“
Michelle: “Wir machen irgend nen Schmarrn.“


Habt ihr Heimweh?
Die Wilden Hühner: “Nein, aber es ist schön, mal wieder nach Hause zu kommen. Und mal wieder auszuschlafen. Unsere Tiere – die vermissen wir. Das Landfeeling bei den Dreharbeiten gefällt uns.
Michelle und Jette: “Da haben wir Heimatgefühle.“
(Michelle und Jette kommen aus München, Paula, Lucie und Zsa Zsa aus Berlin. Lucie erzählt, dass sie auch lieber auf dem Land leben würde. Die Stadt mag sie gar nicht.)


Möchtet ihr den Fans noch irgendwas sagen?
Die Wilden Hühner: “Geht alle in den Film!!!“



Nach dem Interview gingen für die Mädchen die Dreharbeiten weiter. Dafür hat Uschi Reich, die Drehbuchautorin (zusammen mit Güzin Kar) und Produzentin des Films die Zeit gefunden, zu erklären, warum sie Cornelias Bücher besonders mag und was sie gereizt hat, eines dieser Bücher zu verfilmen. Uschi Reich hat schon viele erfolgreiche Kinder- und Jugendfilme produziert, zum Beispiel die Erich-Kästner-Verfilmungen "Pünktchen und Anton", "Emil und die Detektive" und "Das fliegende Klassenzimmer".

Uschi Reich“Für mich“, sagt sie, “gibt es zur Zeit niemanden, der in der Kinder- und Jugendliteratur bessere Dialoge schreibt als Cornelia, niemanden,
der Figuren so gut über Dialoge charakterisieren kann und niemanden, der die Realität besser beobachtet, aus dem Grund, weil sie komplett durch die Augen der Kinder gesehen wird.

Die Dialoge kann man einfach nicht besser schreiben. Wir haben es versucht, aber wir sind immer wieder auf die Ursprungsidee zurückgekommen.“

Auf die Frage, was mehr Spaß macht, Filme für Kinder oder für Erwachsene, antwortet Frau Reich: “Kinderfilme. Auch aus dem Grund, weil sich Erwachsene viel besser benehmen, wenn Kinder am Set sind. Sie sind dann nicht so zickig. Ich bin auch viel öfter am Drehort, wenn Kinder da sind, schaue, wie es ihnen geht.“

Insgesamt war es ein sehr, sehr schöner Tag, die Stimmung am Set ist locker und herzlich und die Mädchen sind die “Hühner“ im Korb. Schade, dass die Jungs Drehpause hatten und die “echten“ Hühner noch nicht da waren, aber wir hoffen,
wir konnten euch einen kleinen Einblick in einen Wilde-Hühner-Drehtag geben.

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