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Donnerstag, der 25. August 2016

Rainer Strecker als Orpheus

Vor der Premiere von Tintentod (2008) im Staatstheater Hannover hatten einige von Euch die Gelegenheit genutzt und Rainer Strecker Fragen gestellt: zu seiner Rolle als Orpheus in Robert Koalls Bühnenfassung von Tintentod, aber auch zu seiner Arbeit als Hörbuchsprecher.

Rainer Strecker wird in der Maske zu Orpheus

 

Wie bist Du zu der Rolle gekommen?

Ich hatte mit Cornelia Funke eine Tintentod-Lesung im Schauspiel Hannover und wurde im Anschluss an die Lesung von dem Intendanten des Theaters Wilfried Schulz gefragt, ob ich denn Lust hätte, bei der Theaterfassung von Tintenblut mitzuspielen.

Ist es für Dich eine Ehre, Orpheus zu spielen? Wolltest Du das schon mal tun?

Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, Orpheus zu spielen. Ich habe mir den auch immer so widerlich vorgestellt. Aber je weiter eine Figur von einem selbst entfernt ist, desto größer die Aufgabe für den Schauspieler. Eine Ehre ist es, überhaupt mitzuspielen.

Rainer Strecker als Orpheus in der Tintentod-Bühnenfassung am Schauspiel Hannover (© Schauspiel Hannover)
Wie hast Du Dich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich habe mich gar nicht vorbereitet. Die Geschichte kannte ich ja schon sehr gut. Ich musste abwarten, was Regie und Kostüm für Ideen hatten, um diese dann mit meinen zu verbinden.


Magst Du Orpheus in Cornelia Funkes Buch?

Ja, ein herrlicher Kotzbrocken.


Wie entscheidest Du in den Hörbüchern, welche Stimmen Du den Charakteren gibst?

Sehr unterschiedlich. Oft stehen im Text Hinweise, wie zum Beispiel "...seine Stimme klang wie wenn man mit den Fingern gegen ein Glas klopft..." o.ä. Manchmal fällt mir ein Gesicht ein, jemand, den ich kenne, oder jemand, den ich schon mal im Film gesehen habe, manchmal aber lasse ich das bewusst offen bis zu dem Moment der Aufnahme, und plötzlich kommt eine Stimme von selbst.

© Schauspiel Hannover
Ist es für Dich nicht seltsam, Deine "eigene" Tintenwelt zu verlassen und gegen die vorgegebene am Theater einzutauschen?

Das ist in der Tat seltsam. Das geht nur, wenn man diese Welten nicht miteinander vergleicht. Nur wenn man Buch und Film vergleicht, ist man auf die eine oder andere Art enttäuscht. Wenn man beides als völlig andere Dinge betrachtet geht das.
Für Hörbuch und Theater gilt das gleiche. Man kann Apfel und Birne nicht vergleichen.


Hättest Du nicht lieber Mo gespielt?

Nicht lieber, aber auch gerne. Mo ist so zerrissen und widersprüchlich in Tintentod. Das ist für Schauspieler immer spannend. Aber genauso Orpheus. Der ist ja auch nur so fies, weil er geliebt werden möchte.


Eine Frage an Orpheus: Würdest Du selbst gerne Figuren aus Büchern lesen?

Klar, dann würde ich mit der schönen Roxane flirten und mich von Minerva bekochen lassen, und mein Vermieter würde Bekanntschaft mit den Feuerspinnen machen, und ich würde den Wolkentänzer rauslesen, kurz bevor er umkommt....ich glaub es ist sinnvoller mich selbst hinein, als alle anderen hinaus zu lesen.

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