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Montag, der 24. Juli 2017

Cornelia und die Kunst

Mit der Ausstellung "Cornelia Funke. Zauberwelten" zeigt die Junge Kunsthalle Karlsruhe Cornelias Arbeit als Illustratorin. Denn vor dem Schreiben kam bei Cornelia das Zeichnen.

Fotos: Michael Orth

Cornelias Porträt eines Japaners© Michael Orth

Gezeichnet hat Cornelia das eigentlich immer. Schon in der Schule musste sie in ihrer Klasse für alle Pferde zeichnen. Später hat sie dann Buchillustration studiert. Bevor sie selbst angefangen hat, Bücher zu schreiben, hatte sie also schon lange Jahre die Geschichten anderer Autoren illustriert. Aber es waren nie die Bilder, die sie gerne zeichnen wollte. Meist nur langweilige Schulhof- oder Spielplatzgeschichten. Dabei wollte sie doch viel lieber Drachen malen und Meerjungfrauen. Also hat sie sich eines Tages hingesetzt und ihre eigene Geschichte geschrieben - "Die große Drachensuche". Und seitdem konnte sie sich austoben in ihren Büchern, konnte die fantastischsten Wesen erschaffen, mit ihren Worten und auch mit ihren Illustrationen.

  Cornelias Tintenweltillustrationen (© Michael Orth) Cornelias Tintenweltillustrationen (© Michael Orth) Cornelias Tintenwelt-Illustrationen (© Michael Orth)


'Einige von ihnen kann man jetzt in der Kunsthalle Karlsruhe im Original anschauen.
Die Nixen Lilli und Flosse, den Silberdrachen Lung, Igelmänner und Pilzwesen, den Homunkulus Fliegenbein… Gezeigt werden aber auch die tollen Zeichnungen aus Cornelias Notizbüchern, denn wenn Cornelia eine neue Geschichte beginnt, dann entsteht diese mittlerweile nicht mehr nur auf dem Computer. Die erste Fassung schreibt sie mit der Hand. In Din A4 Notizbücher. Und in diese Bücher zeichnet und klebt sie auch alles, was ihr zu einer Figur oder einer Szene, über die sie gerade schreibt, einfällt oder was sie dazu inspiriert. Und über die Zeichnung findet sie meist auch den eigentlichen Charakter der Figur oder auch die Stimmung eines Ortes oder einer Landschaft.

 Blick in eines der Reckless-Notizbücher (© Michael Orth) Ein Notizbuch, das Cornelia für Die Feder eines Greifs anlegte (© Michael Orth) Und noch ein Notizbuch für "den Greif" (© Michael Orth) (© Michael Orth)


Vor ein paar Jahren fand Cornelia das Schreiben noch viel wichtiger als das Illustrieren, aber seit einer Weile hat sich gerade das sehr verändert, weil sie jetzt wieder mit der Hand schreibt und dadurch auch oft Figuren erst mal zeichnet, bevor sie sie überhaupt beschreibt. Inzwischen würde sie sagen, ist es ebenso wichtig wie das Schreiben.

Illustration für Drachenreiter mit Layout-Notizen (© Michael Orth)Wenn Cornelia nach einer Figur oder einem Gesicht sucht, dann arbeitet sie oft mit Fotos als Inspiration. Das bringt einem die Figur erst mal ohne Worte näher. Für ihre Reckless Bücher hat sie zum Beispiel mit Fotografie aus dem 19. Jahrhundert gearbeitet.

Cornelia verbringt für die Recherche für ihre Geschichten viel Zeit im Getty Research Institute in Los Angeles. Dort ist sie oft in die Archive gegangen und hat sich Alben vom 19. Jahrhundert angeschaut -  Familienalben und Reisealben - und hat sich Gesichter für ihre Figuren gesucht, hat diese abfotografiert und sie dann gezeichnet. Sie schaut sich auch oft Gemälde an.

Cornelia sagt, sie stiehlt die Gesichter der Toten. Das klingt jetzt erst mal gruselig, aber sie meint das so: "Ich schaue mir diese Menschen auf den Fotografien an, und das sind ganz normale Menschen gewesen." Die Bilder dieser Menschen bringen Cornelia oft auf Ideen. Die Gesichter zu betrachten, die Kleidung, vielleicht ein Detail, das ihr auffällt. Trägt jemand einen seltsamen Ring, guckt einer grimmig und ein anderer besonders fröhlich? Warum? Was ist passiert? Was sind das für ganz normale Menschen gewesen? Und manchmal, wenn es gut läuft, fangen diese Menschen an, ihr so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. Und natürlich erzählen sie nicht wirklich. Es sind ja nur Bilder. Aber die Bilder sind nicht stumm. Wenn sie so arbeitet, dann schaut sie immer, wer da kommt, wer sich hinter dem Foto versteckt. Sie erlaubt sich schon, etwas zuzufügen oder zu ändern. Und wenn das Porträt dann fertig ist, dann zeigt sich ihr oft eine neue Figur, von der sie vorher nicht wusste, dass sie in ihrer nächsten Geschichte eine Rolle spielen wird. Cornelia stiehlt also nicht wirklich die Gesichter. Sie gibt diesen Menschen ein neues Leben in einer ihrer Geschichten.

Cornelias Porträt eines Japaners (© Michael Orth)

In der Ausstellung in Karlsruhe hängt das große Porträt eines Japaners. Das hat auch Cornelia gemalt. Es ist nach einem Bild entstanden, das ein Fotograf in Japan im 19. Jahrhundert fotografiert hat. Cornelia hat es abgemalt. Das Foto, das sie als Vorlage benutzt hat, ist ähnlich, aber es sieht auch wieder ganz anders aus. Denn abmalen muss ja nicht heißen, dass man etwas kopiert, vielmehr dass man sich anregen lässt von einem Motiv. Und wenn Cornelia zum Beispiel so ein Foto wie das des Japaners benutzt, dann bleibt zwar einiges von dieser Vorlage in dem Bild, das sie malt, erhalten. Aber es fließt auch ganz viel von ihr selbst in dieses Gemälde mit ein, und so entsteht etwas ganz Anderes und etwas ganz Neues.

Man sieht in der Ausstellung auch einen Zentauren, ein Bild, das Cornelia angefangen hat zu malen, weil sie an dem nächsten Schauplatz für ihre Spiegelwelt-Serie arbeitete: Japan. Sie wollte einen japanischen Zentauren malen. Dass er eine ihrer Hauptfiguren war, hat sie dann erst später gemerkt. "Es ist aufregend, wenn man zulässt, dass die Illustration zuerst kommt," sagt Cornelia, "denn meist fühlt man eine Figur erst mal nur, aber man sieht sie nicht."

Cornelias Zentaur (© Michael Orth)

Mit dem Malen hat Cornelia wieder begonnen, als sie nach Malibu gezogen ist. Dort in ihrem neuen Zuhause in der Ruhe zwischen den Bäumen hat sie wieder Lust darauf bekommen, Bilder in großem Format mit Pinsel und Farbe zu malen. Auf den großen Leinwänden hat sie viele ihrer Freunde in Fabelwesen verwandelt, und mittlerweile gibt es schon einige, die Schlange stehen, um auf Cornelias Leinwand jemand anderes zu werden. "Cornelia", sagen sie dann, "kannst du mich als Meerjungfrau malen?" Oder: "Cornelia, ich wäre gerne ein Minotaurus!" In welcher Fabelhaut würdet ihr gerne stecken? Vielleicht malt ihr euch selbst als Nixenprinzessin, Kohlrabenmann oder Wolfsmensch. Wer weiß, auf welche Ideen eure Wesen Cornelia bringen, wenn wir die Bilder hier auf der Seite zeigen?

Kommentar

EttareseL am 18. August 2017

Cornelia malt atemberaubend schön! Ich würde meine Fantasiefiguren und -orte auch gern malen, aber ich kann es einfach nicht.