X

Mittwoch, der 19. Juli 2017

Die Menschen hinter der Ausstellung

Die Ausstellung "Cornelia Funke. Zauberwelten" in der Jungen Kunsthalle Karlsruhe ist eine fantastische Entdeckungsreise durch Cornelias illustrierte Geschichten. Geplant hat diese Reise ein kleines Team von Mitarbeitern des Museums. Einige von ihnen haben uns ihre Lieblingsillustration gezeigt.

 Fotos: Michael Orth


Kirsten Voigt ist Kunstgeschichtlerin und Literaturkritikerin. Sie hatte die Idee für die Ausstellung und hat bei ihrer Organisation geholfen. "Weil ich begeistert bin von Cornelias Doppelbegabung, ihrer Haltung den Kindern und der Natur gegenüber - wie man sie schon sehr amüsant aus Lilli und Flosse und Kein Keks für Kobolde herauslesen kann - und ihrer Fähigkeit, ihren Lesern Denk-, Fantasie- und Freiräume zu eröffnen."


Das Blatt mit den Illustrationen, neben dem wir sie fotografiert haben, gefällt ihr auch deshalb so, weil es zeigt, dass Cornelia das Kleine besonders achtsam und liebevoll wahrnimmt. "Das können Kinder auch noch, und das ist ganz wichtig für unser Leben und unsere Welt." Kirsten liebt auch die Pilzillustrationen sehr. "Ich liebe Pilze. Mir gefällt die Reihung der Pilze mit den Gesichtern. Und der Igelmann ist allerliebst. Wie lässig er dasteht und gleichzeitig souverän und verschmitzt aus dem Bild guckt. Und die Zwerge. Als Kind hatte ich einen, der war Ersatz für alle Teddys dieser Welt."


Dr. Sibylle Brosi ist Leiterin der Kunstvermittlung. "Ich bin Kunsthistorikerin und seit Jahrzehnten hier im Museum. An der Ausstellung arbeiten wir im Team. Wir arbeiten hier immer im Team. Wir haben gemeinsam beschlossen, diese Ausstellung zu machen, sind gemeinsam zu Cornelias Verlag nach Hamburg gefahren und haben die Werke dort mit aussuchen dürfen, und wir haben gemeinsam das Konzept erarbeitet. Als Kunstvermittler vermittelt man das, was die Kunsthalle an Besitz hat, an die Besucher. Die jüngsten sind noch keine fünf Jahre alt, die ältesten sicher über 70. Es kommen die unterschiedlichsten Gruppen. Wir arbeiten auch mit Blinden, mit Sehbehinderten, mit Hörgeschädigten, machen Führungen für Altenheime über das Internet... Aber unser größter Bereich ist das Angebot für Schulklassen, weil wir mehrere Malwerkstätten haben. Da kommen Schüler innerhalb des Unterrichts immer mehrere Wochen am gleichen Tag zur gleichen Uhrzeit und setzen sich in der Galerie mit einem Kunstwerk auseinander. Anschließend können sie in den Werkstätten selbst malen, zeichnen oder etwas basteln, das ihnen einfällt zu den Kunstwerken, die sie angeschaut haben."


Cornelias Bücher kannte Sibylle vorher noch nicht. Da ist sie eine andere Generation. Aber sie kannte bereits viele Leute, die infiziert waren, die jungen Volontäre schwärmten schon immer von Cornelias Büchern. Sibylle sind Lilli und Flosse stark ans Herz gewachsen. So sehr, dass sie und ihre Kolleginnen die fiesen Schnorchels bei der Eröffnung sogar verurteilt haben. Zu 'lebenslang Plastiktüten aus den Meeren fischen müssen.' "Auch die Reckless Illustrationen gefallen mir sehr gut, besonders die Szene mit den Pferden und Maultieren unter den Bäumen. Darin erkennt man, dass sich Cornelia auskennt in der Malerei. Es erinnert mich sehr an das Bild "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" von Caspar David Friedrich."



Sandra Trevisan macht zwei Jahre lang ein Volontariat in der Kunstvermittlung. "Cornelias Ausstellung habe ich mit kuratiert. Ich habe zum Beispiel geholfen, die Bilder auszusuchen. Davor hatte ich in drei Monaten zwölf ihrer Bücher gelesen. Von allen mag ich die Drachenwelt am liebsten. Beim Lesen der Geschichten war das so, dass ich meine Liebe zur Natur durch Cornelias Bücher wiedergefunden habe. Früher im Garten meiner Großeltern, da habe ich oft im Dreck gebuddelt, in den Hecken gesessen und mich schmutzig gemacht. Und als ich las, fragte ich mich, wieso nur ist das verloren gegangen. Mein Opa war Biologielehrer, und der hat mir gezeigt, wie wichtig die Natur ist. Wenn wir mit dem Auto fuhren und er sah etwas, dann bog er von der Straße ab, und es kam vor, dass wie eine Stunde einem Schwarzstorch hinterher gelaufen sind." Was genau es mit ihr macht, wenn sie in der Natur ist, weiß Sandra gar nicht so wirklich. Sie hat dann aber oft das Gefühl, einfach nur da zu sein. Im Gras zu liegen und sonst nichts zu müssen...

 


Sandra selber wäre gerne Fuchs. "Obwohl ich eigentlich lieber in der Drachenwelt als in der Spiegelwelt mitspielen würde. Und am besten gefällt mir, dass man begreift, es gibt noch mythische Dinge auf der Welt. Dass man begreift, dass man alles als zauberhaft erkennen kann. Stell dir nur mal vor, ein Drache fliegt über dich hinweg. Und die Illustration aus Die Feder eines Greifs, in der Holly Undset den schönen Pegasus Ànemos zum ersten Mal sieht, drückt diesen Moment, der einem den Atem raubt, so wunderschön aus. Die Stille zwischen den beiden."


Bianca Werner macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im kulturellen Bereich und arbeitet seit September in der Kunsthalle. "Bei der Ausstellung habe ich in vielen Bereichen mitgewirkt. Zuerst hab' ich natürlich wie wild angefangen, Cornelias Bücher zu lesen. Ich war beteiligt an Brainstormings zur Ausstellung, an der Ideenentwicklung, war bei der Hängung dabei und habe die Requisiten vom Theater mit ausgewählt.


Am besten gefallen mir von den Illustrationen die Tintenherz-Dorfansichten. Ich mag sehr, wie diese gezeichnet sind. Außerdem bin ich selbst ein Fan von Reisen. Die Zeichnungen versprühen dieses Flair, diesen Charme." Bianca bringt sich selbst aus dem Urlaub oft ähnliche Aquarelle und Tuschezeichnungen mit. Und sie zeichnet auch selbst. Deshalb gefällt ihr auch das Durchgestrichene auf dem Illustrationsblatt sehr gut. "Dass Cornelia es stehen lässt für sich. Es nicht wegwirft. Das gefällt mir. Das ist authentisch."

 

Natürlich gelingt auch Cornelia nicht alles beim ersten Mal, so wie sie es gerne hätte. Dann streicht sie die Zeichnung durch und schreibt etwas für die Lektoren oder Verleger daneben, damit die auch wirklich sehen, dass sie diese Zeichnung nicht verwenden sollen. So ist da auch in diesem Bild passiert. "You may cut the page above this one" - "Ihr könnt die Seite über dieser Illustration abschneiden".

Auch solche Sachen, die nicht veröffentlicht worden sind, gibt es in der Ausstellung "Cornelia Funke. Zauberwelten" in der Jungen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen. Vielleicht wird eine von denen ja auch eure Lieblingsillustration. Bis zum 27. August habt ihr noch Gelegenheit, die "Zauberwelten" zu besuchen.

Keine Kommentare