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Kleines Schreiblexikon

In diesem stetig wachsenden Lexikon erklären wir euch Begriffe, die mit dem Schreiben zu tun haben.

Autor

Ein Autor ist der Urheber eines Textes. Es ist die Person, die den Text geschrieben hat. Egal ob das ein Gedicht ist, eine Betriebsanleitung, ein Kochbuch oder ein Roman.

Der Begriff Autor geht zurück auf das lateinische Wort auctor. Das bedeutet so viel wie Urheber, Gründer oder Schöpfer.

Diese Bedeutung zeigt schon, dass das mit dem Schreiben nicht alles ist, was ein Autor tut und dass das Ergebnis seiner Tätigkeit nicht unbedingt etwas Geschriebenes sein muss. Das ist es oft, aber auch ein Film, eine Reportage fürs Fernsehen oder für das Internet oder auch ein Hörspiel kann das Ergebnis der Autorentätigkeit sein.

Buch

Die Menschen haben schon ganz früh Informationen schriftlich festgehalten. Zunächst aber nicht auf Papier, sondern auf Steinflächen und Lehmkacheln. Es heißt, aus dem germanischen Wort bok (für Buchenstab, auf den die Germanen ihre Runen einritzten) hätte sich unser Wort Buch entwickelt.

Die alten Ägypter begannen vor 5000 Jahren auf Papyrus zu schreiben, dem Namensgeber unseres Papiers. Dann löste das edlere und qualitativ bessere Pergament das Papyrus als Schreibmaterial ab. Man schrieb also lieber und auch besser auf Tierhaut, als auf Riedgras.

Um das 12. Jahrhundert herum war dann auch in Europa Papier aus Hanf oder Flachs erhältlich. Es wurde in China schon vor Christus hergestellt, aber erst die Araber brachten es 1000 Jahre später nach Spanien.

Im Mittelalter wurde das Buch als kostbare Handschrift und mit aufwendigen Buchmalereien von den Mönchen in den Klöstern hergestellt. Außer ihnen und den Priestern konnte damals kaum jemand lesen, nicht mal der König. Durch die aufwendige Herstellung war die Anzahl dieser Bücher natürlich sehr begrenzt. Erst mit der Erfindung des modernen Buchdrucks durch Johannes Gutenberg konnten Schriften auch in größeren Stückzahlen erzeugt werden.

Heute gibt es auch das digitale Buch, das eBook, das immer mehr Liebhaber findet. Das gedruckte Buch wird dadurch nicht verdrängt, aber vielleicht macht es in Zukunft die gute Mischung: Manchmal passt die Form des eBooks besser. Im Urlaub zum Beispiel, wenn man einfach mal gerne zehn Bücher mit dabei haben, aber nicht drei Koffer mitschleppen möchte. Und dann gibt es das Wochenende zu Hause, wenn man sich einfach ein Buch aus dem Regal nimmt und sich damit aufs Sofa oder auf die Terrasse zurückzieht.

Creative Writing

Der Begriff Creative Writing (Kreatives Schreiben) ist noch relativ jung. Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte er erstmals in Literaturseminaren an amerikanischen Universitäten auf. Man ging davon aus, dass sich sprachliche Kreativität erlernen lässt. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass Schreiben im Wesentlichen ein Handwerk sei, dessen Werkzeuge und Techniken sich erlernen lassen.

In den USA entwickelte sich das Creative Writing seit den 30er Jahren mehr und mehr zum Unterrichtsfach. Bei uns in Deutschland dauerte es noch ein paar Jahrzehnte, bis es Beachtung fand. Heute gibt es in den USA hunderte von Universitäten, an denen kreatives Schreiben gelehrt wird. An der Universität von Iowa gibt es zum Beispiel den berühmten Iowa Writers’ Workshop, einen Studiengang für kreatives Schreiben. Viele Absolventen dieses Workshops sind Pulitzer-Preisträger oder Gewinner des National Book Award.

In Deutschland gibt es Kurse in Kreativem Schreiben an der Universität Hildesheim oder am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, und für Kinder und Jugendliche gibt es mittlerweile in ganz Deutschland auch viele Angebote wie Schreib- und Literaturwerkstätten.

Erzähler 

Illustration aus Cornelias allererstem und unveröffentlichten Bilderbuch "Die Geschichte von Bo, Milan, Fellmann und Isolde"Wer Cornelia fragt, was sie macht, also welchen Beruf sie hat, dem wird sie nicht sagen, sie sei Autorin.
Oder Schriftstellerin. Sie behauptet auch nicht, dass sie Geschichten erfindet. Immer wieder bezeichnet sie sich als Erzählerin. Dass sie den Geschichten hilft sich zu zeigen, das würde sie wohl gelten lassen. Doch ist sie fest davon überzeugt, dass die Geschichten in irgend einer Weise bereits existieren, wenn sie auf sie stößt.
Deshalb, sagt sie, sei sie eigentlich nur eine Art Entdeckerin, eine Wortfinderin und jemand, den Geschichten Ausdruck zu geben. 

Cornelia sucht nach den Wörtern und dem Weg, den sie durch das Labyrinth beschreiben, das jede Geschichte ist. So lässt sich zum Beispiel das Motto verstehen, das Cornelia Tintenherz vorangestellt hat: "Kam, kam. Kam ein Wort, kam, kam durch die Nacht, wollte leuchten, wollte leuchten...", hat der französische Dichter Paul Celan geschrieben. Cornelia bringt die Wörter und Geschichten ans Licht, die bis dahin im Verborgenen geblieben sind, im Verborgenen ihrer Fantasie. Sie schreibt auf, was sich ihrer Fantasie erzählt - und gibt es weiter.

Als es noch üblich war, Wissen mündlich zu überliefern, kam den Erzählern die wichtige Aufgabe zu, altes Wissen zu bewahren und andere Menschen in Form von Geschichten, Mythen, Sagen und Legenden bei bestimmten Anlässen daran Teil haben zu lassen. Es waren Geschichtenerzähler, die dafür zu sorgen hatten, dass die wertvollen Erfahrungen früherer Generationen nicht in Vergessenheit gerieten, denn das hätte ein Volk oder einen Stamm in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können.

Wenn zum Beispiel ein Vulkan ausbrach, die Menschen so etwas aber noch nie miterlebt hatten und auch noch nie etwas über dieses so gefährliche wie Ehrfurcht einflößende Schauspiel gehört hatten, konnten sie nicht wissen, was da vor sich geht und wie sie handeln sollten. Es qualmte aus dem Boden, und am nächsten Tag waren alle in ihren Hütten versengt. Wenn es aber eine Geschichte über das Feuer in der Erde gibt, über die glühenden, roten Zungen, die das riesige Erdmutterwesen immer mal wieder auf ihr Land legt, dann liefert das den Menschen eine Art Erklärung und manchmal auch Anleitung, wie sie sich jetzt und in Zukunft verhalten sollen.

Geschichten geben Orientierung, und auch heute, wo sie meistens in Büchern stehen, ist das noch so.

FreewritingIllustration aus "Tintenherz"

Freewriting ist eine Methode des Creative Writing. Der amerikanische Professor Peter Elbow hat die Methode erforscht und weiterentwickelt. Es ist eine Art Lockerungsübung, ein Drauflosschreiben. Man setzt sich mit einem Stift und einem Blatt Papier hin und schreibt fünf bis zehn Minuten lang unzensiert, themen- und ziellos auf, was einem gerade in den Sinn kommt. Damit dieser kreative Fluss nicht versiegt, ist eine Regel des Freewriting, dass der Stift die ganze Zeit in Bewegung bleibt.

Bei der Freewriting Methode geht es darum, den inneren Kritiker in uns stumm zu schalten. Man könne, so behaupten das Verfechter des Freewriting, unbefangen in den Schreibprozess einsteigen, und verkrampfe nicht gleich gedanklich, weil es ja nur darum gehe zu schreiben und den Stift in Bewegung zu halten, nicht darum, dass etwas Sinnvolles oder Erfolgreiches dabei herauskommt. Genau das aber könne passieren, wenn man sich nicht mit dem ersten Satz schon selbst kritisiert.

Schreibregeln wie Grammatik oder Zeichensetzung spielen ebenfalls keine Rolle. Freewriting nimmt die bekannte Angst vor dem leeren Blatt.

InspirationIllustration aus "Die Feder eines Greifs"

Das Wort Inspiration hat seinen Ursprung im lateinischen Wort inspirare, was so viel wie einhauchen oder einatmen bedeutet. Im antiken Griechenland hatten die Künstler ihre Musen. Das waren neun Göttinnen, die den verschiedenen Künsten als göttliche Inspirationsquellen dienten. Man glaubte damals, dass Ideen sich nicht von selbst entwickeln, sondern von den Musen von außen eingegeben werden.

Der Duden beschreibt Inspiration als schöpferischen Einfall, als Gedanken, Erleuchtung oder Eingebung.

Wenn man Schriftsteller fragt, was sie zu ihren Geschichten inspiriert, wird man viele, verschiedene Antworten bekommen. Manche werden sich auch ähneln oder dieselben sein. Fasst man alle zusammen, die man so hört und liest, dann ist die Antwort "Alles und nichts".

Auch Cornelia wird immer wieder die Frage gestellt: 'Was inspiriert dich zu deinen Geschichten?' Ihre Antwort: "Mich inspiriert alles, absolut alles." Dazu gehören all die vielen Bücher, die sie in ihrem Leben gelesen hat, die guten wie die schlechten, dazu gehören die Menschen denen sie begegnet ist und die Eindrücke, die sie gesammelt hat auf ihren Reisen um die Welt, die Natur, die sie so gern um sich hat oder auch einfach nur eine bestimmte Stimmung oder ein Gefühl.

Lektor Illustration aus "Tintenherz"

Das lateinische Wort 'lector' bedeutet Leser oder Vorleser. Im Deutschen hat es sich auch als Berufsbezeichnung etabliert. Ein Lektor ist Mitarbeiter in einem Verlag und liest, bewertet und bearbeitet die eingesendeten Manuskripte. Ein Lektor muss also für seine Arbeit sehr, sehr viel lesen und dabei sehr aufmerksam sein. Wenn Cornelia zum Beispiel in einer Geschichte geschrieben hätte, dass Sprotte einen roten Ohrring trägt, ein paar Kapitel später dann aber von Sprottes blauem Ohrring die Rede ist, dann muss das einem Lektor auffallen. Beim Lesen muss der Lektor also immer den Überblick über den gesamten Text behalten und sich fragen: Stimmt alles? Passt alles zusammen? Trifft die Sprache den richtigen Ton?

Wenn ein Lektor einen Text bearbeitet, dann macht er das stets in Abstimmung mit dem Autor. Der Lektor stellt sich auch die Frage, ob die Texte der Autoren ins Programm des Verlags passen. Neben der Liebe zu Literatur und einem guten Gefühl für Sprache weiß der Lektor, wie ein Buch aufgebaut sein sollte. Der Lektor ist das Bindeglied zwischen Verlag und Autor. Jeder Lektor hat einen festen Stamm von Autoren, den er betreut.

Dem Beruf des Lektors geht oft ein Studium der Germanistik und einer weiteren Geisteswissenschaft voraus. Cornelias Lektorin beim Dressler Verlag ist Imke Ahrens. Hier in unserer Schreibwerkstatt findet ihr auch ein Interview mit Imke, in dem sie einen kleinen Einblick in ihre Arbeit als Lektorin und ihre Zusammenarbeit mit Cornelia gibt.

Recherche

Blick in eins der vielen Notiz- und Skizzenbücher, die Cornelia zur Vorbereitung einer Geschichte anlegt.Für Cornelia steht das Recherchieren für eine neue Geschichte an erster Stelle. Das war nicht immer so. Als sie ihr allererstes Buch schrieb, hat sie einfach direkt drauflos geschrieben. Das war dann so, als endet man plötzlich mitten im Wald und weiß nicht mehr vor noch zurück. Man hat dann auch meist gar kein Material, auf das man aufbauen kann. Also hat sie angefangen, wie ein Eichhörnchen zu sammeln, was über Thema, Zeit und Figuren der Geschichte zu erfahren ist.

Bei Tintenherz waren es ganze Bücherstapel, die sie über Buchbinder, Büchersammler, Marder und Feuerspucker gelesen hat. Und über das Mittelalter allgemein. Meist recherchiert sie ein halbes Jahr, überlegt sich eine Gliederung, hängt ihre Wände voll mit Karten und Notizen zu den einzelnen Kapiteln. Seit ein paar Jahren schreibt sie auch wieder mit der Hand, arbeitet mit Notizbüchern, in die sie Bilder und Fotos klebt, über die sie bei ihrer Recherche zum Thema stolpert.

Für Die Feder eines Greifs hat sie sich mit den Themen Natur und Umweltschutz beschäftigt und mit Menschen, die im Naturschutz aktiv sind. Oft zieht sie sich stundenlang in die Kunstsammlung des Getty Research Instituts in LA zurück, um dort in historischen Fotos und Stichen zu stöbern. Auch das Reisen hilft ihr bei ihren Recherchen. Venedig, Ligurien, Salisbury, Moskau - für Cornelia sind die Schauplätze ihrer Geschichten schon fast selbst Charaktere, und sie erlebt, wenn es ihr möglich ist, diese Orte/Landschaften gerne selbst, bevor sie mit dem Schreiben beginnt.

Schreibprozess

Cornelias Zettelwand, die sich vor und während des Schreibens einer Geschichte füllt.Ein guter Autor plant und überarbeitet seinen Text, schreibt mehrere Entwürfe, liest immer und immer wieder Korrektur. Bei Cornelia beginnt der Schreibprozess oder auch der Schreibablauf (die Schreibmethode) immer mit einer Idee. "Mit einer, die mein Herz schneller schlagen lässt", sagt sie.

Sobald die Idee in ihrem Kopf auftaucht, schreibt sie sie auf und entscheidet dann, ob sie die nächsten ein oder zwei Jahre damit verbringen will, die Geschichte hinter dieser Idee zu finden. Ist die Antwort "Ja", dann beginnt sie zu recherchieren: über Buchbinder oder Marder oder Drachen oder was auch immer sie an Hintergrundwissen braucht.

Es geht weiter mit der Suche nach Orten und Figuren. Schließlich beginnt sie, die ersten zwanzig Kapitel vorzubereiten. Spätestens danach erzählt die Geschichte Cornelia, wohin es gehen soll.