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Schreibübungen

Ihr würdet gerne mal eine eigene Geschichte schreiben, aber ihr wisst nicht, wie und wo ihr überhaupt anfangen sollt? Vielleicht können euch die folgenden Ideen ein wenig helfen, den Knoten im Kopf zu lösen, die Finger zu lockern, die Kreativität vom Zügel zu lassen.

 

SCHAUT EUCH IN EUREM ZIMMER UMIllustration von Kerstin Meyer aus "Der verlorene Wackelzahn"
Cornelia meint, man kann schon ganz viele Geschichten entdecken, allein wenn man den Blick durch den Raum wandern lässt, in dem man gerade sitzt. Also schaut euch doch mal um bei euch. Vielleicht ist euch schon schon mal aufgefallen, dass der Kaktus auf eurer Fensterbank ausschaut, als hätte er ein Gesicht. Wie lange sitzt die Fliege schon da auf dem Buch und warum hat sie sich gerade auf dieses Buch gesetzt? Hat die Decke nicht vorhin noch anders auf dem Bett gelegen?

Ihr könnt auch versuchen, das, was ihr seht, so genau wie möglich zu beschreiben. Nehmt alles ganz bewusst wahr und achtet auf jedes Detail. Denn es sind oft die Details, die eine Geschichte interessant und lebendig machen. Der diesjährige Büchner-Preisträger Jan Wagner nennt es das Wahrnehmen des scheinbar geringsten Dinges als einer Kostbarkeit. Es ist egal, ob man über die eigene Nase, die Brille, einen Schuh oder eine Matratze schreibt, man sieht plötzlich, dass das, was man Tag für Tag übersieht, in Wahrheit doch sehr erstaunlich ist, und dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

SCHLÜPFT IN EINE ANDERE HAUT
Wie fühlt es sich wohl an, ein Stein zu sein? Oder ein Regenwurm? Eine Stadttaube in den Straßenschluchten einer Großstadt oder eine Schneetaube im Himalaya? Verwandelt euch eine Notizblockseite lang und erlebt und beschreibt einen Moment aus dieser anderen Perspektive.

LASST EUCH VON EINEM BILD ODER GEMÄLDE INSPIRIERENCornelia vor Johan Christian Clausen Dahls Bild "Elblandschaft bei Dresden im Mondschein" (Foto: Michael Orth)
Für die Ausstellung Unter freiem Himmel wurde Cornelia im Frühjahr 2017 zusammen mit 53 anderen SchriftstellerInnen und WissenschaftlerInnen eingeladen, Texte zu Landschaftsbildern aus den Beständen des Museums zu schreiben. In unserem Artikel Cornelia und die Landschaft könnt ihr mehr darüber lesen.

Die Idee hinter der Ausstellung ist auch eine gute Übung, um das Schreiben oder Beschreiben zu üben, um die Gedanken fließen zu lassen und zu sehen, wie sich daraus eine kleine Erzählung, ein Märchen, eine Geschichte oder ein Gedicht entwickeln kann.

Sucht euch doch einfach mal eins der folgenden Gemälde aus der Kunsthalle Karlsruhe aus und schaut, was es mit euch macht. Vielleicht möchtet ihr es einfach nur besonders detailliert beschreiben, vielleicht weckt es aber auch eine Erinnerung in euch oder ihr entdeckt darin schon eine versteckte Geschichte.

 
Caspar David Friedrich "Felsenriff am Meeresstrand" (Foto: Michael Orth) Franz de Hamilton "Konzert der Vögel" (Foto: Michael Orth) Gustav KampmannCaspar David Friedrich "Wintermorgen bei Grötzingen" (Foto: Michael Orth)
 
Pierre Jacques Volaire "Der Ausbruch des Vesuvs" (Foto: Michael Orth) Johan Christian Clausen Dahl "Wolkenstudie" (Foto: Michael Orth) Frans Jansz Post "Brasilianische Landschaft" (Foto: Michael Orth)
 
 

 

GEHT IN EUREM OHR SPAZIEREN
Ja, das meinen wir ernst. Eine gute Übung, um die Fantasie mal so richtig herauszufordern. Wie ist es wohl, wenn man in seinem Ohr rumläuft, was gibt es zu sehen, wie fühlt es sich unter den Füßen an, wie riecht es, läuft man nur im Kreis oder entdeckt man ganze Landschaften? Schaut mal raus aus dem Ohr. Wie ist die Aussicht?


DIE SCHNEEFLOCKENMETHODE
Wenn ihr genug geübt, eure Gedanken und die Finger gelockert habt, dann stellt ihr euch vielleicht die Frage: Und jetzt? Wie geht es weiter? Wo fange ich an, wenn ich nun meine allererste Geschichte schreiben will? Gibt es einen Plan dafür? Eine Methode? Ja, sie hat auch einen Namen. Die Schneeflockenmethode.

Erfunden hat sie der US-amerikanische Physiker und Schriftsteller Randy Ingermanson, und sie soll die Möglichkeit bieten, einen Roman in zehn Schritten von der Idee bis zum fertigen Manuskript durchzuplanen. Ob das wirklich funktioniert oder hilfreich ist, kann man wohl nur selbst herausfinden. Wenn ihr Lust habt, euch näher damit zu beschäftigen, dann gibt es HIER eine gute Zusammenfassung.