Marlène

10 minutes

Ich schaute auf. Um mich herum waren ziemlich viele Leute, was ja auch normal ist, wenn man nach der Schule in der Bahn fährt. Ich kramte meine Kopfhörer aus der Tasche, öffnete Spotify auf meinem Handy und machte mein Lieblingslied an. "…I don't need, I don't need to be loved by everybody… queen of a lonely heart…" Ich lehnte mich zurück.

Nach einer Weile stiegen endlich mehrere Leute aus, die Bahn lehrte sich ein bisschen. Ich blickte auf. Ein paar Jungen von einer anderen Schule stiegen ein. Ich sah sie an und setzte meine Kopfhörer ab. Einer stach mir besonders ins Auge. Er war mir vorher gar nicht so wirklich aufgefallen. Er hatte blonde Haare, welche an der einen Seite länger waren und ihm ins Gesicht fielen. Seine blauen Augen strahlten wie zwei Sterne. Er lächelte. Ich versuchte ihn zu ignorieren und wegzuschauen, aber das funktionierte nicht so wirklich. Er setzte sich auf den Platz vor mir. Zu meinem Glück drehte er sich um, was mir eventuelle Peinlichkeiten ersparte. Aber ich starrte ihn irgendwie die ganze Zeit von hinten an. Es ging einfach nicht anders. Nach einer Weile konnte ich meinen Blick dann doch von ihm ablenken, aber er machte sozusagen meinen ganzen Plan zunichte, in dem er sich noch einmal kurz umdrehte. Und er lächelte. Wieso? Er kannte mich nicht, ich ihn auch nicht. Das war für mich alles sehr verwirrend. Er stieg an der gleichen Haltestelle aus wie ich.
Ich überquerte die Straße und sah in von einer etwas weiteren Entfernung an der Haltestelle stehen. Er unterhielt sich mit einem Freund, aber schaute trotzdem mehrfach in meine Richtung. Ich entschied mich, nach Hause zu gehen. Ich werde ihn mit Garantie nie wiedersehen. Dachte ich jedenfalls…

Zwei Tage später sah ich ihn in der Bahn an mir vorbeilaufen.