Minna

Amissa

Der Wind fegte durch die verlassenen Straßen,
trug Vergessen und Staub mit sich,
zwischen Farben die verblassen,
bewegte sich etwas, unmerklich.
Verhüllte Gestalten, verschlossene Türen,
geschlossene Läden, unheimlich,
Irrlichter, wohin sie dich führen,
das wusste niemand, das wusst‘ ich nicht.
Der Wald war schwarz, das Wasser tief,
Nur Nebel ohne Licht,
Wie jemand deinen Namen rief,
wer sie war, das wusstest du nicht.
Klar und hell die Stimme klang,
verscheuchte viele Krähen,
zu folgen, es erschien der Drang,
doch konntest du niemanden sehen.
Eine bekannte Stimme, so schien es dir,
sang deinen Namen weich,
sie erklang mal dort, mal hier,
Kam melodisch aus dem Geisterreich.
Die Sängerin, du sahst sie nicht,
du drehtest dich im Kreis,
Der Wind, der Wind war ihr Gesicht,
Dein Herz, es war der Preis.
Zerrissen wurd’s in deiner Brust,
es war’n die wehleidigen Klänge,
zerrissen wegen deinem Frust,
du kamst in ihre Fänge.
Verschiedene Namen hatte sie,
kalt und bleich wie Schnee,
lieben, nein , dass wird sie nie,
sie tut dir gerne weh.
Opfer fängt sie immer schnell,
gelockt in diesen Wald,
sie ist weiß und sie ist hell,
du gehörst ihr bald.
Irrlichter, sie helfen ihr,
sie ist selber eins,
eine unersättliche Gier,
doch nie die des Verbundenseins.
Sie wickelte dich in klebrige Netze,
saugte deinen Wiederstand aus,
Sehnsüchtige sind ihre Schätze,
Nie wieder kamst du dort hinaus.
Ich fand dich tot auf einer Lichtung,
dein Herz war rausgerissen,
Die Stimme kam aus keiner Richtung,
kam von überall, drang ins Gewissen.
Traurig klang die Stimme gar,
und lockte meine Tränen,
weg flog eine Vogelschar,
Und du flogst mit den Schwänen.
Und sie streift immer noch umher,
ernährt sich von leidenden Herzen,
lässt die andren Herzen leer,
ernährt sich von deren Schmerzen.
Ihr Name war Amissa, eine verlorne Seel‘
sie kam in stiller Nacht,
sie war so dunkel, doch so hell,
war Bosheit, nun erwacht.