Kishka

Die Rose

Ich war schon immer anders als die anderen,

nicht wie alle eine Lilie, Tulpe oder Sonnenblume,

nein,

ich war eine Rose.

 

Weiß war ich, nicht so bunt wie alle.

Nicht rot, nicht gelb, nicht rosa.

Ich war weiß,

weiß wie der Schnee,

weiß wie Reinheit,

weiß wie Perfektion.

 

Perfekt, das war ich wohl.

Schön anzusehen, daran zu riechen

gut zum Pflücken und in eine Vase zu stecken

unantastbar und schmerzbringend

mit Dornen als Schutz

nichts für lange Zeit.

Ich war es einfach nicht wert.

Bin ich es jetzt?

 

Jetzt, wo ich weiß,

dass ich meine Dornen, meine Krallen,

einziehen kann,

für Freunde nicht Feinde.

 

Jetzt wo ich weiß,

dass ich nicht

so einfärbig bin,

so langweilig, einfältig

so öd und fad.

Nein, ich bin bunt.

Nicht so, wie alle anderen.

Auf meine Art bunt,

nicht rot oder gelb oder rosa

eher grau, befleckt vom Leben

dem Regen

 

Mit eingerissenen Blüten,

Verfärbung von Verletzung,

fast wie Narben

Narben von anderen.

Risse, Flecke, fehlende Stücke.

 

Ich war rein,

rein weiß, wie der Schnee.

Jetzt bin ich benutzt,

fast wie durchgekaut,

ausgespuckt.

 

Eine Rose,

zerfleddert vom Leben,

bunt vom Schmerz,

nass vom Weinen.

Aber aufrecht,

ich stehe aufrecht.

Ich lebe

 

und ich bin anders,

sogar anders als alle Rosen

nicht rot, nicht gelb,

und das ist gut

 

ich bin anders

und anders ist schön

ich bin schön, so wie ich bin

eine Rose, bunt vom Regen