X

Tilda

Auf der Suche

Diese Geschichte drucken

Magst du Hühner? Wenn ja: super. Wenn nein: nicht super. Um ehrlich zu sein würde ich dir dann auch raten diese Geschichte nicht weiterzulesen. Denn (man wird wahrscheinlich schon drauf gekommen sein) diese Geschichte handelt von einem Huhn. Das hier ist die Geschichte einer wunderbar schlauen, gesperberten Henne. Und die bin ich: Gloria.
Mein Bauernhof ist schön und mein Stall ist ordentlich. Mein Gehege ist grün und es gibt fette Regenwürmer. Und bevor das mit Frideline passierte fühlte ich mich dort wohl. Gut, nachdem das mit Friedeline abgehakt war fühlte ich mich dort auch wieder wohl aber zwischendrin da gab es so eine Phase in der ich mich nicht wohlfühlte.

Ich bin ein tolles Huhn und Franz sagte mir das auch immer wieder. Also jeder Franz sagte das zu mir. Jeden Herbst nähmlich verschwindet ein Franz und ein neuer kommt wieder. Am Anfang vermisste ich noch den ersten Franz, aber dann wurde das Verschwinden zur Gewohnheit. Bald wird der jetzige Franz auch gehen denn es ist Spätsommer und der Bauer lässt uns öfter aus dem Gehege damit Franz schön fett wird. Wir alle wissen was mit Franz passieren wird außer er. Henrijette hat aus versehen mal mitbekommen wie der Bauer dem Franz vor meiner Schlüpfzeit den Kopf abhieb.

Jetzt beginnen die Tage mit warmen Sonnenstrahlen und Tau unter den Hühnerfüßen. Und genau so ein Tag war es, als das mit Frideline passierte. Früh wie immer flatterte ich als erstes aus der Hühnerklappe und begann mir dem alltäglich wiederholendem Ablauf. Mein Motto ist Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und da ich Würmer für mein Leben gerne esse halte ich dieses Motto auch stets mit Stolz ein. Der Bauer hatte das Gatter schon geöffnet und ich ging Wilbert den Ratterich begrüßen. Wilbert lebte unter unserem Hühnerstall und da genug für alle da war bekam auch er etwas von unserem Futter ab. Doch an jenem Morgen saß Wilbert der Ratterich nicht auf dem Ziegelstein (auch Wilbertsstein genannt) und nahm ein Sonnenbad. Das wunderte mich denn Wilbert saß dort immer, jeden Morgen und wartete auf seine Portion. Aus dem Hühnerstall hörte ich das garstige Gackern von Klärchen: "Nun mach schon Franz. Beweg dich aus der Klappe und verscheuch den Ratterich" Gut das mit dem und da genug für alle da war bekam auch er etwas von unserem Futter ab war gelogen. Nur von Franz und mir bekam er etwas. Die anderen hassten Wilbert weil er so alt war und verstrubbelt aussah. Sie waren halt echte Hennen. Die Bäuerin hatte sich wieder mit ihrer Musikkiste auf die Terasse gestellt und machte in einem schlabbrigem Anzug wirre Bewegungen. Ein tolles Lied dröhnte da aus der Kiste. Ich wollte glatt mitmachen. Während ich mich an unserem Futter zuschaffen machte und ein bisschen mit dem Kopf bei der Musik mitwippte, sah ich aus dem Augenwinkel wie auch Franz und Trude sich aus der Klappe quälten und auch Klärchen und Hilde, Grennie, Ute, Kirsten und Sissi, Florida, Kanada, Henrijette Missy und Mary kamen aus dem Loch getrippelt. Und nun begann die alltägliche Schlacht um das beste Essen. Als es mir zu viel wurde machte ich mich auf den Weg zu meinem Lieblinggebäude, dem Gebäude in dem meine Ära als Dedektivhenne begann: die Scheune.

Ich hüpfte durch das Scheunentor in die düstere Scheune. Drinnen war es frisch. Aber das war gut, denn draußen war es ziemlich warm. Fröhlich summend (im Kopf, denn das Lied aus der Musikkiste von vorhin hatte es mir angetan) suchte ich zwischen den morschen Holzstücken nach Käfern und Spinnen.
Meine Euphorie war grenzenlos, ein heißer Tag mit etwas Nieselregen, was gab es besseres (außer natürlich die erste Stunde nach einem Gewitter bei dem die Regenwürmer nur so aus ihren Löchern hüpfen). Doch plötzlich hüpfte ich zurück. Aus der hintersten Ecke stank es fürchterlich. Was war das? Ja, ja ich weiß, bei uns im Stall roch es auch nicht immer nach Blümchen, aber das, das roch verdächtig nach..... Ja wonach roch das denn? Darauf musste ich erst einmal einen Wurm essen. Ich war kurz davor schnurstracks aus der Scheune zu flattern. Doch in mir drinnen wärte sich etwas heftig dagegen. Etwa mein inneres Küken, das sofort herrausfinden wollte was das war? Ja bestimmt war es das. Wie hieß das Wort nochmal gleich. Neufliergrig oder neugierig. Eins von beiden. Das war ich auf jeden fall. Und es war auch mein inneres Kücken was mich dazu drengte, die erfahrene Henne zu besiegen und hinter den morschen Holzstoß zu hüpfen. Und da sah ich sie.

Ja sie. Denn es war ein Huhn. Und um ganz genau zu sein war es Frideline. Wie sie da saß, wie eingesunken. Ich wurde wütend und mein erfahrenes Hennen ich ließ sich wieder blicken. Wie konnte sich ein Huhn dieser Rasse nur so gehen lassen? Empört fing ich an zu gackern: "Friedeline, wie kann man sich nur so gehen lassen. Steh auf und ich meine dass ein Sandbad dir jetzt nur gut tuhen könnte" Abwartend fing ich an mich aufzuplustern. Doch Frideline sagte nichts. Und um solänger ich sie anstarrte umso komischer sah sie aus. Irgendwie krank oder................................. "Oh Gott" piepste ich aufgeregt. Das konnte nicht war sein, doch ich konnte es nicht leugnen Fridelinde war tot.
Die Erkenntnis schlug mir hart auf die Federn und die Angst floss mir wie ein Eimer kaltes Wasser über den mini Kamm. Denn so etwas hatte ich mir nicht einmal in meinen dunkelsten Kückenalbträumen geträumt. Frideline war ermordet worden. Die miserabelste Eierlegerin, aber beste Bruthenne vom ganzen Bauernhof war tot. Piepserattentot. Ich taumelte und drehte mich weg. Jetzt brauchte ich erstmal zwei Würmer. Mein inneres Küken verließ mich aber auch die selbstbewusste, allwissende Henne hatte sich in Luft aufgelöst. Es war eine neue, verängstigte, tottraurige, verstörte, halbverhungerte, gackernde Sperberhenne die aus der Scheune taumelte und verzweifeld nach ein paar Würmern suchte, die sie bestimmt beruhigen würden.

Den restlichen Abend saß ich zusammengesunken zwischen Sissi und Henrijette auf der Gartenbank. Ich hatte ihnen Frideline gezeigt und auch die anderen hatten sie gesehen. Frideline war eine entfernte Verwandte von mir, obgleich wir Hühner doch fast alle miteinander verwand sind. Eine Cousine zweiten Grades. Ich war geschlüpft als sie schon drei Eier groß war, aber wir hatten uns auf Anhieb nicht gut verstanden. Sie war eine fleisige Legerin und großartige Glucke gewesen während ich nur einmal gegluckt hatte. Außerdem war sie eine sittsame Henne gewesen und ich fragte mich warum mir nicht gleich aufgefiel ist dass sie tot war als sie so komisch da saß. Dabei war sie immer so stolz auf ihren langen Halz und sie schönen Schwanzfedern, da durfte man doch nicht schief sitzen. Plötzlich hatte ich einen Endschluss gefasst und flatterte hoch? Henrijette schreckte auf und viel vor Schreck fast von der Stange (ein Sprichwort bei uns Hühnern) Meine Brust schwoll vor Stolz fast doppelt so groß an, wegen dieser grandiosen Idee. Ich sog die Luft tief durch meine zwei schlitze im Schnabel ein und verkündete Henrijette und Sissi was ich zu tuhen gedachte. "Ich werde Fridelines Mörder finden und und ........" soweit hatte ich noch nicht gedacht.
Aber eins nach dem anderen. Henrijette schaute abwartend und Sissi war wieder eingenickt. Alle waren in gedrückter Stimmung wegen Frideline. "Weiter Gloria" sagte Henrijette und versuchte nicht wieder einzunicken. Was würde ich mit dem Mörder machen? Töten? Nein. Schlagen? Wie? Da ich hatte es. "Ich werde Fridelines Mörder finden und ihn so bloßstellen dass er sich nie nie nie nie wieder auf diesen Bauernhof traut." Ich atmete noch einmal durch. So würde ich es machen ich würde ihren Mörder...............

5 Kommentare

Tilda am 22. April 2019

Hallo Sophie, schön das dir die Geschichte gefällt. Wir haben auch Hühner und ich drück dir die Daumen damit du auch ein paar kriegst . Wenn deine Hühner dann mal Kücken ausbrüten.... LG Tilda PS: Ja ich wollte noch eine Fortsetzung schreiben

Sophie am 19. April 2019

Ich würde noch ein bisschen vom Hühnerleben erzählen...

Sophie am 19. April 2019

Mega witzige Idee mit einem Huhn eine Geschichte zu schreiben, sogar in ich-form! Meine Lieblingstiere sind nämlich auch Hühner! (Vielleicht bekomme ich auch Hühner ...drück mir die Daumen!!!) Frage: Schreibst du eine Fortsetzung? Ich fände es mega cool!!! Lg Sophie

Tilda am 14. April 2019

Hallo Teresa Fünkchen, vielen Dank für dein nettes Kommentar . Ich freue mich dass es dir gefällt (wen würde ein nettes Kommentar denn nicht freuen Wie finden denn andere diese Gechichte?? Ich würde mich auch über Kritik freuen, damit ich weiß was ich besser machen kann.

Teresa Fünkchen am 10. April 2019

Ich hatte noch nie was gegen Hühner, dachte aber anfangs dass es vielleicht langweilig ist aus der Perspektive eines Huhns zu schreiben. Allerdings ist diese Geschichte auf eine besondere Art leicht, luftig und erstaunlich komisch (im Sinne von witzig). Sie ist einzigartig...