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Sören Feistel

Das Gedicht des Krieges

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Man sagt im Gefängnis zählt man Tage und Stunden

Hier dort wo ich nun bin geht’s oftmals nur um Sekunden

 

Ein schmaler Grat zwischen Leben und Tod

Umgeben von Leichen, Kummer und der allergrößten Not

 

Kann es einfach nicht mehr sehn hab es so satt

Bin vor Sorge schon längst mehr als nur platt

 

Schließe die Augen wünscht mir jetzt in der Heimat

bei meinen Freunden bei meiner Familie zu sein

fange dabei vor Verzweiflung an zu wein

 

Tränen kullern über die Wangen

Über mein mittlerweile entstelltes Gesicht

 

Eins weiß ich genau ein Happy End gibt’s hier für niemanden

Auch für mich nicht

 

An welchem Ort mag das alles nur sein

Es kann wohl nur das Schlachtfeld selbst sein

 

Bin nun Soldat in einem völlig sinnlosen ja völlig sinnlosen Kampf

Fern ab der Realität ist so schlimm hier

ja es ist die reinste Hölle es ist der reinste Krampf

 

Wahrlich viele ja viele schlimme Dinge die kann man hier sehn

solche die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen

 

in dieser allerschlimmsten Situation stets umgeben von Mord und Tod

tun einem die Kameraden die man noch hat echt verdammt gut

 

Man sagt Jeder stirbt für sich allein doch das schien hier nicht wirklich der Fall zu sein

 

Wir hingen und gingen stets zusammen

waren ein Team es wäre sonst nicht wirklich etwas vorwärts gegangen

 

Gab sich stets Mut, Zuversicht und Trost

Verlor dabei jegliches Gefühl von Angst gar selbst die vor dem Tod

Und das tat hier an jenem Ort so unendlich ja so unendlich gut

 

Da waren wir nun und wir waren stets bereit zum Gefecht

Die Waffen poliert die Messer gewetzt

 

So zogen wir umher so verliefen die Tage

unsere gemeinsamen vielleicht letzten Stunden

mitunter gings teilweise nur um Sekunden

 

Eine Bewegung eine einzige Situation nicht erkannt

völlig falsch eingeschätzt

 

Einen Moment später liegen sie da

Alle ja alle meine Kameraden

In einer Lache voller Blut

von einer einzigen Rakete komplett zerfetzt

 

Vom Anblick benebelt taumle ich so vor mich hin

 

Dieser Krieg ergibt ja ergibt einfach keinen Sinn

 

Krieg ist ein Kommen und ein Gehen

und manche habe ich hier nie niemals mehr wieder gesehn

 

Möge dieser Irrsinn einfach nur schnellstmöglich enden

 

Mögen endlich alle unsere Waffen ruhen

Einfach ihren Dienst versagen einfach keinen Mucks mehr tun

 

Könnten wir nicht einfach alle Freunde sein

 

Einfach nur Frieden miteinander schließen

anstatt uns alle dabei selber gegenseitig zu erschießen

2 Kommentare

Phönixfeder am 24. August 2020

Ich finde dein Gedicht sehr gut, Sören, und ich wünsche mir dasselbe wie du.

Marie am 22. August 2020

WOW!!! Das ist das schönste Gedicht was ich je gelesen habe! Ich habe eine Gänsehaut bekommen als ich es gelesen habe... Großes Lob an diesen super talentierten Dichter!!!