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Gabriele Faber-Heinemann

Das gestohlene Kind

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Im Feenreich

Liebe Frau Funke, beim Stöbern auf Ihrer toll gemachten Webseite bin ich auf die Möglichkeit gestoßen, dort eigene Geschichten hochzuladen. Ich habe vor einiger Zeit für meine Enkelin Ella, die in Berlin wohnt, die alte Geschichte vom "Gestohlenen Kind“ in einer eigenen Version geschrieben, weil Ella sich immer sehr viele Gedanken dazu gemacht hat, angeregt durch das Lied von Loreena Mackenneth „The stolen child“. Vielleicht gefällt Ihnen die Geschichte ja und Sie würden sie veröffentlichen? Es gibt keinen Verlag, ich schreibe eigentlich über medizinische Themen und hin und wieder mal Geschichten, gerne auch Fantasie, für meine Enkel. Ihre Geschichten gefallen mir natürlich ausgesprochen gut und ich kenne wohl die Meisten. Sie sind wirklich eine großartige Geschichtenerzählerin und das meine ich aus tiefstem Herzen.

Eine Geschichte für Ella Theresia von Oma Gaby


In den alten Zeiten gab es das Feenreich Fairyvalley. Dort lebten die Feen zusammen mit den zarten Elfen und den frechen kleinen Kobolden. Die Elfen waren kleine, oft winzige Wesen mit großen Flügeln, die den Feen dienten. Es gab weibliche und männliche Elfen und sie flogen fleißig hin und her und erledigten alle Arbeiten in Haus und Garten. Die Kobolde
dagegen machten sich nützlich, indem sie mit den Feenkindern spielten. Zwar machten sie
von morgens bis abends Quatsch, so dass sich die Feen oftmals darüber ärgerten, aber die
Feenkinder liebten die Kobolde und fühlten sich wohl mit ihnen. Manche Kobolde waren
sehr schlau und konnten gut rechnen und organisieren. Sie waren deshalb für die Gärten von Fairyvalley zuständig und halfen der Feenkönigin Elfrike beim Regieren.

Fairyvalley lag in einem großen grünen Tal und war von so hohen Bergen umschlossen, dass die Spitzen der Berge mit dem Himmel verschmolzen. Niemals war ein Mensch in das Tal gekommen. Umgekehrt konnten die Feen sehr wohl in die Welt der Menschen gelangen und in den alten Zeiten hatten sie das auch oft getan. Über geheime Wege kamen sie und halfen den Menschen, aber in der letzten Zeit waren die Feen kaum noch zu den Menschen
gekommen. Elfrike, die Feenkönigin, die in Fairyvalley regierte, erlaubte es nicht mehr.
„Die Menschen haben es nicht verdient, dass wir ihnen ihre Wünsche erfüllen! Sie streiten
sich immerzu und sie passen nicht aufeinander auf,“ sagte sie und niemand wagte zu
widersprechen, denn Elfrike war klug und weise. Außerdem war sie schon so lange Königin
im Feenreich, dass sich kaum jemand an die Zeit vorher erinnern konnte.
So blieben die Feen in ihrer Welt und waren glücklich in den herrlichen Wäldern mit den
dichten Teppichen aus Moos und den Wiesen und Auen mit ihren Blütenmeeren und den
klaren Seen, die voller Seerosen und bunten Papageifischen waren und in denen nachts die
Sterne badeten. Sie bauten Kräuter und Gemüse an und kümmerten sich um die Tiere im
Wald. Abends sangen sie ihre alten Lieder und spielten dazu auf ihren Instrumenten und mit der Zeit hatten sie die Menschen fast vergessen.

Eines Abends saß Elfrike, die Feenkönigin, auf ihrer großen Terrasse im Schloss. Von hier aus konnte sie ganz Fairyvalley überblicken. Sie sah den fleißigen Elfen beim Arbeiten zu und den Feenkindern beim Spielen mit den Kobolden. Alles war wunderschön, trotzdem fühlte sie eine unbestimmte Traurigkeit, die sie nicht erklären konnte. Vielleicht hilft Musik, dachte sie und griff zu ihrer Violinenharfe. Sanft strich sie mit dem Bogen über die gebogenen Saiten und spielte eine traurige Melodie. Schließlich sang sie ein Lied dazu, das Lied von dem „Gestohlenen Kind“. Alle Bewohner des Feenreichs hörten zu, sogar die munteren Kobolde waren ganz still geworden. „Das hat sie lange nicht mehr gemacht!“ wisperten die Elfen und die Feen nickten dazu.
Als das Lied zu Ende war, blieb Elfrike noch eine Weile sitzen und blickte wieder hinunter auf ihr Reich. Sie fühlte sich müde und erschöpft. „Meine Zeit ist gekommen“, flüsterte sie zu sich selbst und rief dann eine der Elfen herbei: „Such Samira und bring sie her!“ sagte sie. Die kleine Elfe flog gleich los, um Samira zu suchen und wie immer fand sie die einzige
Tochter von Elfrike bei den Kobolden, wo sie gerade mit ihren Lieblingsfreunden, der Elfin
Elkalotta und dem kleine Kobold Paulibert Verstecken-Fangen spielte.
„Samira, Deine Mutter verlangt nach Dir!“ rief die kleine Elfe und zog Samira an den Haaren
aus dem Versteck, in dem sie gerade saß.
„Lass los, ich komme ja schon!“ sagte Samira und lief der Elfe hinterher. „Was will sie denn?“
rief sie, aber die Elfe zuckte mit den Schultern: „Keine Ahnung, hat sie nicht gesagt.“
„Samira“, sagte Elfrike und griff beide Hände ihrer Tochter und zog sie zu sich.
„Setz Dich her zu mir. Es wird Zeit, dass Du lernst, was es heißt, eine Königin zu sein und Verantwortung zu tragen. Ich habe lange gewartet, vielleicht zu lange, aber ab jetzt ist Deine Kindheit und die Zeit des unbekümmerten Spielens vorbei. Du bist die zukünftige Feenkönigin und musst wissen, was das bedeutet. Du wirst von nun ab alle Mysterien erfahren und auch Deine Bestimmung.“
„Was denn für eine Bestimmung?“ fragte Samira verwundert, aber ihre Mutter antwortete:
„Ich kenne sie auch nicht, aber Du wirst sie finden. Oder besser – sie wird Dich finden!“
Gleich am nächsten Morgen begann der Unterricht. Samira lernte, dass Feen weibliche und
uralte Wesen sind, die aber äußerlich jung bleiben, auch wenn sie altern. In der Welt der
Menschen sind sie unsichtbar und nehmen nur dann Gestalt an, wenn sie wollen, dass sie
gesehen werden. Die Aufgabe der Feen ist es, den Menschen zu helfen und ihre Wünsche zu erfüllen, ihnen Glück zu bringen oder ihnen aus großer Not zu helfen. Auch stehen Feen
manchmal Pate bei einem neugeborenen Kind, aber nur wenn es sich um einen Prinzen oder eine Prinzessin handelt: „Wir sorgen dann dafür, dass dieses Königskind ein glückliches und schönes Leben hat!“ erklärte Elfrike ihrer Tochter.
„Dann sind also alle Feen gut?“ fragte Samira nach.
„Fast immer“, gab Elfrike zu. „Manchmal jedoch, sehr selten, kommt es vor, dass unter den
Feen eine ist, die aus irgendeinem Grund etwas Böses für einen Menschen will und einen
Fluch ausspricht. So war es zum Beispiel einmal vor langer Zeit bei einer Prinzessin. Eine
unserer Feen war eifersüchtig, weil sie nicht zur Taufe des Kindes eingeladen war und hat
das Kind verflucht und als es 18 Jahre alt wurde, fiel sie in einen Hundertjährigen Schlaf. Erst ein mutiger Prinz konnte sie daraus befreien. Deshalb darfst Du nie vergessen: Es ist Deine Aufgabe als Feenkönigin, darauf zu achten, dass es allen Feen in Deinem Reich gut geht. Nur wenn sie glücklich sind, kann keine Missgunst und kein Neid aufkommen.“

Samira war tief beeindruckt von allem, was sie den ganzen Tag lang gelernt hatte. Ja, sie
wollte eine gute Feenkönigin werden, aber noch mehr interessierte es sie, wie man denn
nun in die Welt der Menschen gelangte. Elfrike erklärte ihr auch dazu etwas: „Die Menschen glauben, dass wir in Felsspalten wohnen oder unter alten Bäumen oder hinter den Quellen oder Wasserfällen. Sie wissen nichts von Fairyvalley und das muss auch so bleiben. Auf gar keinen Fall dürfen sie herkommen, denn sie würden womöglich unser schönes Reich zerstören,“ sprach Elfrike und fügte in Gedanken hinzu: So wie sie immer alles zerstören. Aber das sagte sie nicht laut, denn sie wollte ihre Tochter nicht erschrecken, stattdessen sagte sie: „So, nun ist es Zeit fürs Bett. Morgen zeige ich Dir einen Weg in die Menschenwelt und Du wirst lernen, Dich unsichtbar zu machen. Nun schlaf gut und träume süß, meine Tochter.“ und gab Samira einen innigen Kuss auf die Stirn. Vor lauter Aufregung konnte Samira aber kaum einschlafen und in dieser Nacht träumte sie von verschlungenen Pfaden durch die Berge und von riesigen Wasserfällen.

 

Der Weg durch den Baum

Früh am nächsten Morgen machten sich die beiden Feen auf den Weg. Sie gingen durch den Wald in Richtung Berge. Dort angekommen, stieg Elfrike in eine breite Felsspalte, die tief in den Berg hineinführte und nach und nach immer enger und immer steiler wurde. Es war kühl und finster, außerdem roch es feucht und modrig. Samira hielt sich dicht hinter ihre Mutter, um sie nicht aus den Augen zu verlieren und langsam wurde ihr mulmig zumute. Immer weiter ging es nach oben und nach einer Weile musste sie sogar klettern.
„Ist es noch weit?“ fragte sie, erhielt aber keine Antwort. Also kletterte sie tapfer weiter,
immer höher und höher ging es und je höher sie kamen, umso dunkler und enger wurde es. Plötzlich streifte irgendwas durch ihr Gesicht und sie erschrak und wollte gerade schreien, als sie ihre Mutter hörte: „Da sind sie, die Wurzeln! Such Dir eine kräftige aus und zieh Dich an ihr hoch.“
Samira wusste erst nicht, was ihre Mutter meinte, aber dann konnte sie in der düsteren
Dunkelheit gerade noch erkennen, dass Elfrike sich ebenfalls an einer Art Seil nach oben zog. Sie tat es ihr gleich und spürte dann, dass es immer einfacher wurde, je dicker das Seil
wurde. Auch wurden es immer mehr und noch mehr und schließlich konnte man zwischen
dicken Strängen hindurch klettern. Eben noch war es fast finster gewesen, aber dann schien plötzlich ein Licht von oben.
„Wir sind da!“ Elfrike flüsterte jetzt und reichte Samira die Hand, um sie das letzte Stück
nach oben zu ziehen. Sie standen mitten in einem Baum, in einem riesigen alten Baumstamm, der innen hohl war. Man konnte nach draußen schauen und blickte auf eine große grüne Wiese, mit einem dunklen Wald im Hintergrund. Samira wollte gleich hinauslaufen, aber ihre Mutter hielt sie zurück.
„Warte“, sie flüsterte wieder und drückte ihr ein kleines Fläschchen in die Hand: „Nimm nur ganz wenig von diesem Zauberstaub und lass ihn über deinen Kopf rieseln. Das macht Dich unsichtbar.“
Samira tat wie ihr geheißen und auch Elfrike ließ ein wenig von dem Staub über ihren Kopf
rieseln.
„Ich kann Dich aber noch sehen,“ sagte Samira und Elfrike lachte: „Ja natürlich, ich Dich auch. Wir sind Feen. Aber sonst kann uns jetzt niemand mehr sehen.“
Beide traten aus dem Baum heraus auf die Wiese und sah sich um. Die Wiese war von einem dunklen Wald umgeben, das Gras war grün und Samira sah viele blühende Blumen. Es sah nicht viel anders aus als in Fairyvalley.
„Können wir jetzt zu den Menschen gehen?“ fragte Samira aufgeregt und war ganz
enttäuscht, als ihre Mutter gleich wieder umkehren wollte. „Für heute reicht es
vollkommen!“, sagte Elfrike und kletterte zurück in den Baum. „Für die Menschenwelt ist es
noch viel zu früh und Du musst noch eine Menge darüber lernen. Los komm, bis wir wieder
in Fairyvalley sind, ist es dort Abend geworden. Morgen geht es weiter mit dem Unterricht.“

Am nächsten Morgen konnte Samira den Unterricht kaum erwarten. Am liebsten wäre sie
gleich wieder durch die Felsenspalte geklettert, aber Elfrike schüttelte den Kopf: „Es gibt
noch andere Wege und ich werde Dir nach und nach alle zeigen. Aber jetzt musst Du etwas
über die Welt der Menschen erfahren und lernen, warum es dort auch gefährlich sein kann.“
Die nächsten Tage waren gefüllt mit Wissen über die Welt der Menschen. Samira lernte,
dass die meisten Menschen freundlich waren, aber es gab wohl auch welche, die das nicht
waren. Vor allem aber hatten viele Menschen Angst vor Dingen, die sie nicht kannten, das
galt auch für die Feen: „Früher waren manches Mal die jungen Feen bei ihren Besuchen
unvorsichtig. Sie haben sich gezeigt und wollten den Menschen freie Wünsche gewähren,
aber vor lauter Angst haben die Menschen ihnen nicht geglaubt und diese Feen dann
eingesperrt. Und das ist das allerschlimmste für uns Feen, eingesperrt zu sein.“
Elfrikes Mine hatte sich arg verdüstert, als sie dies erzählte. Aber dann lächelte sie und sagte: „Du aber, meine Tochter, wirst nicht unvorsichtig sein. Bitte denke daran, wenn Du dorthin gehst – nimm immer den Zauberstaub mit und zeige Dich nicht. Niemals!!! Bitte versprich mir das.“
Samira war ganz erschrocken und versprach es. Aber dann hatte sie doch noch eine Frage:
„Warum gehst Du nicht mehr zu den Menschen? Und warum dürfen die anderen Feen nicht gehen?“
Elfrikes Mine hatte sich wieder verdüstert und sie schwieg. Samira dachte schon, sie würde
keine Antwort bekommen, aber dann sprach die Feenkönigin doch noch, sehr leise aber, so
dass Samira ihre Ohren spitzen musste, um es verstehen zu können: „So schön es auch immer war - es wurde einfach zu gefährlich.“ Dann lächelte sie wieder und sagte: „So, nun hast Du sehr viel gelernt und musst das alles erstmal in Deinem Kopf verarbeiten. Morgen hast Du frei und darfst den ganzen Tag mit Deinen Freunden spielen.“

Die Welt der Menschen

Samira rannte so schnell sie konnte nach draußen. Ihre beiden allerbesten Freunde Elkalotta und der Kobold Paulibert warten schon seit Tagen geduldig im Hof. Als Samira auf sie zugelaufen kam, tanzten sie vor Freude im Kreis herum: Tralali Tralala - Samira ist nun wieder da. Natürlich waren sie gespannt wie die Flitzebögen, was Samira alles in den Tagen ihrer Abwesenheit gelernt hatte und auch Samira hätte ihren Freunden allzu gerne alles haarklein erzählt – aber die Feenkönigin sie eindringlich gebeten hatte, es nicht zu tun.
„Denk immer daran, Du bist die zukünftige Feenkönigin. Das bedeutet auch, dass Du nicht
mehr alles mit Deinen Freunden besprechen darfst. Und das ist das Allerschwerste,“ hatte
sie noch hinzugefügt. „Die meisten Entscheidungen alleine fällen zu müssen.“
Aber Samira konnte sich nicht ganz zurückhalten und ein bisschen was erzählte sie doch, vor allem von ihrem geheimen Ausflug in die Welt der Menschen. Natürlich schmückte sie die ganze Geschichte noch kräftig aus und so wurde der Weg noch steiler und gefährlicher und düsterer als er sowieso schon gewesen war. Elkalotta und Paulibert waren auch gebührend beeindruckt: „Können wir das morgen machen? Diesen Weg nach oben gehen? Wir wollen das so gerne einmal sehen! Bitte bitte bitte ...“, bettelten sie als Samira den Kopf schüttelte, allerdings nicht sonderlich überzeugend.
„Na gut“, willigte sie schließlich ein. „Aber wir müssen ganz früh aufstehen und losgehen, der Weg ist weit.“

So kam es, dass sich am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe die Drei auf den Weg
Richtung Berge machten. Elkalotta flog aufgeregt vor Samira und Paulibert her. Besonders
Paulibert schnaufte nach einer Weile: „Die hat‘s gut! Die kann fliegen und wir müssen
laufen. Das ist viel anstrengender.“
„Du kannst ja wieder nach Hause gehen, wenn es dir zu anstrengend wird“, sagte Samira zu
ihm, aber davon wollte er dann doch nichts hören. Tapfer lief er mit seinen kleinen
strammen Beinchen hinterher. Endlich hatten sie den Fuß der Berge erreicht und Samira
schaute prüfend an der nackten grauen Felswand entlang: „Dort drüben“, zeigte sie dann
nach links. „Dort ist der Einstieg in die Schlucht.“
Während Elkalotta begeistert mit ihren Flügen schlug und sich gleich auf den Weg hinein in
die Schlucht machte, blieb Paulibert schwer atmend stehen: „Müssen wir etwa da hinein?“
fragte er und schnappte dabei nach Luft.
„Ja, müssen wir. Aber Du kannst auch auf uns warten, wenn es Dir lieber ist. Wir kommen ja
zurück, genau diesen Weg.“
Samira war enttäuscht, versuchte es aber nicht zu zeigen und machte sich auf den Weg in
die Schlucht hinein. Sie hatte bereits vergessen, dass auch sie ordentlich Angst gehabt hatte und den Weg nach oben in den Baum hinein äußerst anstrengend gefunden hatte. Aber so schnell gab Paulibert nicht auf. Er folgte Samira und als es langsam enger und steiler wurde, konnte er gut mithalten, zumal auch Samira nun viel langsamer ging. Nur Elkalotta flog aufgeregt hin und her: „Los, kommt schon, es wird immer dunkler dahinten.“

Endlich hatten sie die Höhe der Baumwurzeln erreicht. Samira und Paulibert zogen sich
mühsam hoch, während Elkalotta elfengleich durch das dichte Wurzelwerk schwebte.
„Gleich habt ihr es geschafft“, rief sie ihren Freunden in regelmäßigen Abständen zu. „Gleich seid ihr oben.“
Und dann standen sie tatsächlich zu dritt in der Baumhöhle. Samira zog ihr Fläschchen mit
den Zauberstaub aus dem Beutel und gab jedem ein wenig davon in die Hand: „Los, werft es über euren Kopf“, sagte sie, aber Paulibert war so aufgeregt, dass er das Meiste davon
verstreute. Nun war er zur Hälfte unsichtbar und zur anderen Hälfte sichtbar und seine
Freunde hielten sich den Bauch vor Lachen.
Plötzlich legte Samira ihren Zeigefinger an die Lippen: „Pst, seid mal leise. Ich höre etwas.“
Alle lauschten in die Stille hinein und tatsächlich – jemand weinte.
„Ich schau mal nach,“ Elkalotta schwebte nach draußen und war schnell wieder zurück: „Da
liegt ein Mensch!“ flüsterte sie. „Ein kleiner Mensch und er weint. Kleine Menschen sind
Kinder und noch keine richtigen Menschen. Das habe ich mal gehört.“, fügte sie noch hinzu.
Nun wollten auch Samira und Paulibert den kleinen Menschen sehen. Tatsächlich, in einer
Baumwurzel lag ein kleiner Junge und weinte. Unsere drei Freunde wussten nicht so recht,
was sie tun sollten, also kehrten sie erstmal in die Baumhöhle zurück.
„Was machen wir denn nun?“ fragte Paulibert und sah Samira an. „Du weißt doch jetzt alles
über die Welt der Menschen. Warum liegt der da und weint?“
„Keine Ahnung“, sagte Samira und überlegte krampfhaft, ob eine solche Situation in ihrem
Unterricht auch vorgekommen war. Da war die Rede von Wünschen erfüllen und Pate
stehen gewesen, aber was machte man mit einem weinenden kleinen Menschen? Trösten
ging ja wohl nicht, denn sie sollte sich den Menschen keinesfalls nähern.
Auch Elkalotta hatte keine Idee, flog aber wieder hinaus, um die Lage zu peilen:
„Er ist eingeschlafen“, sagte sie, als sie wieder in die Höhle kam. „Er weint nicht mehr und
schläft. Aber er atmet ganz komisch.“
„Lass uns zurück gehen.“ Paulibert zog Samira am Ärmel. „Es wird schon dunkel hier und wir müssen zurück sein, bevor es Abend wird. Los, kommt!“ Er ging zurück zu den Wurzeln und machte sich an den Abstieg.
Aber Samira zögerte: „Wenn das wirklich ein Kind ist und es jetzt hier Nacht wird, können
wir ihn doch nicht alleine dort liegen lassen. Hört doch nur, wie sein Atem rasselt. Das hört
sich nicht gesund an. Es wird dunkel sein in der Nacht und er wird sich fürchten. Es wird kalt sein und er wird erfrieren!“
„Sollen wir vielleicht hierbleiben und ihn wärmen? Was ist, wenn man ihn sucht? Und uns
dabei entdeckt?“ Auch Elkalotta wollte jetzt ganz schnell wieder zurück in ihre Welt und
machte sich bereits auf den Weg.
„Wartet“, rief Samira. „Wir nehmen ihn mit.“
„Ihn ... mitnehmen? Wie stellst du dir das denn vor?“ Beide Freunde sprachen wie aus einem Munde.
„Wenn man ihn suchen würde, hätte man ihn auch längst gefunden. Also sucht ihn keiner.
Wir nehmen ihn mit. Ich werde ihn tragen und Du, Paulibert, brauchst noch ein wenig
Zauberstaub, sonst erschrickt der Junge, wenn er aufwacht und einen halben Kobold sieht.“
„Er wird sowieso erschrecken, wenn er aufwacht,“ gab Elkalotta zu bedenken, aber Samira
antwortete: „Er kann uns ja nicht sehen und wird glauben, dass er träumt.“

Das gestohlene Kind

Wie die drei Freunde es am Ende schafften, den Jungen gemeinsam durch das dicke
Wurzelgestrüpp und durch die Schlucht zu bekommen bleibt wohl auf ewig ihr Geheimnis,
am Ende aber erreichten sie tatsächlich wohl behalten das Schloss der Feenkönigin.
Elkalotta und Paulibert machten sich gleich davon, denn ihnen schwante bereits, dass die
Feenkönigin wohl nicht sonderlich begeistert sein würde, wenn sie von ihrem Ausflug
erfahren würde. Auch Samira war mittlerweile ziemlich mulmig zumute:
„Wollt Ihr nicht lieber mitkommen?“ fragte sie mit zitternder Stimme. Aber ihre beiden
Freunde rannten bereits davon, als könnten sie nicht schnell genug nach Hause kommen.
Mit dem schlafenden Kind auf dem Arm wollte sich Samira in ihr Zimmer schleichen, aber die Feenkönigin stand bereits davor und hatte auf sie gewartet. „Samira,“ sagte sich mit einer schneidenden Kälte in der Stimme, die Samira noch nie von ihr gehört hatte.
„Wo bist Du gewesen? Und was trägst Du da auf Deinem Arm?“
„Das ist ... das ist ein Mensch. Ein kleiner Mensch. Ein Kind und wir haben ihn gefunden,“
stammelte Samira und nun schossen ihr Tränen in die Augen. Außerdem war sie müde von
dem langen Weg und das Kind in ihren Armen war schwer.
„Kann ich ... kann ich ihn irgendwo ablegen?“
„Du hast einen Menschen hergebracht? Hierher? In unser Reich? Hast Du mir in den letzten
Tagen überhaupt zugehört?“ Die Stimme der Feenkönigin bebte nun vor Zorn. „Haben wir
nicht über Verantwortung gesprochen? Und über die Gefahren, die von den Menschen
ausgehen können?“
„Aber das hier ist doch ein Kind. Welche Gefahr könnte denn von ihm ausgehen?“ Samira
weinte nun bitterlich und konnte nur noch schluchzend stammeln. Das Kind in ihren Armen
bewegte sich und schien aufzuwachen. Die Feenkönigin streckte ihre Arme aus: „Los, gib ihn mir. Und Du gehst in Dein Zimmer und bleibst dort bis zum Ende der Woche. Es gibt nur noch Wasser und Brot für Dich, sonst nichts.“
Samira machte, dass sie in ihr Zimmer kam und Elfrike stand da mit dem Kind in ihren
Armen. Ein Mensch, dachte sie, ein kleiner Mensch, ein Kind. Was mach ich nur mit Dir?
In diesem Augenblick schlug das Kind in ihren Armen die Augen auf und schaute sie an.
Elfrike erschrak – das Kind hatte tiefblaue Augen. ‚Feenaugen‘, dachte sie und wartete
darauf, dass es anfing zu weinen, das taten sie immer. Aber dieses Kind weinte nicht, es
schaute sie einfach nur ganz still mit diesen tiefblauen Augen an. Dann schloss es die Augen und schlief weiter und jeder Atemzug wurde von einem bedrohlichen Rasseln begleitet. ‚Es ist krank‘, dachte Elfrike. ‚Und es hat Fieber. Es braucht Hilfe.‘
Sie spürte, wie sich ihr Herz mit Liebe für den kleinen Menschen füllte. Wie alt es wohl sein mochte? Sicher nicht mehr als zwei Jahre ....

Nach einer langen Nacht, in der Elfrike kaum Schlaf und auch keine Lösung gefunden hatte,
beschloss sie, den Feenrat einzuberufen. Die schwierige Entscheidung, was mit dem Kind
geschehen sollte, konnte und wollte sie nicht alleine treffen. Sie erhob sich von ihrem Lager und rief die Elfen: „Heute Nachmittag will ich den Feenrat zusammenrufen, auf der großen Wiese vor dem Schloss. Fliegt los und sagt allen Bescheid!“
Der kleine Mensch war inzwischen wach geworden, rührte sich aber nicht. Aber es hustete
viel und sein Atem rasselte viel schlimmer als am Abend vorher. Mit seinen großen blauen
Augen schaute es sie an, wie schon am Abend zuvor. Elfrike nahm das Kind auf den Arm und sagte: „Komm, kleiner Mensch, wir gehen in die Küche und schauen mal nach Medizin für Dich.“
Auf dem Weg dorthin begegneten sie vielen Elfen und Kobolden, die sich im Schloss nützlich machten und alle staunten und strahlten, als sie das kleine Wesen auf dem Arm ihrer Königin sahen: „So süß ... entzückend ... oh, wie niedlich ...“ konnte Elfrike aus dem
Stimmengemurmel heraushören. In der Küche kochte sie eigenhändig einen Sud aus allerlei Kräutern und gab ihn löffelweise dem Kind. Es ließ sich ein wenig von dem Kräutersud einflößen, dann schob es ihre Hand weg.
‚Ich muss eine richtige Medizin für ihn zusammenstellen‘, dacht Elfrike und schaute sich um: „Wer kann für eine Weile aufpassen? Ich habe etwas zu erledigen.“
Eine Menge Elfen und Kobolde und auch ein paar der jüngeren Feen hatten sich längst in der Küche um die Beiden herum versammelt und blickten entzückt auf das Kind. Alle hoben die Hand. Elfrike lächelte: „Also gut: Du“ – sie zeigte auf eine der Feen – „bist für ihn
verantwortlich. Alle anderen dürfen Dir gerne dabei helfen. Aber dass mir keiner seine
eigentlichen Aufgaben hier vernachlässigt.“
Bevor sie die Küche verließ, ordnete sie noch an, dass Samira Brot und Wasser auf ihr
Zimmer erhielt, so wie sie es angedroht hatte. Zwar war ihr Herz längst erweicht und es fiel
ihr schwer, noch böse auf ihre Tochter zu sein, aber wenigstens einen Tag Strafe hatte sie
verdient, weil sie eigenmächtig eine Entscheidung getroffen hatte. Sie nahm den Beutel, den sie immer bei sich trug, vergewisserte sich, dass genügend Zauberstaub in dem kleinen
Fläschchen war und machte sich auf den Weg – in die Welt der Menschen.

Als erfahrene Feenkönigin musste Elfrike nicht den langen und mühsamen Weg durch die
Schlucht und den Baum gehen. Sie hatte andere Möglichkeiten, in die Welt der Menschen zu gelangen, aber das Wissen darüber sollte Samira erst später lernen. Außerdem kostete es ebenso viel Energie wie das mühsame Klettern. Sie ging tief in den Wald hinein. Als sie eine Lichtung zwischen den dichtesten Bäumen erreicht hatte, stieß sie einen kurzen Pfiff aus. Wenig später kam ein Einhorn durch die Bäume auf sie zu getrabt. Vertrauensvoll schmiegte es sich an Elfrike und ließ sich den Kopf zwischen die Ohren und um das eine Horn herum kraulen.
„Hallo, mein schöner Abendstern“, flüsterte Elfrike. „Ich war lange nicht hier und ich weiß,
dass Du mich vermisst hast. Ich habe Dich auch vermisst. Du musst mir heute helfen.“
Sie trat einen Schritt zurück und schloss die Augen. Auch Abendstern schloss seine Augen,
öffnete sein Maul, holte ganz tief Luft und stieß sie dann in Elfrikes Richtung aus. Elfrike spürte, wie sich ihr ganzer Körper auflöste und in hunderttausend Einzelteilen durch das Universum flog. Es wurde dunkel und kalt und dann wieder hell und warm und schließlich fügten sich alle hunderttausend Einzelteile von ihr wieder zusammen. Sie war wieder Elfrike geworden und stand im hellen Sonnenlicht vor dem uralten Baum auf der Wiese. Schnell griff sie in ihre Tasche, suchte das Fläschchen mit dem Zauberstaub und streute sich ein paar Körnchen über den Kopf. Unsichtbar und damit ungefährdet machte sie sich auf den
Weg in Richtung Wald, um herauszufinden, woher der kleine Mensch eigentlich stammte.

Sie musste nicht weit gehen, als mitten im Wald auf einer Lichtung eine kleine windschiefe
Hütte auftauchte, mit einem großen Garten drum herum. Hütte und Garten sahen verwahrlost aus und als Elfrike sich näherte, kamen laute Stimmen aus der Hütte. Es hörte
sich nach einem Streit an. Elfrike stellte sich ans Fenster und schaute hinein. Sie sah einen
Mann und eine Frau, außerdem zwei größere Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Die Frau
weinte heftig und als Elfrike sie sah, wusste sie, wer die Frau war: ‚Serafina!‘, dachte sie überrascht. ‚Hier bist Du also gelandet.‘ Gespannt hörte sie zu: „Er war plötzlich weg, einfach so,“ sagte die Frau mit schluchzender Stimme. „Ich bin gestern nochmal den ganzen Weg zurück gegangen, aber er war nicht mehr dort.“
„Wo war er nicht mehr? Und wieso hast Du ihn nicht gesucht? Du weißt doch, dass Benny
krank ist!“ sagte eine tiefe zornige Männerstimme.
Schließlich sagte der Mann, ohne jemanden direkt anzusprechen: „Wir müssen Benny suchen. Los, alle kommen mit!“
Elfrike lehnte sich an die Hauswand und sah, wie die Familie die Hütte verließ und in den
Wald hinein ging. Eine Weile hörte sie noch die Rufe: „Benny, Benjamin!“ ... aber sie hatte
genug gehört und gesehen, um zu wissen, was geschehen war und machte sich auf den
Rückweg nach Fairyvalley.

Der Feenrat

Pünktlich am Nachmittag hatten sich sämtliche Feen von Fairyvalley auf der großen Wiese
vor dem Feenschloss versammelt. Auch viele Elfen flogen kreuz und quer über die Wiese, die Ohren neugierig gespitzt und fast alle Kobolde trieben sich auffällig nah um die
Feenversammlung herum, ebenfalls mit riesengroßen und weit geöffneten Ohren.
Die Feenkönigin Elfrike trat mit dem Jungen auf dem Arm vor den Feenrat und erzählte, was
am Tag vorher geschehen war und auch, dass sie inzwischen wisse, woher der kleine Junge
Benny stammte.
„Eine Familie, die arm und bescheiden in einem Haus mitten im Wald wohnt. Wir kennen die Mutter, sie war eine unserer Feen hier, bis sie sich entschieden hat,
Fairyvalley zu verlassen und diesen Mann zu heiraten. Ihr könnt euch sicher noch an sie
erinnern, ihr Name war Serafina.“
Ein lautes Aufstöhnen ging durch die Reihen der Feen, fast alle konnten sich noch an die
ungewöhnliche Geschichte erinnern. Die junge Fee Serafina hatte sich freiwillig entschieden, Fairyvalley und ihr Dasein als Fee zu verlassen, um in der Welt der Menschen zu leben. Damit hatte sie auch alle ihre Feen-Merkmale abgegeben, sie war nicht mehr unsterblich, hatte ihre Zauberkräfte verloren und konnte sich auch nicht mehr unsichtbar machen. Und sie durfte niemals mehr zurückkehren nach Fairyvalley. Schließlich trat eine der Feen hervor: „Darf ich sprechen? fragte sie höflich.
„Aber natürlich. Das gilt für Euch alle“, antwortete Elfrike und forderte die Fee auf: „Sprich!“
„Ist das Kind gesund? Früher haben die Menschen manchmal ihre kranken Kinder absichtlich unter alte Bäume oder in Schluchten oder Quellen gelegt haben, weil sie glaubten, dass wir Feen die Kinder heilen können.“
Elfrike schüttelte ihren Kopf: „Benny ist schwach und kränklich. In seiner Brust rasselt es
unaufhörlich und er braucht dringend eine Medizin dagegen. Vielleicht hat Serafina ihr Kind
genau aus diesem Grunde unter den Baum gelegt, weil sie hofft, dass wir dem Kind helfen
können. Serafina ist damit ein großes Risiko eingegangen. Ihr Mann weiß nicht, dass sie
einmal eine Fee gewesen ist. Und nun wird er denken, dass sie ihr Kind absichtlich ausgesetzt hat.“
Wieder gab es zustimmendes Gemurmel vom Feenrat. Eine weitere Fee trat hervor, eine der älteren und erfahrenen Feen: „Serafina war noch jung und unerfahren. Als sie sich in diesen Mann verliebte und in seiner Welt bleiben wollte, konnte sie nicht die Konsequenzen ihrer Entscheidung absehen. Wenn sie uns nun auf diese Weise um Hilfe bittet, sollten wir ihr diese Hilfe auch nicht verweigern.“
Alle Feen klatschten laut Beifall. Elfrike wartete einen Augenblick und hob wieder ihre Hand,
bis der Beifall verklungen war: „Der Feenrat muss entscheiden, was zu tun ist. Entweder wir bringen das Kind zurück zu seiner Familie und riskieren damit, dass seine Mutter vor lauter Verzweiflung von uns erzählt – oder wir machen es wie in früheren Zeiten und tauschen ihn aus!“
Die Antwort war eindeutig: „Austauschen!“ riefen fast alle Feen wie aus einem Munde – und
die Elfen und Kobolde stimmten gleich mit ab.
„Und wen tauschen wir aus?“ fragte Elfrike als nächstes. „Wir brauchen einen Kobold, der
bereits ist, sein Äußeres dafür zu verändern und für eine lange Zeit in die Welt der Menschen zu gehen. Wer meldet sich freiwillig?“
Sie hatte nicht erwartet, dass sich überhaupt jemand melden würde und war baff erstaunt,
als viele Hände nach oben gestreckt wurden. Selbst einige von den Elfen meldeten sich, so
dass Elfrike sagen musste: „Also, Elfen gehen gar nicht. Wir wollen euch ja nicht die Flügel
abschneiden.“ Sie ließ ihren Blick schweifen und blieb schließlich an einem der Kobolde
hängen: „Du da,“ rief sie. „Tritt mal vor. Wie ist Dein Name?“
„Henry“, antwortete der Kobold und kam mit schnellen Schritten nach vorne gelaufen. Elfrike kannte ihn, es war einer der klugen Kobolde. Er kümmerte sich um den Küchengarten für das Schloss und konnte so gut rechnen, dass er die Haushaltsbücher führte.
„Kannst Du auch jemand sein, der erst zwei Jahre alt ist?“ fragte sie ihn und als er nickte,
fügte sie noch hinzu: „Das ist nämlich überhaupt nicht einfach.“
Aber Henry meinte, da würde er überhaupt kein Problem sehen und auf die Frage der Feenkönigin, ob er die riskante Mission wirklich übernehmen wolle, nickte er heftig. Elfrike zögerte noch einen Augenblick lang, denn sie wusste, dass es für den Kobold gefährlich werden könnte, wenn er aufflog. Dann aber hob sie ihre Hand und rief so laut, dass alle es hören konnten: „Dann soll es so sein. Henry geht zum Austausch für das Kind in die Welt der Menschen. Bereitet ihn vor.“
Einige der älteren Feen kamen nach vorne und setzten Benny und Henry auf eine Bank
nebeneinander, dann begannen sie mit ihrer Arbeit. Zunächst stellten sie sich dicht
voreinander und berührten sich mit der Stirn. Ganz ruhig standen sie ein paar Minuten so
da, während die Elfen flüsterten: „Sie synchronisieren sich!“
Dann wandten sie sich Benny und Henry zu und begannen mit ihrer Arbeit: Sie legten ihre
Hände auf die Köpfe von Benny und Henry und ließen sie dann absolut gleichzeitig über die
Haare, das Gesicht mit Augen, Mund und Nase und die Ohren gleiten. Weiter ging es den
Hals hinunter, über Brust und Rücken, die Arme hinunter und über die Hände, dann zum
Bauch und unteren Rücken, die Beine entlang und schließlich zu den Füßen und vor den
Augen aller verwandelte sich der Kobold in den kleinen Benny. Als letztes widmeten sie sich
noch besonders intensiv den Augen, bis sie die gleiche blaue Farbe angenommen hatten wie die des Jungen.
„Fertig“, sagte sie und zusammen mit den anderen trat sie zurück. Zwei identisch
aussehende Bennys saßen nun nebeneinander auf der Bank.
„Sehr gute Arbeit!“, lobte Elfrike die Feen und reichte dem neuen Benny ihre Hand. „Ich
bringe Dich jetzt in die Welt der Menschen. Bitte vergiss nicht, Du bist jetzt kein uralter
Kobold mit dem Namen Henry mehr, sondern der zwei Jahre alte Benny, der noch nicht
sprechen kann. Gib Dein Bestes, damit es niemand merkt.“
Elfrike wählte den Weg durch die Schlucht und die Baumwurzeln. Oben angekommen, bat
sie den Kobold, sich unter die Baumwurzeln zu legen und sich so lange schlafend zu stellen, bis jemand kam und ihn mit nach Hause nahm.
„Geh auf keinen Fall alleine,“ schärfte sie ihm noch ein. „Du könntest Dich im Wald verlaufen.“
„Und wenn mich jemand fragt?“, sagte Henry, der Kobold.
Elfrike lächelte: „Du brauchst nicht zu antworten, denn Du kannst ja noch nicht sprechen.“
Dann verabschiedete sie sich und verschwand wieder in dem Baum, vorher versprach sie
dem Kobold aber noch, von Zeit zu Zeit nach ihm zu schauen: „Wenn es für Dich hier
ungemütlich wird, holen wir Dich nach Hause. Versprochen!“

Ein Kobold namens Henry

Der neue Benny musste nicht lange unter dem Baum liegen und warten. Schon nach kurzer Zeit hörte er Rufe: „Benny! Benjamin!“ Er fragte sich, ob er aufstehen und den Rufern
entgegenlaufen sollte, entschied sich aber dann dagegen. Vielleicht sollte er ein bisschen
weinen, damit man ihn hörte? Aber wie weint ein Zweijähriger? Also blieb er einfach liegen
und tatsächlich hatte man ihn wenig später gefunden. Die erste Zeit in seinem neuen Leben war einfach nur langweilig, denn als der neue Benny konnte er ja nichts. Er sprach nicht und saß meistens nur herum und beobachtete alles, was seine neue Familie so tat.
Der Vater war fast den ganzen Tag lang arbeiten. Er war Taglöhner, was bedeutete, dass er
frühmorgens aus dem Haus ging und versuchte, irgendeine Arbeit für den Tag zu erhalten
und ein wenig Geld nach Hause zu bringen. Oft genug aber kam er abends zurück und hatte nichts verdient. Die Mutter wuselte im Haus herum, aber sie war häufig krank und klagte über Kopfschmerzen. Manchmal arbeitete sie ein wenig im Garten und versuchte, Gemüse anzupflanzen, aber sie schien nicht besonders viel Ahnung davon zu haben, denn das meiste verschwand zwischen dem Unkraut oder vertrocknete, weil sie vergessen hatte zu gießen. Sie sah ihn oft merkwürdig von der Seite an, als ob sie wüsste, dass er nicht der echte Benny war. Aber sie sagte nie etwas. Seine Geschwister mussten morgens zur Schule gehen, das fand der neue Benny noch am spannendsten und er versuchte herauszufinden, was sie dort eigentlich genau lernten.

So verging der Sommer und es kam der Herbst - und dann der Winter und damit der Hunger. Es gab zu wenig Vorräte und das Wenige, das für die kalte Jahreszeit vorbereitet war, war rasch aufgegessen. Der Vater fand kaum noch Arbeit und damit gab es auch kein Geld, also mussten die drei Kinder zum Betteln rausgehen. Da saßen sie nun Tag für Tag in der Kälte am Straßenrand und streckten ihre Hände aus, um ein paar Pfennige nach Hause zu bringen. Der Hunger nagte und ließ die Kinder nachts kaum schlafen und als auch noch das Brennholz zu Ende ging, wurde es bitterkalt in dem windschiefen alten Häuschen. Alle waren erkältet und husteten.
Es war ein schreckliches Leben und Henry wünschte sich mehr als einmal, nicht in die Welt
der Menschen gegangen zu sein. Dann wäre er jetzt im wunderschönen Fairyvalley, es gäbe
genug zu essen und es wäre warm und er würde sich um die Bücher kümmern und um den Garten. Alle wären lieb und freundlich zueinander und nicht wie hier, wo sich die Eltern
immerzu stritten und die Geschwister jede Gelegenheit nutzten, um sich davon zu schleichen. Er fragte sich, wo Elfrike, die Feenkönigin blieb, sie hatte doch versprochen, nach ihm zu sehen. Vielleicht hatte sie ihn auch längst vergessen. Aber Elfrike kam regelmäßig und tat, was sie konnte, ohne dass es zu sehr auffiel. Sie legte Brot, Eier und Schinken vor die Tür und ließ auch immer etwas Brennholz da. Der Vater glaubte, dass es von den Nachbarn käme und schämte sich dafür, dass sie so arm waren und auf Hilfe angewiesen waren. Das machte ihn aber noch unzufriedener.

Der schreckliche Winter ging irgendwann vorbei und es wurde wärmer. Der Vater fand
wieder Arbeit und der neue Benny beschloss, ab sofort sprechen zu können. Er begann mit
wenigen einfachen Worten und sprach schnell in ganzen Sätzen. Wenn seine Geschwister von der Schule kamen und ihre Hausaufgaben machen mussten, setzte er sich zu ihnen. „Was lernt ihr denn in der Schule?“ fragte er neugierig. Er konnte zwar besonders gut rechnen, aber weder lesen noch schreiben. Also lernte er beides in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und es dauerte nicht lange und er machte die täglichen Hausaufgaben für seine Geschwister. Er traute sich auch zunehmend nach draußen und machte Ausflüge in die Umgebung, durchstreifte den Wald und ging zu den Bauernhöfen in der Nachbarschaft. Dort schaute er sich genau an, wie gearbeitet wurde. Ein Bauer hatte eine Menge Hühner und brachte die Eier auf den Markt, um sie dort zu verkaufen. Ein anderer Nachbar machte das gleiche mit dem ersten jungen Salat. Henry sah, dass sie Geld dafür erhielten. Das können wir doch auch, dachte Henry und bettelte bei den Nachbarn um Saatgut - und bekam tatsächlich welches geschenkt. Er brachte es nach Hause und legte die ersten Saatreihen an und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten grünen Pflänzchen zeigten.
„Den Salat können wir auf dem Markt verkaufen“, sagte er abends beim Abendessen, „und
von dem Geld kaufen wir ein paar Hühner. Dann haben wir Eier und die können wir auch
verkaufen.“
„Soso, Herr Neunmalklug,“ sagte der Vater. „Hühner also. Und was machen wir mit dem
Geld, das wir für die Eier bekommen? Mehr Hühner kaufen vielleicht?“
Die Geschwister prusteten laut los vor Lachen. Aber Henry ließ sich nicht beirren: „Wir
bauen Gemüse an. Das können wir für den nächsten Winter konservieren und wir müssen
nicht wieder Hungern.“
Daraufhin sagte niemand mehr ein Wort und man ließ ihn gewähren. So klein Henry auch
war, in seinem Leben als Kobold war er ja auch nicht größer gewesen und trotzdem gut
zurechtgekommen. Er baute einen Hühnerstall im Garten und kaufte auf dem Markt die
ersten Hühner ein. Morgens sammelte er die Eier ein, die Hälfte der Eier durfte die Familie
zum Essen behalten, den Rest brachte er zum Markt. Von dem Geld kaufte er Saatgut für
junge Bohnen, Möhren, Kohl und Kartoffeln. Den ganzen Sommer über pflegte er den
Garten, hielt das Unkraut fern und gab den Pflanzen regelmäßig Wasser, denn Wasser aus
dem Bach hinter dem Haus gab es zur Genüge.

Als der Sommer gekommen war, ging er täglich in den Wald und pflückte Beeren und im
Herbst Pilze. Beides ließ sich ebenfalls gut verkaufen und mit Pilzen kannte er sich gut aus.
Zusammen mit seinen Geschwistern sammelte er Feuerholz und so konnte der nächste
Winter kommen. Es gab getrocknete Bohnen und Kartoffeln, Möhren und Kohl lagen kühl in
einer Miete in der Erde, die Henry extra dafür angelegt hatte.
Abends wenn er schon im Bett lag, konnte er hören, wie seine Eltern im Flüsterton über ihn
sprachen: „Benny ist ein merkwürdiger Junge. Er ist ja erst drei Jahre alt,“ sagte der Vater,
„woher weiß er nur all diese Dinge?“ Aber die Mutter sagte nichts dazu. Henry war
inzwischen sicher, dass sie wusste, dass er nicht der richtige Benny war. Er sah sie manchmal weinen und wusste, dass sie sich um ihr richtiges Kind sorgte. Zu gerne hätte er ihr gesagt, dass sie keinen Kummer haben sollte, denn dem richtigen Benny würde es sicher gut gehen in Fairyvalley. Immer wenn er das dachte, wurde seine Sehnsucht riesengroß und er fragte sich zum hundertsten Mal, ob er nicht einfach zurückgehen sollte. Er nahm sich vor, Ausschau nach Elfrike, der Feenkönigin zu halten. Vielleicht würde er sie ja spüren, wenn sie das nächste Mal kam.

Benny in Fairyvalley

Dem richtigen Benny ging es tatsächlich sehr gut in Fairyvalley. Von seiner Erkrankung hatte
er sich gut erholt und die rasselnden Geräusche und auch der schlimme Husten waren längst vorbei. Die Feen hatten ihm wunderbare Medizin aus vielen verschiedenen Kräutern gemixt und die Wärme und die gute Luft in Fairyvalley hatten zu seiner Gesundung beigetragen. Er liebte das Leben im Feenreich, balgte sich mit den Kobolden, spielte mit den Feenkindern und sang die alten Lieder mit den Elfen. Besonders schön aber war es, wenn Samira, die Tochter der Feenkönigin, Zeit für ihn hatte. Sie konnte mit den Tieren im Wald sprechen und zeigte ihm, dass er keine Angst vor ihnen haben musste. Sie ging Hand in Hand mit ihm durch den Wald und suchte nach wilden Heidelbeeren und Kirschen. Benny spürte den weichen Moosteppich unter seinen nackten Füßen und trank vom frischen Quellwasser. Das düstere und karge Leben in der windschiefen Hütte hatte er längst vergessen, auch seine Eltern und seine Geschwister. Nur manchmal abends, wenn er kurz dem Einschlafen war, drängten sich flüchtige Bilder aus einer anderen Zeit in seine Erinnerung und dann spürte er noch die liebevolle Hand seiner Mutter. Wenn er dann morgens wieder aufwachte, glaubte er nur geträumt zu haben.
So verging die Zeit im Feenreich Fairyvalley und Benny war inzwischen längst nicht mehr ein
kleiner schwacher und kränklicher Junge. Er war kräftig und gesund und seine Augen waren
immer noch von diesem tiefen Blau, so dass jeder, der in sie hineinblickte, hingerissen war.

Samira und Elfrike standen am Fenster und beobachteten Benny, der sich auf der Wiese mit einigen Kobolden balgte. Samira lächelte, so wie immer, wenn sie ihn sah und sagte zu ihrer Mutter: „Schau nur, wieviel Spaß er hat.“
Sie war inzwischen eine erfahrene Fee geworden, hatte viel bei ihrer Mutter gelernt und würde bald den Feen-Thron besteigen.
Elfrike nickte: „Ja, er ist groß geworden und es wird Zeit für ihn.“
„Zeit? Wofür? Was meinst Du?“ fragte Samira verwundert.
„Zeit, dass er zurück geht in seine Welt“, antwortete Elfrike und Samira erschrak.
Elfrike nickte: „Bei meinem letzten Besuch habe ich mit Henry gesprochen. Der Zauber lässt
langsam nach, er wird wieder kleiner und verwandelt sich langsam zurück in einen Kobold.
Außerdem will er endlich nach Hause kommen. Wir werden ihm einen Besuch abstatten.“
Samira dachte an ihren letzten Besuch zusammen mit ihrer Mutter in der Welt der Menschen zurück. Es war unglaublich, was der Kobold Henry in seiner Zeit als Benny
geleistet hatte. Die alte windschiefe Hütte war längst zu einem stabilen Holzhaus umgebaut
und das Gelände drum herum war zu einer Farm geworden, die die Familie ernähren konnte. Im großen Garten vor dem Haus wurden viele verschiedene Gemüse und Beeren angebaut und um den Garten herum standen Apfel-, Birnen- und Pfirsichbäume, die im Sommer kräftig Obst trugen. Im Stall standen ein Schwein und eine Ziege, und auf der Wiese eine kräftige Milchkuh. Sogar ein Pferd gab es, um den Acker hinter dem Haus zu pflügen, dort wurde das Getreide für Brot angepflanzt. Daneben lag der Hühnerstall und ein großer freundlicher Hund bewachte alles, auch die Katzen, die um die Farm herumschlichen und die Mäuse weghielten.

Der Familie ging es gut. Der Vater war längst kein Tagelöhner mehr, sondern arbeitete auf
der Farm, die Mutter kümmerte sich um den Garten, kochte und backte das Brot und die
Geschwister hatten das Elternhaus längst verlassen. Dafür gab es neue kleine Geschwister,
die von morgens bis abends um das Haus herumtobten und mit den Tieren spielten. Alles war also gut geworden und für den Kobold Henry gab es keinen Grund mehr, hierzubleiben. Das sagte er auch zu Elfrike und Samira, als sie sich in einer hellen Vollmondnacht vor dem alten Baum trafen: „Ich möchte zurück nach Fairyvalley. Bitte
tauscht mich wieder aus!“
„Ja, Du darfst zurückkommen“, sagte Elfrike zu ihm. „Du hast soviel Gutes für diese Familie
getan und wir alle sind Dir sehr dankbar dafür. Du wirst in Fairyvalley noch eine besondere
Ehrung erhalten. Aber jetzt müssen wir überlegen, wie das gehen soll. Du weißt ja, dass hier
die Zeit schneller vergeht als in Fairyvalley. Du bist also viel älter geworden als Benny, der
immer noch ein Kind ist – obwohl....!“
Elfrike sprach nicht weiter, aber Henry fuhr fort mit dem, was sie eigentlich sagen wollte:
„Wenn er wieder hier ist, wird er auch schneller wachsen.“
Dann erzählte er ihnen, was er sich bereits überlegt hatte: „Ich werde sagen, dass ich für
eine Weile von hier fortgehe. Wenn Benny dann hier ist, werde ich mich zusammen mit ihm
im Wald verstecken und warten. Und wenn er ausreichend gewachsen ist, bringe ich ihn zu
seinen Leuten zurück.“
„Und Du glaubst, dass das funktioniert?“ fragte Samira zweifelnd. „Das werden die doch
merken.“
„Die Mutter weiß es sowieso,“ sagte Henry, der Kobold. „Sie hat mich anfangs immer so
angesehen und irgendwann hat sie zu mir gesagt: ‚Ich weiß, dass Du nicht Benny bist!‘ Der Vater wird es wahrscheinlich gar nicht merken und anderen Kinder sind noch zu klein.“
Elfrike zögerte noch und Samira hoffte schon, sie würde den Vorschlag des Kobolds
ablehnen. Sie wollte Benny nicht verlieren, aber sie hörte ihre Mutter sagen: „Also gut, so machen wir es. Beim nächsten Neumond. Wir finden ein Versteck für Euch und Du musst die Zeit nutzen, um Benny all das einzuweben, was Du weißt. Du weißt was einweben ist?“ fragte Elfrike sicherheitshalber.
Henry nickte: „Ja, ich werde alle meine Erinnerungen mit ihm teilen und er wird glauben,
dass es seine eigenen Erinnerungen sind.“
Die beiden Feen verabschiedeten sich. Elfrike musste eine weinende Samira zurück nach
Fairyvalley schleppen.
„Schau Samira,“ sagte sie zu ihrer Tochter. „Benny ist nun mal ein Mensch. Er muss zurück in seine Welt. In die Welt der Menschen. Er kann nicht bei uns bleiben. Irgendwann wird er
erwachsen werden und Fragen stellen. Er wird jemanden heiraten wollen und selber Kinder
haben. Das alles geht bei uns nicht. Es gibt außer den Kobolden keine männlichen Wesen in Fairyvalley. Und die sind eigentlich keine richtigen Männer. Er kann einfach nicht bei uns
bleiben.“
Unter Tränen nickte Samira und versprach ihrer Mutter, nichts zu tun, um den Plan zu
verhindern.

Und so geschah es. Zwei Wochen später war Neumond und damit die dunkelste Nacht des Monats. Elfrike versetzte Benny, das gestohlene Menschenkind, in einen tiefen Schlaf und brachte ihn mit Hilfe des Einhorns zurück in die Welt der Menschen. Der Kobold Henry wartete bereits am alten Baum, ein dickes Bündel mit Nahrung für die ersten Tage auf dem Rücken. Gemeinsam gingen sie tief in den Wald hinein. Dort hatten die Feen in aller Eile eine Höhle in einen Hügel gegraben und dort würden Benny und Henry so lange bleiben, bis Benny groß genug geworden war, um zurück zu seiner Familie zu kehren. In der Zwischenzeit würde der Kobold Benny seine Erfahrungen und sein Wissen einweben, bis Benny glaubte, das alles selbst erlebt zu haben. Die Feen würden die beiden mit Lebensmitteln versorgen und Henry würde sich später an Fairyvalley erinnern als an einen wunderbaren Traum, den er in einer langen Nacht geträumt hatte.

Die Feenkönigin

Elfrike war alt und müde geworden und hatte längst das Feenschloss verlassen. Samira war
an ihre Stelle getreten und sie würde eine gute Feenkönigin werden, da war Elfrike sich
sicher. Sie handelte klug und weise. Nur was das Menschenkind Benny betraf, da wurde sie von Zeit zu Zeit schwach. Dann begab Samira sich in die Welt der Menschen und beobachte aus der Ferne, wie Benny zu einem wunderbaren Mann heranwuchs, wie er eine junge Frau fand und sie heimbrachte und wie seine Kinder auf die Welt kamen. Die Farm war inzwischen groß geworden und sie produzierten so viele Lebensmittel, dass die Familie von Benny und auch seine alten Eltern gut davon leben konnten und es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht hatten. Samira hatte die Erfahrungen mit Benny, dem gestohlenen Kind dazu genutzt, um das Feenreich Fairyvalley wieder näher an die Welt der Menschen zu bringen und überall dort zu helfen, wo Menschen die Hilfe der Feen brauchten. Inzwischen wusste sie, dass das ihre Bestimmung war, von der ihre Mutter gesprochen hatte. Sie hatte schließlich selbst erlebt, dass einer Familie geholfen wurde und diese nun nicht mehr hungern musste. Und ganz im Geheimen, aber ohne es jemals irgendjemanden gegenüber zu erwähnen, war Samira auch stolz auf sich, weil sie damals dem Menschenkind Benny das Leben gerettet hatte. Sie war sich ganz sicher: Wenn sie ihn damals nicht „gestohlen“ und nach Fairyvalley gebracht hätten, wäre er an dem Fieber und dem schrecklichen Husten gestorben. Nun aber gab es inzwischen wieder einen regen Verkehr von Feen, die unsichtbar durch die Welt der Menschen flogen und ihnen halfen. Sie brachten ihre Heilkunde mit und fragten sie nach ihren Wünschen. Und manchmal kommt es vor, dass sich die Wünsche sogar erfüllen. So war das in den alten Zeiten, aber wer weiß – vielleicht ist das ja heute auch noch so?

7 Kommentare

Dichterin aus Leidenschaft am 5. Juli 2021

Oh, tut mir Leid, ich meinte WAHRHAFTIG Hihi

Dichterin aus Leidenschaft am 4. Juli 2021

Wunderschön! Deine Enkel können sich wahraftig glücklich schätzen eine so tolle, talentierte und liebe Oma zu haben!! Und das meine ich aus tiefstem Herzen

Erin am 16. Mai 2021

Was für eine schöne und fantasievolle Geschichte. Deine Enkel können sich glücklich schätzen. Du hast ein wirklich gutes Händchen dafür, anschauliche Atmosphären zu erschaffen.

Mathilda am 13. Mai 2021

Es ist eine wunderbare Geschichte,allerdings würde ich es an manchen Stellen verbessern.Ich weiß wie schwierig es ist Stellen zu verbessern und nicht zu verschlechtern, da ich selber Geschichten schreibe.(die sind zwar nicht so gut wie deine Geschichte, dennoch hasse ich es Stellen zu verbessern da ich immer Rechtschreibfehler mache ist das aber nicht umgehbar ;p.) Mach weiter so eure Mathilda

Camilla am 11. Mai 2021

Ich habe mir das Lied dazu angehört und finde, es passt super zu der Geschichte, vor allem der Anfang erinnert mich an die Feen, Elfen und Kobolde. Ich finde, es ist eine sehr schöne Geschichte zum erzählen, aber auch zum lesen. Wer sie hören darf, hat Glück! Viel Spaß noch, Camilla

Bücherwurm am 11. Mai 2021

Schöne Geschichte!

IchHabeKeinen am 11. Mai 2021

Nicht die beste Geschichte. Mache es besser