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Maxi Brentano (37 Jahre) und Sara (9 Jahre)

Das Kartoffellampenland

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Kapitel 1

Ich schreibe mit meiner Stieftochter Sara (9 Jahre) eine Geschichte. Wir wechseln uns immer ab mit den Sätzen, jeder formuliert einen Satz, dann kommt der nächste wieder dran. Wir senden das erste Kapitel von "Das Kartoffellampenland" und wünschen eine angenehme Lektüre!

Es war einmal ein Mädchen. Es war neun Jahre alt. Sie wohnte in einem Schloss mit Blick auf einen großen See. Sie hatte lange blonde Haare. Ihr Name war Sonnengold, denn ihre Haare funkelten im Sonnenlicht wie Gold. Sonnengold spielte gerne mit anderen Mädchen, besonders gerne mit ihrer besten Freundin. Ihre Freundin wohnte gleich nebenan. Sie nannte sich Nachtleuchten und war für jedes Abenteuer zu haben. Sie hatte braune Haare und trug oft lila Schleifen darin. Sie besaß das Talent, sogar die steilsten Berge ohne Hilfe hinaufzuklettern. Sonnengold hingegen konnte dafür rennen wie ein Leopard. Und wir erzählen Euch von den Abenteuern, die die beiden erlebten.

An einem schönen Tag spielten Sonnengold und Nachtleuchten zusammen Fangi. Doch plötzlich erschreckte Nachtleuchten, als sie in den Himmel blickte. Sie schaute auf große dunkle Wolken. „Ich befürchte, ein Gewitter zieht auf“, sagte sie zu Sonnengold. Sonnengold rannte hinein ins Schloss und holte zwei Regenschirme. Gewappnet mit den beiden Regendächern spielten sie vergnügt weiter, bis sie ein Grollen von hinten hörten. Sonnengold zuckte zusammen. „Das Gewitter ist aber verdammt nah!“, fürchtete sich Sonnengold. Der Himmel über ihnen hatte sich tief schwarz gefärbt. Jetzt bekam auch Nachtleuchten Angst. Der Regen setzte stürmisch ein und beide liefen zu einem Baum, der ihnen Schutz bieten sollte. Mit dem Regen begann es auch zu winden und die Äste bogen sich mit dem Wind zur Seite. Ein Blitz schlug direkt vor den Freundinnen in einen Busch. Der Blitz war so hell, dass es in den Augen wehtat. Sie hielten sich die Augen zu. Als sie die Augen wieder öffneten, brannte der Busch lichterloh. Jetzt bekamen die beiden richtig Angst. „Meinst du, der Baum ist der richtige Ort, um sich vor einem Gewitter zu schützen?“, fragte Sonnengold zweifeln. Nachtleuchten sagte: „Der Baum besteht hauptsächlich aus Holz, und Holz kann brennen.“ Kaum hatte sie diese Worte gesagt, schlug der Blitz in den Baum ein, unter dem sie standen. Sofort rannten die beiden zum nächsten Baum. Doch was sahen sie da? Als sie zurück auf jenen Baum sahen, unter dem sie zuvor standen, sahen sie, dass dieser nicht brannte, sondern in vier Teile gespalten dastand. Nachtleuchten trat näher an den Baum. Sie ist immer so mutig, dachte Sonnengold. Als Nachtleuchten nichts passierte, kam auch Sonnengold dorthin. Gemeinsam beobachten sie ein grünes Leuchten aus dem Bauminneren. Jetzt wurden die beiden neugierig, was passieren würde. Mit sachten Schritten näherten sie sich dem Baum weiter. Sie sahen einen Schatten im Baum. Nachtleuchten fragte Sonnengold: „Von wem ist der Schatten?“ „Ich weiß es nicht genau, aber er sieht aus wie ein Zwerg mit einer großen Nase.“, sagte Sonnengold. Nachtleuchten kicherte leise. „Warum kicherst du denn jetzt so?“, fragte Sonnengold irritiert. Nachtleuchten sagte: „Ein Zwerg mit eine großen Nase, hört sich halt witzig an.“ „So ein Quatsch“, meinte Sonnengold, „Ich sage dir, was sich lustig anhört: „Ein Mini-Clown mit einer Möhrennase!“ Nach ein paar Minuten fragte Nachtleuchten: „Wollten wir jetzt nicht herausfinden, von wem der Schatten stammt?“ Sonnengold betrachtete den Schatten und dachte nach. Genau in diesem Moment ertönte ein seltsames Geräusch. Sonnengold sagte, „Es hört sich an, als ob ein Puma mit einem Löwen brüllen würde.“ „Ich weiß nicht recht, aber es macht mir etwas Angst“, gab Nachtleuchten zu. Sonnengold ging näher heran, um besser sehen zu können. Was sie sah, verschlug ihr fast den Atem. „Was ist das für ein Fabelwesen?“ Nachtleuchten antwortete, dass sie so ein Tier noch nie im Leben gesehen hatte. „Ich auch nicht“, sagte Sonnengold. Dieses Etwas in der Mitte des Baumes war etwa einen halben Meter groß und fast genauso breit wie es groß war. Es hatte eine lange Nase und einen großen Kopf. Auf dem Kopf trug es drei goldene Haare, die ihm zu Berge standen. Und es sah lustig aus mit seinen großen Ohren. Das Fabelwesen schimmerte in allen Farben wie ein Regenbogen, nur die Nase, die war eindeutig rot.

Sie hatten gar nicht bemerkt, dass sie wieder unter blauem Himmel standen. Und als der erste Sonnenstrahl das Tier im Baum erreichte, fing es an zu sprechen.
„Hallo, ich bin ein Kartoffellampentier. Mein Name ist Udo Ichschmecknichtgut.“
„Ich heiße Sonnengold.“
Nachtleuchten starrte das Kartoffellampentier an und fragte ihn:
„Warum trägst du denn so einen komischen Namen?“
„Mein Name ist nun mal so, daran kann ich nichts ändern.“
Nachtleuchten erwiderte schmunzelnd: „Bei dem Namen planen wir dich jedenfalls nicht als unser Dessert ein.“
„Würden wir ja sowieso nicht“, sagte Sonnengold.
„Na dann bin ich ja erleichtert“, gab das Kartoffellampentier zu.
Nachtleuchten lachte verlegen. Nachtleuchten und Sonnengold fragten das Kartoffellampentier, wo es herkommt. Sie erfuhren, dass es aus einem Land unter den Wurzeln kam. Da gab es nur Kartoffellampentiere, groß, klein, dick und dünn. Und weil es dort immer dunkel war, konnte Udo Ichschmecknichtgut seine Ohren als Lampen benutzen. Babeeeng! Klick, klack und die Ohrenlampen leuchteten. „Na, das ist ja mal ein cooles Tier“, sagte Nachtleuchten. Sie wussten jetzt außerdem, dass die Kartoffellampentiere die Wurzeln als Superrutschen benutzten. Und sie fraßen das Unkraut, das die Bäume hochkam, am liebsten. Moos, das auch die Bäume hochkletterte, nutzten sie, um sich ein Bett zu machen. Den Morgentau tranken sie als Mineralwasser. Die Ahornblätter, die von den Bäumen fielen, dienten für ihre Frühstücksbrote in der Schule oder im Kindergarten. Und wenn sie etwas Warmes zu essen wollten, dann trugen sie ihre Speisen solange bis ins Erdinnere, bis sie durch die Hitze von selbst gar wurden. Nachtleuchten und Sonnengold waren begeistert. Auch sie wollten einmal durch die Erde rutschen.
„Kannst du uns in das Kartoffellampenland mitnehmen?“, fragte Nachtleuchten.
Udo war begeistert, weil er das erste Kartoffellampentier sein wollte, dass Menschen ins Kartoffellampenland mitnahm.
„Dann los, lasst uns sofort aufbrechen!“, riefen die beiden Mädchen im Chor. Udo riss sich eines seiner drei goldenen Haare aus, berührte die beiden damit und daraufhin schrumpften sie auf einen Zentimeter Körpergröße. Auch Udo begann mit ihnen zu schrumpfen. Gemeinsam gingen sie zurück zum grünen Leuchten des Baumes und sahen dort die größten Rutschen, die in die Erde führten. Dann ging sie los, die Rutschparty. Damit sie schneller waren, klemmten sie sich einen orientalischen Teppich unter den Hintern. Als sie unten ankamen, waren alle Kartoffellampentiere mit Hausarbeit beschäftigt, so dass sie vorerst niemand bemerkte. Sie kehrten und wischten und kümmerten sich um ihre Kartoffellampentierbabys. Udo zeigte ihnen zuerst einmal den Kindergarten. Dort staunten Nachtleuchten und Sonnengold nicht schlecht: Der Kindergarten schimmerte in einem gold-lila Licht, den die Kartoffellampentierkinder mit ihren Lampenohren erzeugten. Auch Udo machte seine Ohren an. Doch seine waren knallrot wie eine Tomate. Nur die Kartoffellampentierkinder konnten gold und lila leuchten. Daran hatte Udo nicht gedacht und drum fielen nun alle Blicke auf ihn. Schnell machte er die Ohren wieder aus. Doch zu spät, man hatte die drei entdeckt. Udo musste sich ihnen erklären und sagte: „La burricum no sacco miau!“ Nachtleuchten und Sonnengold verstanden nur Bahnhof. Udo erklärte leise den Mädchen, dass das auf kartoffellampenasisch gesprochen hatte und das hieß „Ihr braucht keine Angst haben!“ Die Kartoffellampentierkinder kamen langsam auf die drei Eindringlinge zu und umkreisten sie mit ihrem lila-goldenem Licht. Nachtleuchten und Sonnengold versuchten bei den Kartoffellampentierkindern durch die Beine zu schlüpfen und zu entkommen. Doch das gelang nicht. Udo hatte eine bessere Idee: Er schaltete seine Ohren so hell wie die Sonne an, so dass alle Kartoffellampentierkinder wegschauen mussten. In diesem Moment gelang Nachtleuchten und Sonnengold die Flucht.

4 Kommentare

Ideenfunke am 27. Mai 2020

Die Geschichte ist toll! Allerdings würde ich gerne noch mehr vom Kartoffellampenland hören. Aber wer weiß, vielleicht kommt das noch. Ich würde mich freuen!

Feuertänzerin am 23. Dezember 2019

Die Geschichte ist toll und sehr fantasievoll.

Tilda am 15. Dezember 2019

Lustige Idee, wir machen so was manchmal, wenn wir wandern gehen.

Alwine am 9. Dezember 2019

Was für eine kreative Umsetzung. Großartig, eine junge Autorin auf diese Art zu fördern. Weiter so!