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Minna

Der letzte Sommer (1939)

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Der Sommer war friedlich.

Wir tranken Limonade am Tisch unter dem Weidenbaum und lebten.

Der Sommer war still.

Nachts lauschten wir dem Zirpen der Grillen und betrachteten die Sterne am Nachthimmel- Sterne wie Sommersprossen.

Der Sommer war glücklich.

Voller Badeausflüge an den grünen Fluss, voller Liegen im Sonnenschein.

Der Sommer war lieblich.

Voller Blumen und Liebesschwüre. Wir lagen im Feld, Hand in Hand und sahen zu, wie die Sonne langsam unterging und alles in ein rötliches Licht tauchte.

Der Sommer war ruhig.

Im Wald spazieren gehen, wo die ganze Welt im Grün verschwand.

Der Sommer war sorglos.

Im Garten saßen wir oft, Freunde um uns herum, und doch hatten wir nur Augen für einander.

Der Sommer ging zu schnell vorbei.

Die glücklichen Momente verschwanden in der Dunkelheit des Herbstes, sie verschwanden in der Angst.

Der Sommer blutete langsam aus.

Nur die Erinnerung blieb mir in dieser Schattenwelt.

Der Sommer verschwand.

Verschwand im Krieg, begraben von Trümmern.

Du warst mein Sommer.

Du warst mein Sommer, mir vom Krieg genommen.

3 Kommentare

Eli am 24. Mai 2020

Ein wunderbarer Text voll bildlicher Sprache und, auch ohne lang zu sein, sehr berührend. Ich finde (das ist aber nur meine Meinung, andere würden es auch ohne Folgendes fantastisch finden) er würde noch besser klingen und sich noch besser lesen, wenn du ihm einen Rhythmus gibst, die Sätze also in etwa in der gleichen Länge und im selben Takt formst. Lg

Carl Leon Benoit am 13. Mai 2020

Echt toller Text! Da hast du dir bestimmt viel Mühe gegeben.

Issu am 9. Mai 2020

Ich glaube, so einen langen Text hast du noch nicht geschrieben. Sehr schön!