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Bücheremmi

Der Traum von Eis mit Limogeschmack

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Kapitel 1

Hey, ihr da draußen, ich bin's wieder, Bücheremmi. Es ist lange her, dass ich das letzte mal hier geschrieben habe, ich bin mittlerweile 12 Jahre alt und gehe in die 7. Klasse und hatte das Bedürfnis, meine Geschichten mal wieder mit jemandem zu teilen und Feedback zu bekommen. Natürlich freue ich mich über positive und negative Kritik und werde alles tun, um meinen Schreibstil zu verbessern. Aber jetzt zu meiner Geschichte… Es geht um die 15-jährige Linn, die an starker Magersucht leidet, also alles, was in ihren Augen zu viele Kalorien hat, verweigert, bis sie den übergewichtigen Rain trifft, in ihren Augen ein totaler Loser, da er sich zu fettigen Chips und zuckeriger Limonade hinreißen lässt. Die Geschichte wird abwechselnd in Linn’s Perspektive und in der ihrer Mutter Ida erzählt, da das nochmals mehr die Hilflosigkeit der Mitmenschen von Linn veranschaulichen soll. Im Großen und Ganzen handelt es davon, wie Linn durch Rain herausfindet, dass sie nicht perfekter mit fünf Kilo weniger als andere auf der Waage ist und wie die beiden durch sich das jeweilige Glück wiederfinden. Jetzt wünsche ich euch noch viel Spaß beim Lesen und hoffe euch gefällt, was ihr lest… Liebe Grüße, Bücheremmi!

Linn:

„Pass doch auf, du Trampel!“, brüllte ich einem Jungen hinterher, der mich auf dem Weg auf den Schulhof angerempelt hatte und rieb mir die schmerzende Schulter. „Kein Wunder, dass der jeden umrennt, so wie der ausschaut…“, murmelte ich in mich hinein und sah an dem Typen hinunter, der sich noch nicht mal bei mir entschuldigt hatte, so ein Blödmann! Tatsächlich war er ziemlich, naja, wie sollte ich sagen, er war ziemlich kräftig, schien aber nichts dagegen unternehmen zu wollen, da er gerade glücklich und zufrieden grinsend eine Familienpackung Chips aufriss und sich triumphierend einen Kartoffelstreifen in den Mund schob. Ich schüttelte mich, denn das Zeug war einfach nur widerlich, genauso, wie die Orangenlimo, von der er gerade einen riesigen Schluck nahm und die Flasche seinem, ein wenig schlankerem, Freund reichte. Mit erhobenem Kinn trat ich an ihn heran, tippte ihn an der Schulter an und plapperte drauf los: „Ich sag’s nochmal, aber du hast mich gerade angerempelt und, tja, normalerweise entschuldigt man sich da, falls du’s noch nicht weißt!“ Vermutlich sah ich ihn unfreundlicher an, als ich beabsichtigt hatte und er sah mich ein wenig erschrocken an. „Sorry, wenn ich unserer kleinen Prinzessin nicht genügend Höflichkeit entgegen gebracht habe. Tut mir leid, Hoheit, kommt nicht wieder vor, das nächste Mal werde ich aufpassen, wo ich hintrete.“ Gegen meinen Willen musste ich losprusten und auch er lachte. „Tut mir leid, so sollte das nicht rüberkommen. Bist du neu? Ich hab dich hier noch nie gesehen, übrigens ich heiße Linn.“ „Ich bin Rain, willst du was?“ Übelkeit kroch in mir hoch, als ich den Inhalt der riesigen Tüte sah und ich wendete den Blick ab, bevor sich meine Ablehnung in Hunger verwandelte, so wie die vielen Male bei den gemeinsamen Abendessen zuvor. „Äh, nein danke. Ich muss dann auch los, man sieht sich.“ Schnell verabschiedete ich mich und lief in Richtung meines Spindes, um einen Schluck Wasser zu trinken, bevor mich der Appetit noch umbrachte. So gerne ich in die Tüte gegriffen hätte, mein Kopf hatte es mal wieder nicht zugelassen. ich hasste mich dafür, ja ich hasste mich wirklich.
 
Ida:
 
"Sicher, dass du nicht doch Parmesan auf deine Nudeln willst?“, fragte ich Linn zum bestimmt sechsten Mal, seit sie sich an den Tisch gesetzt hatte, doch sie schüttelte nur wieder den Kopf. „Mann, Mama! Lass mich endlich in Ruhe, ich hab sowieso keinen Hunger!“, schrie sie und sprang auf, ich konnte gar nicht schnell genug schauen, da war sie von ihrem Stuhl aufgesprungen und die Treppe hochgerast, dieses Phantombild von Mensch, denn da, wo früher mal Muskeln gewesen waren, hingen die Klamotten jetzt schlaff hinunter. Es war hart, sie einfach so aufspringen zu sehen, vor allem, da sie früher nie genug Käse auf ihre Spaghetti, nie genug Schokolade in ihrem Zimmer gebunkert haben konnte. Es tat weh zu sehen, wie aus einem einst so starken Mädchen dieses klapprige Gestell aus Knochen und einer Hautschicht, so dünn wie Papier geworden war. Und das Schlimmste war, dass nicht nur sie, sondern auch wir anderen am Esstisch an ihrer ständigen Appetitlosigkeit und den Wutausbrüchen litten, ganz besonders Linn’s kleine Schwester Gracie. Sie hatte oft versucht, Linn dazu zu bewegen, wenigstens ein Gummibärchen zu essen, hatte aber immer nur eine harte Abfuhr bekommen, denn noch nicht mal vor ihr schreckte Linn zurück. Und obwohl wir alle wussten, dass tief in ihr drinnen noch der liebevolle Mensch von früher steckte, verletzten uns ihre Anschuldigungen und das Geschrei sehr und wir hatten alle hart damit zu kämpfen. Zuerst hatten wir gedacht, dass wir es zuhause allein schaffen würden, aber das hatte sich als ziemliche Schnapsidee bewiesen, da Linn seitdem nur noch weniger aß, also hatten wir beschlossen, uns Hilfe zu helfen.
Und der Tag der Einweisung in die Klinik rückte immer näher, die Zeiger bewegten sich auf dem Ziffernblatt und die Angst um meine Tochter wurde immer größer, je weniger die Waage anzeigte.

2 Kommentare

Bücheremmi am 21. Januar 2020

An Lotte Leselust: Danke für deinen netten Kommentar, ich freue mich sehr, dass du meine Geschichte gut findest... Ja, du hast Recht, das Thema ist traurig und ich bin eigentlich auch eher ein Fan von kitschigen und lustigen Büchern und Geschichten... Allerdings ist die Welt nicht immer rosa und erfüllt nicht alle Klischees und man darf über solche Themen nicht schweigen. Liebe Grüße, Bücheremmi

Lotte Leselust am 22. Dezember 2019

O.M.G mega gut. Irgendwie traurig