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Barbara Gibas

Der Weg der Wege

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„Es gibt keinen Weg, nur gehen“ (Joachim-Ernst Berendt)

Für jeden gibt es nur einen Weg. Vor dem Weg gibt es unendlich viele mögliche Wege. Doch nur einen kann man gehen. Alles nimmt seinen Weg, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge. Wege sind Entwicklung, Wachstum. Und Vergehen.

Es gibt Pausen auf dem Weg, aber keinen Stillstand. Der Weg ist sichtbar, doch er entsteht erst im Gehen. Der Weg liegt vor einem und der Weg liegt hinter einem.
Der Weg benötigt das Gehen, sonst ist er nicht da. Er ist nur da, im Moment des Gehens, er ist Bewegung.

Man muß sich immer für einen Weg entscheiden, egal wie viele Wege es gibt. Es gibt richtige und falsche Wege. Doch ein falscher Weg ist auch ein richtiger Weg, auch wenn es einen Rückweg erfordert. Um einen Rückweg zu gehen, muß man den Weg erst beschritten haben. Das ist die Umkehr. Das gilt für den Körper genauso, wie für den Geist. Oft muß man erst einen Weg einschlagen, um zu erfahren, wohin er führt. Wenn ein Weg weit scheint, ist er doch nur immer die Distanz eines Schrittes weit.

Ein Weg ist eine Möglichkeit. Das Tier geht zur Nahrung. Die Pflanze geht Richtung Licht und Richtung Wasser, die Berge türmen sich hoch und vergehen wieder über eine Ewigkeit, die Erde entfernt sich und prallt aufeinander in Erdplatten und Kontinenten.

Einen Weg kann man verlieren und dennoch ist da ein Weg. Er wird nur nicht gesehen. Es gibt immer einen Ausweg, er muß nur erkannt werden. Und manchmal kommt man da wieder an, wo man losgegangen ist, dann ist man auf einem Rundweg.

2 Kommentare

Lana am 16. Juli 2020

Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht (was ich ohnehin schon viel tue). Herbstlichen Glühstrumpf.

Klara am 1. Juli 2020

Die Geschichte ist voll schön. Super