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Gwin

Die Uhr mit den sieben Zeigern

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Kapitel 1

Ambars Straßen waren überfüllt. Es war Markttag und überall fuhren Karren mit Äpfeln, Kohl und Karotten über die enge Straße und bogen in die nächste Gasse zum Marktplatz ein. Felicitas raffte ihr Kleid und ging die Stufen zu der dunkelgrün, hölzernen Haustür hoch. Die Gardinen des Herrenhauses waren zugezogen und auf beiden Seiten der schweren Tür stand ein kugelförmiger Busch. Ihre Tante Mathilda hatte schon immer eine Vorliebe für das Vornehme gehabt. Einige Sekunden nachdem Felicitas geklopft hatte, wurde die Kette zurückgezogen und Albert, Mathildas Buttler, lugte durch den Türspalt.

"Guten Tag, gnädiges Fräulein." lispelte er und stemmte die Tür weiter auf.

"Guten Tag, Albert" erwiderte Felicitas.


Alberts graue Haare waren zu einem kurzen Zopf zusammen gebunden, und doch sah man schon die glänzende Halbglatze durch die fettigen Strähnen durchlucken. Er trug einen grauen Frack. Etwas weiter nach vorne gebeugt als beim letzten Zusammentreffen, bat er Felicitas mit einer Handbewegung, einzutreten.


In der Eingangshalle bemerkte man überraschend wenig von der schwülen Sommerhitze, die durch die Gassen und Straßen von Ambra zog. Die Eingangshalle war fast komplett leer, bis auf einen Kleiderständer, an dem ein einsamer, grauer Mantel hing. Die kahlen Wände waren zitronengelb gestrichen und eine bemusterte, blaue Vase mit roten Mohnblumen zierte ein kahles hölzernes Fensterbrett. Felicitas konnte sich daran erinnern, schon mal etwas von Schlafmohn gehört zu haben. Den Milchsaft, der die Pflanze durchzieht, verwendete man getrocknet als Betäubungsmittel namens Opium.
Albert stand immer noch an der offenen Haustür und wartete wahrscheinlich auf Felicitas Gepäck. Als er merkte, dass wohl kein Gepäck mehr kommen würde, schloss er leise die Haustür.


"Ich bitte sie, hier zu warten, Miss" sagte er, öffnete dann eine leichtrote Tür und watschelte hinein.


Felicitas sah sich um. Sie war lange nicht mehr bei ihrer Tante gewesen und genauso lange nicht in London. Es hatte sich nicht viel geändert. Noch immer roch es stark nach Kernseife. Auch der Holzboden sah wie immer frisch gebohnert aus. Eine breite Treppe führte hinauf in den 1. Stock. Dort befanden sich die Zimmer von Mathilda, Angestellten und Gäste die öfter kamen. Im 2. Stock befanden sich eine Dachkammer und ein Gerümpelraum. Früher hatte Felicitas hier mit ihrer Mutter und ihren drei Schwestern gewohnt. Sie hatte die Dachkammer im 2. Stock bewohnt. Nur dass diese noch etwas geräumiger gewesen war. Dann waren sie aber auf ein kleines Dorf namens Endroras in der Nähe von Ambra gezogen.


"Miss Carter lässt bitten!" Albert hielt die Tür auf, in die er verschwunden war, und bat einzutreten.


Der Saloon war vollgestellt mit verschnörkeltem Krimskrams. Jede Menge Sessel reihten sich um einen kleinen dunklen Holztisch, auf dem ein einsames Teetässchen mit passender Untertasse stand.


In einem hohen, dunkelroten Sessel saß Mathilda Carter, las ein uraltes zerblättertes Buch und hatte ihre langen, dürren Beine übereinander gelegt. Ihre Füße steckten in grauen Filzhausschuhen. Sie trug einen schotten gemusterten Morgenmantel und hatte ihre braungrauen Haare zu einem Dutt hochgesteckt.

"Felicitas, schön dich zu sehen." sagte sie barsch und schaute mit ihren durchdringend, blauen Augen zu ihrer Nichte auf.

Langsam zog sie ihr rechtes Bein vom linken, schlang ihren Morgenmantel fester um sich, stand auf und streckte Felicitas ihre langfingrige Hand hin.


"Guten Tag, Tante Mathilda, ebenfalls schön dich zu sehen"  sagte Felicitas und schüttelte kurz die Hand ihrer Tante.


"Setz dich" befahl Mathilda, wies auf den Sessel ihrem gegenüber und setzte sich ebenfalls wieder.


"Hast du vor, länger zu bleiben?“ Mathildas Gesichtszüge waren streng, doch konnte sie trotzdem eine sehr nette Dame sein.


"Nein ich habe nicht vor hier zu übernachten, trotzdem werde ich bis 18 Uhr hier bleiben."

Felicitas lächelte leicht, doch ihre Tante erwiderte diese Höflichkeit nicht.


"Schade, ich hatte gehofft, ich hätte diesmal die Ehre, dich mal länger als einen Tag hier zu behalten. Tee?"


"Nein danke, draußen ist es sehr warm, aber einen Apfel würde ich liebend gerne nehmen."

Mathilda reichte Felicitas einen der Äpfel, die in einer Porzelanschale auf dem Tisch standen und lehnte sich dann wieder in ihren Sessel zurück.


"Und was führt dich für so kurze Zeit nach Ambra?“ fragte Mathilda und beugte sich vor, um einen Schluck Tee zu trinken.


"Ich muss für Mr. Willson etwas besorgen."

"Wer ist das? Kann er seine Botengänge nicht selber machen?"


"Nein, er ist krank und noch sehr schwach. Mr. Willson bezahlt sehr gut, musst du wissen."

Mathilda nippte noch ein letztes Malan ihrem Tee, lehnte sie sich wieder zurück und fragte ihre Nichte: "Und was genau sollst du kaufen?"


"Eine Uhr, eine Uhr mit 7 bronzenen Zeigern und einer mit Mustern verzierten goldenen Hülle. Er meinte, sie könnte im Woods’ Wonderfuls zu finden sein. Ich schätze du weißt, wo man es findet?"


"Oh, Woods‘ Wonderfuls, ja natürlich, der Inhaber soll wohl ein bisschen verwirrt sein. Albert wird dich hinbringen."


Mathilda nahm eine Glocke von einem samtenen Kisschen, das neben ihrem Stuhl auf einer Kommode stand, und ließ seinen überaus schönen Klang durch das alte Gemäuer schallen. Sofort kam Albert, mit einem benutzten Geschirrhandtuch über der Schulter durch die Tür gewatschelt und lispelte: "Sie wünschen, Miss Carter?"


"Bitte geleiten sie meine Nichte zu Woods‘ Wonderfuls. Aber ohne dieses schmuddelige Handtuch" fügte sie hinzu, als Albert mit Handtuch zur Tür eilte.


Die schwere Tür knarzte leise als Albert sie hinter sich zuzog. Er kannte sich gut in Ambra aus. Jede Gasse, jede Straße in der Umgebung des Hauses hatte er schon einmal gesehen. Er war alt und nicht mehr schnell genug. Oft stolperte er über einen zu großen Stein oder einen faulen Apfel. Sie hätten die Kutsche nehmen können, doch am Markttag war das keine gute Idee. Es hätte bei den vielen Kutschen und Wagen länger gedauert als zu Fuß. Manche Leute, die keinen Innenhof besaßen, ließen ihre Schweine und Pferde tagsüber im Stall. Weshalb es in den ärmeren Stadtteilen oft ekelerregend stank. Doch jetzt waren sie in den reicheren Vierteln und sobald man an einer wohlhabenden Bäckerei vorbeikam sog jedermann gierig den Duft von frischgebackenem Brot und frischen Pasteten ein.

"Der Palast." hauchte neben Albert Felicitas und blieb ehrfü,rchtig stehen. Und ja da war er, der Palast der Königsfamilie. Auf dem Hügel. Und ganz Ambra reihte sich um ihn. Hoheitsvoll ragte das alte Gemäuer in die Höhe. Die Zinnen und Türme glänzten in der Nachmittagssonne und die bunten Fenster schimmerten überheblich. Nur der Palast und die wohlhabenden Häuser besaßen Fenster. Der Nordturm war der höchste von allen Türmen. Auf seiner Spitze saß ein bronzener Wetterhahn. Vor dem schmiedeeisernen Eichentor standen 4 Soldaten und alle fünf Minuten patrouillierten acht weitere. Von dort oben herrschte König Aidrian bis hinüber zu den grünen Bergen, wo Flinsland begann. Albert setzte sich wieder in Bewegung und bog um die nächste Straßenecke. Genau gegenüber vom gesuchten Laden blieb er stehen.


Woods‘ Wonderfuls war ein schöner Laden. Die Tür war weinrot gestrichen und die Schaufenster waren vollgestellt mit altem verschnörkeltem feinen Zeugs. Mr. Wood musste also viel verdienen. Über dem Türrahmen hing ein schräges Schild mit der Aufschrift: Woods‘ Wonderfuls Inhaber: Harris Wood.

"Hier ist es Miss. Ich werde hier draußen warten." krächzte Albert.

Felicitas nickte und öffnete die Tür zum Laden. Eine leise Glocke ertönte, verschiedene Vogelstimmen krächsten und ein kleiner, rundlicher Mann kam durch eine Hintertür in den Raum gewuselt. Er hatte nicht wie alle Männer ein Jackett und eine Anzugjacke an, sondern eine braune, kratzige Bluse, eine knielange rote Hose, einen hellblauen Umhang mit Zipfelmütze, einen hohen schwarzen Zylinder und Schuhe, die aussahen als wären sie aus Schuppen, an.

"Was darf ich fü sie tun, Miss?" fragte er mit einer überraschend hohen Stimme.

Die dunkelbraunen Strähnen, die unter dem Zylinder hervorschauten, glänzten fettig wenn er in die Sonne trat.


"Ich werde mich erst einmal hier umsehen, wenn ich darf?" erwiderte Felicitas und schaute sich im Laden um.


An der Decke des hohen Raumes hingen große, kleine, enge und breite Käfige. In jedem saß ein sonderbares Tier: eine Mischung aus Vogel und Nagetier, mini Drachen und mehr. Auf dem Boden standen verschnörkelte Tische, Stühle, Kommoden und Schränke, die mit kleinen Geräten bedeckt waren. Felicitas ging zu einem kleinen olivbraunem Tisch, auf dem eine ganze Reihe von uhren- bis kompassartigen Geräten drapiert waren. Die Türglocke läutete ein zweites Mal und ein großer hagerer, ungefähr 14 Jahre alter Junge betrat mit langen Schritten das Geschäft. Er hatte rote lange Haare, grinste überheblich und trug genauso seltsame Sachen wie Harris Wood. Dieser kam hinter dem Tresen hervor geschossen und begann sofort, wie eine wütende Amsel auf den Jungen loszuschimpfen.

"Leen, Leen, verlasse sofort meinen Laden. Wie oft habe ich deiner Mutter schon gesagt, dass ich keinen von euch dreckigen Bengeln jemals am Hals haben will und kaum verlässt sie unsere Welt, so kommt ihr auch schon fast jeden Tag um mich wegen Geld anzubetteln." schrie er den Jungen an und stach ihn mit seinem kurzen, dicken Finger bei jedem zweiten Wort an die Brust. (höher wäre er eh nicht gekommen, da er dem Jungen gerademal bis dorthin reichte)

Der Junge lächelte immer noch und Wood schaute mit einem kurzen, forschenden Blick zu Tür. "Oh, ein Wunder ist geschehen, du hast deinen lausigen kleinen Bruder mal nicht mitgebracht. Hast wohl bemerkt, dass mich die kleinen Hundeaugen nicht bestechen können. Und oho hast wohl auch mal bemerkt, dass du aussahst wie ein Straßenköter und hast dir mal neue Sachen geleistet. Schön und gut, jetzt verschwinde, du lausiger Bastard."

Letztes zischte er bedrohlich leise und nickte mit dem Kopf zur Ladentür.


"Ich bin nicht hier um zu betteln. Nein, du hast recht, damit habe ich schon längst aufgegeben. Ich bin hier um etwas zu kaufen." sagte der Junge namens Leen.

Die Hand des Ladenbesitzers (sie lag immer noch auf Leens Brust) erschlaffte, bis er sie vollends von dem Jungen zurückzog.


"Oh, ähm, ja, das ist natürlich etwas anderes." sagte Harris peinlich berührt und watschelte wieder zu seinem hölzernen Tresen zurück.


Dann schaute er sehr unbehaglich zu Felicitas herüber, um zu schauen ob sie wirklich nichts mitbekommen hatte. Diese senkte schnell den Blick wieder den Kompassen zu, die den kleinen Tisch bedeckten. Silberuhren, verzierte Uhren, Kompasse mit acht Zeigern und noch mehr, aber im ganzen Laden entdeckte Felicitas keine Uhr mit sieben bronzenen Zeigern. Nur einen Tisch hatte sich Felicitas noch nicht angesehen. Er war klein, aus Ebenholz und auf ihm thronte eine große Glasvitrine. Eigentlich hatte Felicitas gleich am Anfang zu dem Tisch gehen wollen aber dann hatte sie es sich anders überlegt. Hinter sich hörte Felicitas jemanden fluchen und drehte sich um. Leen stand vor einem Vogelkäfig, in dem ein lila mini-Drache saß, und rieb sich die Stirn.


"Diese doofen Woffys. Müssen immer in ihrem Käfig rumtoben"


Felicitas lächelte. Große, karamellfarbene Augen schauten zornig durch die Gitterstäbe und die schuppige Haut glänzte lila und zinnobergrün in der Nachmittagssonne.
Leen schubste den Käfig mit Absicht an, sodass der Woffy da drin wütend fauchte.
Dann ging er geradewegs an Felicitas vorbei zu dem kleinen Tisch aus Ebenholz. Kurz blieb er davor stehen, dann öffnete er die Vitrine und holte etwas Goldenes heraus.
Felicitas streckte sich um einen Blick auf das goldene Etwas zu werfen, doch Leen war zu groß.


"Da haben wir sie ja" sagte er laut, und man hörte es seiner Stimme, dass er lächelte.
Er hob das Etwas in die Sonne, um es sich besser anzuschauen und hob es dabei genau in Felicitas Blickfeld.


Es war eine Uhr. Sie leuchtete golden in der Nachmittagssonnne. Viele verschnörkelte Ziffern reihten sich auf dem beigefarbenen Zifferblatt und sieben bronzene Zeiger standen still und leuchteten geheimnisvoll.

Es war die Uhr.


Die Uhr mit den 7 bronzenen Zeigern.

Kapitel 2

Endlich hatte er sie gefunden. Die Uhr mit den 7 Zeigern und der goldenen, verzierten Hülle. Hinter ihm stellte sich das Mädchen mit den orangenen Locken auf die Zehenspitzen. Was wollte sie? Schnell steckte Leen die Uhr in seine Brusttasche der braunen Leinenbluse und drehte sich um. Rotlocke stellte sich schnell wieder ordentlich hin und wendete den Blick einer dunklen Kommode mit verschiedenen Vogelkäfigen zu. Sie hatte sich auch nur die Tische mit Uhren und Kompassen angeschaut. Was, wenn sie auch von Mr. Willson geschickt wurde um die Uhr zu finden? Leen brauchte aber das Geld. Simarina, die Großtante der beiden Jungen, hatte sich zwar bereit erklärt, sich um Benn zu kümmern, aber Leen hatte sie abgewiesen wie einen räudigen Hund.


"Hau ab Junge, du bist alt genug um, um dich selbst zu sorgen." hatte sie Leen angefaucht und dann noch etwas von wegen schlechtem Einfluss auf Benn gemurmelt. Überall im Laden war es bis auf den kleinsten Fleck vollgestellt. Mr. Wood war es immer noch unbehaglich. Er kauerte sich hinter seinen Tresen als wüde gleich ein Gewitter losdonnern.

"Diese Uhr hier bitte“ sagte Leen, zog die Uhr aus der Brusttasche und legte sie auf den Tisch.


"Ja, ja. Aber seit wann hast du so viel Geld, dass du dir so ein Schmuckstück leisten kannst.“ fragte Wood neugierig aber kleinlaut.


"Is nicht meins. Ich soll sie besorgen. Ich denke, du kennst Mr. Willson?"

Leen lächelte schief und lehnte sich lässig gegen den Tresen. Jemand räusperte sich. Hinter ihnen stand das Mädchen.


"Was?" fauchte sie.

"Was starrst du mich denn so an?" fauchte Leen zurück.


"Was willst du mit der Uhr?"

Also doch. Sie suchte also auch nach der Uhr.


"Nichts. Wie gesagt, sie ist nicht für mich, sondern für einen alten kranken Mann."

"Für Mr. Willson?" Sie zögerte und schob ihre Locken hinter ihre Schulter.


"Er hat mir den gleichen Auftrag gegeben. Aber du bist mir um einige Sekunden zuvor gekommen." sagte das Mädchen endlich.

"Gut, gut Ruhe jetzt." meldete sich Mr. Wood und wandte sich dann nur Leen zu.
"Das macht 18 Travers und 3 Genzos" lächelte er.

Wahrscheinlich war er froh mal wieder ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Doch Leen schaute im Gegensatz mürrisch zu ihm hinunter, sodass Mr. Wood fast zu schrumpfen schien.


"Aber was willst du jetzt mit der Uhr? Warum will Mr. Willson sie überhaupt?" fragte Felicitas.

"Keine Ahnung, woher soll ich das wissen. Jetzt lass mich in Ruhe" fauchte Leen.

Er musste so schnell wie es ging los nach Versons’ Villes. Schnell legte er 18 Travers auf den Tresen und stürmte so schnell wie es durch all dieses Gerümpel ging nach draußen.

"Hey, das gibt noch 3 Genzos." rief Mr. Wood ihm hinterher, aber das hörte der davonstürmende Leen nicht mehr.

Er rannte. In 5 Minuten fuhr die Postkutsche nach Endroras. Und in diesen 5 Minuten musste er es noch zur Station schaffen, was schier unmöglich war. Leen rempelte einen hochgewachsenen Jungen und einen feinen Schnösel mit perfekt gebundener Krawatte an. Letzterer schrie ihm noch ein paar wüste Beschimpfungen hinterher, die Leen aber weise ignorierte. Es war nicht gerade einfach sich durch die Menschenmassen hindurch zu schlängeln und aufzupassen, niemanden an zu rempeln.

"Hey, halt" rief jemand hinter ihm.

Die Stimme war keuchend und hörte sich erregt an.


"Stopp. Halt an. Bitte" schrie die Stimme wieder, aber Leen ignorierte sie und schlängelte sich weiter durch die Menschenmassen.

Wem gehörte diese Stimme? Für einige Sekunden dachte Leen daran stehen zu bleiben, entsann sich aber noch einmal und rannte umso schneller weiter.

"Halt!" schrie die Stimme abermals. "Hey du. Du hast etwas verloren."


Abrupt griff Leen an seine Brusttasche. Da, wo eigentlich die Uhr hätte sein sollen, war nichts. Die Uhr war weg. Abrupt blieb er stehen. Die alte, dicke Dame, die ihn anrempelte und drauf auf ihn los schimpfte, ignorierte er genauso wie den Bäcker, der vor Schreck fast seinen Brotkorb fallen ließ. So blieb Leen steif stehen, bis sich eine warme Hand auf seine Schulter legte und warmer, schneller Atem seinen Hals streifte.


"Endlich" sagte eine jungenhafte Stimme neben seinem Ohr.

Leen wandte sich um, sodass er seinem Verfolger genau in das sommersprossige Gesicht schauen konnte. Der hochgewachsene Junge hatte braunes mittellanges Haar, das in wilden Locken auf seine Schulter fiel. Seine Augen funkelten Indigoblau und sein Körper steckte in einer weißen Bluse über die eine rote, abgewetzte Weste gestreift war und die Beine steckten in einer kurz geschnittenen, blauen Hose.


"Was? Schau mich nicht so an. Jedenfalls habe ich hier deine Uhr. Sei froh dass ich sie dir gegeben habe. Ich hätte sie auch einfach mit nach Hause nehmen können. Sonderbares Teil. Hab noch nie so eine komische Uhr gesehen. Bestimmt aus Krocksly oder von Harris." plapperte er und musterte sogleich Leen von oben bis unten.

Dann schob er seine Hand in die linke Westentasche und zog die Uhr heraus. Leen griff schnell danach, murmelte ein Dankeschön und wollte schon wieder in den Menschenmassen verschwinden, als der Junge ihm am Arm zog.


"Hey, du musst achtgeben. Dort hinten war so ein komischer dicker Mann," er fuchtelte mit der linken Hand in die Richtung aus der er gekommen war, "der dir hinterher gerannt ist und als du mich angerempelt hast, ist dir die Uhr dir aus der Brusttasche gefallen genau vor meine Füße.“ Er nickte mit dem Kinn zum Boden.


"Dieser Dicke jedenfalls wollte sie aufheben, doch ich war schneller. Wenn Blicke töten könnten läge ich jetzt tot auf dem Bürgersteig. Naja, so ein braunhaariger dicker mit grauer Hose. Gut, ich glaube ,das interessiert dich keinen Deut. Naja, ich bin übrigens Oliver Scrott. Und du?"

Der Wasserfall der Wörter versiegte und jetzt schaute Oliver Scrott Leen aufmerksam an.

"Leen, ich heiße Leen." sagte er und rang sich ein bedankendes Lächeln ab.


Es war zu spät. Jetzt war die Postkutsche höchstwahrscheinlich schon längst aus London heraus auf dem Weg nach Endroras. Mr. Willson musste sich noch ein paar Tage gedulden. So schnell würde Leen es nicht mehr zu ihm schaffen.


Als Leen vor dem Haus der Freundin seiner Mutter ankam, versank die Sommersonne im Dämmerlicht. Ein kühles Blau zog durch die Gassen und Straßen Londons und verbannte die schwüle Sommerluft teilweise aus Ambra. Brigitta wohnte mit ihrer kleinen Tochter am Rande der großen Stadt, sodass ihnen ein kleines Stück Garten zu Teil wurde. Gabriella saß auf der Treppe zu dem kleinen Haus und naschte frische Erdbeeren. Ihre blonden Locken standen struppig vom Kopf ab und der kleine Mund war durch die Erdbeeren röter als sonst. Sie war nicht älter als fünf Jahre, doch beherrschte schon zwei weitere Fremdsprachen. Als sie ihn kommen sah sprang sie freudig auf und hüpfte auf ihn zu.


"Da bist du ja" jauchzte sie und zog Leen fröhlich auf ihr Haus zu.


"Christina war auf dem Markt und hat schon den Tisch gedeckt. Es gibt frisches Brot und Käse."


Sie nahm die Schüssel mit den gezuckerten Erdbeeren von den Stufen und zog Leen zum Gartentor hin. Es war hölzern braun und sah sehr zerbrechlich aus. Tatsächlich war der Tisch unter dem Apfelbaum bedeckt mit frischem Gemüse, Käse und Brot. Am Apfelbaum hingen junge, grüne Äpfel. Brigitta saß auf einer Decke auf der grünen Wiese und las ein Buch. Ihre blonden Haare fielen in weichen Wellen in ihr Gesicht während ihr Nacken über das Buch gebeugt war. Der Garten war wunderschön. Er war zwar klein aber leuchtete trotzdem in allen Farben. An der Wand des Hauses reihten sich rosa bis weinrote Stockrosen und am Gartenzaun leuchteten die orangen Ringelblumen. Gleich neben dem Haus wuchs der große Apfelbaum. Er spendete Schatten und Äpfel. Aus der Hintertür des Hauses kam Christina mit einer Wurst gelaufen. Ihr Kopf war noch rot von der Hitze und ein paar Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Christina arbeitete viel, während der eigentliche Hausmeister tagsüber öfters wegblieb.


"Leen ist da" rief die kleine Gabriella mit ihrer hohen Stimme. Brigitta hob langsam den Kopf, sodass man ihr schönes Gesicht erkennen konnte. Ihre Haut war glatt und ihre Augen leuchteten zinnobergrün.


"Leen, schön dich zu sehen. Du kommst gerade richtig. Christine hat schon den Tisch gedeckt." sagte sie mit einer weichen Stimme.

Sie nahm Christine die Wurst ab und legte sie auf ein Brett. Beide waren ungefähr im gleichen Alter. Christines dunkelbraune Haare formten einen wundersamen Kontrast zu ihren himmelblauen Augen. Gabriella hatte Leens Hand noch nicht losgelassen, zog ihn zum Tisch hin und setzte sich neben ihn.


"Was hast du heute so gemacht?" fragte die Kleine neugierig, während sie nach einer frischen Scheibe Brot griff.

Doch um diese Antwort kam Leen herum, da gerade der eigentliche Hausmeister den Garten betreten hatte. Blondweiße, lange Haare fielen ihm in den Rücken und die kleinen grauen Augen funkelten angriffslustig, als hätte er gerade etwas über den Durst getrunken. Seine Gesichtszüge waren hart, aber seine Haut war glatt.


"Guten Tag" sagte er nun und gesellte sich zum Tisch. Er reichte Leen die Hand und stellte sich vor.


"Ich bin Jack Princeps und du bist Leen nicht wahr?"


Leen nickte. Woher wusste Jack seinen Namen?
Nun nahm Jack gegenüber von Leen, neben Christine Platz.

"Jack, wo warst du heute wieder? Warum bist du so oft weg? Wenn das so weiter geht, muss ich dich entlassen" sagte Brigitta mit einem anklagendem Tonfall der so gar nicht zu ihr passte.


"Bevor ich gegangen bin habe ich das Stroh auf dem Dach gerichtet, die Rosen gestutzt und Holz für das Küchenfeuer reingetragen. Alles was ich als Hausmeister machen muss." verteidigte sich Jack und griff nach einer Scheibe Brot.


"Aber wenn das falsch ist, bitte ich dich mich zu entschuldigen. Ich bin ja noch nicht lange hier." Er beschmierte sein Brot mit Käse.

"Seit wann bist denn schon hier?" fragte Leen.


"Ach vier-fünf Tage. Und du?"

"Drei und in denen habe ich dich nicht einmal gesehen. Du musst wirklich oft weg sein. Aber das war ich ja auch."


Leen stieß mit seinem Ellenbogen gegen einen Bronzebecher und dieser fiel zu Boden. Christine stieß einen Erschreckens Laut aus. Schnell rutschte Leen zu Boden, um den Becher zu holen. Und dann ging alles so schnell. Alle schauten unter den Tisch, während Leen nach dem Becher griff. Doch dann rutschte etwas aus seiner Brusttasche und fiel zu Boden. Die Uhr. Sie leuchtete hell im Dämmerlicht. Aller Blick haftete auf ihr. Auf der Uhr mit den sieben Zeigern. Es durfte niemand anderes von ihr erfahren. Das hatte Mr. Willson Leen eindeutig eingeschärft. Doch nun war es geschehen.


Noch immer roch es in der Dachkammer muffig. In manchen Ecken schimmelte es leicht und kalte Luft zog sich durch kleine Ritzen im Dach. Die Bettdecke auf dem kleinen Bett war zurückgeschlagen und ein Wasserkrug stand neben der Waschschüssel auf dem Nachtschrank. Christine musste also sein Bett gemacht haben. An der Dachschräge schlug Leen sich immer den Kopf an. Er ließ sich auf das Bett sinken und holte die Uhr aus seiner Brusttasche. Die Ziffern auf dem beigefarbenen Zifferblatt waren alt und fremd. Noch nie hatte Leen so welche Ziffern gesehen. Langsam strich er mit dem Daumen über der Glas. Nicht das leiseste, gleichmäßige Ticken war zu hören. Alle sieben Zeiger standen still an ihrem festen Platz. Das war nicht gut. Die Uhr musste Ticken. Die Zeiger mussten sich gleichmäßig bewegen. Doch das taten sie nicht. Die Uhr gab nicht mal das leiseste Tick von sich. Es würde Mr. Willson gar nicht gefallen, wenn Leen eine kaputte Uhr zu ihm brachte.
Doch was wollte er eigentlich mit der Uhr? Warum genau diese? Es gab da doch so viele schöne Uhren in dem Laden und Wood hatte auch nicht den Eindruck gemacht, dass er gerade etwas Wertvolles verkaufen. Die Uhr hatte immerhin nur 18 Travers gekostet. Das war nicht gerade viel. Aber Willson hatte noch eine zweite Person beauftragt die Uhr zu finden. Wenn nicht noch mehr. Wieder begutachtete Leen die Uhr. Wenn sie Mr.Willson so wichtig war, sollte Leen ihm von dem Schaden berichten. Also steckte er die Uhr in eine Ritze im Strohdach und machte sich auf den Weg nach unten, um nach einem Bogen Pergament und Tinte zu fragen. Im 2. Stock war es düster, sodass man nur die Silhouette seiner eigenen Hand erkennen konnte. Doch der Saloon war hell erleuchtet. Die schwere Lärchenholztür quietschte leise als Leen sie aufmachte. Brigitta saß mit Christine und Jack im Saloon bei Tee. Der ganze Raum war ausgefüllt mit einem wohligen Geruch nach Pfefferminztee und Anisplätzchen


"Leen, es ist bald zehn. Warum bist du noch nicht zu Bett?" fragte Brigitta anklagend.

"Ich muss noch einen Brief schreiben. Hast du etwas Pergament für mich?" fragte Leen und strich sich eine rote Strähne aus dem Gesicht.


"Ja natürlich. Aber sei vorsichtig mit der Kerze ja? Nicht dass du uns noch das Haus abbrennst.“ sagte sie, legte ihr Strickzeug beiseite und erhob sich aus ihrem Sessel.

Jack machte Anstalten es ihr gleich zu tun doch besann sich wieder und sank zurück auf seinen Stuhl. Der Saloon war schlicht bestückt. Vier Sessel reihten sich um einen kleinen, dunkelbraunen Tisch, aus der Wand ragte ein einfacher Kamin und an der Wand zum Garten stand eine einsame Kommode. Jack beugte sich über seine Rückenlehne auf Leen zu und warf sein blondweißen Haare in den Nacken.


"An wen soll er den gehen?" sagte Jack mit seiner besonderen Stimme. "An Mr. Willson, aber ich denke nicht, dass du ihn kennst“ antwortete Leen in ganz normaler Lautstärke. Christine schaute ihn mit gerunzelter Stirn an.


Jacks graue Augen blitzten belustigt. Er setzte sich wieder normal hin und ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht.

"Oh, doch den kenn ich. Den kenn ich sogar richtig gut." Jetzt lächelte er unverhohlen selbstgefällig. "Hier, das Pergament, Feder und Tinte. Aber wie gesagt pass gut mit der Kerze auf.“

Brigitta war aus ihrem Arbeitszimmer wieder gekommen und lächelte Leen ins Gesicht. Dann auf einmal bildeten sich Tränen in den zinnobergrünen Augen. Brigitta hob zögernd die Hand und strich Leen über die roten Haare.


"Du siehst ihr so unendlich ähnlich, weißt du?" schluchzte sie leise. "Die Augen, die Haare..... Ich vermisse sie so. Ich vermisse ihr Lachen...die Ausflüge zur Rende, alles."

Schluchzend ließ sie sich in ihren Sessel fallen. Leen wollte gerade den Mund öffnen um zu antworten als sich wieder Jacks Stimme meldete. Und wieder waren seine Lippen nur aufeinander gepresst. Das schwache Lächeln war verschwunden und Jack schaute Leen verbissen an.


"Geh, Leen. Lass sie in Ruhe. Sag es ihr nicht, das bringt sie nur noch mehr auf, geh!"

Brigitta schluchzte und schaute Jack wütend an.


"Mein lieber Jack, du bist zwar ein Freund von Berend aber ......."

Wieder schluchzte sie. Jacks Lippen wurden weiß, weil er sie so doll aufeinander presste.


"Ach es tut mir so leid, ich weiß doch, dass du es nur gut meinst."


Leen griff nach dem Pergamentbogen, der Feder und der Tinte und machte sich auf den Weg nach oben in seine Dachkammer. Als er hinter sich die Saloon Tür schloss, hörte er noch das leise klägliche Schluchzen von Brigitta. Seine Mutter und Brigitta waren befreundet gewesen. Eine Zeit lang hatten die Familien in einem großen Haus zusammen gelebt. Abends hatten sie zusammen gesessen und gewebt oder gestrickt.
Oft hatte man ihr Lachen noch bis in den Schlafraum gehört. Berend und Blues saßen dann in einer Schenke und verbrachten ihre Zeit mit Spieleabenden unter Freunden. Einmal in der Woche waren sie an der Rende picknicken gegangen oder hatten einen Ausflug in die Umgebung gemacht. Aber dann war Blues an Limpinose erkrankt und Leen hatte seinen Vater verloren. Nimphora zog mit Leen und Fineas nach Asalden und Brigitta nach Ambra. Und, dann.... dann. Dann vor 1 ½ Jahren ging seine Mutter. Begann den tiefen unendlichen Schlaf im kühlen Schoß von Mutter Erde.


Die Treppenstufen knarzten leise unter Leens schweren Schritten. Oben in seiner Kammer brannte noch die Kerze von vorhin. Ihr Flämmchen flackerte fröhlich in der drückenden Dunkelheit der Dachkammer. Unten ging ein Licht an. Schlurfende Schritte gingen Richtung Bad. Leen seufzte und ließ sich auf das Bett sinken. Aus dem Bad hörte man das Platschen von Wasser aus einem Eimer in den Badezuber. Anscheinend genehmigte sich dort jemand ein Bad. Ein matter Luftzug wehte durch das Zimmer und ließ die Kerze flackern. Dann heulte ein größerer durch die Morschen Ritzen und Spalten. Noch einmal flackerte die Flamme auf bis sie endlich erlosch. Dunkelheit breitete sich in dem kleinen Raum aus. Jetzt konnte er üben. Das anwenden was er von Mercedes gelehrt bekommen hatte. Leen setzte sich aufrecht hin und streckte seine Hand aus. Er wandte die Magie an. Zögernd griff er nach der erlöschenden Energie der Kerze und rieb sie zwischen Zeigefinger und Daumen. Nichts passierte. Nochmal. Und dann flackerte das Licht der Kerze neu auf und erhellte den Raum wiederrum.


Mercedes hatte es ihm beigebracht. Diese Art von Magie. Mercedes die Zigeunerin. Eines Tages waren sie gekommen und hatten am Rande des Waldes eine Wagenburg gebaut. Die Kinder hatten gelacht und geschrien. In der Mitte stand immer der große Kessel in dem Mercedes so oft gerührt hatte. Bei ihr hatte Leen so vieles gelernt. Flinesisch, Tanzen und die Sprache vom Volk hinter den grünen Bergen. Oft hatte das ganze Dorf zusammen im Zigeunerlager um das Lagerfeuer gesessen, die frischen Fladen von Hevias der Bäckerin gegessen, gesungen, getanzt und den alten Geschichten von Gregoria gelauscht. Es war so schön gewesen. Jestes spielte Ukulele, Kenzian trommelte und Astaria sang. Doch dann waren sie weitergezogen. Eines Morgens war der Platz leer gewesen nur die Asche der Feuerstelle hatte einsam geraucht.

Kapitel 3

Der Waldweg war uneben. Immer wieder wurde Felicitas nach oben gestoßen und knallte letztendlich unsanft auf die harte Bank zurück. Mist. Mist. Mist. Die Uhr war vor ihr von jemand anderem gefunden worden. Dabei hatte sie ihrem Onkel versprochen, sie würde die erste sein. Sie würde die sein, die ihm die Uhr in die Hand legte. Sie hatte es ihm versprochen.

Jose Willson, ihr Onkel. Sie hatte ihn geliebt. Angeln, Jagen, Reiten. All das hatte sie von ihm gelernt. Er war ihr bester Freund gewesen. Sie wollte nicht das Mädchen sein, was zu Hause saß und strickte und kochte. Nein sie wollte hinaus ziehen in die große weite Welt. Sie wollte Abenteuer erleben. Er hatte es ihr versprochen eine Reise mit ihr zu machen. Mit einer wichtigen Mission. Doch dazu war es nie gekommen. Jetzt lag er sterbenskrank in seinem Bett und wartete auf die Uhr.

Felicitas stöhnte und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Limpinose ging um und niemand konnte etwas dagegen tun. Der schwache Lichtschein der Laterne, die hinten an der Kutsche hing, hüpfte von einem Platz zum anderen.

Er würde bald sterben. Niemand war dann mehr da der sie verstand. Eine heiße Träne kullerte ihre Wange hinunter und tropfte auf die schlecht gepolsterte Bank der Postkutsche. War es eine Träne aus Trauer um ihren Onkel oder aus Selbstmitleid? Beides. Es war eine Träne von beidem. Eigentlich weinte sie nie nicht einmal wenn sie vom Baum fiel, doch jetzt wo sie es tat merkte sie, wie erleichtert es für sie war. Alleine. Felicitas schniefte. Für die anderen Mädchen war sie verrückt. Sie war für sie eine Wilde. Mit ihren ungekämmten verzottelten und verfilzten Haaren. Eine Wilde. Jedes Mädchen, das Sommersprossen hatte überpuderte sie nur Felicitas nicht. Jedes Mädchen........ nur Felicitas nicht. Auf einmal war sie wütend. Auf den bekloppten Jungen, der ihr die Uhr gestohlen hatte, auf ihre Tante, auf ihre Mutter, ihre Schwester, auf ihre Lehrerin und letztendlich auf sich. Einfach auf alle. Sie sprang auf. Noch eine heiße, salzige Träne fand den Weg nach draußen.
„Warum?“ schluchzte sie.
„Warum? Es war sein letzter Wunsch an mich gewesen.“ Sie verbarg das Gesicht in den Händen. Bald war er tot. Ihr einziger Freund. Weg... Für immer.

Außerhalb der großen Stadt war es am Morgen von Leens 5. Aufenthaltstag in Ambra kühl. Ein kleines Lüftchen wehte vom Wald her. Der Sandweg, auf dem er ging ringelte sich an den Feldern und Wiesen vorbei in Richtung Wald. Nein, er war nicht falsch, denn genauso hatte es Jeel beschrieben. Ein heller Streifen breitete sich am Horizont aus und man sah schon eine halbe, hellrote Sonne. Auf dem Gras hatten sich kleine Tautropfen gebildet. Weit am Rande der Stadt in der Nähe vom Wald sollte das kleine Anwesen liegen, das Jeels Eltern gehörte. Er hatte Leen den Weg erklärt bevor Leen zu Brigitta gegangen war. Dieser hatte noch eine Viertelstunde warten müssen bevor die Wächter am Tor der Stadtmauer ihren Posten bezogen hatten und ihn durchließen. Jetzt tat es gut früh am Morgen barfuß durch das taufrische Gras auf den Wald zu zu schlendern, die frische Luft einzuatmen, die so anders als die stickige Stadtluft war. Leen zog die frische Luft gierig ein. Er lief schneller. In der Ferne erkannte Leen ein kleines Anwesen. Ein hübsches Haus mit hohem Giebel und einem morschen Vordach. Auch so war fast alles hölzern und etwas Morsch. Ringsherum wucherte Heidekraut. Ein großer Garten in dem Tomaten, Kartoffeln, Karotten, Pfefferminze, Salat, Radieschen, flinesische Heilkräuter und noch vieles mehr angebaut wurde. Weiter hinten stand eine große Scheune. An manchen Stellen fehlte das Stroh, sodass es dort wahrscheinlich durchregnete. Vor der Scheune standen ein steinerner Wassertrog und ein Wagen auf dem Holzkisten mit Salat geladen waren. Der Hof war leer bis auf eine Leiter die quer über dem Hof lag und ein paar Hühner die gackernd aus der Scheune gelaufen kamen.
Leen ging bis unter das Vordach. Als er dort keine Glocke fand klopfte er.
Nichts passierte. Leen klopfte nochmal. Wieder nichts. Er drückte die Klinke. Doch die Tür war verschlossen.
„Hallo?“ rief er so laut er konnte.
Jetzt hörte er etwas. Ein Stöhnen. Oder ein war es ein Gurgeln gewesen.
„Hallo?“ schrie Leen.
„Wo sind sie? Kann ich ihnen helfen. Hallo?“ Leen sprintete um das Haus herum um nach einer anderen Tür zu suchen.
„Hey ist da jemand?“ schrie er nochmal in der Hoffnung der jemand der den Laut von sich gegeben hatte würde es nochmals tun. Da eine Tür. Er rannte darauf zu und drückte den Knauf nach innen. Entweder war sie verschlossen oder sie klemmte. Leen hämmerte dagegen.
„Hallo?“ schrie er noch mal.
Da. Da war es wieder dieses gurgelnde Stöhnen. Es kam eindeutig aus dem Haus. Leen schaute sich das Haus an. Da fiel es ihm ein. Dass das Haus keine Fenstergläser haben konnte. So wohlhabend hatte Jeel nicht ausgesehen. Leen ging noch einmal um das Haus herum. Da war ein Fenster. Ein Küchenfenster. Es war mit Stroh ausgestopft gegen die Hitze. Leen riss das Stroh heraus, zog sich den Sims hoch und kletterte durch das Fenster.

Als er vom Sims spring landete er in einer Küche. Von den Balken hingen flinesische Kräuter und Schinken zum Trocknen. In einer Ecke stand ein Brotbackofen, daneben wurde Brennholz gelagert und in einer Ecke des Raumes war eine Feuerstelle. An den Wänden standen Regale und Schränke an denen allerlei getrocknete Früchte und Fleisch in langen Ketten angebunden waren. In ihnen lagerten hölzerne oder getöpferte Schüsseln, Töpfe, Kannen, Besteck oder Becher. In der Mitte des Raumes stand ein großer, hölzerner Tisch. Um ihn herum standen drei Stühle und auf ihm drauf standen eine Vase mit einer Herbstzeitlose und eine Kerze. Herbstzeitlose. Bei diesem Wort stellten sich Leens Nackenhaare auf. Nein, so welche Leute waren Jeels Familienmitglieder bestimmt nicht. Und wenn würden sie es bestimmt nicht so zeigen. Die Herbstzeitlose war die Lieblingsblume von König Ogrim aus dem Land hinter den grünen Bergen. Er war diesem Königreich nicht wohlgesonnen. Oft drohte er damit König Aidirian den Krieg zu erklären wenn nicht alles nach ihm ging. König Aidirian hatte ein neues Gesetz errichtet das besagte niemand dürfe auch nur Herbstzeitlose anpflanzen oder gar pflücken. Sie waren das Zeichen des grausamsten Herrschers dieses Zeitalters.
Auf einmal hörte Leen wieder dieses Stöhnen. Es kam durch den Türrahmen, der zu einer Treppe führte. Diese führte wiederrum durch eine Falltür auf den Dachboden in dem Leen das Bettenzimmer vermutete.
Wieder das Stöhnen lauter und energischer. Wie als würde jemand einem den Mund zu halten. Leen ging durch den Türrahmen und untersuchte jede der vollgestellten Ecken. Tontöpfe. Körbe. Getrocknete Tomaten.
Leen hatte fast mit der Suche aufgegeben als er auf eine Falltür im Boden stieß. Sie sah aus wie der Rest des Bodens nur ein eiserener Metallring verriet dass darunter
sich etwas wie ein Keller befand. Er klopfte ein paar Mal dagegen und wie erwartet kam die Antwort. Jemand trat gegen etwas was laut schepperte. Leen schaute sich um. Er glaubte nicht dass sich da jemand selbst eingeschlossen und Mund los gemacht hatte. Sobald er sicher war das hier niemand außer ihmwar kniete sich hin packte den Metallring und zog daran. Nichts passierte. Er stand auf und zog mit aller Kraft bis sich die Falltür bewegte. Sie schoss so blitzartig nach oben dass Leen erschrak und nach hinten stolperte.

Kapitel 4

Es war eine Art Keller. An den Wänden reihten sich Regale mit Weinen und Bierfässern. Und da sah er sie. Eine Frau um die 40, ein ohnmächtiger Mann und ... Jeel. Dieser strampelte um sich. Er saß genauso wie seine Mutter an einem Rohr gefesselt und geknebelt auf dem Boden. Auf seiner Stirn prangte eine große blaue Beule und seine Lippe war aufgeplatzt. Seine Mutter hatte geschwollene Augen als hätte sie geweint. Mr. Scrott aber lag bewusstlos auf dem Boden Arme und Füße waren gefesselt. Von seiner Stirn ringelte sich ein dunkelrotes Rinnsal die Schläfe herunter. Leen stürzte die Holzleiter hinunter, zog sein Taschenmesser aus der Brusttasche seiner Jacke und machte sich an den Fesseln von Mrs. Scrott zu schaffen.

„Hier bitte. Kriegen sie die Fesseln an den Füßen selber auf, dann helfe ich Jeel.“ Mrs. Scrott nickte und zog ihren Knebel aus dem Mund. Als er draußen war atmete sie tief aus und machte sich dann an ihren Fußfesseln zu schaffen. Sie war klein und etwas pummelig, hatte braune Haare und rote Wangen. Leen befreite in der Zeit Jeel. Als dieser seinen Knebel aus dem Mund gezogen hatte fluchte er laut los.
„Es war dieser Mann.“ sagte er laut und wütend. „Du weißt schon, Leen. Dieser Typ der auf der Straße zum Palast war. Na du weißt schon. Vorgestern als dir die Uhr runtergefallen ist.“
Jetzt machte es in Leens Kopf klick.
„Ach du meinst den Dicken. Der auch die Uhr haben wollte“ stellte er fest während er Jeels Vater die Fesseln durch schnitt.
„Ja. Und nicht nur der noch drei andere Muskelprotze. Sie haben Vater niedergeschlagen als sie durchs Fenster geklettert kamen. Dann hat der dicke eine Herbstzeitlose unter seinem Hut vorgezogen in die Vase gesteckt und gesagt wenn ich nicht bald die Uhr rausrücken würde sticht er mich tot. Natürlich hatte ich sie ja nicht mehr. Die hattest du ja.“ Mrs. Scrott ging zu Leiter.
„Bringt ihr noch Luis hoch, dann gibt es etwas zu essen. Ich könnte jetzt mal was gebrauchen“ murmelte sie während sie oben verschwand.

Leen packte Jeels Vater an den Armen und Jeel an den Beinen. Zusammen schleppten sie ihn nach oben. Während dessen fing Jeel wieder an zu plappern:
„Möcht mal wissen was es mit der Uhr auf sich hat. Bestimmt irgendein Zauber oder so. Was findet Ogrim den an so nem Ding?“
Oben erwartete Jeels Mutter sie schon.
„Legt ihn oben in sein Bett ich untersuche dann seine Wunden nachher. Jeel schaust du bitte ob auf dem Hof irgendetwas fehlt. Und dann erklärt ihr mir bitte was es mit dieser Uhr auf sich hat.“

Jeel ging auf den Hof während Leen sich auf einen Stuhl setzte und Mrs. Scrott zuschaute wie sie in der Küche hin und her wuselte.
„So“ meinte sie und setzte sich ihm gegenüber „und jetzt erzählst du mir mal wer du eigentlich bist“ sagte sie während sie einen Teller mit belegtem Brot und ein Becher Wasser zu Leen hinüberschob.

Kapitel 5

Er setzte sich in seinem Bett auf. Alles tat so weh. Er hatte keine Zeit mehr.
Wann würde denn endlich ein Gegenmittel gegen diese Krankheit gefunden werden. Es war Zeit das Felicitas mit der Uhr kam.
Er hatte es ihr versprochen. Eine Tour mit einer wichtigen Mission. Jetzt musste sie es ohne ihn machen. Er hätte schon viel früher mit den Nachforschungen beginnen sollen. Er hatte nur eines. Eines von vier Sachen. Und das hatte er noch nicht einmal wirklich. Felicitas hatte die Uhr oder der Junge. Oder Ogrim.
Ja, es wurde Zeit das Felicitas kam.

Es klopfte. Ohne abzuwarten trat Mrs. Morris herein und stellte eine dampfende Kanne Tee und eine kleine Tasse auf Mr. Willsons Nachttisch.
„Wie geht es ihnen, Mr.?“fragte sie tonlos.
„Nicht gut. Nein es geht mir überhaupt gar nicht gut.“ sagte er mit einer kratzigen Stimme.
Seine braun-grauen Haare, die sonst so oft glatt auf dem Kopf nach hinten gekämmt waren, waren fettig und verstrubbelt.
„Es ist ein Brief angekommen Mr..“ sagte Mrs. Morris und zog einen Umschlag aus gelben Pergament aus ihrer Schürzentasche.
„Ist er von Felicitas?“ fragte er und richtete sich in seinem Bett etwas weiter auf. Seine Stimme war rau wie Sandpapier.
„Sie sollen nicht so viel reden. Dr. Anderson hat es mir ausdrücklich gesagt. Und nein, dieser Brief ist von einem gewissen Leen Wood.“ Mr. Willson stöhnte.
„Lesen sie ihn und sagen sie mir was drinnen steht.“
Mrs. Morris öffnete den Brief und studierte den Inhalt. Dann schaute sie auf und erzählte:

„Er schreibt er hätte die Uhr, doch würde sich etwas verspäten, da er die Postkutsche nicht geschafft hatte.“ ratterte Mrs. Morris tonlos runter.
Mr. Willson stöhnte wiederum. Er war sich so sicher, dass seine Lieblingsnichte es schaffen würde. Aber er wusste, dass sie nah dran war. Sie hätte nicht so schnell aufgegeben.
„Gehen sie bitte.“ Seine Stimme war von Natur aus immer so rau gewesen.
Dann war Felicitas bestimmt bald da. Und das erfreute ihn am meisten.
„Eine Uhr mit sieben Zeigern“ murmelte Mrs. Scrott gedankenverloren nachdem Leen ihr alles erklärt hatte.
„Mhm ich glaube ich habe da schon so etwas gehört“ Leen horchte auf.
„Ein Märchen oder eine Legende, naja tut nichts zur Sache. Ich denke wir sollten erstmal diese widerliche Herbstzeitlose entfernen“ sie stand vom Tisch auf und zog die Herbstzeitlose aus der Vase zündete die Kerze an und verbrannte die Blume.
Die Kerze knisterte und verbreitete einen süßen und verkohlten Geruch. Mrs. Scrott räumte ihren und Leens leeren Teller ab.
„Möchtest du noch etwas?“ fragte sie mit dem Rücken zu ihm.
„Nein, danke aber können sie mir noch etwas über das Märchen erzählen?“
„Ach, weißt du Leen, das war in meiner Kindheit, ich erinnere mich an fast gar nichts mehr von diesem Märchen.“ Sie seufzte und blies die Kerze wieder aus.
„Ich brauch mal Hilfe.“ ertönte Jeels Stimme aus Richtung Hof.
„Leen erhob sich. Ich helfe ihm dann mal. Ich möchte ihn eh noch etwas fragen bevor ich gehe.“
„Gut, gut aber bevor du gehst kommst du bitte noch einmal bei mir vorbei.“ Leen nickte.

Jeel hatte wirklich Hilfe gebraucht. Die Werkzeuge waren von dem Werktisch gefegt worden und lagen auf dem Boden verstreut herum. Die Schafe waren aus ihren Gattern geflohen und liefen verstört in der Scheune umher.
Ein halbe Stunde später war Mr. Scrott aufgewacht und hatte ihnen geholfen bis endlich wieder alles so war wie vorher.

Kapitel 6

„Nein das kommt gar nicht in Frage, mein Junge. Du wirst nicht den langen Weg von hier im Dunkeln wieder zurücklaufen. Bald werden die Tore geschlossen und nichts ist mit heimfahren.“ lachte Mrs. Scrott einige Zeit später und Mr. Scrott nickte zustimmend. Er war stumm seit seiner Geburt. Mit den Fingern tippte er eine Melodie auf die Tischplatte. Tipp, tipp, tapp, tipp, tipp, tapp. Seine Finger tanzten. Er tat Leen leid.
Draußen stießen Tag und Nacht aneinander und vollbrachten ein außergewöhnliches Farbenspiel.
„Du bleibst hier und morgen früh fährt Luis dich zur Postkutsche. Einverstanden?“
„Aber Mrs. Scrott das muss doch nicht...“ zögerte Leen und fuhr mit den Fingerkuppeln die Streifen im Holz nach.
„Oh doch mein Junge. Oh doch, dass muss sein. Keine Widerrede.“ unterbrach Mrs. Scrott ihn und stand auf. Wieder nickte Mr. Scrott.
„Jeel und du ihr werdet in der Scheune im Heu schlafen. Auf dem Dachboden ist es warm.“ Sie schlenderte zu zwei kleinen Tonkrügen und klopfte Leen au die Schulter.
„Aber erst mal geht ihr Wasser holen.“
Er stützte sich schwer an den Regalen ab. Er war so schwach von der Krankheit. 39. So alt war er doch gar nicht. Nicht alt genug zum Sterben. Wo war es? Das Buch.
Das Gedicht konnte er nur halb.

Hinter dem großen Wald
Mach schnell, denn er ist alt
Hinter dem großen Fluss
Dort hin setze deinen Fuß

Er klopfte sich mit dem Zeigefinger gegen den Kopf. Wie ging es weiter?
Mach schnell denn er ist alt. Ja so ging es weiter. Das Gedicht musste er nicht kennen. Nein, das nicht. Aber er kannte den Inhalt. In dem Buch was er suchte stand das komplette. In seinem Tagebuch. Zischend zog er Luft ein. Er hörte seine Gelenke knacken. Nur wegen dieser abscheulichen Wunde. Er hätte sie überlebt ohne Zweifel. Wenn sich nur nicht die Limpinosebakterien eingeschlichen hätten. Die Wunde hatte sich stark entzündet. Eine mittelstarke Verbrennung.
Mit dem Zeigefinger strich er an den aneinander gereihten Buchrücken entlang. Weinrot. Seine Lieblingsfarbe. Die Farbe seines Tagebuchs. Die Farbe seiner Wunde. Saida schnurrte leise. Sie hatte es sich auf seinem Schreibtisch breitgemacht. Ihr getigertes Fell vibrierte. Jose zog mit dem Finger einen Kreis um ihre Ohren. Sie lag auf dem Brief vom Prinzen. Er war an der einen Ecke leicht angerissen. Jose musste lächeln.
Er nahm ihn und steckte ihn in den Beutel für Felicitas.

Es war früher morgen und noch dunkel, als Mrs. Scrott die klapprige Leiter auf den Heuboden raufgekrochen kam und die beiden Jungs wachrüttelte.
„Es gibt Frühstück. In einer halben Stunde fährt Luis dich zum Postamt. Er hat einen Passierschein.“ sagte sie lächelnd an Leen gewandt. Sie lächelte ihn aufmunternd an.
„Na komm raus aus dem Stroh. Das Rührei wird sonst kalt.“ Sie rüttelte nochmal an Jeel und kletterte dann wieder herunter. Leen gähnte.
„Irgendwie kalt ohne Decke. Obwohl es Sommer ist.“ sagte er verschlafen zu dem blinzelnden Jeel. Er lächelte.
„Man gewöhnt sich dran.“ sagte er, rappelte sich auf und kletterte vom Dachboden hinunter.
„Kommst du bald. Es wär nämlich es blöd wenn das Rührei kalt werden würde. Dann schmeckt es nicht mal halb so gut wie warm.“ lachte er und man hörte wie er von der Leiter auf den festgetretenen Sand der Scheune sprang.
Draußen gurrte eine Taube und die Hühner gackerten aufgeregt, als auch Leen von der Leiter auf den Boden sprang. Es noch dämmrig. Sonnenstrahlen fielen auf das taufrische Gras und den rotbraunen Sand.
Die Tür zum Bauernhaus stand offen. Mrs. Scrott wuselte aufgeregt in der Küche umher und packte allerlei Sachen in ein Tuch. Leen lächelte. Er wär gerne länger geblieben. Es hätte ihm nicht mal etwas ausgemacht hätte er auf dem Hof helfen müssen.

Eine halbe Stunde später saß Leen neben Mr. Scrott auf dem Kutschbock eines Holzwagens. Hinter ihm hopste das kleine Packet mit Essen von Mrs. Srcott bei jedem Hügel in die Luft. Sie zogen an Baumgruppen, Wiesen und Feldern vorbei in Richtung Ambra. Die Umrisse der Stadt zeichneten sich scharf im Dämmerlicht ab. An der Stadtmauer standen labbrige Holzhütten. Mr. Srcott tappte mit den Füßen einen Takt auf das Holz und das Pony trappte munter in Richtung Stadt. War er wirklich so weit bis zu den Srcotts gelaufen? Er konnte es kaum glauben. Immer mehr näherten sie sich Ambra und auch jetzt schon am frühen Morgen hatten sich ein paar Leute vor dem verschlossenen Stadttor versammelt. Viele von ihnen waren nicht sehr wohlhabend gekleidet. Ihre Sachen waren braun und schmutzig und ihre Haut fleckig. Hinter sich zogen sie Karren in dem Leder und Tierhäute gelagert waren. Ein übler Gestank zog Leen in die Nase. Gerber. Sie kamen um ihren Auftraggebern ihre Ware zu bringen. Aufgeregt plapperten ein paar Frauen miteinander. Gerade durchsuchten zwei Wachen einen Korb mit Schaf-und Ziegenfellen. Am Tor standen zwei weitere. Mr. Srcott zog an den Lederriemen und brachte das Pony so zum Stehen. Eine Wache um die vierzig kam auf den Wagen zu. Er hatte einen langen braunen Schnurbart, der bei jedem Schritt auf und ab wackelte.
„Passierschein!“ brummte er und streckte die Hand aus.
Mr. Scrott übereichte ihm eine Rolle Pergament, die von dem Wachmann entfaltet und gelesen wurde.
„Gut. Sie dürfen durch.“ grummelte er. Kurz darauf brüllte er zu dem Posten am Tor:
„Den Waagen hier durchlassen Rocco.“
Mr. Scrott lächelte Leen entschuldigend zu. Leen lächelte zurück.

Die Tore wurden von innen geöffnet und sie wurden durch gewunken. Langsam klapperte der Waagen durch die engen Gassen von Ambra. Schon am frühen Morgen war die Luft hier schwüler als in der Nähe des Waldes. Unter einem Tor lag ein Betrunkener und schlief. Schon morgens war schon Betrieb auf den Straßen. Plappernde Frauen gingen Wäsche waschen, lachende Kinder spielten, Bettler wimmerten und ab und zu sauste ein Bäckerbote um die Ecke. Neben Leen zog Mr. Scrott genießerisch den Geruch von frischem Brot ein.
„Riecht gut. Obwohl ich gerade gegessen habe.“ meinte Leen und musterte Mr. Scrott noch einmal. Mr. Scrott nickte fröhlich und zog die Zügel nach hinten. Das Pony blieb stehen. Mr. Scrott nickte Leen abermals zu, gab ihm die Hand und lächelte.
„Ja, auf Wiedersehen“ sagte Leen sprang vom Wagen, zog sein Beutel vom Lagerraum und winkte. Er hörte wie der Wagen losrumpelte.

Kapitel 7

Das Feuer knisterte leise vor sich hin während er in seinem Sessel saß und schwieg. Neben ihm saß Felicitas. Sie saß auf dem Boden und hatte ihre Beine zu einem Schneidersitz verrenkt. Sie schwiegen. Er war froh, dass Felicitas bei ihm war.
„Wie geht es dir, Jose. Soll ich dir noch eine Suppe bringen?“ fragte sie leise. Doch er schüttelte den Kopf.
„Komm Jose vielleicht solltest du dich noch mal ausruhen.“ hackte sie weiter.
„Nein Feli, ich warte auf den Jungen. Es ist wichtig. Am besten du bleibst auch. Es könnte dich auch interessieren.“ Er hustete.
„Gut aber nur noch eine Stunde wenn er dann noch nicht gekommen ist ruhst du dich aus ja?“ Er schaute zu ihr hinunter. Ihr standen Tränen in den Augen. Jose strich ihr über die rot gelockten Haare.
„Gut“

Er ließ nicht lange auf sich warten. Schon etwa zwanzig Minuten später hatte Leen an die Haustür geklopft. Nun saß er auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch und wartete darauf dass Mr. Willson anfing zu erzählen. Mr. Willsons Haare waren wieder verstrubbelt und seine Haselnussbraunen Augen waren starr auf die Uhr gerichtet. Vor ihnen auf dem Schreibtisch lag die Uhr und glitzerte in der Morgensonne, die durch die offene Gartentür strahlte.
„Was es mit der Uhr auf sich hat willst du wissen?“ Mr. Willsons Stimme bebte und war rau wie Sandpapier. Seine Hände zitterten. Leen nickte.
„Gut, fangen wir an.“ Mr. Willson räusperte sich und schaute noch einmal zu Felicitas. Er zog ein aufgeschlagenes Heftchen zu sich heran und studierte die Zeilen.
Dann begann er:

„Hinter dem großen Wald
Mach schnell denn er ist alt
Hinter dem großen Fluss
Dort hin setze deinen Fuß
Hinter den blauen Bergen
Hinter den Höhlen der Zwergen
Hinter den Wäldern aus Wasser
Dort wohnt er, der Warde
Gib sie ihm, gib sie ihm bald
Denn er, der Beschützer ist alt
Gib sie ihm, die 4 Sachen
Die ihn wieder jung machen
Gib sie ihm
Denn wenn er seinen letzten Atemzug macht
Kommt er, der böse Herrscher an die Macht
Wird er die 4 Sachen finden
der Friede wird schwinden
Die Uhr, den Ring, den Kompass, das Fernglas
bring sie ihm die vier Sachen
die ihn wieder jung machen
mach schnell, gib sie ihm bald
denn er der Warde ist alt.

Während Mr. Willson sprach waren seine Hände still. Seine aufgeplatzten Lippen bebten bei jeder noch so kleinen Pause und sein Blick war in der Ferne. Stille breitete sich aus als Jose geendet hatte.
„Ich hoffe ihr wisst was das heißt“ sagte Mr. Willson nach einer Weile.
„Nein Jose, nein wissen wir nicht“ meldete sich zu ersten Mal Felicitas zu Wort. Leen nickte zustimmend.
„Gut dann werde ich es euch erklären. Vor zwei Jahren fand ich ein Buch. Es war in einer Truhe im Dachboden von der alten Mrs. Nording eingeschlossen. Als sie starb vermachte sie mir diese Truhe. Das Buch war alt daran bestand ein Zweifel. Manche Texte konnte ich nicht lesen. Das was ich noch lesen konnte schrieb ich in mein Tagebuch über.“ Mr. Willson deutete auf das Heftchen aus dem er vorgelesen hatte.
„Unter den Texten war dieses Gedicht nicht. Erst als ich das Buch etwas später, ungefähr vor vier Monaten noch einmal aufschlug war es da. Ich bin mir ganz sicher dass es davor noch nicht da gewesen war. Denn es war lesbar, so lesbar wie ein anderes. Und das unglaubhafteste daran ist das die Tinte noch frisch war. Jedes Kind hat schon die Geschichte vom Warden gehört. Nicht wahr? Tja ich bin damit aufgewachsen. Und ich glaube an das Gedicht. Ich glaube daran das es wahr ist. Und deswegen versuchte ich die vier Gegenstände zu finden. Aber ich wurde krank, sterbenskrank. Und ich bin es immer noch. Und so weihe ich euch in dieses Geheimnis ein und hoffe dass ihr das weiterführt was ich begonnen habe.“ Als Jose endete warf er Felicitas einen Beutel zu.
„Das was dort drinnen ist wird euch helfen aber öffnet es nicht zu früh. Am besten macht ihr euch bald auf. Denn ihr seid nicht die einzigen die nach den Gegenständen suchen.“
Mr. Willson lehnte sich in seinem Sessel zurück und keuchte.
„Das heißt wir beide“ Leen schaute septisch zu Felicitas hinüber. „Sollen die restlichen Gegenstände finden und uns auf den Weg machen.“
„Nein Leen. Nicht ihr beide, ihr drei. Und wer der dritte ist findet ihr noch schnell genug raus. “ Wieder keuchte Mr. Willson und Felicitas sprang auf und nahm seine Hand.
„Passt auf den auch denn ihr seid nicht die einzigen.“ Mr. Willsons Blick wurde verträumt.
„Bis hinter die blauen Berge“ sagte er und ließ sich von Felicitas in sein Zimmer helfen.
„Bis hinter die blauen Berge“ flüsterte Leen.

Kapitel 8

Es war frisch. Tau lag auf den zerdrückten Halmen der Wiese. Noch vor einem Tag hatten sich seine Anhänger hier versammelt und hatten wahrlos über den König gelästert und ihre Meinung kundgegeben. Und er hatte da gestanden und mitgebrüllt, eine Rede gehalten und gezählt. Er hatte sie gezählt und es waren zu wenige gewesen. Zu wenige hatten sich ihm angeschlossen und sich gegen den König gestellt. Es waren kaum 200 gewesen. Nie hätten sie die Armee vom König schlagen können. Das wusste er genau, denn er musste es ja wissen. Und schon gar nicht gegen beide. Der Briefwechsel zwischen Theodor und ihm war sehr wortkarg. Sie kannten sich zu gut. Er hatte Theodor noch nie gemocht. Viel zu verzogen hatte Theodor sich verhalten.

Er musste seine Boten vor schicken bis in das Land von König Aidirian. Vielleicht konnte er dort noch ein paar Anhänger gewinnen. Aber er selber litt in Aidirians Land unter dem schlechten Ruf seines Vaters. Er selber wurde als habgierig und arrogant bezeichnet. Selbst seine Schwester die das lieblichste Geschöpf unter der Sonne war wurde dort drüben als selbstverliebt und böse gesehen. Das war erst gekommen als Ogrim und Aidirian sich nur wegen den blauen Bergen zerstritten hatten. Da war er noch klein gewesen und hatte nur wenig von dem Streit mitbekommen.

Hinter ihm raschelte es und Propes kam aus dem Gebüsch gerannt. Er war verschwitzt und hielt sich seinen Hals.
"Ein Aufstand." keuchte Propes als er vor ihm stehen geblieben war.
"Ein Dorf hinter Versons Villes. Vier von der Garde und zwei Bauern sind erschlagen worden und ziemlich viele auch Jeric wurden verletzt." Propes beugte sich vor und hustete.
"Wie kam es dazu?"
"Jeric hat in der Kneipe nen Vortrag gehalten. Wie Ogrim uns ausbeutet und so. Und einer von den Typen muss geplaudert haben, denn n' paar Minuten später kam eine Garde rein." Propes keuchte nochmal.
"Weiter."
"Gut. Sie haben ihn geschlagen. Es war schlimm. Jaric hat das Bewusstsein verloren. Und dann fing es an. Ein Typ hat einen Stuhl geworfen und dann ging es weiter. Ich hab Jaric dann da rausgeschafft und hab mich um ihn gekümmert, aber da drinnen ging's weiter. Bis dann der erste Tote rausgetragen wurde und so. Ich bin nochmal rein und hab mit zugepackt aber dann bin ich zu dir."
"Gut komm erst mal mit zum Bau."
Sie bahnten sich so gut es ging den Weg durch den Wald bis sie beim Steinbruch ankamen.
"Und du meinst es ist jemand da. Du hast doch alle los geschickt oder?"
"Ja, aber Gili und sein Trupp müssten in etwa einem Tag ankommen. Solange halten die anderen noch aus. Die einzigen die noch da sind, sind Kayrin und Las."
"Gut ich bleib auch noch aber nur bis Gili mit seine Männern kommt, dann pack ich auch noch einmal zu."

Aus einem Loch in der Felswand trat Kayrin und schaute sie verängstigt an. Sie war erst vor kurzem zu ihnen gestoßen. Ihr Vater war umgebracht und ihre Mutter und Geschwister verschleppt worden als sie ihre Felder vor der Garde verteidigten.
So fanden seine meisten Anhänger zu ihm. Ein Familienmitglied war umgebracht, gefangen,
versklavt oder gefoltert worden. Und alle suchten Schutz bei ihm, weil er der einzige
Mensch in dieser Gegend war, der ihn spenden konnte.

Kapitel 9

„Und du meinst, man findet die so leicht?“ Leen musterte Felicitas zweifelnd.
„Nein natürlich nicht. Ich finde wir sollten in der Bibliothek der Universiti von Santa Feee nachschauen.“
„Für den Weg braucht man aber Wochen. Und Santa Feee ist genau in der anderen Richtung als die grünen Berge.“
Sie saßen in der Küche des stattlichen Herrenhauses von Jose Willson, der zurzeit in seiner Bibliothek saß und Mrs. Norris Sachen für die Reise zusammen packen ließ.
„Schaden kann es doch auch nicht, außerdem beschreibt das Gedicht den Weg zum Warden und nicht zu den Gegenständen.“
„Gut, trotzdem finde ich den Weg etwas zu lange, zumal wir die Fahrt doch gar nicht bezahlen können“
„Wir müssen nicht bezahlen.“
„Doch, ganz bestimmt.“ unterbrach Leen sie energisch.
„Nein, vielleicht nicht, wenn du mich mal ausreden lassen würdest.“
Leen zog zischend Luft ein und nickte.
„Erzähl.“
„Ich habe alles schon genau durchdacht. Morgen in einer Woche ziehen die Zigeuner durch Endroras. Tim Toi ist auch dabei. Und Quender Bar. Vielleicht sollten wir ihnen nicht sagen dass wir mitkommen sondern uns erst einmal in einem der beiden Wägen verstecken. Aber sobald wir an Ambra vorbei sind – das ist bei den Zigeunern ungefähr ein Tag und eine Nacht- können wir ihnen bescheid geben. Dann können sie uns nicht mehr weg schicken.“
„Und sie fahren bis nach Santa Feee?“ fragte Leen und nahm einen Schluck aus seinem Becher.
„Nein, nur bis nach Bourbon Souir.“
„Und den Rest sollen wir laufen?“
„Nein von Casta Mala fahren jeden Montag die Holzfäller nach Minta Orlens von dort ist es nur noch ein Tagesmarsch nach Santa Feee“
„Ich bin mir nicht sicher ob wir das so machen sollten wir wissen noch nicht einmal wie die anderen Gegenstände aussehen.“ Leen zweifelte sichtlich. Er stand, ging zum Ofen und lehnte sich dagegen.
„Und wie sollen wir das mit dem Gepäck machen? Ich mein, es wird wahrscheinlich eine lange Reise.“
„Darüber hab ich auch schon nachgedacht. Also ich denke wir sollten nur ganz wenig Wechselsachen mitnehmen, zur Not kann man die ja waschen. Dann mindestens einen Topf, ungefähr zehn Packungen Streichhölzer, zwei Messer, Proviant der länger hält wie gedörrtes Fleisch, Brot und Apfelleder, Salz, einen Kompass, die Uhr, die Sachen die Onkel Jose uns mitgibt, Decken und so weiter halt.“ Felicitas war sichtlich stolz auf sich selber.
„Okay, und wir fahren heute in einer Woche. Gut war‘s das dann?“ fragte Leen erleichtert.
„Nein, das wär nur noch die Frage ob wir bei Quender Bar mitfahren oder bei Tim Toi.“
„Ich kenne die Leute nicht. Mir egal.“
„Okay dann halt bei beiden.“ Felicitas stand auch auf, trank ihren Tee aus und ging zu ihrem Onkel.

Kapitel 10

„Weiter links Hestas. Nein, noch ein bisschen nach oben. So ist gut. Ja genau richtig. Da jetzt gegen. Und leg ihn dort hinein. Gut geschafft.
Komm nehme meine Hand ich führ dich.“ brummte Sonn.
Hestas gehorchte und legte seine schmale Hand in die Pranken seines großen Freundes.
So krochen sie aus der Höhle hinaus in der sie gerade eben Hesters Kompass verstaut hatten, so dass niemand ihn fand. Hesters war klein und hatte braune verstrubbelte Haare und Sonn war groß und hatte ebenfalls verstrubbelte braune Haare. Obwohl etwas sie verband waren sie doch verschieden, den Hestas war ein Junge und Sonn ein Grizzly.
„Hier kannst du dich hinsetzen“ Hesters ließ sich in das weiche Moos gleiten.
„Wir sind auf einer Lichtung.“ sagte er zu Sonn der sich neben ihn gelegt hatte.
Sonn brummte zustimmend.
„Ganz in der Nähe sind Kiefern. Nein, es ist ein Kiefernwald. Ich rieche es.“
„Hmh“ brummte Sonn.
„Die Sonne strahlt in meinen Rücken also blicken wir in Richtung Westen. Sie strahlt mir in den Nacken. Und es ist Morgen und am Morgen ist die Sonne im Osten.“
„Du wirst immer besser.“ Sonn war unmerklich stolz.
„Gut, das Moos fühlt sich frisch an denn es ist Frühling. Und die Brutzeit der Vögel ist vorbei ich höre ab und zu junge Vogelstimmen.“ Hestas schaute zu Sonn obwohl er ihn nicht sehen konnte.
„Schön, ich bin stolz. Aber wir müssen weiter ein paar Fische fangen, ab dann darfst du reiten und dann in Richtung Westen.“
Hestas tastete nach dem Bären, der sich aufgerichtet und sich zum Gehen bereit gemacht hatte und klammerte sich mit der linken Hand im Nackenfell fest.
So stolperte der Junge, seine Hand fest und Halt suchend im Nackenfell Sonns begraben den Hang hinunter, denn er war blind.
„Pack ordentlich zu Hestas dann endwischt er dir nicht.“ dirigierte Sonn seinen kleinen Freund.
„Ja, gut. Neben dir ist ein Stein, da spürst du ihn? Da hau den Lachs rauf. Gut, und noch mal. Ja, jetzt gebe ihn mir.“ Hestas gab Sonn den Lachs und Sonn schlitze ihn mit einer Kralle auf und entfernte die Innerreinen.
„Schau bei den Fischen musst du aufpassen mit der Gallenblase wenn sie kaputt geht, ist das Fleisch verdorben. Hier ist die Gallenblase, da.“ Sonn führte Hestas Finger.
„Ja, ich glaub das kann ich mir merken.“ meinte Hestas.
„Endschupp ihn schon mal für dich ich fang mir noch ein paar andere.“ sagte Sonn und watete tiefer in den Fluss hinein.
Hestas setzte sich ins Gras und entschuppte den Fisch. Danach wusch er in und machte ein Feuer. Als er ihn gebraten und verzehrt hatte kam Sonn gerade satt aus dem Fluss zurück.
„Warum haben wir den Kompass eigentlich versteckt?“ fragte Hestas. Die Frage hatte ihm schon seit dem spontanen Aufbruch aus ihrer Höhle auf der Zunge gelegen.
„Ich weiß nicht, aber ich hatte das Gefühl das er das sollte, bis jemand ihn findet der ihn finden soll.“ brummte Sonn und legte sich hinter Hestas. Der Junge schmiegte sich an das noch trockene Rückenfell.
„Und wer sollte ihn finden?“ murmelte Hestas.
„Ein Mädchen, ich habe es in den Sternen gelesen.“ brummte Sonn.
„Hättest du es mir bei gebracht?“ fragte Hestas.
„Was? In den Sternen zu lesen?“
Hestas nickte.
„Natürlich hätte ich das gemacht.“ brummte Sonn.
„ Und wohin genau gehen wir jetzt.“
„Richtung Westen.“ murmelte Sonn.
„Ich habe genau gesagt.“
„Ich weiß noch nicht, ich weiß nur dass wir Richtung Westen gehen sollen.“ brummte Sonn und schlief ein.
Als es leicht dämmerte brachen Sonn und Hestas in Richtung Westen auf. Hestas saß auf Sonns Rücken und schwang gekonnt bei den gleichmäßigen Bewegungen des Bärs mit.
So ging es immer am Fluss vorbei, über steinige Pfade und in den Finsterwald hinein. Zuerst trottete der Bär nur gemächlich, doch später fing er an zu traben. Als der Morgen graute machten sie ihre erste Pause am Ufer des Finsterwaldbaches. Am Abend dieses Tages lag Hestas eingemummelt in Sonns Fell wach und fragte sich wie die Sterne wohl aussahen.
‚Kleine weiß leuchtende Punkte, die jedem der sie studieren kann eine neue Geschichte erzählen‘ hatte Sonn die beschrieben.
„Ich hab dich lieb“ murmelte Hestas und drehte seinen Kopf so dass wenn er hätte sehen können, er Sonn gesehen hätte.
Sonns Atem war warm und roch nach Fisch.
„Du bist groß, mit struppigen braunem Fell, hast kleine braune Augen und riesige Tatzen.“ flüsterte Hestas.
„Hmh und du bist für menschliche Verhältnisse auch groß, hast auch braune struppige Haare, die dir wenn ich sie nicht regelmäßig schneiden würde auf den Boden wachsen würden, hast eine braune Haut für Menschen und große schwarze Augen“ brummte Sonn.

16 Kommentare

Gwin am 16. November 2018

Liebe Insa* Vielen vielen Dank dafür dass du dir imm er die Mühe machst meine Geschichte zu veröffentlichen Vielen vielen Dank ♡ LG Gwin

Vielen Dank an dich, für deine Geschichte, Gwin

Gwin am 4. November 2018

Why?

Gwin am 4. November 2018

Hey Christina, my real Name is Elenia

Christina am 28. Oktober 2018

Write in english too!

Christie am 25. Oktober 2018

What's your real name, Gwin?

Arya am 7. Oktober 2018

Habe mir heute die Zeit genommen deine Geschichte ganz durchzulesen und es ist einfach nur super!

Teresa Fünkchen am 26. September 2018

Toll! Freue mich das die Fortsetzung da ist

Gwin am 26. September 2018

Schön, dass euch die Geschichte gefällt Es gibt mir dann immer wieder Motivation Bis bald Gwin

Elea am 25. September 2018

Super Geschichte! Der Fehler ist mir auch aufgeffallen, aber ich vertipp mich auch andauernd LG

Der Träumer am 25. September 2018

Cool!!! Die Fortsetzung gefällt mir! Ich hoffe es kommt bald noch ein neues Kapitel raus.

Gwin am 24. September 2018

Uuuups, mir ist grad aufgefallen, dass in der wörtlichen Rede des 3. Satzes etwas falsch bei mir gelaufen ist Es soll eigendlich heißen "Passt auf denn ihr seit nicht die....." Ich hoffe ihr könnt mir die anderen Rechtschreibfehler usw. auch verzeihen und ich hoffe auch das euch die Fortsetzung gefällt. Bis denne Gwin

Gwin am 13. September 2018

Ja es wird eine Fortsetzung geben. Ich glaube ich werde sie "Bis hinter den blauen Bergen" nennen. Bis bald Gwin

Jojo am 8. September 2018

Gibt es schon eine Fortsetzung? Wenn ja wie heisst sie? LG

Der Träumer am 4. August 2018

Sehr schöne Geschichte, freue mich auf die Fortsetzung!

Gwin am 1. August 2018

Ja also an der Fortsetzung arbeite ich noch

Teresa Fünkchen am 31. Juli 2018

Das ist wirklich eine tolle Geschichte! Die Idee gefällt mir gut und ich würde mich freuen wenn du noch weiter schreibst weil ich wirklich gerne wissen will was es mit dieser Uhr auf sich hat... LG Teresa Fünkchen