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Solveig Vorfeld

Erdbeerhuhn

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Hallo an alle! Ich überlege schon lange, welche Geschichte ich einsenden möchte, und da Ostern vor der Tür steht, habe ich mich für das Erdbeerhuhn entschieden, was letztes Jahr zu Ostern entstanden ist. Ich würde mich freuen, wenn ihr die Geschichte veröffentlichen wollt, weil ich neugierig auf Leserreaktionen außerhalb meines Bekanntenkreises bin.Ich wünsche euch frohe Ostern und gute Gesundheit!
Liebe Grüße aus Münster, Solveig

Es geschah einst und trug sich zu und passierte und ereignete sich, dass das eigentlich sehr widerstandsfähige Volk der Erdbeeren auszusterben drohte. Über sie waren zahlreiche Katastrophen hereingebrochen: Unwetter, Kälte, Dürre. In der Folge waren sie immer kleiner geworden und hatten sich im Wald versteckt. Dort verschmolzen sie den größten Teil des Tages mit den Schatten. So hatten sie Schutz vor sengender Sonne, aber auch vor prasselndem Regen. So ging es eine Weile gut, aber der alte Erdbeerkönig war vorausschauend und wollte vorsorgen. Also schickte er seine Wurzeln aus, um den Geist des Waldes um Rat und Hilfe zu bitten. Der Geist hörte sich die Sorgen des Erdbeerkönigs an und dachte nach. Er selber liebte Erdbeeren sehr. Wenn er nur an Erdbeer-Waldmeister-Saft dachte, lief ihm ein freudiger Schauer über den Körper! Also beschloss er zu helfen und sann nach einem Wesen, das den Fortbestand der Erdbeeren sichern oder zumindest unterstützen konnte. Da Erdbeeren recht heimatverbunden sind, sollte es kein Wesen sein, das rastlos umherzieht. Der Geist dachte drei Tage und drei Nächte nach und dann hatte er die zündende Idee! „Ja, so kann ich es einrichten!“ rief er und meldete sich beim König an. Der war hoch erfreut über die Lösung und sehr dankbar. Sie hatten Glück, denn ein Vollmond stand bevor. Vollmondnächte sind immer ganz besondere Nächte. Schau dir das nächste Mal deinen Blumentopf ganz genau an…

Jedenfalls zog der Geist des Waldes in der Abenddämmerung davon zu einer kleinen Lichtung. Sie war mit wattigem Moos bedeckt. In die Mitte der Lichtung legte der Geist nun eine Hand voll flauschiger weißer Federn und eine Erdbeere. Dann setzte er sich hin und wartete auf den Mond. Als dieser silbern und rund über der Lichtung stand, geschah etwas Ungewöhnliches: von überall her kamen Nachtfalter und tanzten im Mondlicht. Dabei fiel Flügelstaub herab; auch auf die Federn und die Erdbeere. Sie wurden immer heller und ballten sich zu einer Kugel zusammen. Der Mond wanderte weiter und als er von der Lichtung aus nicht mehr zu sehen war, verschwanden die Falter ebenso schnell, wie sie gekommen waren und der leuchtende Ball in der Mitte der Lichtung war nun zu einem Ei zusammengeschmolzen. Der Geist näherte sich und betrachtete das zerbrechliche Ding mit der durchsichtigen Schale. Er konnte einen Strudel erkennen, der sich langsam drehte. Er lächelte zufrieden und schwebte davon. Jetzt musste er Geduld haben.

Stell dir ein Huhn vor. Es ist weiß, flauschig und ein wenig kleiner als andere Hühner. Wenn es an dir vorbeigeht, kannst du einen fruchtigen Hauch erhaschen. Leben tut es in einem Baumloch. Direkt neben einem Hasenbau. Der Baum steht an einem Feldrand in Nachbarschaft zu einem Hühnerstall. Es frisst Tag ein Tag aus rote Pflanzen; bevorzugt Klatschmohn, rote Rosen und Himbeeren. Im Winter schläft es und erwacht erst im Frühling, wenn die Sonne die Haut wieder zum prickeln bringen kann. Das Besondere an dem Huhn ist aber, dass es keine Eier legen kann. Es legt Erdbeeren. Herrlich saftige, süße, knallrote Erdbeeren. Man könnte meinen, dass es stolz darauf wäre. Aber nein. Es ist traurig, weil es nicht wie andere Hühner normale Eier legen kann. Außerdem schläft es ja das halbe Jahr und verpasst so viel von dem, was die anderen Hühner erleben. Es kann nicht mitreden und fühlt sich zudem nutzlos, klein und allein. Freunde hat es eigentlich keine. Nur mit den Schmetterlingen versteht es sich gut. Es würde so gerne Eier legen können und so sein wie die anderen. Es steht oft bei der Futtersuche am Zaun des Hühnerstalls und beobachtet die anderen. Es traut sich aber nicht mit ihnen zu reden, sondern schaut nur wehmütig.
Jedes Jahr im Frühling herrscht im Hasenbau geschäftiges Treiben und die Hühner im Stall sind ganz fleißig dabei Eier zu legen. Zu dieser Jahreszeit ist das Erdbeerhuhn besonders neidisch. Denn die Eier der Hühner werden von den Hasen kunstvoll verziert und dann ausgeliefert. Es würde so gerne einen Beitrag leisten. Stattdessen kann es nur zusehen. „Dieses Jahr“, dachte sich das Huhn, „will ich nicht mehr traurig sein. Ich will eine Wanderung machen und eine neue Klatschmohnwiese suchen.“

Gesagt, getan. Früh am Morgen mit der Sonne stand es auf und stakste los. Die Hasen waren schon wach. Vor ihrem Bau lag ein flaches, breites Rindenstück und darauf standen Walnusshälften mit angerührten Farben. Überall auf dem Boden waren Farbklekse. Das Erdbeerhuhn ließ das Hasenatelier hinter sich. Es lief den ganzen Tag und pickte hier und da nach roten Dingen. Vorbei ging der Weg an einer Lichtung mit weichem Moos, einem klaren, noch eiskalten Bachlauf, einem Feld mit zartem Grün und einer Wildwiese mit Frühblühern. Sogar Klatschmohn für das Mittagessen konnte das Huhn finden. Nach dem Essen wurde es müde und entschied sich wieder nach Hause zu gehen. Es war zufrieden mit dem Tag.

Als sein Heim in Sicht kam, drang aufgeregtes Gegacker und die schimpfende Stimme von Herrn Hase zu dem Erdbeerhuhn. „Komisch“, dachte es sich. Neugierig beschleunigte es seinen Schritt. Jetzt waren schon die ersten Worte zu verstehen. „…ist eine Katastrophe…“ und „…die wi…gste ..arbe…!“ Es bog um das letzte Grasbüschel. Die Hühner im Stall standen gedrängt in einer Reihe an den Zaun gepresst, denn das Spektakel spielte sich vor dem Hasenbau ab: die ganze Hasenfamilie war davor versammelt und blickte bestürzt auf die rote Pfütze in ihrer Mitte. Nur Herr Hase war ganz aufbracht und machte eine junge Hummel zur Schnecke. Offensichtlich hatte sie aus Bummeligkeit und Verträumtheit die Walnuss mit der roten Farbe von dem Rindentisch gestoßen. Das Erdbeerhuhn wusste, dass das nicht gut war, wunderte sich jedoch trotzdem, warum so ein Aufhebens darum gemacht wurde. Normalerweise hatte Familie Hase genug Farbvorräte. Darauf sprach es Herrn Hase nun auch an. „Na, eben nicht! Nicht dieses Jahr!“, rief er, „Einen Topf haben wir schon aufgebraucht und den anderen hat Hasi umgestoßen. Das jetzt war die letzte Portion für dieses Jahr!“ „Wo sollen wir denn jetzt so schnell noch rote Farbe herbekommen?“, fragte Frau Hase. Alle blicken ratlos drein. Auch das Erdbeerhuhn wusste keine Lösung. Auch wenn es immer traurig wurde beim Anblick der Eier, musste es doch zugeben, dass es Kunstwerke waren, die das Hasenatelier verließen. „Hach, Beeren bräuchte man jetzt… Aber die sind alle noch nicht reif…“, seufzte Oma Hase.

Auf einmal blicken alle das Erdbeerhuhn an. „Ja! Deine Erdbeeren, liebes Erdbeerhuhn! Damit können wir neue rote Farbe mischen! Kannst du uns helfen? Bitte!“ So wurde es von allen Seiten bestürmt. Es war ganz überrascht und so viel Aufmerksamkeit nicht gewöhnt. Aber eigentlich war es kein Problem für das Huhn. Also stimmte es zu und legte ein paar Erdbeeren mit dem sattesten Farbton, den man je gesehen hat. Jetzt ging alles ganz schnell, denn schließlich herrschte Zeitdruck. Farbe wurde gemischt, die letzten Eier bemalt und ausgeliefert. Die ganze Zeit über jubelten die Hühner und die Hummel flog Loopings. Das Erdbeerhuhn fühlte sich unsicher, aber freute sich zugleich unbändig. Am Abend fiel es erschöpft zu Bett. In den nächsten Tagen wurde es zu den Hühnern eingeladen und zu Familie Hase auch. Es erfuhr, dass auch die Hühner immer ein wenig neidisch auf das Erdbeerhuhn waren, denn sie liebten Erdbeeren! Sie dachten, dass das Erdbeerhuhn nicht mit ihnen befreundet sein wollte, weil es nie mit ihnen sprach und sie immer nur beobachtete. Sie gackerten die ganze Nacht hindurch und als der Morgen graute, taumelten alle zufrieden in ihre Betten. Das Erdbeerhuhn war glücklich wie nie.

6 Kommentare

Unterricht am 12. April 2021

Lustige Geschichte!!!

Hi und tschüss am 12. April 2021

cooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool Echt echt toll !!!

Marli am 8. April 2021

Toll!

Birgit am 5. April 2021

Liebe Solveig, sehr fantasievoll. Trau dich und schreib' weiter.

Lilja am 3. April 2021

COOL SUPER

Brianna am 1. April 2021

Ich mag deine Geschichte. Sie ist so lustig und passt richtig gut zu Ostern.