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Julia Löwenherz

Flüchten

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Selena, Mamoura und Eleonora. So heißen die drei vierzehnjährigen Schwestern der Familie Kinvara. Die Familie wohnt in einer schäbigen, alten Hütte mit Erdboden, mitten im ärmlichen Dorf Soueira. Gerade eben kamen die drei Schwestern von ihrer Arbeit zurück. In Soueira gab es keine Schule, alle Kinder mussten arbeiten. Selena, Mamoura und Eleonora arbeiteten auf dem großen Kornfeld, abseits des Dorfes. Jeden Tag, egal welches Wetter gerade mitspielte, mussten sie arbeiten gehen. Vor der Haustür putzten sie ihre Hände an ihren grauen Schürzen ab und gingen durch die morsche Tür ins Haus rein.

Die Wände waren kahl und der Lehm rieselte schon von der Decke.

«Wenn wir doch nur ein wenig mehr Geld verdienen würden… sogar bei Papas kleinem Schuhmachergeschäft läuft es schlecht.», seufzte Mamoura.

«Mutter, bist du hier?», rief Selena. Ihre Mutter Marika arbeitete morgens meist als Korbflechterin am täglichen Basar. So konnte sie wenigstens ein paar Zeros, das ist die soueirische Währung, verdienen. Nun kam die Mutter mit ihrer noch umgebundenen Arbeitsschürze, aus dem einzigen Zimmer, das es in diesem Haus noch gab, herausgeschritten. Sie hatte rote, verweinte Augen.

«Mutter! Wie siehst du denn aus! Was ist passiert?», riefen die drei Schwestern und rangen mit den Händen.

Marika setzte sich auf einen modrigen Holzstuhl und schluchzte in ihr abgenutztes Kleid. «Ich… oh Kinder, ich weiß nicht wie es mit uns weiter geht.»

«Mutter, nun sag endlich was los ist!», drängelte Eleonora besorgt.

«Ich… ich erwarte ein Kind.», sagte Mutter Marika und dicke Tränen liefen über ihre Wangen.

«Aber das ist doch schön!», sagte Mamoura etwas erleichtert. Sie war froh, dass nichts Schlimmes passiert war.

«Ja, ich verstehe schon, ihr findet das alle schön, doch woher kriegen wir das ganze Geld für den Arzt und das Kind? Allein schon der Arzt ist teuer und das Kind braucht Kleidung, Schuhe und Essen!», klagte Marika verzweifelt.

«Wir könnten mehr arbeiten gehen!», schlug Selena vor.

Die Mutter erwiderte: «Nein. Ihr arbeitet schon genug. Ihr seid noch Kinder und könnt schon nicht zur Schule.» 

6 Kommentare

Sarina Clearwater am 24. Oktober 2020

Liebe Julia. Das ist echt eine mega TOLLE Geschichte. Ich kann mir alles so vorstellen wie du es beschrieben hast. Lg Sarina♥️

Franziska am 22. Oktober 2020

Spannender Anfang. Dein Setting erinnert mich an eine Wüstenstadt, der ganze Staub, und der Erdboden. Ich weiß nicht ob das dein Plan war, aber es gefällt mir. Generell baust du eine coole Atmosphäre auf. Ich hoffe es gibt eine Fortsetzung, und ich hoffe ich komme mit den ganzen Namen nicht durcheinander, sollte es eine geben.

Lotte Leselust am 15. Oktober 2020

Schöne Geschichte, man kann nur hoffen, dass du dir das ausgedacht hast. PS: Warum schreibst du in der Vergangenheit?

Julia Löwenherz am 10. Oktober 2020

Danke, Luna! Es ist noch eine Fortsetzung in Sicht... LG Julia

Luna am 9. Oktober 2020

Voll tolle Geschichte

Luna am 9. Oktober 2020

Voll gute Geschichte