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Nicolas

Mac Darkness

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Es war eine dunkle verregnete Nacht, in der man mich hier hinaus schickte, um diese unsägliche Sache zu erledigen. Ein bekannter meines Freundes Derek bat ihn, mich auf diese Sache aufmerksam zu machen. Natürlich war meine Neugier sogleich erwacht, als ich hörte, dass es sich um eine übersinnliche Angelegenheit handle. Denn übersinnliches zieht mich gerade zu an. Mein Name ist übrigens Arthus Mac Darkness. Ich weiß, kein sehr vertrauenserweckender Name, aber ich trage ihn mit Stolz. Kaum einer kennt die Mac Darkness Familie mehr, obwohl sie einst sehr mächtig war. Die meisten Menschen nehmen mich kaum wahr, was mir gerade zu recht ist, denn ansonsten könnte ich nicht mehr so einfach meiner Tätigkeit nachgehen.

Man sollte an dieser Stelle wohl anmerken, dass ich kein normaler Mensch bin, obwohl es auf den ersten Blick so scheinen mag. Ich bin ein Magier und schon einige Jahrhunderte alt. Ich sah so einiges in meinem Leben, doch nie war die magische Welt so versteckt wie heute. Nur in Britannien, genauer gesagt in London und seiner Umgebung, zentriert sich noch eine hohe Anzahl magischer Wesen und diversen okkulten Zirkeln. Und hier kommen meine Wenigkeit und meine Tätigkeit ins Spiel, denn es stellt extreme Bedingungen an die Welt der Menschen, dass sich die Welten an einem solchen Ort überschneiden. Die magische Welt ist schon seit einiger Zeit in Vergessenheit geraten und wird von den Menschen als Aberglaube oder als Märchen abgetan. Doch die magische Welt ist sehr real und eine Bedrohung für die nichtmagische.

Naja, jedenfalls stehe ich nun an einer dunklen Straßenecke an der die Straßenbeleuchtung zersprungen ist. Es ist kalt, ich bin patsch nass und langsam glaube ich nicht mehr so ganz an die Geschichte, die Derek von seinem Bekannten gehört hat. Es handelte sich dabei um schwebende Lichter und unheimliche Geräusche, welche ihren Ursprung in der Gasse auf der anderen Straßenseite haben sollten. Mein Kaffee ist seit einer Dreiviertelstunde leer, und der Becher, den ich neben mich auf den Bordstein gestellt habe, läuft schon seit einiger Zeit über. Gerade als ich mir im nächsten Café einen neuen Kaffee holen und mich ein wenig aufwärmen wollte geschah es. Ganz schwach sah ich aus dem Augenwinkel ein Flackern. Toll… das waren wahrscheinlich Irrlichter. Wie ich diese kleinen Biester hasse. Irrlichter sind vielen als leuchtende Kugeln bekannt, welche Reisende in ihr Verderben führen. Ich wünschte mir, dass die Volkssagen einmal nicht so gnadenlos untertreiben würden. Irrlichter sind alles andere als nur leuchtende Kugeln. Eigentlich sind sie nicht mal rund. Es handelt sich dabei um Kobolde, nein nicht um die niedlichen kleinen Racker, welche in Irland mit einem Topf voll Gold dargestellt werden. Kobolde sehen ganz anders aus, sie haben nicht viel Menschliches an sich außer ihrer Statur. Fangen wir ganz unten an. Ihre Füße haben statt Zehen drei lange scharfe Krallen, dann folgen kurze krumme Beine, auf die man einen muskulösen Oberkörper mit vier Armen gesetzt hat. Ihr Kopf ähnelt dem eines Raubvogels, jedoch sprießen aus dem eines Irrlichts noch zwei leicht gebogene Hörner hinaus, deren Enden man lieber nicht zu nahe kommen sollte. Alles in allem sind sie nicht gerade hübsch an zu sehen. Das was sie Menschen als Kugel angesehen haben, ist die sehr unangenehme Ausdünstung, die die Irrlichter verströmen. Es handelt sich dabei um ein faulig riechendes Gas, das im Dunkeln leuchtet.

Nun genug der Beschreibung dieser widerlichen Biester, ich wechselte auf die andere Straßenseite und blieb vor der Gasse im Schatten eines geparkten Lieferwagens stehen. Im Normalfall suche ich immer die beste Lösung für die magischen Geschöpfe, doch in diesem Fall werde ich eine so von mir genannte Irrlicht-Ausnahme machen. Irrlichter sind zu nichts zu gebrauchen, sie stinken und sind keinem Geschöpf außer sich selbst wohl gesonnen. Ich schickte mich an, die zwei gebogenen Klingen hinten an meinem Gürtel los zu machen, als mir etwas ins Auge fiel. Lächelnd zog ich meine Hände von den Klingen zurück und griff nach dem Gegenstand, den ich erblickt hatte. Ich vergewisserte mich kurz, ob jemand gerade in der Nähe der Straße entlang ging, doch bei dem Sauwetter war ich der einzige, der hier draußen im Regen wandelte. Leise näherte ich mich mit angehaltenem Atem dem ersten Irrlicht. Mit einem vor Vorfreude riesigen Grinsen prüfte ich meinen Griff an meiner Waffe. Baaam!!! Mit vollem Schwung zog ich dem ersten Irrlicht die Bratpfanne über den hässlichen Schädel. Die Bratpfanne blieb auf den Hörnern des Scheusals stecken. Laut lachend bei dem Anblick zog ich nun doch meine Klingen unter meinem Mantel hervor. Zwei Irrlichter waren außer dem mit der Bratpfanne gepeinigten noch in der Gasse. Das erste zerteilte ich der Länge nach in zwei Hälften, die mit einem unappetitlichen Geräusch auf dem Pflaster aufschlugen. Das andere Irrlicht wich im letzten Moment gerade noch aus, so dass meine Klingen nur noch die Krallen erwischten. Das Irrlicht sah mich entsetzt an, als die Klingen die Krallen durchtrennten und nur noch eine Kralle in voller Länge zurück blieb. Es gibt nicht viele Dinge die eine Kralle eines Irrlichts durchtrennen können, doch meine Klingen sind auch einzigartig, doch dazu später mehr. In diesem Augenblick sprang mich das kleine widerliche Ding an und wollte mir mit einem rostigen Messer an die Gurgel. Erstaunt über den Wagemut des Irrlichts machte ich einen Satz nach hinten und entging so dem Angriff. Das würde mir das Ding büßen. Ich steckte meine Klingen zurück an den Gürtel und zog aus einer Manteltasche einen Lederbeutel, aus dem ein schmaler Griff heraus ragte. Kaum hatte ich den Beutel mit der linken Hand ergriffen und den Griff mit meiner anderen umschlossen, sprang mich das Irrlicht erneut an. Diesmal war ich eine Millisekunde zu langsam und mit seiner verbliebenen Kralle zerfetze es mir den Saum meines Mantels. Es zischte und klirrte, als ich die Klingenpeitsche aus dem Beutel zog. Es war ein sehr dünnes Model welches ich mit Magie aus einem Klumpen Titan gefertigt habe. Die Peitsche wickelte sich um das Irrlicht und die rasiermesserscharfen Klingen gruben sich in das Fleisch meines Gegners wie ein warmes Messer in Butter. Das Irrlicht zeigte keine Anzeichen von Schmerzen, sondern begann zu lachen. Das war ja mal ein richtig irres Irrlicht, aber bei diesen Dingern weiß man nie was in deren Köpfen vor sich ging. Mit einem starken Ruck zog ich an der Peitsche. Das umwickelte Irrlicht wurde in Fetzen gerissen und sein Faulgas verströmendes Fleisch verteilte sich in der Gasse wie eine Ladung Konfetti aus einer Konfettikanone. Angeekelt sah ich mich in der Gasse um. Was für eine Sauerei.

Es wurde Zeit Derek an zu rufen, alleine würde ich diese Gasse sicherlich nicht in Ordnung bringen. Fünfzehn Minuten später stand Derek mit einer großen Sporttasche neben mir in der Gasse. "Ist ja widerlich", meinte er "musst du immer so einen Heidendreck verursachen, wenn du auf Irrlichter triffst?" Schuldbewusst sah ich ihn an. Er wusste genau, dass ich das musste. Diese Viecher waren mir einfach zu lästig.

Derek war mein bester Freund seit ich ihn aus einem Sumpf gerettet hatte. Er war eines Nachts durch den Sumpf gestreift und geriet versehentlich in eine Falle von sehr missmutigen Zwergen. Durch einen glücklichen Zufall war ich in jener verhängnisvollen Nacht wegen genau dieser Zwerge auch dort. Gerade als sie Derek gefesselt und geknebelt in einen großen Topf voll kochender Brühe werfen wollten, fiel ich über einen Baumstrunk in die Mitte der Zwerge. Vor Überraschung hielten die Zwerge mitten in ihrem Kochvorgang inne und ließen Derek fallen. Ja ich weiß, nicht gerade eine meiner Glanzleistungen, aber was soll's. Also lag ich da in Mitten einer Horde missmutiger, hungriger und sicher nicht freundlicher Zwerge. Ich konnte es mir dennoch nicht verkneifen zu fragen, ob sie mich nicht zum Essen einladen wollten. Ein kleiner Ratschlag am Rande. Fragt nie Zwerge die dabei sind jemanden zu kochen, ob sie einen zum Essen einladen. Die Zwerge umringten mich und eh ich es mir versah lag ich gefesselt neben Derek. Meine Klingen hatten mir die Zwerge abgenommen und meine Taschen des Mantels waren jetzt auch alle leer. Eine hoffnungslose Situation, würden die meisten glauben, doch ich amüsierte mich prächtig. Zwerge sind nicht besonders helle Kerlchen. Sie sind zwar geschickt mit ihren Händen und können sehr kunstfertige Dinge herstellen, aber zum Denken sind sie einfach nicht gemacht. An meinem linken Handgelenk trage ich seit meiner Kindheit eine Kette mit einem sehr scharfkantigen Anhänger. Das eine oder andere Mal habe ich mich bereits selbst daran verletzt, doch es ist das einzige, was mir von meinen Eltern geblieben ist. Langsam aber stetig rieb ich mit dem Anhänger die Seile durch, welche mich zusammen schnürten. Die Zwerge bekamen davon nichts mit. Sie waren damit beschäftigt einen zweiten großen Kessel herbei zu schaffen. Als sie es endlich geschafft hatten begann ein Teil von ihnen damit, ein Feuer unter dem neuen Kessel zu entfachen, während die anderen emsig Eimer um Eimer Wasser in ihn hinein gossen. Ich spürte derweil wie sich meine Fesseln lockerten und sie schließlich schlaff auf mir lagen. Zentimeter um Zentimeter schob ich mich zu meinen Klingen und meinen übrigen Habseligkeiten. Derek, der verstand was ich tat, schob sich mit mir mit. Durch dies fiel es den Zwergen nicht auf, dass wir uns von unserem angestammten Platz weg bewegten. Minuten verstrichen in denen wir uns fast im Zeitlupentempo vorwärts schoben. Wir bewegten uns so langsam, dass es kaum als Fortbewegung angesehen werden konnte. Als ich in Reichweite meiner Sachen angelangt war geschah etwas, dass uns als perfekte Ablenkung diente. Einer der Zwerge war so enthusiastisch beim Eingießen des Wassers, dass er beim Wegziehen des Eimers den ganzen Kessel mit riss. Kochendes Wasser übergoss die nahestehenden Zwerge und Schmerzensschreie durchdrangen den Sumpf. Mit einer raschen Bewegung streifte ich die Seile ab und griff nach meinen Klingen. Die Klingen sirrten in der Luft und Dereks Fesseln lösten sich ebenfalls. Eilig stopfte ich die übrigen Dinge in meinen Mantel. Ich hielt Derek einen Dolch entgegen, doch der schüttelte nur den Kopf. Wir wichen von dem Schauspiel der Zwerge zurück, welche damit beschäftigt waren, den Zwerg, der den Kessel umgeworfen hatte, zu verkloppen. Jähzornige kleine Wesen diese Zwerge. Als wir schon fast außer Blickweite der Zwerge waren, erblickte uns einer der verbrühten Zwerge. Er schaute uns erst verdutzt an, dann gab er Alarm. Wie ein Mann drehte sich die Meute von Zwergen zu uns um. Ich zog meine Klingen, zumindest versuchte ich es.

Mitten in meiner Bewegung hielt ich inne. Das, was ich sah, erstaunte und ängstigte mich zu gleich. Nicht die Zwerge waren es, die mich wie angewurzelt stehen ließen, es war Derek. Dereks Körper wand sich in abnormalen Formen und ruckartigen Bewegungen. Da sah ich etwas, was ich für schon lange ausgestorben hielt. Derek war kein Mensch wie ich zuerst angenommen hatte. Lange weiß blitzende Zähne, Fellbüschel, eine lange Schnauze. Derek war ein Lykanthrop. Nicht nur ich war erstarrt, sondern auch die Zwerge. Ein tiefes bedrohliches Knurren drang aus Dereks Kehle. Die Zwerge zogen sich erst langsam, dann in wilden Durcheinander zurück, bis auf Derek und mich nur noch die Kessel zu sehen waren. Derek verwandelte sich unter leisem Jaulen zurück. Bald darauf saßen wir beide in meinem Wagen und fuhren zurück nach London. Als wir in den Morgenstunden ankamen, parkte ich den Wagen und wir setzten uns in ein Café.

Genau in diesem Café saßen wir auch nun wieder. Die Gasse sah nach unserer Aufräumarbeit besser aus als je zu vor. Hungrig biss ich in einen Bagel. Derek begnügte sich mit Kaffee. "Wenn nochmals jemand auf dich zukommt und von leuchtenden Kugeln erzählt, sag ihm er spinnt", mampfte ich mit vollem Mund. Derek verschluckte sich vor Lachen fast an seinem Kaffee. Ich sah in seinen Augen, dass er genau gewusst hatte, dass es sich bei der Sache um Irrlichter handelte. Diese Einsicht ließ mich dunkles ahnen. Ich hatte Derek schon seit längeren nicht mehr gesehen, da dieser auf der Suche des Ursprungs der Lykanthropen durch Skandinavien gereist war. Die Information über die Irrlichter gab er mir eher beiläufig bei einem unserer Telefonate, kurz vor seiner Rückkehr nach London. "Derek?" Ich sah ihn fragend an. Er holte tief Luft: "Es gibt da etwas, dass mich beunruhigt", fing er an. "Ich hörte auf meiner Reise viele Geschichten über einen Zirkel oder etwas ähnliches, der allerlei magische Wesen rekrutiert. Weshalb, wie oder wo weiß ich nicht, aber anscheinend hat dieser Zirkel eine Anziehungskraft auf üble Gestalten." Er nahm einen großen Schluck Kaffee. Gespannt auf das, was folgen mochte, fingerte ich an meinem Mantel herum. Meine Finger waren schon ganz schwitzig und voller Erwartung schaute ich Derek an. Doch er sprach nicht weiter, sondern fing an, in seiner Sporttasche zu kramen.

4 Kommentare

Lucy am 15. März 2019

Echt tolle Geschichte! Ich hoffe, es geht bald weiter!

Teresa Fünkchen am 13. März 2019

Ich will unbedingt wissen wie es weiter geht!!!

Nicolas am 10. März 2019

Liebe Kathi, ja ich habe zur Zeit viele Ideen um die Geschichte fortzusetzen. Ich stecke jedoch noch in einer Weiterbildung welche viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber es geht weiter

Kathie am 9. März 2019

Wow, schöne Geschichte, ich hoffe es gibt eine Fortsetzung