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Alaska

Mein Herz, meine Seele, mein Alles!

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Hallo, jetzt ist es endlich soweit, dass ich auch mal eine Geschichte hinzufüge! Ja, ich weiß, diese Geschichte ist sehr traurig, aber irgendwie fällt mir das ziemlich leicht so! Ich würde gerne eure Meinung in den Kommentaren lesen, viel Spaß beim Lesen ;)

Die Regenwolken verdunkelten den dämmrigen Himmel. Der Wind sauste durch die nassen Blätter der Bäume. Regen verschleierte meine Sicht auf die Landschaft, in der der Herbst eingezogen war.
Regentropfen, die in mein Gesicht zielten, vermischten sich mit meinen Tränen.
Schon wieder fragte ich mich nach dem Warum?...
Eisige Böen flatterten mir heftig entgegen.
Langsam kroch die Kälte in mir empor, während ich den matschigen Pfad entlang trottete.
Ich folgte schon seit Stunden diesem Pfad und hoffte darauf, dass er nie ein Ende nimmt.
Obwohl ich wusste, dass es sinnlos ist, versuchte ich, mir es wieder und wieder einzureden.
Warum?
Ich wusste es selbst nicht mehr, nichts mehr. Nur dass sie mir fehlte.
Ich fühlte mich so einsam nach ihrem Tod, so verlassen und unbeachtet von meiner Familie.
Früher waren wir beide der Mittelpunkt unserer Familie, nun bin ich alleine und unsichtbar. Als wäre ich mit ihr gegangen. Das Schlimme ist, dass es genau so ist. Ich war mit ihr gegangen!
Einfach weggeblasen, wie die Regentropfen vom Wind.
Weit fort, an einen anderen Ort.

Ich stand da, still weinend um meine Schwester.
Ihr Tod riss mich entzwei, ich lag tot in ihrem Sarg und doch atmete ich hier, oberhalb der Erdoberfläche die frische Sommerluft ein.
Wir waren eins, jetzt bin ich alleine.
Unser Herz war eins, jetzt ist meins gerissen.
Unsere Seelen waren eine, jetzt habe ich nur noch den Rest.
Unser Gesicht war eins, jetzt hatte ich keins mehr.
Schweißgebadet erwachte ich.
Tränen hatten ihre Spuren auf meinen Wangen hinterlassen.
Ich setzte mich auf und knipste das Licht an, um die Dunkelheit in meinem Herz zu bekämpfen.
Ich schnappte mir mein Schreibzeug und fing an wieder Worte zu formulieren, daraus Sätze zu bilden und einen Brief an sie zu schreiben.

Ich ließ den Stift sinken, zwar war ich nicht zufrieden mit meinem Gedicht, doch zufrieden werden würde ich sowieso nie mehr.

Einsam stand ich zwischen den schwachen Lichtern auf der Brücke.
Ich war alleine und hielt mein Gedicht in den vor Kälte zitternden Händen.
Der Wind pfiff mir um die Ohren und ich erhob die Stimme, bis ich glaubte, dass sie mich hören konnte.

„Hörst du, meine Schwester?!
 Mein Herz, Meine Seele, Mein Alles
Du bist gegangen, ohne mich,
Und jetzt ist es untragbar ohne dich,
Hast mein Herz gerissen und meine Seele gespalten,
Sonst wir zwei als eins galten...
Mein Stern, Meine Sonne, Mein Mond
Wir haben alles zusammen erlebt,
Jetzt mein Herz alleine bebt,
Dein Herz ruht nun still,
Ich auch in die Stille will...
Mein Licht, Mein Schatten, Mein Spiegel
Du warst mein Leben,
Jetzt bist du mein Tod,
Ich habe mich aufgegeben,
Aus der einsamen Not...
Mein zweites Ich, Meine Schwester, Mein Zwilling
Ich komme nun zu dir, dort werde ich bleiben,
Und meine Hand wird in deiner weilen...
Das habe ich dir versprochen,
Und das wird niemals gebrochen!“, schrie ich.

Nun stand ich da, mit schmerzendem Hals und weinte.
Ich schrie wütend und verzweifelt. Dann fasste ich mich und sprach weiter:

„Ich habe dich geliebt und so liebtest du mich
Wir waren eins und doch verschieden
Ich vermisse dich!
Mein Schutz, Mein Engel, Mein Licht
Warum bist du gegangen
Hast mich nicht mitgenommen
Ich würde auch weiter nichts von dir verlangen

Du alleine warst mein Licht und jetzt bist du erloschen!“

Dann kletterte ich über das Geländer und glitt in die Tiefe des reißenden Flusses. Wo ich im schwarzem Wasser versank und starb, doch bevor oder als ich das Bewusstsein verlor, schien mir als ob ich eine Gestalt sehe, die auf mich zu schwamm, und leuchtete.
Ich erkannte mein Gesicht, das Gesicht meiner Schwester, wie sie lächelte und mich an die Hand nahm. Dann bekam ich keine Luft mehr...

„Das sind Tayra und Alva.“ Haru deutete auf zwei hell leuchtende Sterne am tiefblauen Nachthimmel. Der Junge lächelte, als er an seine Schwestern dachte.
Seiner Mutter traten Tränen in die Augen. „Ja, das sind die beiden Zwillinge! Gott, wer dachte, dass sie so ihren Tod finden würden?!“
Sie nahm ihren Sohn in den Arm.
„Mum, ich hab heute ja Geburtstag“, spielte er an,„Ich bin jetzt 12, also hast du mir noch etwas zu erzählen! Du hast es versprochen!“
Der Junge grinste.
„Okay, ich erzähl dir, wie die beiden waren, und wenn es unbedingt sein muss auch, wie sie gestorben sind... Also, Tayra und Alva waren tolle Schwestern, sie haben meist gemeinsam ihren Bruder geärgert, Haru, er hat es sich eigentlich immer gefallen lassen... Sie haben alles gemeinsam gemacht, sie wollten selbst von einem Teller Nudeln essen... Sie haben die gleiche Schule besucht und sind in die gleiche Klasse gegangen. Tayra war in Sport, Biologie, Mathe, Physik und Chemie besser und Alva war in Sprachen, Musik, Kunst und Geschichte besser, so halfen sie sich bei den Hausaufgaben und schrieben durchschnittliche Noten... Sie haben sich wirklich nie gestritten, bis auf das eine Mal, da ging es darum, dass Tayra alleine den Kakao ausgetrunken hat, Alva war 5 Minuten lang beleidigt, dann mussten die beiden lachen... Ich fand sie waren das perfekte Zwillingspaar, sie waren der Mittelpunkt der Familie...
Dann wurde die Stadt schwer krank, viele Menschen starben und die Schule fiel aus. Tayra hatte schon immer ein starkes Immunsystem, doch Alva wurde krank. Tayra saß Tag und Nacht an der Seite ihrer Schwester. Sie schlief kaum und kühlte Alva's Stirn. Generell kümmerte sie sich so fürsorglich um ihre Schwester, wie es kein Arzt hätte schaffen können. Und ich denke, ohne Tayra wäre Alva früher gestorben. In jener Nacht, in der Tayra das erste Mal richtig einschlief, starb Alva. Am nächsten Morgen brach Tayra zusammen, nicht das sie umkippte oder so, nein! Sie brach innerlich zusammen, fiel in sich ein und verweigerte alles, Essen, Schule... alles! Sie sprach nicht mehr und ich hörte sie jeden Abend unruhig und weinend sich hin und her wälzen... Tayra war von nun auf traurig, fast depressiv und ich verzieh es mir nie, dass ich ihr nicht mehr Unterstützung gegeben habe! Viele Wochen und Monate litt Tayra. Der Tod ihrer Schwester war fast auch ihr Tod, nur dass sie weiter leben musste, weiter atmen musste und jede Minute ums neue sterben musste...
Es war unglaublich einen so verzweifelten Menschen zu sehen. In der Familie, wie mir heutzutage auffällt, wurde sie nun kaum noch beachtet. Sie war für uns unsichtbar!
Dann nach zwei-drei Monaten kam auch Tayra's Tod, sie wählte ihn und es war ihre alleinige Entscheidung. Sie sprang von einer Brücke und nahm sich das Leben, welches, ihrer Meinung nach ohne ihre Schwester nicht mehr aushaltbar war. Ich kann sie nur zu gut verstehen! Und jetzt leben wir nur noch zu dritt, du, dein Vater und ich...“

Und doch wusste keiner, dass Tayra glücklich, Hand in Hand mit ihrer Schwester, Alva, von der Welt gegangen war. Es war ein Geheimnis, zwischen den zwei unzertrennlichsten Zwillingsschwestern, die selbst der Tod nicht davon abhielt, sich zu lieben.
Nun strahlten sie vielleicht im schwarzem Nachthimmel oder trieben wie zwei Geister im Meer. Doch eins ist sicher, ihre Hände würden sich nie mehr trennen!

3 Kommentare

Alaska am 29. März 2020

Ach so, Goupi, was vielleicht mich noch dazu anregt so etwas zu schreiben ist, dass ich mir eine Zeit lang auch eine Zwillingsschwester gewünscht habe und aber keine hatte, diese hab ich dann vielleicht auch vermisst und noch jemanden anders... Lg Alaska

Alaska am 29. März 2020

Nein, ich schreibe nicht aus eigener Erfahrung... (Zum Glück!) Aber ich finde es irgendwie einfach so zu schreiben, ich kann mich aber sehr gut in die Hauptperson hereinversetzen... Ich hatte auch mal ne Phase wo es mir nicht so gut ging... Vielen dank für dein Kommentar, ich freue mich sehr!!!

Goupi am 27. März 2020

Oha harter Tobak Wirklich echt traurig aber mega gut geschrieben Schreibst du aus eigener Erfahrung? Wenn ja tut es mit echt leid