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Anna Colombi

Time Creatures

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Prolog

Die zwölfjährige Verena wohnt in einem schönen Haus am Ende einer langen Straße am Rande eines kleinen Dorfes. Sie lebt nicht bei ihren Eltern, sondern sie hat einen sehr netten Pflegevater, der Markus heißt, und Sonja ihre Pflegemutter, welche sie schon seit ihrem fünften Lebensjahr kennt. Ihr Vater ist schon so lange weg, dass sie glaubt, dass er schon gar nicht mehr am Leben ist. Er war sogar vor ihrer Mutter verschwunden! Ihre Mutter Victoria ist nicht mehr da, seit sie fünf ist und sie kann sich kaum an sie erinnern. Deshalb lebt Verena nun hier. Für sie ist es ganz normal, in einer anderen Familie zu wohnen und aufzuwachsen. Doch plötzlich ändert sich ihr ganzes Leben...

Der Fremde

Eines sonnigen Wintermorgens – es war Samstag – wurde ich vom Klingeln der Haustür geweckt, welches lauter und schriller als sonst durch das ganze Haus hallte. Ich lauschte einen Moment, ob jemand die Tür öffnete, und schaute aus dem Fenster. Dort sah ich, dass an der Tür ein großer, dünner Mann mit grauen Haaren und einem Vollbart stand, welcher wild gestikulierend auf meinen Pflegevater einsprach und kurzerhand ins Haus trat, nachdem mein Vater ihn mit müder Miene hinein gebeten hatte. Ich verkniff mir ein Kichern und zog mir schnell meine rote Lieblingshose und meinen blauen Longpulli an, bevor ich leise die Treppe hinunter schlich, um den fremden Mann verstehen zu können.
Am Ende der Treppe blieb ich stehen, sodass mich niemand sehen konnte. Gerade als ich angekommen war, liefen die beiden Männer in die gemütlich hellblau gestrichene Küche und setzten sich an den dunkelbraunen Holztisch, welcher mit einer blass gelben Tischdecke bedeckt war. Ich spazierte ihnen nach kurzem Überlegen hinterher, als ob ich nichts mitbekommen hätte, worauf mein dunkelbraunhaariger Pflegevater mich entdeckte und gleich den Mund öffnete: „Guten Morgen, Verena! Das hier“, er zeigte auf den Fremden, „ist Leonardo Hour, der deine …ähm…“, mein Pflegevater zögerte kurz, „verschwundenen Eltern sehr gut kannte.“ Ich stand im Türrahmen und überlegte, worauf mein Vater letztendlich hinaus wollte, da redete er schon weiter: „Er hat vorgeschlagen, dich zu einer Pflegefamilie zu bringen, in der auch deine Mutter und dein Vater schon waren!“ Ich spürte, wie mein Herz klopfte: Meine Mutter, mein Vater? Mein freudiger Pflegevater redete ohne Punkt und Komma: „ Wie findest du das? Du kannst uns natürlich auch schreiben und immer noch Kontakt zu uns haben…“ Ich schlich langsam Richtung Spüle, öffnete die magnetische Kühlschranktür, suchte eine Milchflasche, holte sie heraus und nahm mir ein sauberes Glas, das neben der Spüle stand. Während ich den Deckel aufschraubte und mir etwas Milch in das Glas schüttete, hörte ich zum ersten Mal die beruhigende Stimme von Herrn Hour: „Du siehst aus wie deine Mutter!“ Ich trank die Milch mit einem Zug leer und hörte mich sagen: „ Ja, ich komme mit!“ Mein Vater bekam ein breites Grinsen in sein schmales Gesicht gezaubert und ich verspürte eine Art von Vorfreude, welche ich noch nie erlebt hatte. „Klar, ich mag meine jetzige Familie sehr, aber etwas Neues“, dachte ich mir, „kann auch nicht schaden.“ Ich grinste den fremden Mann an und fragte glücklich: „Wann geht´s los?“ Herr Hour antwortete ebenfalls grinsend: „Jetzt, nachdem du deinen Koffer gepackt hast. Du musste nicht allzu viel mitnehmen, denn auf dich warten schon viele Sachen!“
Markus sagte meiner Pflegemutter Bescheid, worauf Sonja auch hinunterkam, um sich zu verabschieden. (Meine Pflegeeltern schienen den Mann schon gekannt zu haben, deshalb war der Umzug kein großes Thema.) Währenddessen war ich in mein Zimmer gerannt, um meinen Koffer zu packen, was auch ganz schnell ging, denn ich brauchte ja nicht sehr viel. Kurz darauf schleppte Herr Hour meinen Koffer zu seinem schwarzen Mercedes und hievte ihn in den breiten Kofferraum. Ich folgte ihm und der Mann forderte mich auf, in das Auto zu steigen. Daraufhin setzte ich mich auf den Beifahrersitz des Wagens und packte meine Semmel aus, die meine Pflegemutter mir noch gemacht hatte, damit ich nicht mit leerem Magen fahren musste. Nachdem der Mann noch einige Worte mit meinen Pflegeeltern gewechselt hatte, rutschte der dünne, nicht mehr ganz so fremde Mann hinter das Steuer und startete den Motor. Während Herr Hour ausparkte, sah ich aus dem Autofenster und erblickte meine Pflegeeltern, die mir hinterher winkten. Ich verspürte jetzt schon ein kleines bisschen Heimweh, aber die Aufregung verscheuchte das mulmige Gefühl. Wir fuhren eine Weile schweigend, bis die beruhigende Stimme in die Stille sprach: „Wie du weißt, heiße ich Leonardo Hour, aber ich bevorzuge nur Leonardo.“ „Okay!“, bekam ich nur heraus. „Dort, wo wir nun hinfahren, wird es um einiges anders sein, als es bei dir gewesen ist, denn wir fahren – anders als ich gesagt habe – zu einem Internat.“ Ich schnappte nach Luft. Ein Internat? Als hätte Leonardo meine Gedanken gelesen, redete er weiter: „ Du musst aber keine Angst haben, denn du wirst sehen, dass es ein ganz besonderes Internat ist! Aber du musst versprechen, dass du niemandem von diesem Internat erzählen wirst, auch nicht in den Briefen an deine bisherigen Pflegeeltern, verstanden?“ Mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf: Ein ganz besonderes Internat. Niemandem davon erzählen… Meine Vorfreude machte sich nun wieder breit in mir: „Ich verspreche es! Stimmt es aber trotzdem, dass meine Eltern dort waren?“ Leonardo legte den Kopf schief und tat so, als ob er scharf nachdenken müsste, schließlich antwortete er: „Ja, deine Eltern waren dort und ich habe sie auch sehr gut gekannt und gemocht.“ Ich wollte gerade Luft holen, um eine Frage zu stellen, die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brannte, aber in diesem Moment fügte der alte Mann hinzu: „Und jetzt stellst du bitte keine Fragen mehr, denn wir sind gleich angekommen!“ Es stimmte, langsam fuhren wir in einen umzäunten, kleinen Wald hinein, welcher – nach dem Schild am Rande des Zauns zu schließen – Privatbesitz der Familie Hour war und ganz langsam erschien vor uns ein ganz normales Haus, welches aber, das fühlte ich, große Geheimnisse verbarg…

Neue Welt und noch mehr Welten

Nachdem Leonardo seinen Mercedes neben der grünen Eingangstür geparkt hatte und wir in das ockergelb gestrichene Haus getreten waren, wurde mir klar, dass das Haus von außen viel kleiner schien, als es in Wirklichkeit war. Ich stand in einer großen Eingangshalle, welche mit Parkettboden ausgestattet war. An den Wänden hingen Bilder von früheren Zeiten und links und rechts neben einer dunkelbraunen Holztür, welche gegenüber der Eingangstür lag, stand jeweils ein hellbrauner, großer Schrank.
Nach wenigen Augenblicken öffnete sich knarrend die Tür auf der linken Seite der Haustür und zwei Jungen und ein Mädchen in meinem Alter huschten hindurch. Aufgeregt blieben sie vor mir stehen, musterten mich misstrauisch und nach einer kleinen Handbewegung von Leonardo stellten sie sich vor: „Herzlich Willkommen, Verena! Mein Name ist Leonora und die beiden Jungen neben mir heißen Alexander und Charly.“ Das Mädchen, das mit Sicherheit genau so alt wie ich und die anderen beiden Jungen war, zeigte zuerst auf einen blondhaarigen Buben, der eine Brille auf der Nase trug, und dann auf den anderen braunhaarigen mit Sommersprossen gesprenkeltem Gesicht. Leonora hatte schöne lange, braune Haare und ein wunderschönes Gesicht. Ich wusste gleich, dass ich mich mit ihr gut verstehen würde, und auf mein Gesicht zauberte sich ein Lächeln. Plötzlich riss Leonardo mich aus meinen Gedanken und sagte zu mir gewendet: „Du wirst mit Leonora ein Zimmer teilen, Charly und Alexander schlafen im Zimmer nebenan. Ich werde nun in mein Büro gehen, du wirst nun mit den Dreien eine Führung durch dein neues Zuhause machen und danach“, er richtete seinen Blick auf Charly, Leonora und Alexander, „schickt ihr sie zu mir!“ Leonardo drehte sich abrupt um und verschwand durch die Tür, die gegenüber der Haustür lag. Ich blickte ihm verdutzt nach und spielte diese Szene noch einmal in meinem Kopf ab, weil Leonardo so schnell gesprochen hatte, dass ich schon wieder alle seine Befehle vergessen hatte, da wurde ich zum zweiten Mal aus meinen Gedanken gerissen. „Wie wäre es, wenn wir erst einmal die “Führung“ machen, du dann zu Leonardo gehst und danach richten wir beide unser Zimmer ein?“, kicherte Leonora, nachdem sie mein verwundertes Gesicht gesehen hatte. Zum ersten Mal, seit ich in diesem Haus war, fand ich meine Stimme wieder. „Okay!“, sagte ich mit erstaunlich fester, aber auch interessierter Stimme. Alexander nahm meinen Koffer und Charly wie ganz selbstverständlich meine Hand, worauf ich rot wurde und schnell meine Hand wegzog, weil ich noch nie einem Jungen in meinem Alter die Hand gegeben hatte. „Ups!“, sagte die unvertraute, aber schöne Stimme von Charly, der ebenfalls knallrot wurde und sich schnell wegdrehte.

So, als hätte niemand etwas bemerkt, nahm nun Leonora meine Hand und zog mich nicht allzu unsanft durch die Tür, die gegenüber der Tür lag, aus der die drei gekommen waren. Jetzt standen wir in einem langen Flur, der bunt angemalte Wände hatte, die ich erstaunt anstarrte. „Hat das gesamte Internat bemalen dürfen!“, sagte Alexanders kratzige Stimme schnell, als er meinen Blick sah, „Jeder oder jede Neue darf auch etwas darauf malen. Du machst das heute Nachmittag mit Leonora.“ Er lächelte zu Leonora und sie lächelte zurück. Leonora setzte fort: „ In diesem Flur sind die Schlafzimmer von allen Kindern und direkt hier ist das Zimmer von Alexander und Charly. Jedes Zimmer hat seine eigene Toilette und unser Zimmer ist hier direkt neben dem Zimmer der Jungen. Wie du siehst, ist hier fast gegenüber von unserer Zimmertür eine Gartentür. Sie führt in den Garten, den auch wir Kinder selbst gestalten dürfen.“ Ich blickte mich interessiert um: An jeder Zimmertür waren selbst gebastelte Namensschilder und ein Symbol, das bei jeder Tür anders war. An der Tür der beiden Jungen war eine Sonne und die Namen Charly und Alexander. An der nächsten Tür, die in mein neues Zimmer führen würde, war eine Spirale und nur der Name von Leonora angebracht, wahrscheinlich musste ich meinen Namen selbst noch basteln. Als ich in den Innenhof-Garten hinausschaute, sah ich bunte Blumenbeete und eine schöne grüne Wiese. „Kommt! Wir gehen weiter“, sagte Charly nach wenigen Sekunden. Also gingen wir schweigend den Flur entlang, und Leonora erklärte, wo was war. Der Flur endete an einer großen Halle und Leonora setzte fort: „Also an dieser rechten Seite des Flurs kommen nur noch Zimmer und Waschräume, wenn du weiter gehst, also müssen wir dort gar nicht hinter. Aber dort“, sie zeigte auf einen Raum mit einem Stern als Zeichen auf der Tür, „ist der Vorratsraum, da ist Essensvorrat und so weiter drin“, sprach sie weiter mit einen Blick auf Alexander. Ich blickte zur Vorratskammer und entdeckte eine weitere Tür, auf der ein Kreis angebracht war. Dazu sagten meine neuen Freunde aber nichts. In der Halle, wo wir nun standen, standen und lagen in den Ecken Bänke und Sitzsäcke, auf denen auch viele Kinder saßen und lasen oder quatschten. Der komplette Boden war aus Parkett und die Wände waren immer noch bunt angemalt wie im Flur. Charly forderte uns auf, weiterzugehen, aber diesmal nach links durch die Halle, woraufhin wir weiter schlenderten. Nun lag vor uns ein offener Raum, auf dessen Tür ein Messer abgebildet war. „Dieser Raum ist der Beste – die Küche und der Essenssaal!“, das war Alexanders Stimme und Leonora lachte, „Naja, ich finde gewisse andere Zimmer auch gut“, kam von ihr, worauf ich nicht weiter einging. Links neben uns öffnete sich eine Tür, auf der eine Wolke abgebildet war, und zwei Mädchen kamen mit Büchern hinaus, blickten kurz auf und verschwanden Richtung Waschräume. Auf einen fragenden Blick von mir zu Leonora erklärte sie mir: „Das hätten wir fast vergessen – das ist der stille Aufenthaltsraum.
Da kannst du dich ausruhen, aber du musst leise sein.“ „Ah!“, war meine Antwort. Alexander fragte: „Gehen wir weiter? Schließlich muss Verena noch zu Leonardo.“ Leonora und Charly nickten und schon ging es weiter. Wir schlenderten an der Küche vorbei, kamen an zwei Klassenzimmern (viele Schüler, die schon größer waren, besuchten auch ganz normale Schulen), einer Toilette, dem Büro von Leonardo und schließlich, am Ende des Ganges, an einer Bibliothek vorbei, wo man sich Bücher ausleihen durfte. Gegenüber der Bibliothek war eine Tür ohne ein Zeichen und als hätte Charly meine Gedanken gelesen, sagte er schnell: „Die Tür führt wieder zum Eingangsbereich.“ Ich lächelte, denn mir fiel auf, dass ich heute nicht viel gesagt hatte, aber alle mich verstanden hatten. Plötzlich unterbrach Leonora meine Gedanken: „So, das war unsere Internatführung! Du musst jetzt ins Büro von Leonardo und später treffen wir uns in der Bibliothek, okay?“ Ich nickte und sagte selbstentschlossen: „Okay! Vielen Dank für die Führung. Und ab jetzt werde ich mich nicht mehr so zurückhalten!“ Ich kicherte und Leonora antwortete grinsend: „Na endlich! Wurde auch Zeit, dass du mal etwas sagst.“ Jetzt lachten wir vier zusammen und konnten fast nicht mehr aufhören, aber schließlich erinnerte ich mich an den Termin bei Leonardo und schlich, nachdem ich mich von meinen Freunden verabschiedet und an Leonardos Tür geklopft hatte, in sein Büro.
Ich war überwältigt: Im ganzen Raum standen verschiedene Uhren, so viele verschiedene Uhren hatte ich noch nie gesehen! Die Wand war mit einer Tapete bedeckt –natürlich auch mit Uhren. Dort waren große hellbraune Schränke und mitten zwischen den vielen Uhren stand ein großer Schreibtisch, hinter dem Leonardo mit ruhenden Augen auf mich gerichtet saß. „Setze dich bitte!“ sagte er und ich tat, wie er verlangte und setzte mich auf einen braunen Sessel, der genau so aussah wie der von Leonardo. Dann ergriff Leonardo das Wort und ich hörte gebannt zu: „Verena. Du hast unser Internat gesehen - an dem ich der Direktor bin, was du vielleicht schon bemerkt hast - und dir ist bestimmt aufgefallen, dass du über zwei Türen nicht Bescheid weißt, was nicht daran liegt, dass deine neuen Freunde keine Lust hatten, dir zu erklären, was das für Räume sind, sondern“, ich unterbrach Leonardo: „Entschuldigung! Ich habe nur eine Tür nicht erklärt bekommen, nämlich die neben der Vorratskammer!“ Leonardo legte die Stirn in Falten und antwortete dann: „Neben der Küche, rechts, ist noch ein Raum, den habt ihr bestimmt übersehen.“ „Ah!“, sagte ich kleinlaut. Da fuhr Leonardo fort: „Auf jeden Fall wollten es dir deine Freunde nicht nicht erklären, sondern es liegt daran, dass, wie ich heute Morgen schon gesagt habe, das ein besonderes Internat ist. Du weißt doch sicher, dass “Hour“ Englisch ist und eigentlich “Stunde“ heißt, oder?“ Ich nickte, denn das hatte ich mir ausnahmsweise in der Schule gemerkt. „Unser Internat hat etwas mit Zeit zu tun, nämlich, dass dies ein Internat für Zeitreise ist.“ Mir stockte der Atem: Hat Leonardo Recht? Ist das wirklich ein Internat für Zeitreise? Ich beschloss, es zu glauben, denn so ein alter Mann, der so etwas so überzeugend sagt, musste einfach Recht haben, und außerdem war es wahrscheinlicher, dass es stimmte, weil irgendwie alles in diesem Internat mit Zeit zu tun hatte! Schon wieder wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, diesmal wieder von Leonardo: „Ich werde dir eine Kette geben, die jeder in diesem Internat trägt…deine Eltern haben sie auch schon bekommen, als sie hierher kamen. Du musst sie bei jeder Zeitreise - die du übrigens nur unternimmst, wenn ich es erlaube – dabei haben, weil du ohne diese Kette nicht zurück hierher kannst und du für immer in der Welt bleiben musst, wo du sie verloren hast.“ Leonardo hob eine silberne Kette hoch, die einen runden Anhänger hatte, auf dem eine Uhr eingeprägt war. Er legte die Kette auf ein kleines Kissen auf dem Schreibtisch und setzte seinen Vortrag fort: „Kommen wir zum nächsten Punkt – dem Namen: Wie du weißt, heiße ich Leonardo Hour und da unser geheimes Internat wie eine große Familie ist, heißen wir alle gleich, nämlich “Hour“! Das heißt, dass du von nun an Verena Hour heißt. Aber vergiss nicht: Es ist geheim, das heißt, dass du zwar in anderen Zeiten Hour heißt, aber wenn du deinen Pflegeeltern Briefe schreibst, immer deinen alten Namen angibst. Die Adresse dieses Internats lautet: Waldgasse 1 ... Damit deine Pflegeeltern dir zurückschreiben können.“ „Danke!“, sagte ich. „Nächster Punkt – geheime Zimmer: Das Zimmer neben der Küche ist der Zeitraum. Von diesem Raum kannst du in eine andere Zeit reisen. Aber du darfst dort nur mit meiner Erlaubnis hinein, das ist sehr wichtig! Zum anderen Raum kommen wir beim nächsten Punkt – Begleiter: Du wirst später in den Zeitraum gehen dürfen und mit einem deiner Freunde ein Tier abholen, was so abläuft, dass ihr in den Zeitraum hineingeht und in dem Zeitraum befindet sich ein Tier, was dann deines ist. Es wird dein Haustier sein und du musst dich um das Tier kümmern. Du fragst dich jetzt wahrscheinlich – wozu soll das sein? Ich erkläre es dir: Das Tier musst du genau wie deine Kette immer in anderen Zeiten dabei haben und jeder hat sein eigenes Tier – okay?“ Ich brauchte einen Moment, um ihm folgen zu können, doch dann begriff ich es: „Verstanden! Aber wo soll ich das Tier halten?“ Leonardo lächelte: „Jetzt kommt der andere Raum ins Spiel, denn dort ist viel Platz für Tiere, das ist der Tierraum, aber du kannst das Tier auch in deinem Zimmer haben, wenn es deiner Mitbewohnerin nichts ausmacht!“ In meinem Kopf drehte sich alles: So viel Aufregendes an einem Tag und dieser war noch nicht einmal zu Ende! Aber bevor ich mir weiter ausmalen konnte, wie dieser Tag weitergehen würde, erhob sich wieder die Stimme Leonardos´: „Wegen deiner Bildung: Natürlich hast du noch Unterricht, aber nun hast du ihn hier im Internat und als Zusatzfach hast du eben Zeitreise…So, kommen wir zum Ende der Einweisung.“ Leonardo nahm wieder die Kette zur Hand und hauchte fast andächtig: „Erhebe dich!“ Ich verstand sofort, dass nicht der richtige Moment zum reden war, also stand ich schweigend auf, worauf auch der Direktor aufstand und sich mir näherte. „Diese Kette wird von nun an dir gehören und sie wird dich überallhin begleiten. Ich lege dir die Kette um den Hals.“ Leonardo wisperte noch ein paar unverständliche Worte bevor er mir dann die Kette anzog. Ich fühlte die kühle Kette an meinem Hals und mich durchströmte Freude, Kraft und Mut zugleich. Ein paar Augenblicke verstrichen und Leonardo setzte sich schweigend und andächtig in seinen Sessel. Nach kurzem Zögern setzte auch ich mich wieder und Leonardo lächelte. „Du bist nun ein Teil von uns! Du darfst jetzt zu deinen Freunden gehen.“, sagte er, nun wieder in normalem Tonfall. Ich lächelte ebenfalls und verabschiedete mich zufrieden: „Vielen Dank für alles! Auf Wiedersehen!“ Leonardo nickte und ich spazierte überglücklich aus dem Büro.

5 Kommentare

Anna am 5. August 2020

Hallo, vielen Dank Zoë, für deinen Tipp. Ich werde darauf achten und meine Geschichte verbessern!

Anna am 5. August 2020

Hallo Diana! Danke für das Lob!

Zoë am 4. August 2020

Finde ich auch aber mir ist aufgefallen, dass du am Anfang sehr oft das Wort 'welche' verwendest. Das würde ich an deiner Stelle nochmal etwas ändern ansonsten gut.

Diana am 3. August 2020

Mega gute Geschichte!!!

Anna am 1. August 2020

Hallo! Ich freue mich auf Kommentare!