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Caro

Unvollendetes Leben

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Hallo ich bin Caro. Ich habe mich für diese Gechichte etwas inspirieren lassen. Ich hoffe, sie gefällt. Viel Spaß beim Lesen. :)

Ich saß wie immer unter "meiner" Brücke. Es war nass und kalt und ich hatte gerade auf gar nichts Lust so wie an jedem Regentag. ,,Sche*ße!" Ich blickte wütend auf die kleine Pfütze, die sich vor meinen Fußen gesammelt hatte. Mein Fuß pochte schrecklich und ich zog mich noch mehr unter meine Brücke. Die Schmerzen waren kaum zu ertragen. >>Ich hasse mein langes Leben und ich hasse mein Vampirdasein.

Ja Vampir! Unsterblich, Super stark, blitzschnell, blutabhängig, allergisch gegen Licht und Wasser. Besonders Wasser tat mir sehr weh. Bäh, so kalt und nass und... Ich hasse es! Außerdem muss ich mich hier verstecken und bin so gut wie immer allein. Ich kann nie lange unter Menschen sein, sonst würde auffallen, dass ich nicht wachse. Und nachts ist sowieso immer nichts los.<< Ich hasste eigentlich so gut wie alles und wäre ich nicht unsterblich, würde ich mich wahrscheinlich kurz und nicht schmerzhaft töten. Irgendwann schaffte ich es, mich in den Schlaf zu meckern.

Am nächsten Abend ging die Sonne schnell unter. Ich beschloss, einen kleinen Sparziergang zu machen und vielleicht einem kleinen dummen Menschen übern Weg zu laufen. Ich hatte Hunger. Leider hatte ich nicht viel Glück. ,,Natürlich, es ist Weihnachten." Ich seufzte und ging eine Straße in einem Wohngebiet entlang. Es tat weh, den glücklichen Familien beim Feiern zuzusehen. Nicht dass ich es ihnen nicht gönnen würde. Ich hasste die Menschen einfach nur. Aber ich hasste so ziemlich alles. Obwohl ich die Menschen wahrscheinlich nur verabscheute, weil sie alles das hatten, was ich nicht hatte: ein Zuhause, eine Familie, glückliche so wie schreckliche Zeiten, und sie konnten tun und lassen was sie wollen. Genau das Gegenteil von dem, was ich erbärmlicherweise mein Leben nennen konnte. Ich seufzte. Mir ging's mal wieder super.

Ich hatte riesigen Hunger. >>Wenn ich nicht gleich irgendetwas zu essen bekomme, dann werde ich einfach in irgendein Haus stürmen und mir den ersten nehmen, der mir in die Finger läuft.<< Ich schnaubte, doch dann besann ich mich und machte kehrt. Im Einkaufsviertel lief ich durch ein paar Gassen. Auf einmal stoppte ich. Ich hörte zwei Männer Mitte 20 laut johlend durch das Abteil mit den Essensläden, das fünf Blocks entfernt war, laufen. Es war nicht zu überhören, dass die beiden besoffen waren. Natürlich. Aber weil ich keine bessere Lösung wusste, lief ich in Vampir-Geschwindigkeit zu ihnen und schubste sie in eine Gasse. Dort angekommen sah ich in ihre Augen, was dadurch, dass sie schon gar nicht mehr bei Sinnen waren, ziemlich schwer war. Dennoch schaffte ich es, sie zu hypnotisieren und biss einen nach den anderen in den Hals. Es tat so gut endlich wieder etwas zu trinken. Das hatte ich so vermisst. Jedoch hasste ich den dollen Nachgeschmack durch den Alkohol. Aber ich hatte Hunger und dagegen konnte ich nichts tun. Etwas wankend lief ich langsam die Straßen entlang. >>Mann das war echt zu viel. Wie kann man so viel trinken? Mir wird schon jetzt schlecht, dabei habe ich doch nur das Blut getrunken. Ich denke nie nach wenn ich Hunger habe.<< Müde ging ich wieder zu meiner Brücke und legte mich schlafen. Die Sonne hatte zwar noch lange nicht vor aufzugehen, aber ich war einfach totmüde. Es ist so, dass Alkohol für Vampire zehnmal so ermüdend ist. Egal wie wenig man trinkt. Ich hasste Alkohol. Warum erfanden die Menschen so was Schreckliches. Aber mittlerweile wusste ich, dass die Menschen viel taten wenn der Tag lang war. Deswegen fand ich die Nacht um so schöner.

Am nächsten Abend ging ich wieder meine Runde und snäckte noch eine kleine Katze. Ich war noch zu satt vom Abend zuvor. Es war mal wieder nicht viel los, und deswegen kletterte ich auf den kleinen Glockenturm und genoss die Aussicht. So ziemlich das einzige, was ich nicht hasste. Wie die Dachziegel im Licht des Mondes schimmerten und der Wind mit der kalten Brise, die um mich wehte. Und... doch dann sah ich eine Gestalt. Ich wusste nicht warum, aber diese Gestalt hatte etwas an sich, was mich sehr interessierte. Ich sprang vom Turm auf ein nahe liegendes Dach und rannte in Windeseile der Gestalt hinterher. Die Gestalt war jedoch unnormal schnell, so dass ich sie trotz meiner Supergeschwindigkeit nicht ganz einholen konnte. Schließlich rannten wir in einen naheliegenden Wald. Doch nach einer Weile verlor ich die Gestalt aus den Augen. Ich war nicht sehr oft so tief im Wald gewesen. Warum auch, die Stadt gab mir alles, was ich brauchte.

Ich irrte noch ein wenig durch den Wald. Ich schaute mich um und ging ein paar Schritte rückwärts, doch dann berührte mich etwas von hinten. Ich erschrak drehte mich um und stieß jemanden zu Boden. Ich sah ihn mir genauer an, doch dieser "jemand" war gar kein jemand, es war eine Statur von jemandem. Ziemlich genau gemeißelt. Ich grübelte, was diese Statur mitten im Wald machte und bemerkte, dass hier überall solche Statuen standen, von tausenden von Leuten. Manche Jäger, andere Militärleute, wieder andere Soldaten, aber auch einfache Leute standen hier. ,,Komisch" bei meinen Worten hörte ich ein Rascheln. Ich entschloss mich noch etwas umzuschauen. Diese Statuen waren nur zu interessant. Ich ging an ihnen vorbei und kam auf eine kleine Lichtung. Hier standen ein paar weitere Statuen und ein großes Gebäude. Zumindest war das mal ein großes Gebäude gewesen, jetzt war es nur noch eine Ruine. Beeindruckt wanderte ich näher heran. Plötzlich sah ich im Augenwinkel, wie sich jemand bewegte. Ich drehte mich um und bereitete mich auf einen Angriff vor, doch da war niemand. Vorsichtig ging ich ein paar Schritte weiter Richtung Ruine. Ich hörte ein Fauchen und sah, wie sich jemand von oben auf mich stürzte. Ich war nicht wirklich beeindruckt und ging einfach blitzschnell ein paar Schritte zur Seite. Dieses etwas oder jemand schlug auf den Boden auf. Ich fauchte bösartig und zeigte dabei meine großen Zähne. Doch als ich genauer hinsah, klappte mir vor Staunen der Mund auf.

Das ,,Ding" bewegte sich und ich sah, dass die Haare sich ganz anders bewegten. Sie waren grün, silbrig und schimmerten im Licht des Mondes. Schuppen! Ihre Haare hatten Schuppen, aber nicht nur das. Als sie sich bewegten sah ich, dass sie Köpfe hatten. Schlangen, es waren Schlangen, die ihr wie Haare vom Kopf abstanden. Mit einem finsteren Blick drehte sie sich um und ihre Augen leuchteten förmlich vor Wut. Ich musste lachen. Mir tat schon alles weh vor Lachen. Das Mädchen, wie ich eben erkannte, blickte mich irritiert und verängstigt an, völlig unwissend, wie ich so lachen konnte. ,,Sorry", sagte ich schließlich, als ich wieder genug Luft bekam, ,,aber du siehst echt zu lustig aus." ,, L... lustig? Aber wie kann das sein." Ich lachte immer noch. Sie kam vorsichtig an mich heran. Ihre Haare sahen aus, als wollten sie das überhaupt nicht. Aber sie hatten ja keine Wahl. Sie berührte mich zögerlich, als hätte sie noch nie einen Menschen gesehen. Ich verstummte und folgte misstrauisch jeder ihrer Bewegungen, bereit zum Sprung. Doch ich war viel zu neugirig, um mich von ihr weg zu bewegen. Und außerdem, naja, fand ich sie schon ziemlich süß mit ihren großen Augen umd ihren lustigen Haaren. Als ich bemerkte, dass ich sie die ganze Zeit angestarrt hatte, wandte ich meinen Blick schnell ab und murmelte:,, hust... Hi, ehm, wer bist du oder besser gesagt was bist du?" ,,Was bist du?", sagte sie und richtete sich auf. Dann ging sie im Kreis um mich rum und beäugte mich. ,,Ein Wunder, dass du noch lebst.", murmelte sie mehr zu sich selbst. ,,Phh... bei deinem mickrigen Angriffsversuch hättest du noch nicht mal eine Schnecke gekriegt." Ich verschränkte meine Arme. ,,Mickrig", rief sie empört, ,,eigentlich solltest du schon längst in Stein gemeißelt sein. Wortwörtlich." Bei ihren Wörtern zeigte sie hinter sich auf die ganzen Statuen. Plötzlich kam mir ein Geistesblitz. ,,Das warst du?! Du kannst also Menschen in Stein verwandeln.... machst du das mit den Augen?" Das Mädchen, das bis eben immer noch um mich herum gelaufen war blieb stehen. Das Wort Misstrauen war ihr sichtlich ins Gesicht geschrieben. Nun verschränkte sie auch ihre Arme und fauchte mich an:,,Was geht dich das an?" ,,Hmm... okay also ja." Ich blickte an ihr vorbei und zu den Statuen. ,,Dann bist du so was wie eine Medusa." ,,Woher...?", rief sie, doch dann besann sie sich und guckte mich von oben herab an. Was ihr aber nicht sehr gut gelang, denn ich war mindestens einen Kopf größer als sie. ,,Ich weiß nicht wovon du redest." ,,Ernsthaft, du bist eine superschlechte Lügnerin. Es ist Zeit für die Wahrheit." Ich ging näher an Sie heran und zeigte meine spitzen Zähne. Sie hatte Angst, das war ihr anzusehen. Sie wich ein paar Schritte zurück ,doch ich blieb ihr dicht auf den Fersen, als sie plötzlich stolperte und fiel. Blitzschnell stand ich hinter ihr und fing sie auf. Ich half ihr wieder auf die Beine und als sie wieder sicher stand zog sie sich schnell aus meinem sanften Griff. ,,Also, da du mir nicht vertraust, was ich dir auch nicht übel nehmen kann, fang ich an. Ich bin ein Vampir, wie du wahrscheinlich schon mitbekommen hast.", erzählte ich ihr, selbst erstaunt von meiner Offenheit ihr gegenüber. ,,Du lässt mir keine andere Wahl, oder?" Ich schüttelte den Kopf. ,,Na gut, ich bin eine... Was hast du gesagt? Medusa nicht? So nennen mich die Menschen, aber eigentlich heiße ich Lilliko." ,,Lilli also?" Nachdenklich musterte ich sie. ,,Ja, und du heißt?", fragte sie. ,,Oh, ein Name?" ,,Ja, normalerweise haben Leute einen Namen. Ich hoffe, du weißt, was das heißt oder soll ich das dem kleinen Jungen auch noch erklären." Sie tätschelte meinen Kopf und ihre Schlangenhaare wackelten schon vor Lachen. ,,Hahaha... macht euch ruhig lustig über mich. Ich will nur klar stellen, dass ich schon über 600 Jahre alt bin.... Ich habe viele Namen. Mark, Stefan, Kay, Jacke, Freddy und noch tausende ähnlich bekloppte." Lilliko sah mich mit großen Augen an, aber dann fragte sie: ,,Ja. Aber was ist dein wirklicher Name?" ,,Mein wirklicher Name? Tamaki. Aber was ist los mit deinem steinernen Blick? Ich meine, die berühmte Medusa steht vor mir und ich bin immer noch lebendig." Als Beweis wackelte ich mit meinen Armen. Lilliko überlegte und schließlich sagte sie: ,,Das finde ich ja auch komisch. Mir ist so was noch nie passiert." ,,Vielleicht hast du diesen steinernen Blick nicht mehr?", vermutete ich. ,,Das wäre fantastisch. Aber glaubst du das geht?" Sie wartete gar nicht auf eine Antwort und stapfte los. Ich beeilte mich, ihr hinterher zu kommen. ,,Wo gehst du hin?", fragte ich, wärend ich neben ihr her lief. Doch sie antwortete nicht, sondern ging zielstrebig weiter. Ich hörte, wie weit weg ein Reh graste. Lilliko's Schlangenhaare hörten es auch. Auf jeden Fall streckten sie sich in ihre Richtung und Lilliko folgte der Anweisung. Als wir bei dem Reh ankamen zog mich Lilliko schnell hinter ein Gebüsch und flüsterte: ,,Warte hier! Ich werde es ausprobieren." Ich musste kurz nachdenken, aber dann wusste ich sofort, was sie meinte. Erstaunt sah ich ihr zu, wie sie vorsichtig zum Reh schlich und sich dann blitzschnell vor das Reh stellte. Das Reh erschrak, doch noch bevor es weglaufen konnte, war es völlig in Stein eingehüllt. Traurig sah Lilliko die Rehstatur an. Dann schmiss sie sich auf den Boden und umarmte das Reh. Bedrückt stand ich neben ihr. Ich hörte ein Schluchzen und legte meine Hand auf ihre Schulter. ,,Es tut mir leid, dass ich dir falsche Hoffnungen gemacht habe." Lilliko stand auf und wischte sich die Tränen weg. ,,Nein, mir tut es leid, dass ich so dumm war und dachte, dass es wirklich stimmt. Deswegen musste das Reh jetzt mit seinem Leben bezahlen." Sie ging langsam und mit hängendem Kopf an mir vorbei in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich sah ihr traurig hinterher, bevor ich mich aufrappelte und ihr hinterher lief.

Den ganzen Weg zurück zur Ruine wechselten wir kein einziges Wort. Doch als wir wieder zurück waren, erblickten wir etwas Schreckliches. Überall liefen Menschen mit orangenen Westen umher und untersuchten die Statuen und die Ruine. Es war noch dunkel und ich fragte mich, was sie um diese Zeit hier machten. Aber dann sah uns einer der Männer und kam auf uns zu. Er sah nicht so aus, als hätte er Lillikos Schlangen gesehen und damit das so blieb, setzte ich Lilliko ihre Kapuze auf. Sie sah schnell nach unten. ,,Hey, was macht ihr Kinder hier und um diese Zeit?", fragte der Mann. Ich antwortete in entspanntem Ton: ,,Es ist alles gut, meine Schwester und ich sind nur ein bisschen im Wald spazieren gegangen und haben die Zeit völlig vergessen." Bei den Worten "Meine Schwester" zeigte ich über meine Schulter auf Lilliko, ,,Aber was machen Sie hier?" ,,Nun ja, uns wurde gesagt, dass hier eine komische Gestalt wohnen soll und wir müssen sie finden und wegbringen.", erzählte der Mann und sah sich immer wieder unruhig um. ,,Aber warum muss diese Gestalt denn verschwinden?" ,,Warum? Na darum." Der Mann zeigte auf die Statuen. ,,Sie ist gefährlich." Lilliko zuckte und war sichtlich betroffen. Ihre Schlangenhaare mochten das überhaupt nicht und bewegten sich dadurch viel die Kapuze runter. Der Mann erschrak. Er schrie vor Angst, doch mitten beim Schreien stoppte er. Lilliko hatte ihn in Stein verwandelt. Jedoch war es schon zu spät, die anderen Menschen hatten ihn gehört und kamen nun zu uns gelaufen. Schnell packte ich Lilliko und zog sie hinter mir her. Blitzschnell rannte ich Richtung Stadt, doch ich hatte Pech. Die Sonne war gerade dabei aufzugehen. Ein fürchterlicher Schmerz zog durch meinen ganzen Körper als ich aus dem schützenden Wald raussprintete. Der Schmerz war so stark, dass ich langsamer werden musste. Die Menschen kamen immer näher. Schnell rannte ich die Straße entlang. Meine Haut brannte schrecklich und an meinen Armen bekam meine Haut schon schreckliche Flecken und Blasen. Ich rannte um eine Ecke und in eine kleine Gasse, die etwas beschattet war. Zum Glück kannte ich mich in der Stadt bestens aus. Wir kamen an einen großen Fluss. Der Fluss war der Kanal und über 50 Meter breit. Trotzdem rannte ich weiter. Am Fluss nahm ich all meine letzte Kraft und sprang. Mit Lilliko in den Armen flogen wir förmlich übers Wasser. Auf der anderen Seite landeten wir und ich ließ Lilliko los. Unsere Verfolger fluchten, aber ich bekam das schon gar nicht mehr richtig mit. Erschöpft fiel ich um. Doch bevor ich hart auf den Boden aufschlagen konnte fing mich Lilliko auf und zog mich in den Schatten. ,,Oh mein Gott, was hast du gemacht? Wie dumm kann man nur sein." Sie tätschelte mein Gesicht. Als ich nicht reagierte schüttelte sie mich. ,,Bitte, du darfst mich nicht verlassen. Außer dir habe ich doch niemanden." Sie schluchzte und fing dann an zu weinen. ,,Danke dafür, dass du mich gerettet hast.", flüsterte sie und dann verlor ich völlig das Bewusstsein.

Ich hörte wie jemand arbeitete. Es klang so, als würde er etwas kochen. Ich roch es ganz deutlich. Es roch nach Suppe und Blut. Langsam öffnete ich meine Augen. Zuerst sah ich nur verschwommen, aber dann wurde meine Sicht immer klarer. Ich lag unter meiner Brücke auf einem meiner völlig zerkratzten Kissen. Vor mir saß Lilliko vor einem Feuer, mir den Rücken zugewandt. Ich richtete mich auf und sah meine Arme an. Sie waren wieder ganz normal, so als wäre nichts passiert. Ich räusperte mich und Lilliko richtete sich mir zu. Zuerst starrte sie mich nur mit aufgerissenen Augen an, doch dann sprang sie zu mir und umarmte mich. Sie schluchzte und sagte mit krächzender Stimme: ,,Dir geht es gut. Ich freu mich ja so. Ich dachte schon, ich hätte dich verloren." ,,Glaub mir, mich wirst du nicht so schnell los." Ich lachte und Lilliko rückte ein bisschen weiter von mir ab. Dann wischte sie sich die letzten Tränen weg und ich fragte: ,,Was ist passiert? Warum bist du hier? Warum sind wir hier? Woher wusstest du hiervon." Ich zeigte auf meine Brücke. ,,Du hast mir geholfen zu fliehen und musstest in die Sonne. Dann als wir sicher waren bist du ohnmächtig geworden und, nunja, ich hatte dich am Tag, bevor du mir gefolgt warst, hier gesehen." Ich wurde rot bei dem Gedanken, dass sie mir beim Schlafen zugesehen hatte. ,,Es war halt nicht weit hierher und ich wusste nicht wohin mit einem fast toten Vampir. Möchtest du etwas trinken?" Lilliko nahm eine Flasche, in der eine rote Flüssigkeit drin war. Ich erkannte den Geruch und mir lief das Wasser im Mund zusammen. Erst jetzt fiel mir auf wie großen Hunger ich hatte. Ich nickte energisch und Lilliko reichte mir lachend die Flasche. ,,Ich wusste, dass du Hunger haben würdest, deswegen habe ich ein bisschen Blut von meinem in die Flasche gefüllt." Ich verschluckte mich und fing an fürchterlich zu husten. Sie klopfte erschrocken auf meinen Rücken. Als ich mich wieder unter Kontrolle hatte, sah ich zwischen ihr und dem Blut in der Flasche hin und her. Völlig verblüfft. ,,Was, schmeckt es dir nicht?", fragte sie traurig. ,,Was, nein, nein. Ich bin nur verblüfft, dass ausgerechnet du mir dein Blut gegeben hast." ,,Ich weiß, ich war anfangs sehr gemein zu dir. Aber du hast mir geholfen, also helfe ich dir!", sagte sie und nahm sich eine dampfende Schüssel, wenn man es Schüssel nennen konnte. Sie legte die "Schüssel" an ihre Lippen und nahm große Schlucke. ,,Was ist das? Das riecht gut. Wo hast du das her?", fragte ich und deutete nickend auf die Schüssel, die sie in der Hand hielt. ,,Ich habe die selbst gekocht. Und die Zutaten habe ich geklaut." Bei ihren Worten klappte mein Mund auf. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Mädchen klauen würde. ,,Guck nicht so! Ein Mädchen muss sich auch zu helfen wissen.", sagte sie stolz. ,,Phh" Ich schüttelte den Kopf und trank noch einen weiteren Schluck. Ich überlegte: ,,Nunja, wenn du erstmal hier bleibst, dann werde ich dir die Stadt zeigen." Lilliko sprang auf, bereit loszugehen, doch ich grinste sie schief an und zeigte auf die pralle Sonne. Die Freude wich augenblicklich aus Lillikos Gesicht. Doch dann hellte sich ihr Blick augenblicklich auf und sie rannte los. Noch bevor sie völlig verschwand drehte sie sich noch um und sagte: ,,Warte hier, ich bin gleich zurück." Ich blickte ihr irritiert nach und murmelte: ,,Natürlich, wo sollte ich auch hingehen." Kurze Zeit später kam Lilliko wieder zurück. Sie hielt etwas hinter ihrem Rücken, was völlig unnötig war, denn die "Sache" war viel zu groß. ,,Hi, was hast du denn da?", fragte ich. Sie zog es hinter sich hervor und entfaltete es. Es war ein riesiger Sonnenschirm. Ich staunte. ,,Wo hast du den denn her." ,,Ich habe ihn gefunden.", antwortete Lilliko. Ich blickte sie ungläubig an. ,,Wirklich. Nur gefunden.", sagte sie mit der Hoffnung, dass ich ihr glauben würde. Ich lachte, richtete mich auf und nahm ihr den Sonneschirm ab. Er war nicht perfekt, aber es ging. ,,Na dann lass uns losgehen." Lilliko jubelte und lief los. Ich musste schmunzeln.

Ich fing an, ihr die Stadt zu zeigen, was leider etwas schwierig war, weil sie, wenn Leute kamen, immer auf den Boden sehen musste. Ich überlegte: Wirklich, sie hat dir so sehr geholfen. Sie hat dir sogar einen Schirm geholt. Dann musst du ihr doch auch helfen können. Plötzlich hatte ich den Einfall. Ich zog sie in das Einkaufsviertel und sagte: ,,Warte kurz, ich gehe kurz was holen. Jetzt bin ich dran." Sie lächelte und ich ging in einen der Läden. Kurz darauf kam ich wieder raus. ,,Mach mal die Augen zu.", flüsterte ich Lilli zu. Sie tat, was ich sagte, und ich setzte ihr eine schwarze Sonnenbrille auf. ,,Hier, damit kann niemand mehr deine Augen sehen. Das sollte gehen." Lilli fasste die Brille an und lächelte mich dann mit dem glücklichsten und aufrichtigsten Lächeln an, das ich in meinem langen Leben gesehen hatte. ,,Danke", flüsterte Lilliko heiser. Ich sah sogar eine Träne, die ihre Wange runter lief und wischte sie weg. ,,Ich danke dir."

4 Kommentare

Caro am 5. Mai 2021

Hi danke für die nette Rückmeldung. Ich weiß noch nicht wann aber es kommt bestimmt noch einen weiterer Teil. Ich habe mich von der Legende über Medusa inspirieren lassen.

noname am 29. April 2021

Einfach klasse. Soooooo schön geschrieben!!!

Tintenfan am 29. April 2021

Echt tolle Geschichte.

Camilla am 28. April 2021

Hi Caro! Deine Geschichte ist echt cool, es hat Spaß gemacht, sie zu lesen. Geht es noch weiter zwischen Tamaki und Lilliko? Ich würde mich über eine Fortsetzung freuen. Darf ich fragen, von was du dich hast inspirieren lassen? LG, Camillan