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Claudia Schneider

Wattwürmer

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„Moin. Ich bin Enno. Meine Freundin Ekke findest du drei Sandhäufchen weiter. Und Neeltje wohnt da, wo grad son Gummistiefel hingelatscht ist.“

Enno, Ekke und Neeltje sind Wattwürmer. Sie wohnen auf Borkum, im Watt. Sie bauen sich u-förmige Röhren und futtern ununterbrochen Sand.

„Mmpf, mmpf... weitermampfen. Der ganze Sand hier muss durchgekaut werden. – Hm, lecker son Watt. Watt?“

Es gibt auf kleiner Fläche Hunderte von Wattwürmern. Wenn du ganz leise bist, kannst du ihr gemeinsames, wisperndes Schmatzen hören. – Watt ist übrigens nicht gleich Watt, sondern da gibt es Schlickwatt, Mischwatt, Sandwatt. Wenn man durchläuft, matscht es ganz verschieden. Und wer nicht aufpasst, hinterlässt bei einer Wanderung ein Gummistiefeldenkmal.

„Hui, hui, Ekke, pass auf, da kommt ne Seemöve im Sturzflug. – Oh, oh. Ekke hat es grad noch geschafft, sich in ihrer Wohnröhre zu verkriechen. Zum Glück. Uff. Das war knapp.“

Bei einer Wattwanderung findest du überall klitzekleine, geringelte Sandhäufchen. Alle Wattwürmer saugen beständig Sand in sich rein. Da drin sind Pflanzenteile und kleine Tiere. Davon leben die Wattwürmer.
Sobald sein Darm voll ist, kriecht der Wattwurm rückwärts aus seiner Höhle und macht ein Häufchen, den Sandkotkringel. An dem kann man, wenn man genau hinschaut, erkennen, wo Wattwürmer sind.

„Neeltje, Neeltje, was machst du denn da?“ – „Huhu, Enno. Ich dusche.
Die Sandklaffmuschel sprüht Fontänen für mich.“

Im Watt gibt es ganz, ganz viele Lebewesen. Deswegen steht das Watt auch unter Naturschutz. Außer den Wattwürmern buddeln sich zum Beispiel verschiedenste Muscheln in den Schlick. Die haben eine Art Rüssel. Hiermit filtern sie Nahrung aus dem Wasser. Bei Erschütterungen des Wattbodens, wie sie durch den Tritt von Menschen verursacht werden, ziehen sie den Rüssel ruckartig ein. Der Wasserrest spritzt als Fontäne heraus.

„Neeltje, Vorsicht! Da kommt ein Säbelschnäbler. Oje, oje. –
Schnapp. Hui, hui, grad noch mal gut gegangen. Er hat nur Neeltjes Hinterteil.“ – „Hallo, Enno. Moin. Alles klar. Bin noch da.“

Wattwürmer sind natürlich Futter für die vielen Vögel, die es im Watt gibt. Wenn ein Fressfeind kommt, können sie einen Teil ihres Körpers abwerfen. Der wächst dann wieder nach. Praktisch, nicht wahr?

„Mmpf, mmpf. Oh, die Flut kommt. Schwapp, schwapp. Oh nein, oh nein. Ekke ist zu langsam und kommt nicht in ihre Höhle. Los, Ekke, schwimm schnell rüber zu mir. Schlurf, schlurf. Ja, so ist gut. Wir passen zusammen in meine Wohnung.“ „Schwapp, schwapp.“

In der Nordsee gibt es Ebbe und Flut, und zwar alle 12 Stunden, 25 Minuten und 14 Sekunden. Bei Flut muss man sehr aufpassen am Meer. Bei Niedrigwasser darf man ins Watt, am besten mit einem Wattführer. Dann kann nix passieren.
Wenn man mit der Hand oder einer Schaufel etwas im Schlick des Borkumer Watts gräbt, findet man sicher einen von Ennos, Ekkes und Neeltjes Freunden.
„Moin“, sagt man dann. Das heißt übrigens schön und passt immer.
„Moin, schönen guten Morgen, Moin, schönen Tag, Moin, schönen Abend. Enno, Ekke und Neeltje, Moin.“

2 Kommentare

Brianna am 20. März 2021

Ich mag die Sprachspiele, die du eingebaut hast.☺️

Der TintenWeltFan am 17. März 2021

Ich finde die Geschichte sehr interessant und lustig.