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Adolfo Córdova Ortiz

Adolfo Córdova Ortiz

Adolfo ist Schriftsteller, Journalist und Forscher. Er lebt und arbeitet in Mexiko Stadt. Geboren wurde er 1983 in Veracruz. In Barcelona studierte er Kinder- und Jugendliteratur. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Er gibt Kurse und unterrichtet an Universitäten in Mexiko und anderen Ländern. Adolfos Frau Mariela Sancari ist Fotografin und hat 2019 zusammen mit Adolfo am 'Artists in Residence Programm' auf Cornelias Farm teilgenommen.

Adolfos Webseite
    

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Foto: Michael OrthIch habe wie viele junge Leute als Heranwachsender mit dem Schreiben begonnen. Ich wollte das, was mit mir in jener Zeit passierte, zum Ausdruck bringen. Meine Wünsche, was mich bewegte, die großen und kleinen Ungerechtigkeiten, die ich beobachtete. So begann ich, Gedichte und Prosa zu schreiben. Ich las auch meinen Schulfreunden vor und gestaltete kleine Gedichtbände, die ich heute niemandem mehr in der Welt zeigen würde. Aber für mich persönlich sind sie immer noch sehr kostbar, für mich persönlich, für meinen Weg als Schriftsteller.

Ich wurde erwachsen und das Schreiben hat mich reifen lassen. Bevor ich mein Studum begann, lebte ich ein Jahr in Belgien und schrieb dort Reiseberichte und Gedichte. Während meines Journalismus-Studiums an der Universität erfand ich surrealistische Geschichten. Über Drachen und Feen schrieb ich das erste Mal, als ich bei einer Zeitung in Mexico City arbeitete. Ich habe mich immer hin und herbewegt zwischen Prosa und Sachbuch, und wenn ich heute darüber nachdenke, dann drückt sich darin mein Wunsch aus, mich selbst und die Welt um mich herum zu verstehen.

 

Und wie bist du hierher zum Saum des Himmels gekommen, als 'Artist in Residence'?

Foto: Michael Orth2017 fand in Guadalajara wieder die internationale Buchmesse statt. Ich wurde gebeten, dort vor Publikum mit Cornelia ein Live-Interview über Skype zu führen. Bevor die Fans damals den Konferenzraum betraten, erzählte mir Cornelia, dass sie ein 'Artists in Residence Programm' für junge Künstler starten möchte. Das hat mich begeistert und ein paar Monate später schrieb ich Cornelia eine Email, in der ich mich noch mal persönlich für das tolle Interview bedankte und sie dann auch nach ihrem geplanten Projekt fragte. Daraus entwickelte sich dann eine Unterhaltung über Drachen, Inseln, den Dschungel und  ... Schokolade! Und wieder ein bisschen mehr als ein Jahr später waren Mariela und ich dann zu Gast auf Cornelias Farm. Zauberei :)

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthUnsere Zeit bei Cornelia auf der Farm war eine der buntesten und inspirierendsten Erfahrungen, die ich als Schriftsteller bis dahin gemacht hatte. Wir haben unser Tiny House, in dem wir für die Zeit wohnten, 'Tibet' genannt, weil es auf einem Hügel stand, von dem aus man über die Farm blicken konnte. Wir haben dort oben Stille und Frieden gefunden. Es war der perfekte Ort, um sich zu konzentrieren, nachzudenken und kreativ zu sein.

Wir haben die Farm auf den wunderschönen Stein- und Holzwegen entdeckt, zwischen Obstbäumen, Kakteen, Sukkulenten und Blumen; wir haben mit Jake und Tabby gespielt, Cornelias Hunde, die uns so ans Herz gewachsen sind. Wir haben in Cornelias fantastischer Kunst-Sammlung und all ihren wunderbaren Büchern geschwelgt - man kann dort überall literarische Schätze finden - , haben mit Angie rumgealbert, mit den anderen Gästen zusammen gekocht und uns stundenlang mit Cornelia unterhalten, ihr beim Arbeiten über die Schulter geschaut, ihre Energie gespürt und ihre Großzügigkeit erlebt. Mariela und ich hatten beide schon an 'Artists in Residence Programmen' in anderen Ländern teilgenommen und ich habe mich immer danach gesehnt, eine Gemeinschaft zu finden, mit der ich mich austauschen und meine Erfahrungen und Entwicklungen teilen kann. Unsere langen Gespräche mit Cornelia und den anderen Künstlern, Cornelias Kommentare zu unserer Arbeit  aber auch zur Literatur, Musik, Kunst und zum Leben im Allgemeinen haben unseren Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Neben vielen schönen Erinnerungen und neuen Freundschaften habe ich auch jede Menge neue Geschichten mitgenommen, die nun geschrieben werden wollen! Die Farm ist nicht nur eine Künstlerresidenz, sie ist auch eine Ideenschmiede. Ich habe viele neue Ideen für Projekte, die ich umsetzen möchte. Und: Ich hatte große Schwierigkeiten, mit meinem Inselbuch zu beginnen. Die vielen Workshops, die ich leitete, lenkten mich ab, andere Bücher, die ich fertig schreiben musste, berufliche Reisen... Aber die Zeit "am Saum des Himmels" und die Gespräche mit Cornelia und meiner Frau Mariela halfen mir, den richtigen Klang für die Geschichten zu finden. So kann ich zusammenfassen, dass ich eine entscheidende Antwort und viele kreative Fragen mit nach Hause gebracht habe.

 

El dragón blanco y otros personajes olvidados (The white dragon and other forgotten characters); erschienen 2016 im Verlag Fondo de Cultura Económica  Para la niña detrás del árbol; erschienen 2015 im Pearson Verlag  La hoguera de bronce. Historia de bosques y selvas; erschienen 2017 bei Secretaría de Cultura

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Mariela Sancari

Mariela Sancari

Mariela wurde 1976 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Fotografin in Mexiko Stadt.
Ihr erstes Fotobuch "Moisés" wurde 2015 von Kuratoren und Kritikern als eines der besten Fotobücher des Jahres besprochen. Ihre Arbeiten waren schon in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit zu sehen.

Marielas Webseite

Wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Foto: Michael OrthAls ich 19 Jahre alt war, haben meine Zwillingsschwester und ich beschlossen, alles in Buenos Aires hinter uns zu lassen und durch Südamerika zu reisen. Wir waren knapp einen Monat unterwegs, als wir nach Mexiko kamen. Von der Stadt fasziniert, blieben wir dort. Ich hatte in der Zeit verschiedene Jobs, bis ich schließlich die Fotografie für mich entdeckte, und zwar, als ich zum allerersten Mal eine Dunkelkammer betrat. Fotos hatten mich schon immer sehr interessiert, und so entschloss ich mich, Fotografie zu studieren. Nachdem ich fünf Jahre als Fotografin bei einer Zeitung in Mexiko Stadt gearbeitet hatte, beendete ich die Arbeit als Dokumentarfotografin und begann ein persönliches Foto-Projekt. Seitdem beruhen all meine Bilder auf persönlichen Erfahrungen, und ich beschäftige mich mit der Fotografie als einer autobiografischen Erzählform. Man kann sagen, dass ich mich erst mal weit von meiner Heimat wegbewegen musste, damit ich sie in meine Kunst einfließen lassen konnte.

 

Und wie bist du zum Saum des Himmels gekommen, als 'Artist in Residence'?

Foto: Michael OrthAls Cornelia meinen Mann Adolfo einlud, nach Malibu zu kommen, meinte sie, es wäre doch schön, wenn er auch einen Illustrator mitbringen könnte, um mit diesem zusammen an einem Projekt zu arbeiten. Adolfo und ich hatten bereits ein Buch zusammen veröffentlicht, "Mr. & Dr.", eine Adaption von "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Für uns war das eine tolle Erfahrung und wir wollten gerne wieder als Team zusammenwirken. Adolfo war gerade dabei, an einem neuen Buchprojekt über Inseln zu arbeiten, das sich mit den Themen Landschaft und Geografie beschäftigte und wir dachten, das wäre wunderbar geeignet für mich, um es zu illustrieren. Ich war sehr aufgeregt, Cornelia zu treffen und mehr zu erfahren über die Welt der Kinder- und Jugendliteratur.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthMalibu selbst war für mich Inspiration. Ich bin keine Fotografin, die sich oft nach draußen bewegt, um Bilder zu machen. In den letzten Jahren hatte ich sehr viel mit älteren Bildern aus meinem Archiv zu tun. Aber in Malibu fühlte ich mich regelrecht nach draußen gezogen, um Bilder zu machen. Ich fotografierte die Natur, die Maserungen der Steine, die Fußspuren des Meeres auf dem Strand.

Außerdem genoss ich die Farm sehr. Wir machten zusammen mit Cornelia Ausflüge in das Umland, in die Berge und ans Meer. Wir lernten auch einige der Organisationen kennen, die sie unterstützt, zum Beispiel das California Wildlife Center – wir waren dabei, als sie zwei Seelöwen wieder zurück in den Pazifik halfen– oder das Getty Research Institute, wo wir einen Vortrag besuchten.

Wir liebten den Sonnenuntergang an Point Dume, die Küstenspaziergänge, sahen Wale und Delfine vorbeiziehen. Ich habe dort viele, viele Bilder gemacht. Aber ich liebte es auch, einen ganzen ruhigen Nachmittag lang mit Adolfo in unserem Tiny House zu verbringen und über unser Projekt zu reden. Ich glaube, diese Erfahrung hat uns als kreatives Paar noch mehr zusammenwachsen lassen.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

So viele Bilder! Jedes einzelne kann eine eigene Geschichte erzählen. Das heißt, ich hatte zwei sehr produktive Wochen. Und natürlich den ersten Entwurf unseres Buchs, mit meinen Fotos und Adolfos Texten. Und viele besondere Momente. Uns hat die Zeit auf der Farm die ersehnte Ruhe geschenkt, um unsere Projekte weiter zu führen - eine Ruhe, die oft schwer zu finden ist in Mexiko Stadt. Wir fühlen uns außerdem sehr verbunden mit all den neuen Freunden, die wir dort gefunden haben. Wir freuen uns sehr auf unser zweites Kapitel am Saum des Himmels.

 

     Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fábrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Del álbum fotográfico de Mariela Sancari titulado "Moisés" y publivado en 2015 en "La Fábrica".

     Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'

     "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)  "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)  "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)

 

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Helena Park

Helena Park

Helena ist freischaffende Malerin und Grafikerin aus Somerset, England. Seit ihrem Studienabschluss in Bildender Kunst an der Falmouth Universität zeigt und verkauft sie ihre Kunst in Galerien und auf Kunstmessen in Großbritannien und Kalifornien.

Helenas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich habe schon als Kind gezeichnet und mir Geschichten auf dem Papier ausgedacht. Die Begeisterung dafür wuchs, als ich mit 19 an der Falmouth Universität in Cornwall begann, Kunst zu studieren. Seitdem male und zeichne ich und habe meine Arbeiten auf Kunstmessen in Großbritannien und in LA verkauft.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthCornelia wurde vor ungefähr einem Jahr aufmerksam auf meine Webseite. Meine Kunst weckte ihre Neugier. Durch einen glücklichen Zufall war ich im Oktober 2018 in LA und konnte so Cornelia in Malibu besuchen. Damals fragte sie mich, ob ich 2019 im Rahmen ihres 'Artists in Residence Programms' eine Weile auf ihrer Farm wohnen und arbeiten möchte und ich war begeistert.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthDas Licht und die Farben in Malibu und in Kalifornien allgemein sind in meine Kunst hineingesickert und haben sie zum Leuchten gebracht. Mir gefiel auch die Gemeinschaft dort, dass Ideen und Gespräche so offen geteilt werden. Das war alles sehr inspirierend.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Ich hatte eine unglaubliche Zeit auf Cornelias Farm. Die Monate dort haben mich nicht nur als Künstlerin wachsen lassen, sondern auch als Person. Die Gespräche mit Cornelia über meine Kunst, der Einblick in ihre Arbeit und ihr Rat und Zuspruch waren von unschätzbarem Wert für mich. Und es war großartig, all die anderen Künstlerinnen und Künstler dort zu treffen, über Kunst und persönliche Erfahrungen zu sprechen. Ich werde ganz bestimmt mit ihnen in Kontakt bleiben.

 

      

   Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth 

   Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Cornelias Hund Jake hat Helena bei der Arbeit immer mal wiedr über die Schulter geguckt (Foto: Michael Orth)

 

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Rosie Anne Smith

Rosie Anne Smith

Rosie ist eine Künstlerin aus Birmingham, England. Sie hat zusammen mit Helena Park an der Falmouth Universität ihren Abschluss in Bildender Kunst gemacht. Rosie arbeitet in einer Kunstgalerie in Sydney und hat ihr eigenes kleines Atelier.

Rosies Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthIch habe mit der Kunst während meiner College-Zeit begonnen. Himmel, das war vor sieben Jahren! Ich beschäftigte mich mit der Fotografie, analoger Fotografie. Ich liebte, wie man das Licht beeinflussen konnte, liebte die Komposition, und selbst die Kontaktabzüge fand ich optisch faszinierend. Über die Jahre hat sich diese Faszination auf weitere Medien ausgebreitet.
Heute konzentriere ich mich auf die Malerei, aber zur Inspiration greife ich immer noch gerne auf Fotografien zurück.

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthEine gute Freundin von mir, die Künstlerin Helena Park, stand in Kontakt mit Cornelia wegen des Projekts. Sie hatte mich gefragt, ob ich mit ihr zusammen daran teilnehmen möchte. Cornelia kannte mich und meine Arbeit nicht. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie mich trotzdem eingeladen hat.


Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthMeine Zeit in Malibu war magisch. Die Farm und die Menschen dort haben einen unglaublichen Eindruck bei mir hinterlassen. Inmitten dieser wunderschönen, ruhigen Landschaft gibt es etwas Rebellisches und so viel Leben. Ich habe meine Arbeit jeden Tag hinterfragt. Was treibt mein Schaffen an? Was will ich ausdrücken? Muss meine Kunst überhaupt etwas zum Ausdruck bringen?  Diese Fragen hätte ich nicht beantworten können ohne die Zeit und die Gespräche bei Cornelia auf der Farm. Seitdem bemerke ich, dass sich meine Kunst sehr verändert hat. Ich habe ein neues Verständnis für mich und meine Kunst gefunden.

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Ich möchte nicht allzu romantisch klingen, aber mir ist die absolute Notwendigkeit der Kunst bewusst geworden. Sie schenkt uns allen einen Raum, in dem wir unsere Menschlichkeit begreifen und ausdrücken können. Die Kunst hebt das Herz oder macht es schwer und zwingt uns zu handeln. Oder sie befähigt uns, einfach etwas Schönes herzustellen. Wir brauchen die Kunst und ich bin froh, ein Teil von ihr zu sein.

 

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

 

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Miró Tiebe

Miró Tiebe

Miró ist Kunststudent an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.
Im Sauerland geboren und in der Nähe von Oldenburg bei Bremen aufgewachsen, zog er vor ein paar Jahren für das Studium nach Hamburg. Miró ist einer von zehn Künstlerinnen und Künstlern, denen Cornelia, der Hamburger Dressler Verlag und die HAW Hamburg 2019 mit einem Stipendium einen Aufenthalt auf Cornelias Farm in Malibu ermöglicht haben. Die Studierenden waren eingeladen, eine Illustration zu einer Geschichte aus der Reckless-Welt von Cornelia anzufertigen.

Mirós Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich habe schon immer gerne gezeichnet und gemalt. Zum Entspannen und zum Zeitvertreib. Mit sieben oder acht Jahren hab ich mal eine komplette Tapetenrolle vollgemalt, mit einer Reihe von irgendwelchen verrückten Drachen. In der vierten Klasse hat man bei mir Legasthenie diagnostiziert. Das scheint mir heute logisch, ich hab die Buchstaben eigentlich gemalt, ich wusste gar nicht, was ich da tue.Miró an seinem Zeichentisch zu Hause in Hamburg (Foto: Michael Orth)

Irgendwann hab ich für mich dann rausgefunden, dass die Kunst mein Ausdruckmittel ist. Und ich habe immer Unterstützung und positives Feedback erfahren. Von meiner Familie, von meinen Lehrern, von Mitschülern und Freunden.

Meiner Oma hab ich kürzlich mal eine Zeichnung gezeigt, die ich für meine Bachelor-Arbeit gemacht habe, und sie guckt sich das so ganz nüchtern an und meint: "Ach, Miró, ich find das klasse, dass du das alles so machst und ich stehe auf jeden Fall hinter dir, aber ich versteh das nicht. Ich muss das auch nicht verstehen, aber ich find das gut." "Oma", hab ich gesagt, "alles gut, mach dir keinen Kopf, es freut mich sehr, dass du so hinter mir stehst."

Meine Mutter ist für mich auch immer konstante Unterstützung gewesen. Ich bin Perfektionist, schneide aus meinen Skizzenbüchern Zeichnungen raus, die mir nicht gefallen. Meine Mutter hat sie früher dann immer wieder aus dem Müll gezogen und sicher verwahrt.

Mein Malerei- und Zeichenlehrer hat mich in der elften oder zwölften Klasse gefragt, ob ich ihm nicht mal helfen kann beim Unterricht. Ich hab also meine Klassenkameraden mit unterrichtet, die das alle gut aufgenommen haben.

Dann bin ich ein Jahr an der Kunstoberschule gewesen für das Fachabitur und hab auch dort tolles Feedback bekommen. Das stärkt natürlich die Entschlossenheit und das Durchhaltevermögen.

Miró mit einer seiner Schattenmasken (Foto: Michael Orth)Nach dem Fachabi hab ich mich an vielen Unis beworben und bin überall abgelehnt worden. Den meisten waren meine Mappen nicht spezifisch genug. Dann hörte ich, dass es in Hamburg Mappenvorstellungsgespräche gibt. Man geht hin, zeigt seine Mappe, bekommt Vorschläge von Studenten, was man machen kann. Dort hat man mir empfohlen, noch ein paar bunte Sachen, Aquarelle, reinzubringen, Portraits, etc. Schließlich wurde ich zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Und vor gut einem Jahr hab ich nun an der HAW meinen Bachelor gemacht. Im theoretischen Teil der Bachelor-Arbeit habe ich eine soziologische Abhandlung geschrieben, über die Deeskalation auf Demonstrationen. In diesem Rahmen sind auch meine transparenten Schattenmasken entstanden, die den Menschen hinter der Maske (Demonstrantenmaske oder eben auf der Gegenseite Polizeihelm) erkennen lassen.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthEs gab eine Ausschreibung an meiner Hochschule. Ich hatte das nur über einen Kommillitonen mitbekommen, der meinte: "Da gibt es einen Wettbewerb, das hört sich eigentlich nicht so nach unserer Richtung an, Miró, aber man kann nach LA reisen, und man kann Cornelia Funke kennen lernen!" Das fand ich natürlich reizvoll. Ich kannte Cornelia. Zwar war ich durch meine Legasthenie ihren Büchern nicht so verbunden, aber ich kannte die Hörbücher und die Filme. "Tintenherz". Ich fand die Geschichte, die Idee dahinter toll. Und auch Pans Labyrinth hat mich beeindruckt. Ich verschlinge, seit ich klein bin, fantastische Geschichten. Mit vier habe ich zum ersten Mal ein Hörspiel von "Herr der Ringe" gehört. Das ist noch heute mein Lieblingshörspiel. Das war unglaublich gut vertont. Und seitdem fresse ich eigentlich alles, was Fantasy ist. "Harry Potter", die Scheibenwelt von Terry Pratchett, "Game of Thrones", … .
Durch meine Legasthenie bin ich natürlich nicht der große Leser, aber ich habe trotzdem viele Bücher, weil ich das Buch als Medium liebe, als ästhetisches Ding, als Gegenstand. Und ich finde es bewundernswert, wie Menschen es schaffen, Bilder in Worte zu verpacken.

Als ich den Entwurf für Cornelias Wettbewerb gezeichnet habe, hab ich mich stark damit Mirós Entwurf für den Wettbewerb: Der Wassermann (Foto: Michael Orth)auseinandergesetzt, ob ich nicht mehr Emotion, mehr Gefühle in meinen Stil verpacken sollte. Ich hatte vorher sehr plakativ gearbeitet. Für meine Bachelorarbeit habe ich mich viel mit Techno-Kultur auseinandergesetzt, Plakate gezeichnet und auf 100 x 70 gesiebdruckt. Die sind eindrucksvoll und man sieht, worum es geht, aber sie sind eben sehr sachlich, es ist nie eine zwischenmenschliche Ebene zu sehen. Das hat mich gestört. Dann habe ich also die Arbeit für den Wettbewerb eingereicht und Cornelias Kommentar dazu war genau das, was ich mir wünschte. Sie hatte geschrieben, dass sie es beeindruckend findet, wie ich es durch mein organisiertes und grafisch-stilistisches Tun trotzdem schaffe, die Situation und das Mystische, Märchenhafte zu verpacken.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Das war richtig, richtig krass. Ich hab Cornelia, als ich wieder zurück in Hamburg war, auch einen langen Brief geschrieben. Nach meiner Ankunft in Malibu hatte ich plötzlich richtig Bock zu malen. Da war diese Energie. Und wenn ich male, bin ich energetisch, bleibe nächtelang wach. Cornelia hat mir eine alte Leinwand gegeben und ich hab angefangen. Und ich hab überhaupt nicht im Stil gearbeitet, wie ich in der Zeichnung gearbeitet hab. Ich hab einfach nicht mehr über die Stilistik nachgedacht, und das tat mir gut. Das war damals sehr inspirierend.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthIch bin in Hamburg wieder angekommen und war total im Film und dachte: Ich muss jetzt so weiter zeichnen und malen, wie ich es in Malibu begonnen habe. Das tut mir total gut. Ich habe seit meiner Rückkehr das Gefühl, das ist genau das, was ich bin. Vor Malibu hatte ich mich davor verschlossen.
Der Aufenthalt auf der Farm hat mir eine neue Kraft und den Willen dazu gegeben. Und seitdem läuft alles sehr gut.
Ich bekomme Anfragen für verschiedenste Projekte.

 

Foto: Michael Orth  Miró zeigt seinen ersten Entwurf für den Wettbewerb. Später entschied er sich doch für den Wassermann und nicht für ddie Szene, in der Fuchs in der Falle sitzt. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

Keine Angst vor großen Flächen (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth 

    Foto: Michael Orth

 

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Anne Zaghow

Anne Zaghow

Anne wurde in Oldenburg (i. H.) geboren und ist in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Sie ist im Wesentlichen eher ein Landmensch geblieben, auch wenn sie heute in Hamburg lebt und dort an der HAW studiert. Annes Traum ist es, irgendwann einmal in einer Gemeinschaft mit anderen ("Menschen mit ähnlich 'krummen' Lebensläufen vielleicht", sagt Anne) zu leben und zu arbeiten, irgendwo in dieser Welt ...

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael Orth So weit ich zurückdenken kann, habe ich immer sehr gerne gezeichnet und gemalt. Als Kind konnte ich viele Stunden mit Stift und Papier verbringen und vollkommen in meine Bildwelten abtauchen. Ich habe noch den Geruch der roten Wachstuchdecke in der Nase, die über unseren Esstisch gebreitet wurde und erinnere noch den Korb mit einer Unzahl an Buntstiften, die schließlich über den ganzen Tisch verstreut waren. Das Zeichnen und Malen waren immer mein Weg, auf Eindrücke aus meiner Umwelt zu reagieren oder Gedanken und Ideen nach außen zu tragen. Besonders als Jugendliche wurden Bilder für mich auch Sprache, die alles das ausdrücken konnte, das ich nicht in Worte fassen konnte. Nach dem Abitur habe ich Kunstgeschichte studiert. Mit dem Abschluss stellt sich mir die Frage, ob ich den mit dem Studium begonnenen Pfad weitergehen kann oder ob ich vielleicht doch einen neuen Weg einschlagen und meinem Bedürfnis, künstlerisch zu arbeiten, folgen soll. Ich entschied mich für die Abzweigung: Allen Mut zusammennehmend habe ich mich an der HAW Hamburg für den Illustrationsstudiengang beworben und wurde angenommen. Ich arbeite nach wie vor ausschließlich analog, ich mag den Umgang mit unterschiedlichen Zeichenmedien und verschiedenen Papieren und das Wechseln zwischen künstlerischen (Denk-)Prozessen und handwerklicher Arbeit; zu meinen Lieblingsorten gehören die Werkstätten der Hochschule für Holzschnitt und Radierung.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthWie Inga, Sara und Miró bin ich auf einen Wettbewerb aufmerksam geworden, der in Kooperation von Dressler mit dem Studiengang Illustration an der HAW ausgeschrieben war. Für einen von drei durch den Verlag zur Verfügung gestellten Texten sollte eine Illustration entwickelt werden; es gab keine Vorgaben oder Beschränkungen. Ich habe mich für einen Textauszug, „Der Anfang“, aus der „Reckless“-Reihe entschieden. Die Beschreibung von Fuchs gefangen in der Falle hat mich sehr berührt; besonders beeindruckte mich, wie Sprache es hier gelingt, die vielschichtige Befindlichkeit des Tieres – körperlicher Schmerz, Angst und Mut - in wenigen Worten so eindringlich zu schildern und für mich als Leserin nachfühlbar zu machen. Ich wollte versuchen, ein Bild zu finden, das das Tier, die Füchsin, und ihre ungebrochene Stärke visualisiert. Es war für mich eine große Herausforderung: Ich wollte einen Weg finden, ein Gefühl mit zeichnerischen Mitteln umzusetzen und so etwas nicht Sichtbares sichtbar zu machen. Vorher habe ich mich fast ausschließlich mit abstrakten Collagen und mit dem Buch als Objekt beschäftigt – eher freie als illustrative Arbeiten. Für dieses Projekt dagegen dachte ich von Beginn an an ein konkretes Motiv. So hatte ich lange nicht mehr gearbeitet. Ich war unheimlich glücklich, dass ich schließlich zu denen gehörte, die Cornelia auf ihrer Farm würden besuchen können.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Anne bei der Arbeit in Cornelias Scheune in MalibuDer Besuch auf der Farm war eine wunderbare Erfahrung. Es war ein Abtauchen in eine ganz neue Welt, in der ich mich gleich freundlich aufgenommen gefühlt habe. Ich habe in einer umgebauten Scheune gelebt und gearbeitet, die umgeben ist von der sie hochüberragenden, wuchernden Vegetation der Farm. Tagsüber war es auch im Oktober noch so mild, dass ich die Tür weit offen stehen lassen konnte und mich die verschiedenen Naturstimmen und -geräusche durch den Tag begleiteten. Ein Weg aus den Stammscheiben eines großen Eukalyptusbaums verbindet die Scheune mit dem Hauptgebäude. Ich mochte es sehr, diesen Weg zu gehen, der in der Wärme noch immer duftete und dessen Holzscheiben die Schritte in ihren Rhythmus zwingen und jeweils ihre eigene, andere Geschichte des Baums erzählen, zu dem sie einmal gehört haben. Die Farben, Formen und Linien der Natur, ihre Veränderung im Tagesverlauf und das Gewirr der Pflanzen haben mich fasziniert. Ich habe viel Zeit damit verbracht, durch den riesigen Garten zu gehen. Manchmal schien die Umgebung mich fast zu verschlucken, dann eröffneten sich je nach Standpunkt verschiedene Aus- und Rundblicke; jeder Platz hatte dabei seine ganz eigene Dynamik, Kraft und Ausstrahlung. Während meines Aufenthalts habe ich an einer Reihe von Linolschnitten gearbeitet, die mit verschiedenen Pflanzenformen spielen. Außerdem sind unzählige Fotos von verschiedenen pflanzlichen Formen und Strukturen entstanden und ich habe farbige Papiere und ein Skizzenbuch als „Farbarchiv“ erstellt.
Es war eine sehr produktive Zeit. Die Farm strahlte eine konzentrierte, kraftvolle Ruhe aus; für mich die wunderbarste Arbeitsatmosphäre. Ich konnte endlos arbeiten; die Stunden rannen nur so dahin – obwohl die Zeit eigentlich keine Rolle spielte. Der Zustand vollständig in einem Arbeitsprozess aufzugehen, ganz bei der Sache, die ich gerade tue, bei mir und meinen Gedanken zu sein, fehlt mir sonst oft.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthAbgesehen von meinem „Formen/Strukturen/Farben-Archiv“, das ich in meinem Koffer nach Hamburg nehmen konnte, werde ich besonders die Begegnung mit Cornelia und den Künstlerinnen, die gleichzeitig mit mir auf der Farm waren, und mit Angie und Maria in Erinnerung behalten. Es war spannend, eine Gemeinschaft zu erleben mit Menschen, denen man gerade erst begegnet ist. Die Farm ist ein unheimlich lebendiger und offener Ort. Es war schön, sich morgens und abends oder in den Arbeitspausen zusammenzufinden, um gemeinsam Kaffee zu trinken, zu kochen und zu essen und sich über alles Mögliche auszutauschen. Und einen Einblick in die Arbeit der anderen zu erhalten, in ihre vielfältigen Fragestellungen und die Dinge, die sie interessieren und Neues von ihnen zu lernen. Mir haben die Gespräche geholfen, mich selbst von einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Einschätzungen über mich selbst zu hinterfragen, mich selbst und meinen Weg mit freundlicheren Augen zu betrachten.
Die Zeit auf der Farm hat etwas Neues in mir geweckt, eine Veränderung begonnen, die ich zwar noch nicht greifen oder benennen kann, aber deutlich spüre.

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth


Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

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Inga Krause

Inga Krause

Inga kommt aus Nordrhein-Westfalen und hat an der Münster School of Design und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Illustration und Grafik studiert.
2019 wurde sie mit ihrem Bilderbuchkonzept "Petrichor" für den Hamburger Bilderbuchpreis nominiert. Sie arbeitet für ihr Masterprojekt in einem kleinen Gemeinschaftsatelier in Hamburg Rothenburgsort.

Ingas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Inga in ihrem Atelier in Hamburg Rothenburgsort (Foto: Michael Orth)Das ist eine Frage, die ich mir nie zuvor bewusst gestellt habe. Seitdem ich mich erinnern kann, habe ich mich kreativ mit meiner Umwelt auseinandergesetzt und ich denke, das ist Grundlage für meinen Drang zur Kunst. Meine Mutter und auch meine Oma sind kreative Menschen, sodass mein Interesse an der Kunst nie eine wirklich bewusste Entscheidung, sondern vielmehr eine natürliche Konsequenz war. Für mich ist das Interesse an der Kunst ein ganz normaler Zustand, der immer schon bestand und nun zu einem Feuer entfacht ist.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Inga zeigt ein Blatt aus ihrem für den Hamburger Bilderbuchpreis nominierten Bilderbuch "Petrichor" (Foto: Michael Orth)Ich studiere im Masterprogramm an der HAW in Hamburg Illustration und dort wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Wir durften eine Illustration zu Cornelias Geschichten entwickeln. Ich entschied mich für das Mädchen, welches gefangen ist in einem Körper einer Füchsin. Der kleine Textausschnitt ließ mich direkt in die Welt von "Reckless" eintauchen.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Ingas "Malibu-Palmen" (Foto: Michael Orth)Die Zeit in Malibu war für mich magisch. Der reflektierende Mondschein auf den Wellen, die Dornen der gigantischen Kakteen, das Schreien der Kojoten, all der Zauber dieses Ortes kommt mir heute vor wie ein Traum. Der Traum bleibt und mischt sich immer wieder durch Farben, Formen oder Gefühle in meine Arbeiten.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael Orth
Mutig sein!

Dankeschön Cornelia…

 

 

 

 

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Inga malt auch großformatig (Foto: Michael Orth)

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

 

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Sara-Christin Richter

Sara-Christin Richter

In Leipzig geboren, studiert Sara-Christin nach dem Abschluss eines Lehramtsstudiums mit den Fächern Kunst und Englisch in ihrer Heimatstadt Dresden seit 2017 an der HAW Hamburg Illustration. Ihr Herz gehört den Puppen und der Puppenschnitzerei. Ihr handgemachter Puppenfreund, der Uhrmacher Walter Jannovitz, hat sogar eine eigene Instagram-Seite und reist mit ihr um die Welt.

Sara-Christins Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthSeit meiner Kindheit interessiere ich mich für Kunst und habe schon sehr früh Kurse besuchen dürfen. Meine Mutter hat durch ihr Kunstgeschichts-Studium sehr viele Bücher. Ich habe mir Kopien von den schönsten Bildern machen dürfen und diese dann sehr sorgfältig in Folien sortiert, um sie später abzuzeichnen. Meine Eltern sind mit mir sehr häufig in Museen und Kirchen gegangen.
Als Kind fand ich das wahrscheinlich langweilig, inzwischen glaube ich jedoch, dass ich extrem viel daraus mitgenommen habe. Zum Beispiel mein Interesse für das Mittelalter.
Als Jugendliche besuchte ich dann verschiedene Kunstkurse, bevor ich Kunstpädagogik und dann schließlich Illustration in Hamburg studiert habe.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

"Der Schneider", Sara-Christins Beitrag für den Wettbewerb.An unserer Uni, der HAW Hamburg wurde über den Dressler Verlag ein Wettbewerb ausgeschrieben. Dressler und Professoren der Hochschule haben dann die Arbeiten gesichtet. Als ich gehört habe, dass die Gewinner Cornelia besuchen dürfen, wollte ich unbedingt mitmachen.


 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

 

Foto: Michael OrthDie Zeit auf Cornelias Farm hat mich inspiriert und beseelt. 
Bei Cornelia ist es sehr, sehr gemütlich und man fühlt sich sofort wohl. Überall findet man kleine Dinge, aber auch Puppen und Holzfiguren. Und natürlich ist die Umgebung und Natur faszinierend. Man bekommt dort den Kopf ganz automatisch frei.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthAus Malibu habe ich neben Fotos, Skizzen und modellierten Puppen vor allem viel Kraft und Motivation mitgenommen.
Cornelia hat mich unglaublich motiviert und inspiriert.
Die Gespräche mit ihr über Kunst, Literatur, Puppen und vieles andere nehme ich mit, und sie werden mich lange begleiten.

 

 Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Walter Jannovitz... (Foto: Michael Orth)  Sara-Christins Uhrmacherfreund (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

  

 

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Ayesha Gamiet

Ayesha Gamiet

Ayesha ist Künstlerin, Illustratorin und Kunstpädagogin aus London. Sie lebt und arbeitet im Südosten von England. Ihr Leben inmitten verschiedener Kulturen lässt sie in ihre Kunst einfließen. Ayesha unterrichtet in Großbritannien und im Ausland und arbeitet als freischaffende Künstlerin.

Ayeshas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich liebe das Malen und Zeichnen seit ich denken kann, und ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich in meiner Kreativität immer unterstützt und ermutigt haben. Meine Eltern kommen aus Südafrika. Mein Vater bekam sein Diplom in Bildender Kunst an der Universität von Kapstadt, konnte aber aufgrund des Apartheid Regimes einen weiteren Hochschul-Abschluss nicht machen. Als meine Eltern nach England auswanderten, wollten sie, dass ihre Kinder die Freiheit genießen konnten, ihren interessen und Talenten nachzugehen, weil sie selbst diese Möglichkeit in Südafrika nicht hatten. Ich bin aufgewachsen unter dem Einfluss vieler unterschiedlicher Kulturen. Muslimin mit südafrikanischer Herkunft, aufgewachsen in England, afrikanisch-asiatisch-europäische Ethnizität. Ich habe einen Abschluss in afrikanischer und asiatischer Kunstgeschichte und Archäologie und einen Master in den Visual Islamic and Traditional Arts. Während meines Studiums entdeckte ich meine Liebe für illuminierte Manuskripte und persische und indische Miniaturmalerei. Ich reiste nach Istanbul, um mehr zu lernen über die illuminierten islamischen Handschriften und es führte dazu, dass ich selbst zu meiner Lehrmeisterin wurde. Ich schloss meine Ausbildung 2018 ab und erhielt das Ijaza, ein traditionelles Diplom, während einer Zeremonie in der Süleymaniye-Moschee in Istanbul. Meine Leidenschaft für schöne Bücher brachte mich zur Kinderbuchillustration, wo ich die islamische Kunst mit traditionellen und zeitgenössischen Geschichten verbinden kann. Ich arbeite auch als bildende Künstlerin und unterrichte islamische Kunst in Großbritannien und weltweit.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Auf ganz wundersame Weise durch einen glücklichen Zufall. Vor fünf oder sechs Jahren traf meine Freundin Rukhsana Khan Cornelia bei einem Literaturfestival in Indien. Rukhsana erwähnte mich und meine Arbeit und schickte Cornelia ein paar Fotos meiner Illustrationen. Rukhsana stellte den Email-Kontakt zwischen mir und Cornelia her, und als Cornelia für eine Lesereise nach London kam, lud sie mich auf einen Kaffee ein. Ich war überwältigt von ihrer Großzügigkeit und Freundlichkeit. Wir unterhielten uns über Bücher und Illustration und über meine Arbeit als Lehrerin (Ich war damals Kunst-Lehrerin an einer Schule). Cornelia ermutigte mich, die Kinderbuchillustration professionell weiter zu verfolgen und sie schlug vor, dass ich doch auch meine eigenen Geschichten schreiben sollte. Sie lud mich ein nach Los Angeles, aber damals war ich zu schüchtern. Fünf Jahre später beendete ich mein erstes Kinderbuchprojekt zusammen mit Rukhsana. Ich dachte so oft an mein Treffen mit Cornelia und an den Rat, den sie mir gab - es war alles wahr geworden. Ich beschloss, den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen, um "Dankeschön" zu sagen und ihr zu erzählen, dass ich nun wirklich im Kinderbuchbereich arbeitete. Ich war nicht sicher, ob Cornelia sich an mich erinnern würde, aber zu meiner Überraschung und Freude erinnerte sie sich gut. Und sie lud mich ein als Artist in Residence auf ihre Farm zu kommen.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass meine Zeit auf der Farm eine lebensverändernde Erfahrung war. Es hat mich so sehr inspiriert und ich habe so viel gelernt. Das Leben inmitten der Natur, die bereichernden Gespräche, die wir hatten, die anderen Künstlerinnen und Künstler kennen zu lernen, deren Kunst und Handwerk. All das hat wahrscheinlich eine ganze Bibliothek an neuen Geschichten inspiriert. Meine Skizzen und Malereien, die auf der Farm entstanden sind, werden ganz sicher neue Landschaften in meiner Kunst und Illustration wecken. Die Gespräche, die ich mit Cornelia und den anderen Künstlerinnen und Künstlern hatte, haben neue Ideen geweckt und bereits bestehende weiter vorangebracht. Und es sind einige aufregende Zusammenarbeiten geplant.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Neben Ideen und Inspiration nehme ich auch ein größeres Zutrauen in meine Arbeit und meine Fähigkeiten mit nach Hause. Cornelia hat mir geholfen, meine Liebe zum Geschichten erzählen freizulegen. So denke ich, dass ich in der Zeit nach Malibu noch mehr schreiben und illustrieren werde. Dafür kann ich nicht oft genug Danke sagen. Es war eine große Ehre und ein Privileg, einer so begabten Geschichtenerzählerin und Illustratorin wie Cornelia bei der Arbeit zuzuschauen. Das hat mir geholfen, meinen eigenen Arbeitsprozess zu definieren. Einfache Tipps wie das Anlegen von Notiz- und Skizzenbüchern für jedes einzelne Projekt und das tägliche Ritual der Ideen- und Skizzensammlung, aber auch zu beobachten, dass Persönliches bei Cornelia immer Priorität hat ...  Ich habe so viel gelernt. Meine Erfahrungen in Malibu lassen mich den alltäglichen Zauber schätzen, und ich hoffe, ich kann davon auch etwas weiter geben.


Ayesha im Tiny House auf Cornelias Farm.  Ayesha und Cornelia zusammen mit Kindern von 826LA, für die Ayesha einen Workshop organisiert hat.

Ayesha malt zusammen mit den 826LA Kindern auf Cornelias Farm.

 

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Sheila Hall

Sheila Hall

Sheila wurde in Cartagena de Indias, Kolumbien, geboren und lebt auch heute noch dort. Cartagena ist eine Kolonialstadt an der Karibikküste. Sheilas Vater ist Amerikaner,
ihre Mutter ist Kolumbianerin. Sie wuchs also auf mit zwei unterschiedlichen Nationalitäten, Kulturen und Sprachen.

Sheila arbeitet als stellvertretende Projektkoordinatorin für die lateinamerikanische Ausgabe des international stattfindenden Hay Festivals, einem Literaturfestival, das jungen Autorinnen und Autoren eine Bühne bietet.

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich bin in einem Künstlerhaus aufgewachsen.
Mein Vater ist Maler, und meine Mutter war viele Jahre Tänzerin. Ich wuchs auf umgeben von Kunstgeschichtsbüchern, Ölbildern, Leinwänden und Kostümen.
So ist die Kunst wohl tief verwurzelt in mir.

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Ich lernte Cornelia auf einem Literaturfestival in Montreal, Kanada, kennen. Ich war so aufgeregt. Als ich jünger war, hatte ich ihre Bücher gelesen. Ich fragte, ob sie meine Drachenreiterausgabe signieren würde, und besuchte dafür eine ihrer Lesungen. Im Anschluss an die Veranstaltung und nachdem alle Kinder den Saal verlassen hatten, ging ich zu ihr und bat sie um das Autogramm. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte ihr, dass ich selbst für ein Literaturfestival arbeite, das Hay Festival in Lateinamerika, und sie erzählte mir von ihrer Rim of Heaven Stiftung. So begann das alles.

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Ich habe es geliebt. Ich denke nicht, dass ich die Worte finde, um zu beschreiben, wie magisch es dort ist. Alles fließt einfach und fügt sich. Es passt dort einfach. Ja, ich fand tatsächlich Inspiration dort. Für das Schreiben genau so wie für das Zeichnen. Als junges Mädchen zeichnete ich jeden einzelnen Tag. Irgendwann hörte ich auf, es zu tun. Wegen der Schule und wegen was auch immer. Auf Cornelias Farm fielen mir ihre Bleistifte und Farben in die Hände, und ich begann, nach so vielen Jahren wieder zu zeichnen und zu malen. Ich hatte vergessen, wie besonders es ist, aber es war wunderbar zu merken, dass meine Hände sich noch genau erinnerten, wie es funktioniert.

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Meine Zeit in Malibu war eine Bestätigung für unser Recht - als Menschen - auf Schönheit, dafür dass die Erschaffung und Betrachtung schöner Dinge und Momente etwas Großartiges ist in unserem Leben. Ich glaube, die Farm hat mir geholfen, Türen zu Räumen in mir zu öffnen, die eine lange Zeit dunkel und verlassen waren. So viel wurde durch meinen Aufenthalt dort in Bewegung gebracht. Ich habe neue Geschichten, Projekte und Ideen mit nach Hause genommen, an denen ich nun arbeiten möchte.

 

                           

 

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Mareike Ammersken

Mareike Ammersken

Mareike ist gebürtige Ostfriesin und wohnt und arbeitet in Lüneburg. Nach ihrer Ausbildung als Sozialpädagogin und Erzieherin hat sie ein Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg begonnen, denn die Buchillustration war schon immer ein Herzenswunsch von ihr.

Mareikes Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Solange ich denken kann war Kunst ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn ich so an meine Kindheit zurückdenke, dann hatte ich schon immer gerne einen Stift in der Hand. Es hat für mich einfach dazugehört, als wäre es das Normalste auf der Welt. Mein Opa war Maler und hat mich oft mit in sein Atelier genommen. Er hat mir seine neuesten Arbeiten gezeigt und mich immer wieder als Vorbild und Künstler motiviert und inspiriert.
Foto: Michael Orth
Auch meine Familie war ganz auf meiner Seite und hat mich in meiner Kreativität unterstützt. Einen großen Teil meiner Freizeit durfte ich sogar in unterschiedlichen Malschulen verbringen und habe dadurch viele unterschiedliche und sehr kreative Persönlichkeiten kenngelernt. In meiner Ausbildung an der Fachschule hatte ich kaum Zeit, mich kreativ auszuleben. Als Erzieherin ist der Alltag von Kreativität geprägt, doch auf eine andere Art, als es das Malen und Zeichnen kann. Zu der Zeit ist mir nicht nur bewusst geworden, dass Kunst ein prägender Teil meines Lebens ist, sondern dass ich Bilderbuchillustration mit meiner pädagogischen und künstlerischen Arbeit verbinden kann.
Im Austausch mit Freunden und Familie habe ich dann den Mut gefasst und mich für ein Illustrationsstudium an der HAW entschieden.

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias Artists in Residence Programm teilzunehmen?

Foto: Michael OrthIch war schon immer an den Geschichten von Cornelia interessiert und sofort begeistert von der Ausschreibung des Artists in Residence Programms. Im Rahmen meines Studiums an der HAW habe ich von diesem Wettbewerb erfahren und war begeistert von den Kurzgeschichten, die Cornelia uns für diesen Wettbewerb zur Verfügung gestellt hat. Zu einem dieser Textausschnitte sollten wir eine Illustration anfertigen.
Dabei war es ganz egal, mit welchen Medien und welchem Material die Aufgabe umgesetzt wurde. Der Kreativität wurden keine Grenzen gesetzt, was auch bei den Ergebnissen sehr spannend zu beobachten war. Die Geschichte "Der Anfang" erzählt von einem Mädchen, dass im Körper eines Fuchses feststeckte. Mich verbindet viel mit dem Fuchs, wodurch mir die Wahl zu dieser Geschichte nicht schwergefallen war.
Als knifflig stellte sich heraus, beide Attribute in einer Illustration darzustellen.
Eine Spiegelung im Wasser sollte dabei das wahre Ich der Füchsin, das Mädchen, zum Vorschein bringen. Die märchenhafte Stimmung wurde von den gedeckten Farben aufgegriffen und das rot leuchtende Fell der Füchsin bot den Kontrast.

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Malibu? Und was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm (warst du vorher überhaupt schon mal in den USA/ Kalifornien)?

Am liebsten würde ich meinen Hund mit in meinen Koffer stecken, dem würde es auf der Farm bestimmt auch gefallen. Ganz wichtig ist aber auch mein Skizzenbuch und eine kleine Auswahl meiner Lieblingsstifte, welche mich auch im Alltag immer begleiten. Foto: Michael Orth
Bestens geeignet, um Ideen und Eindrücke schnell und zwischendurch festzuhalten, bevor der Gedanke sich verflüchtigt. Auch mein iPad darf dabei nicht fehlen, welches mich fast überall hin begleitet, als digitales Skizzenbuch sozusagen. Aber am längsten sind in meinem Koffer schon die Vorfreude und die Aufregung. Ich fliege zum ersten Mal eine so lange Strecke und wollte schon immer mal in die USA reisen.

Ich war bisher noch nicht in den USA und freue mich sehr, das sogar in Verbindung mit meiner Kunst nachholen zu dürfen. Besonders freue ich mich darauf, Cornelia persönlich kennenzulernen. Die Person, welche hinter all den wunderbaren Geschichten steckt, die mich in meiner Kindheit und Jugend zum Lesen gebracht und inspiriert hat. Mein erstes Buch von ihr war "Drachenreiter" und zählt noch heute zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Ich freue mich auch über den Austausch mit den anderen Künstlerherzen und das Panorama der Natur. Die Natur und die Tiere, die mich hier in Norddeutschland täglich umgeben, sind wunderschön. Doch sie gehören zu meinem Alltag. Die Flora und Fauna eines anderen Kontinents hautnah zu erleben, wird für mich eine besondere Erfahrung werden. Ich freue mich schon jetzt darauf, all diese Eindrücke und Begegnungen in meine künstlerische Arbeit einfließen zu lassen.

 

Hattest du, bevor Corona die Reise in die USA unmöglich machte, bestimmte Pläne für die Woche in Kalifornien, z.B. ein Projekt, was du dort angehen oder fertigstellen wolltest, etc.?

Foto: Michael OrthMomentan arbeite ich fast nur noch digital. Manchmal fehlt mir der Pinsel oder Buntstift in der Hand. Im Digitalen ist nichts mehr zufällig, alles kann man rückgängig machen.
Doch auf einer schönen Leinwand will jeder Strich durchdacht sein, oder eben nicht. Der Zufall kreiert manchmal die besten Ergebnisse. Vielleicht finde ich in Kalifornien wieder einen Zugang zu den analogen Medien. Und mein iPad darf dann gerne im Koffer verstauben! Etwas neues ausprobieren und raus aus der Komfortzone.
Einfach frei von der Leber weg, ganz unvoreingenommen und ohne konkrete Ziele und Pläne. Ich möchte mich von den Eindrücken und Menschen vor Ort inspirieren lassen und schauen, was der Zufall so mit sich bringt.

Fuchs ... Mareikes Beitrag zum Wettbewerb der HAW (Foto: Michael Orth)  Der Angler wartet auf den Fang seines Lebens und bemerkt gar nicht, was hinter ihm auftaucht...  Mareikes aktuelles Bilderbuchprojekt "Traumhund" - Bilderbuchprojekt Traumhund - HS21 Dressler

Handwerkszeug (Foto: Michael Orth)  Eine Weihnachtskarte, die Mareike für die HAW entworfen hat (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

Eine Hommage an Mareikes Freund im Stil von Animal Crossing. Die beiden sind gemeinsam in der Natur unterwegs, mit Hund und mit ihrem Bulli, um Abenteuer zu erleben.Foto: Michael Orth  Das Vertrauen und die in diesem Bild so selbstverständliche Verbindung zur Natur haben Mareike bewegt, die berühmte Szene des Fotografen Hamid Sardar zu malen. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

 

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Ruby Warnecke

Ruby Warnecke

Ruby ist in Lübeck geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie nach Hamburg, wo sie 2015 ihr Studium der Illustration an der HAW Hamburg begann. 2019 schloss sie ihren Bachelor mit einem eigenen Kinderbuch-Projekt ab. Ein Auslandssemester an der MICA (Maryland Institute College of Art) in Baltimore - das Land und die andere Art zu lehren und zu lernen - war für Ruby eine Bereicherung für ihren künstlerischen Werdegang.
Zur Zeit macht sie ihren Master im Studiengang Illustration. Bereits neben dem Studium machte sie sich 2017 selbstständig und arbeitet seitdem als Illustratorin im Bereich Kinder- und Bilderbuch, Papeterie und Hand Lettering.

Rubys Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthSchon als Kind war ich stets kreativ, habe gemalt, gezeichnet, Taschen aus alten Kleidungsstücken genäht, gewebt oder mir selbst Geschichten ausgedacht. Den einen Moment, der mein Interesse an der Kunst geweckt hat, gab es nicht. Kunst, also das Malen, das Zeichnen, das Kreativsein, war schon immer Teil meines Lebens. Es ist ein Ort, an dem ich mich heimisch fühle und zu dem ich immer zurückkehren kann. Kunst entspannt und stellt mich gleichzeitig vor immer neue Herausforderungen!

Dadurch war mir schon früh klar, dass ich auch beruflich etwas Kreatives machen möchte. Eine andere Option war nicht vorstellbar. Zunächst dachte ich daran, Produkt- oder Modedesign zu studieren, bis ich schließlich vom Illustrations-Studium in Hamburg erfuhr. Die vielen Themenbereiche, die die Illustration bereit hält, waren der ausschlaggebende Punkt, mich dort zu bewerben.
Zudem war ich schlichtweg beeindruckt vom Talent und der Bandbreite der künstlerischen Ausdrucksweisen vieler IllustratorInnen.  An der HAW, wie auch an vielen anderen Kunsthochschulen, bewirbt man sich mit einer Mappe, einer Auswahl seiner stärksten künstlerischen Arbeiten. Dazu habe ich einen Vorbereitungskurs besucht, der mich in meinem Entschluss bestärkt hat. Dort haben wir vor Ort Inspiration und Input für die Mappe erhalten und haben gemalt, gezeichnet oder collagiert. 

Zu Beginn des Studiums habe ich viel ausprobiert, experimentiert und Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Illustration gewonnen. Währenddessen entwickelte sich ein besonderes Interesse für die Buchillustration. Es fasziniert mich, in diesem Kontext eigene (Bild-) Welten zu erschaffen, in die der Leser eintauchen kann. Die Arbeit an einem Buch zieht sich über viele Wochen oder Monate und stellt eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer Geschichte dar. Diese fokussierte und intensive Projektarbeit finde ich sehr reizvoll. Zudem ist es schön, das fertige Buch später in den Händen zu halten.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias Artists in Residence Programm teilzunehmen?

Foto: Michael OrthAn unserer Hochschule gab es eine Ausschreibung von Cornelias Stiftung "Saum des Himmels", in Kooperation mit dem Dressler Verlag. Wir haben einige Textausschnitte aus dem Reckless-Universum zur Auswahl bekommen, von denen wir einen illustrativ umsetzen konnten. Dabei war es mir wichtig, nicht das Offensichtliche darzustellen, sondern eine eigene Interpretation zu wagen.

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Malibu? Und was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm (warst du vorher überhaupt schon mal in den USA/ Kalifornien)?

Foto: Michael OrthAuf jeden Fall müssen Skizzen- und Notizbuch, einige Farbtuben und viele Stifte mit ins Gepäck, damit sich neue Ideen unmittelbar festhalten lassen! Ich werde außerdem mein iPad einpacken, auf dem ich viele meiner Illustrationen umsetze.

Von dem Aufenthalt auf Cornelias Farm erhoffe ich mir, kreative Energie zu tanken und Inspiration durch all die neuen Eindrücke mitzunehmen. Vielleicht reise ich auch mit der ein oder anderen Idee für eigene kreative Projekte wieder nach Hause, das wäre schön! Ich möchte unvoreingenommen und offen für Neues an diese Erfahrung herangehen. Ich freue mich besonders auf den Austausch mit anderen Kreativen, und darauf, die Tiere auf der Farm kennen zu lernen!Ruby hat beim Arbeiten immer Gesellschaft. Ihre beiden Meerschweinchen Frodo (hier auf dem Foto) und Clara (der Wuschel) rascheln neben ihrem Schreibtisch im Stroh (Foto: Michael Orth)

Bisher war ich zweimal in den USA, allerdings an der Ostküste. Weshalb ich mich schon sehr darauf freue, die Westküste kennen zu lernen! Wuschel Clara ist die Skeptischere der beiden Schweinchen (Foto: Michael Orth)

Besonders beeindruckend stelle ich mir die riesigen Redwood Bäume vor, und ich freue mich darauf, die heimische Flora und Fauna kennen zu lernen. Im Anschluss an meinen Aufenthalt bei Cornelia möchte ich gerne reisen und mir einige der National Parcs an der Westküste ansehen.

 

Hattest du, bevor Corona die Reise in die USA unmöglich machte, bestimmte Pläne für die Woche in Kalifornien, z.B. ein Projekt, was du dort angehen oder fertigstellen wolltest, etc.?

Foto: Michael OrthDa ich dieses Jahr an einigen größeren Verlagsprojekten arbeiten konnte, wollte ich die Zeit in Kalifornien vor allem für mich und meine eigenen Projekte nutzen.

Ich würde gerne viel skizzieren und fotografieren, um einen Bildfundus zu schaffen, aus dem ich später schöpfen kann. Dabei möchte ich gerne die heimische Natur zeichnerisch und im Skizzenbuch erforschen. Die Reise stünde also ganz unter dem Zeichen, Neues kennen zu lernen, Eindrücke zu sammeln, sich treiben zu lassen und Unerwartetes zu entdecken.

 
Rubys Beitrag zur Ausschreibung der HAW (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Rubys Skizzenbuch (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth  Das Tierwesen trägt den Namen Isi. Das bedeutet Reh oder Hirsch und bezieht sich auf das geweihartige Gebilde auf seinem Kopf. Die Figur hat Ruby in einem Character Design Kurs an der HAW angefertigt. Sie besteht aus einem "Skelett" aus Draht und Alu Folie. Drum herum hat Ruby mit Super Sculpey modelliert. Die Modelliermasse härtet nach dem Backen im Ofen aus, sodass die Figur im Anschluss mit Acrylfarbe bemalt werden konnte. (Foto: Michael Orth)

Entwürfe aus Rubys Bilderbuch Fridolin lernt das Gruseln (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

 

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Julia Plath

Julia Plath

Julia ist in Hamburg geboren und in Wedel aufgewachsen. Da sie auf einem Wirtschaftsgymnasium war und kein kreatives Umfeld hatte (ihre Eltern sind Wirtschaftsinformatiker) hat es eine Zeit gedauert, bis sie nicht nur wusste, dass sie in den kreativen Bereich wollte, sondern auch gelernt hatte, wie man dahin kommt. Ihre Schulzeit über hatte sie geschauspielert, was auch lange ihr Wunschberuf war, bis sie sich schließlich doch dazu entschied, ihr anderes großes Hobby, das Zeichnen, zu wählen. 2014 begann sie ihr Studium an der HAW und macht dort gerade ihren Master. Julia arbeitet bereits freiberuflich als Illustratorin im Editorial Bereich und versucht sich auch in Comic und Animation.

Julias Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthWie alle Kinder habe ich gerne gezeichnet und dann mit der Zeit die Fanart für mich entdeckt.
Das fing mit Harry Potter an, dann hatte ich eine intensive Pferde Phase, eine Game of Thrones Phase, usw. Größtenteils habe ich Portraits gezeichnet. Das Darstellen von Szenen und Räumen lag mir gar nicht, das lernte ich erst im Studium.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias Artists in Residence Programm teilzunehmen?

Foto: Michael OrthIch habe zusammen mit neun anderen meiner HAW KommilitonInnen bei einem Wettbewerb, den Cornelia zusammen mit ihrem Verlag bei uns an der Hochschule veranstaltet hat, teilgenommen. Es ging darum, eine Illustration anzufertigen zu Auszügen der Reckless Reihe.
Ich habe die Geschichte des Schneiders illustriert, der Gewänder aus Menschenhaut anfertigt. Eigentlich sollten nur zwei Leute eine Reise zu Cornelia nach Malibu gewinnen, aber Cornelia und die Leute vom Verlag waren so lieb alle zehn von der Shortlist einzuladen. Ich muss sagen, dass das der mit Abstand schönste Gewinn ist, den ich je bei einem Wettbewerb erlebt habe. 

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Malibu? Und was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm (warst du vorher überhaupt schon mal in den USA/ Kalifornien)?

Foto: Michael OrthAuf jeden Fall müssen mindestens zwei Bücher für den Flug und die Abende dabei sein! Außerdem natürlich mein Lana Zeichenblock und meine Druckbleistifte. Und zur Sicherheit auch mein iPad Pro. Damit bin ich dann eigentlich ganz gut ausgerüstet!

Ich erträume mir eine Woche, in der man etwas durchatmen kann, die Natur genießen und Hunde streicheln, weg von Sozialen Medien, eine Woche, in der ich viele inspirierende Leute kennenlerne und spannende Gespräche habe, und hoffentlich gute Ideen, um mit viel Ruhe und Konzentration an meinen Geschichten zu arbeiten oder vom Alltagsleben abgelenkt zu werden. In Kalifornien war ich noch nie, bisher war ich immer an der Ostküste, in New York, Washington D.C., Florida, und einmal Bekannte in Tennessee besuchen. Das ist aber auch schon wieder fast zehn Jahre her!

 

Hattest du, bevor Corona die Reise in die USA unmöglich machte, bestimmte Pläne für die Woche in Kalifornien, z.B. ein Projekt, was du dort angehen oder fertigstellen wolltest, etc.?

Ja, ich würde gerne an meinem Masterprojekt arbeiten und zwei Kurzgeschichten in Form einer Graphic Novel angehen. Wer weiß, auf wann die Reise verschoben wird, aber vermutlich ist das dann immer noch mein Plan.

 

Foto: Michael Orth  Julias Beitrag zur Ausschreibung der HAW (Foto: Michael Orth)  Basierend auf dem Gedicht von Robert Frost - On a bird singing in its sleep - entstanden mehrere Illustrationen, in denen Julia sich mit Mensch-Tier Beziehungen auseinandergesetzt hat. Die Illustration bezieht sich auf die Zeile To be a bird while we are men on earth. (Foto: Michael Orth)

Foto: Michael Orth  Diese Illustration entstand zum Roman "Wilde Schafsjagd" von Haruki Murakami. Sie verbindet zwei Teile der Geschichte, die anscheinend wenig miteinander zu tun haben, zum einen das offensichtliche Motiv der besonderen Schafe, sowie die Erzählung über die verstorbene Ex-Freundin des Protagonisten, welche immer allein im Café saß und Bücher las. Diese Motive hatten so etwas Beruhigendes, Zeitloses, dass Julia sie zusammen darstellen wollte. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

 

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Catherine Kuhlmann

Catherine Kuhlmann

Catherine kommt aus einem kleinen Ort nahe Münster. 2013 wurde sie an der HAW Hamburg für das Illustrationsstudium zugelassen. Seitdem ist sie im Norden zuhause.
Zeichnen, Malen und Kreativität im Generellen gehörten schon immer zu Catherines großen Leidenschaften.

Catherines Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthEs fällt mir schwer, das an einem bestimmten Punkt festzumachen. Als Kind ist es normal, zu zeichnen, zu malen und sich eigene Geschichten auszudenken.

Niemand hinterfragt, warum man sich als Kind gerne kreativ ausdrückt. Diese Ausdrucksform fühlt sich für mich immer noch am natürlichsten an und ist so etwas wie meine innere Heimat.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias Artists in Residence Programm teilzunehmen?

Foto: Michael OrthDas war ein wirklich großes Glück. An der HAW wurde vom Dressler Verlag in Zusammenarbeit mit Cornelia ein Wettbewerb ausgeschrieben: Alle Studierenden bekamen die Chance, eine Illustration zu einem Text von Cornelia anzufertigen.

Cornelia wurde eine Auswahl von zehn Illustrationen geschickt, aus denen sie zwei IllustratorInnen auswählen sollte, die zu ihr nach Malibu reisen. Letztendlich haben ihr die Illustrationen so gut gefallen, dass sie alle ZeichnerInnen zu sich eingeladen hat. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Malibu? Und was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm (warst du vorher überhaupt schon mal in den USA/ Kalifornien)?

Foto: Michael OrthIch würde jetzt gern ganz romantisch davon sprechen, dass ich natürlich nur ein Notizbuch und Zeichenmaterialien benötige und sich der Rest von allein ergibt. Aber ich werde definitiv meinen Laptop (zum Schreiben) und mein iPad (zum Zeichen und Podcasts hören) brauchen. Und viele, viele Bücher.

Ich war noch nie in den USA! Ich habe aber seit Jahren regelmäßig den Traum, für einen Tag in New York zu sein und dort in Rekordzeit eine Liste von Sehenswürdigkeiten abarbeiten zu müssen. Daher wäre es für mich sozusagen eine Pflicht, nach der Zeit bei Cornelia noch nach New York zu reisen. Was die Zeit auf der Farm betrifft, da freue ich mich besonders darauf, viele unterschiedliche Menschen zu treffen. Ich hoffe auch auf ein paar AutorInnen, da ich mich gerade mit dem Schreiben auf fremdes Terrain begeben habe. Und natürlich bin ich wahnsinnig gespannt darauf, Cornelia kennenzulernen.

 

Hattest du, bevor Corona die Reise in die USA unmöglich machte, bestimmte Pläne für die Woche in Kalifornien, z.B. ein Projekt, was du dort angehen oder fertigstellen wolltest, etc.?

Foto: Michael OrthAn sich möchte ich für alles, was mich erwartet, offen sein und keine zu starren Ziele im Kopf haben. Allerdings hat sich, seitdem ich von der Reise erfahren habe, viel in meinem Leben verändert. Ich zeichne nicht mehr hauptsächlich, sondern habe damit begonnen, an einem Jugendroman zu arbeiten.
Meine Geschichte an einem unbekannten Ort weiterzuschreiben und für alle neuen Einflüsse offen zu sein, die den Weg meines Romans ändern könnten, das wäre für mich eine gelungene Woche.

 

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Die Anregung zu ihren Illustrationen findet Catherine vor allem in der Natur oder in der Nähe zu Tieren. Sie spielt mit den organischen Formen und übersetzt sie in ihre eigene Bildsprache. Die natürliche Begrenzung, die ihr durch den Zeichengrund vorgegeben wird, empfindet sie nicht als Einschränkung, sondern als ein weiteres Element der Illustration. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

 

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Franziska Blinde

Franziska Blinde

Franziska wurde im schönen Berliner Ortsteil Karow geboren. Ihren Lebensweg kann man eher als klassisch beschreiben. In der Schule malte sie am liebsten die Seitenränder in ihren Arbeitsheften voll und wollte schon immer gerne etwas studieren, was sie tatsächlich interessiert. Zunächst versuchte sie es aber dann doch mit einer konventionellen Ausbildung zur Mediengestalterin. Eigentlich wollte sie aber an eine Hochschule, um Kommunikationsdesign zu studieren. An den Mappenprüfungen ist sie erst gescheitert, bis sie es dank Hartnäckigkeit und Nachhilfe bei der Mappenerstellung doch noch ins Studium geschafft hat. Sie stellte schnell fest, dass sie eigentlich nur zeichnen wollte. Erst traute sie sich nicht, sich an der HAW für das Illustrationsstudium zu bewerben, wurde dann aber angenommen und ist heute sehr froh, mit der Illustration endlich eine Profession gefunden zu haben, mit der sie sich wirklich wohl fühlt.

Franziska bei Instagram und bei Behance

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthSchon als Kind habe ich gerne viel geträumt und gezeichnet. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, wie ich im Kindergarten unter dem Tisch lag und Bilder zu dem Lied "Die Vogelhochzeit" gezeichnet habe. In der Grundschule konnte ich unter anderem damit glänzen, dass ich und eine Freundin regelmäßig Comics über Katzen zeichneten. Ich stelle mir im Nachhinein einfach vor, dass meine Mitschüler das ähnlich cool fanden wie wir. Der Gedanke, meinen Lebensweg mit Illustration oder Kunst zu bestreiten, war aber erst einmal lange abstrakt. Niemand in meiner Familie verfolgt einen ähnlich kreativen Ansatz. Ich habe aber das Glück, dass meine Eltern mich in meinen Entscheidungen immer sehr unterstützt haben.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias Artists in Residence Programm teilzunehmen?

Franziska mit ihrer Illustration 'Laufender Hund bei Nacht' aus einer Illustrationsserie zu Thomas Bernhards Roman 'Frost'. Die Serie wurde auf der Kinderbuchmesse 2018 in Bologna ausgestellt. (Foto: Michael Orth)Es ging das Gerücht um, dass da dieser Wettbewerb in Kooperation vom Dressler Verlag mit dem Studiengang Illustration an der HAW ausgeschrieben wird.
Uns StudentInnen wurden drei Textauszüge aus Reckless zur Verfügung gestellt, die wir nach Belieben illustrieren durften. Erst habe ich gezögert, mochte aber den Textauszug zu 'Der Anfang' unglaublich gern. Ich wollte gern die Atmosphäre, die Verletzlichkeit der Füchsin aber auch ihren ungebrochenen Willen in einem Bild wiedergeben, der dem Text gerecht wird. Dass das Bild zusammen mit den anderen tollen Arbeiten meiner KommilitonInnen auf die Shortlist gekommen ist, macht mich immens stolz.

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Malibu? Und was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm (warst du vorher überhaupt schon mal in den USA/ Kalifornien)?

Foto: Michael OrthIch bin mir bewusst, dass es eine durchaus unromantische Antwort auf diese Frage ist, aber ich kann leider ohne mein iPad nicht aus dem Haus. Gut neunzig Prozent meiner Illustrationen entstehen darauf, und die Möglichkeit, von überall aus arbeiten zu können, ist Fluch und Segen zugleich, und ich möchte das nicht mehr missen. Ich kann aber auch nicht ohne ein Buch im Gepäck verreisen, da ich gerne und viel lese. Ob ich das Buch dann wirklich unterwegs lese, ist eine andere Sache, aber es muss zumindest eins dabei sein.
Das ist vielleicht eine schönere Antwort.
Tatsächlich war ich noch nie in den USA. Wie groß und eindrucksvoll dieses Land tatsächlich ist, kann ich mir kaum vorstellen. Ich kenne es leider nur aus Filmen, Büchern und Berichten. Ich erhoffe mir, viele spannende Leute kennen lernen zu dürfen und mit und von ihnen zu lernen. Außerdem wurden liebe Hunde versprochen. Auf die freue ich mich sehr!

 

Hattest du, bevor Corona die Reise in die USA unmöglich machte, bestimmte Pläne für die Woche in Kalifornien, z.B. ein Projekt, was du dort angehen oder fertigstellen wolltest, etc.?

Foto: Michael OrthMomentan arbeite ich an einer Art Graphic Novel. Sie wird mein Abschlussprojekt für mein Illustrationsstudium.
In Kalifornien würde ich aber gerne etwas Neues anfangen. Vielleicht arbeite ich wieder klassisch mit Feder und Tinte.
Das habe ich lange nicht mehr getan, und ich erinnere mich, wie gut es mir damals tat. Ich liebe es, (für mich) interessante Details und Dinge in der Natur zu entdecken oder Gesten von Leuten, die ich treffe, auf Papier festzuhalten. Alltäglichkeiten faszinieren mich sehr, und was ist so eine Reise anderes, als eben das Aushebeln alter Gewohnheiten und die Möglichkeit, neue Eigenheiten entdecken zu können. Julia Plath und ich hatten auch überlegt, eine Rundreise durch das Land ohne spezifisches Ziel zu machen, um die eindrucksvolle Natur zu erkunden. Das Fahren muss sie aber übernehmen, da ich keinen Führerschein habe.


 
Foto: Michael Orth  Franziskas Illustration zum russischen Märchen 'Die schöne Wassilissa', entstanden für die Ausstellung 'Neue Märchen' in 2018. Sie zeigt Wassilissa im dunklen Wald mit einem brennenden Schädel. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

Waldszene aus einer Illustrationsserie zu Thomas Bernhards Roman 'Frost'. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth  Skizzenbuch mit Naturmotiven, gezeichnet mit Feder und Tinte. Teils entstanden die Zeichnungen mit Vorlagen von Waldspaziergängen, teils sind sie frei erdacht. (Foto: Michael Orth)

         Foto: Michael Orth
 

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Joana Dürnberg

Joana Dürnberg

Joana kommt aus der Nähe von Hamburg, arbeitet als Pädagogin und studiert Illustration im Master Studiengang an der HAW. Mit Mitte 20 hat sie eine Zeit lang in Barcelona gelebt, wo es sie nach wie vor häufig hinzieht. Allgemein haben Joana viele Orte, an die sie gereist ist, nachhaltig sehr beeindruckt und geprägt. Neben der Malerei und der Illustration begeistert sie sich für Musik, Theater, Tanz, Literatur, Fotografie und die Natur.

Joanas Webseite
 

* Anmerkung zu Joana: Joana spricht in ihren Antworten nicht mehr von Malibu als "residency", sondern von Italien, denn bei Cornelia ist in den letzten Monaten der Wunsch nach einer Veränderung gewachsen und für Herbst 2021 steht ein Umzug in die Toskana in ihrem Kalender. Wir halten euch in unserem Scheunenkurier auf dem Laufenden*

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Eigentlich zeichne und male ich schon solange ich denken kann. Ich habe bereits sehr früh in diesen Bereichen eine Ausdrucksmöglichkeit für mich entdeckt und somit stand schon in jungen Jahren für mich fest, dass ich später im kreativen Bereich tätig sein möchte. Ich habe als Kind viel mit Naturmaterialien – insbesondere Holz – gewerkelt. Ich baute mir meine eigenen Puppenhäuser oder einfache „Möbel“ für mein Zimmer. An den sinnlichen Aspekt und spielerischen Umgang mit Materialien wie Holz, Papier, Sand usw. erinnere ich mich dabei besonders eindrücklich. Und auch (Bilder-)Bücher spielten während meines Aufwachsens eine große Rolle, zunächst durch die Vorleserituale meiner Eltern und später durch das selbstständige Erkunden von Lesewelten. Die Erzählungen haben mich dazu inspiriert, mir eigene Geschichten auszudenken und niederzuschreiben. Auf diese Weise begründet sich mein Schwerpunkt der Buchillustration. Die Entscheidung für ein Illustrationsstudium an der HAW erfolgte aber erst nach einigen beruflichen Umwegen. Schließlich gerät meist etwas auf dem Weg zum Erwachsenwerden ins Vergessen. Die Freude am spielerischen, freien Gestalten und die Unbefangenheit weichen oftmals den eigenen Ängsten oder dem Erwartungsdruck von außen. Das Kind in mir, das so viel Erfüllung im Zeichnen und Malen fand, wurde somit erst etwas zur Seite geschoben, bevor es sich mit seinem Gestaltungswillen letztlich durchsetzen konnte. Nach einigen Jahren im pädagogischen Berufsfeld, in dem ich neben dem Studium in reduzierter Form nach wie vor mit viel Freude tätig bin, fasste ich den Mut, mich für das Studium der Buchillustration an der HAW Hamburg zu bewerben. Inzwischen befinde ich mich dort im Masterstudiengang.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias "Artists in Residence Programm" teilzunehmen?

Die Möglichkeit ergab sich durch einen Illustrationswettbewerb Anfang 2019, der im Rahmen eines Kurses unter Prof. Mölck-Tassel an meiner Hochschule stattfand. Die Aufgabe sah vor, eine der zur Auswahl stehenden Geschichten von Cornelia Funke illustrativ zu interpretieren. Ich entschied mich für die Geschichte "Die eine für die andere". Einmal, weil ich in ihr eine Erzählung von Liebe, Loyalität und Verbundenheit las, sowohl in der Verbindung zwischen Tom und der Königstochter Portia als auch in der Geschwisterliebe zwischen Tom und Anna. Zum anderen sehe ich in der Figur der Portia ebenso die Geschichte eines starken, unabhängigen Mädchens, dem es nicht besonders wichtig zu sein scheint, als "schön" zu gelten. Ein Mädchen, das ich mir wild, stark und emanzipiert vorstelle, das mutig ganz allein in den Wald reitet. Bei der Umsetzung meiner Illustration habe ich mich daher auf die Darstellung der Königstochter konzentriert, deren Wildheit und innere Stärke ich mit der Gestaltung eines ungezähmten Waldes/Dschungels deutlich machen wollte. Es war eine große Überraschung und ich habe mich unglaublich gefreut, als ich unter die besten 10 TeilnehmerInnen des Wettbewerbes gewählt wurde. Ich bin sehr dankbar für die tolle Gelegenheit an der Artist Residency bei Cornelia Funke teilzunehmen.

 

Was muss neben Sonnencreme und Badeschlappen unbedingt mit dabei sein in deinem Koffer für die Reise nach Italien?

Vor ca. 1,5 Jahren bin ich von der analogen Arbeitsweise auf das digitale Zeichnen mit dem iPad umgestiegen. Das war eine sehr revolutionäre Entwicklung für mich, denn zuvor habe ich immer das analoge Zeichnen bevorzugt und stand dem Digitalen eher skeptisch gegenüber. Mittlerweile möchte ich meine neue Arbeitstechnik nicht mehr missen, denn neben den vielseitigen gestalterischen Möglichkeiten ist es einfach sehr praktisch, das iPad überall hin mitnehmen zu können. So würde es mich wahrscheinlich auch auf diese Reise begleiten. Doch auch ein gutes Buch und meine Kamera dürften nicht fehlen. Und bevor ich es vergesse: Mein Lieblings Earl Grey Tee sollte auch mit dabei sein; den brauche ich für einen guten Start in den Tag.

 

 

Was erträumst du dir von der Zeit auf Cornelias Farm und warst du vorher überhaupt schon mal in Italien?

Zunächst einmal freue ich mich unglaublich darauf, Cornelia Funke kennenzulernen und bin davon überzeugt, dass ich aus dieser Begegnung sehr viele wertvolle und nachhaltige Eindrücke mitnehmen werde. Ich bin gespannt auf den Austausch mit Cornelia und darauf, ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu lauschen. Ich habe bereits jetzt eine Vielzahl von Fragen, die ich ihr gern stellen würde. Mittlerweile steht fest, dass unser Aufenthalt in der Toskana in Italien stattfinden wird. Ich war schon einige Male in Italien (u.a. in Bologna für die jährlich stattfindende Kinderbuchmesse), aber noch nie in der Toskana. Ich freue mich riesig auf die Landschaft, die Gerüche und visuellen Eindrücke vor Ort. Ich nehme viel Inspiration aus Begegnungen mit anderen Menschen auf, aber auch aus den verschiedenen Formen und Farben der Natur. So bin ich sicher, dass auch durch den Aufenthalt auf Cornelias Farm neue Ideen für meine künstlerische Arbeit angestoßen werden.

 

Joanas Beitrag zum HAW Wettbewerb    Illustration "Sundays"

Joana hat viel Freude daran, mit verschiedenen Druckverfahren zu experimentieren. Hier hat sie sich zum ersten Mal an der Monotypie Technik probiert.   Eine Doppelseite aus "Dein Herz, mein Herz" - Joanas Bachelorprojekt. Ein Bilderbuch, das von der Beziehung zweier Schwestern erzählt.    So aufgeräumt ist Joanas Arbeitsplatz normalerweise nie (sagt sie). Sie mag es, mit möglichst unterschiedlichen Techniken und Werkzeugen zu arbeiten (z.B. Kohle, Acrylfarben, Kreiden, Pinseln, Spachteln und Zahnbürsten)

 

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