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Adolfo Córdova Ortiz

Adolfo Córdova Ortiz

Adolfo ist Schriftsteller, Journalist und Forscher. Er lebt und arbeitet in Mexiko Stadt. Geboren wurde er 1983 in Veracruz. In Barcelona studierte er Kinder- und Jugendliteratur. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Er gibt Kurse und unterrichtet an Universitäten in Mexiko und anderen Ländern. Adolfos Frau Mariela Sancari ist Fotografin und hat 2019 zusammen mit Adolfo am 'Artists in Residence Programm' auf Cornelias Farm teilgenommen.

Adolfos Webseite
    

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Foto: Michael OrthIch habe wie viele junge Leute als Heranwachsender mit dem Schreiben begonnen. Ich wollte das, was mit mir in jener Zeit passierte, zum Ausdruck bringen. Meine Wünsche, was mich bewegte, die großen und kleinen Ungerechtigkeiten, die ich beobachtete. So begann ich, Gedichte und Prosa zu schreiben. Ich las auch meinen Schulfreunden vor und gestaltete kleine Gedichtbände, die ich heute niemandem mehr in der Welt zeigen würde. Aber für mich persönlich sind sie immer noch sehr kostbar, für mich persönlich, für meinen Weg als Schriftsteller.

Ich wurde erwachsen und das Schreiben hat mich reifen lassen. Bevor ich mein Studum begann, lebte ich ein Jahr in Belgien und schrieb dort Reiseberichte und Gedichte. Während meines Journalismus-Studiums an der Universität erfand ich surrealistische Geschichten. Über Drachen und Feen schrieb ich das erste Mal, als ich bei einer Zeitung in Mexico City arbeitete. Ich habe mich immer hin und herbewegt zwischen Prosa und Sachbuch, und wenn ich heute darüber nachdenke, dann drückt sich darin mein Wunsch aus, mich selbst und die Welt um mich herum zu verstehen.

 

Und wie bist du hierher zum Saum des Himmels gekommen, als 'Artist in Residence'?

Foto: Michael Orth2017 fand in Guadalajara wieder die internationale Buchmesse statt. Ich wurde gebeten, dort vor Publikum mit Cornelia ein Live-Interview über Skype zu führen. Bevor die Fans damals den Konferenzraum betraten, erzählte mir Cornelia, dass sie ein 'Artists in Residence Programm' für junge Künstler starten möchte. Das hat mich begeistert und ein paar Monate später schrieb ich Cornelia eine Email, in der ich mich noch mal persönlich für das tolle Interview bedankte und sie dann auch nach ihrem geplanten Projekt fragte. Daraus entwickelte sich dann eine Unterhaltung über Drachen, Inseln, den Dschungel und  ... Schokolade! Und wieder ein bisschen mehr als ein Jahr später waren Mariela und ich dann zu Gast auf Cornelias Farm. Zauberei :)

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthUnsere Zeit bei Cornelia auf der Farm war eine der buntesten und inspirierendsten Erfahrungen, die ich als Schriftsteller bis dahin gemacht hatte. Wir haben unser Tiny House, in dem wir für die Zeit wohnten, 'Tibet' genannt, weil es auf einem Hügel stand, von dem aus man über die Farm blicken konnte. Wir haben dort oben Stille und Frieden gefunden. Es war der perfekte Ort, um sich zu konzentrieren, nachzudenken und kreativ zu sein.

Wir haben die Farm auf den wunderschönen Stein- und Holzwegen entdeckt, zwischen Obstbäumen, Kakteen, Sukkulenten und Blumen; wir haben mit Jake und Tabby gespielt, Cornelias Hunde, die uns so ans Herz gewachsen sind. Wir haben in Cornelias fantastischer Kunst-Sammlung und all ihren wunderbaren Büchern geschwelgt - man kann dort überall literarische Schätze finden - , haben mit Angie rumgealbert, mit den anderen Gästen zusammen gekocht und uns stundenlang mit Cornelia unterhalten, ihr beim Arbeiten über die Schulter geschaut, ihre Energie gespürt und ihre Großzügigkeit erlebt. Mariela und ich hatten beide schon an 'Artists in Residence Programmen' in anderen Ländern teilgenommen und ich habe mich immer danach gesehnt, eine Gemeinschaft zu finden, mit der ich mich austauschen und meine Erfahrungen und Entwicklungen teilen kann. Unsere langen Gespräche mit Cornelia und den anderen Künstlern, Cornelias Kommentare zu unserer Arbeit  aber auch zur Literatur, Musik, Kunst und zum Leben im Allgemeinen haben unseren Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Neben vielen schönen Erinnerungen und neuen Freundschaften habe ich auch jede Menge neue Geschichten mitgenommen, die nun geschrieben werden wollen! Die Farm ist nicht nur eine Künstlerresidenz, sie ist auch eine Ideenschmiede. Ich habe viele neue Ideen für Projekte, die ich umsetzen möchte. Und: Ich hatte große Schwierigkeiten, mit meinem Inselbuch zu beginnen. Die vielen Workshops, die ich leitete, lenkten mich ab, andere Bücher, die ich fertig schreiben musste, berufliche Reisen... Aber die Zeit "am Saum des Himmels" und die Gespräche mit Cornelia und meiner Frau Mariela halfen mir, den richtigen Klang für die Geschichten zu finden. So kann ich zusammenfassen, dass ich eine entscheidende Antwort und viele kreative Fragen mit nach Hause gebracht habe.

 

El dragón blanco y otros personajes olvidados (The white dragon and other forgotten characters); erschienen 2016 im Verlag Fondo de Cultura Económica  Para la niña detrás del árbol; erschienen 2015 im Pearson Verlag  La hoguera de bronce. Historia de bosques y selvas; erschienen 2017 bei Secretaría de Cultura

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Mariela Sancari

Mariela Sancari

Mariela wurde 1976 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Fotografin in Mexiko Stadt.
Ihr erstes Fotobuch "Moisés" wurde 2015 von Kuratoren und Kritikern als eines der besten Fotobücher des Jahres besprochen. Ihre Arbeiten waren schon in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit zu sehen.

Marielas Webseite

Wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Foto: Michael OrthAls ich 19 Jahre alt war, haben meine Zwillingsschwester und ich beschlossen, alles in Buenos Aires hinter uns zu lassen und durch Südamerika zu reisen. Wir waren knapp einen Monat unterwegs, als wir nach Mexiko kamen. Von der Stadt fasziniert, blieben wir dort. Ich hatte in der Zeit verschiedene Jobs, bis ich schließlich die Fotografie für mich entdeckte, und zwar, als ich zum allerersten Mal eine Dunkelkammer betrat. Fotos hatten mich schon immer sehr interessiert, und so entschloss ich mich, Fotografie zu studieren. Nachdem ich fünf Jahre als Fotografin bei einer Zeitung in Mexiko Stadt gearbeitet hatte, beendete ich die Arbeit als Dokumentarfotografin und begann ein persönliches Foto-Projekt. Seitdem beruhen all meine Bilder auf persönlichen Erfahrungen, und ich beschäftige mich mit der Fotografie als einer autobiografischen Erzählform. Man kann sagen, dass ich mich erst mal weit von meiner Heimat wegbewegen musste, damit ich sie in meine Kunst einfließen lassen konnte.

 

Und wie bist du zum Saum des Himmels gekommen, als 'Artist in Residence'?

Foto: Michael OrthAls Cornelia meinen Mann Adolfo einlud, nach Malibu zu kommen, meinte sie, es wäre doch schön, wenn er auch einen Illustrator mitbringen könnte, um mit diesem zusammen an einem Projekt zu arbeiten. Adolfo und ich hatten bereits ein Buch zusammen veröffentlicht, "Mr. & Dr.", eine Adaption von "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Für uns war das eine tolle Erfahrung und wir wollten gerne wieder als Team zusammenwirken. Adolfo war gerade dabei, an einem neuen Buchprojekt über Inseln zu arbeiten, das sich mit den Themen Landschaft und Geografie beschäftigte und wir dachten, das wäre wunderbar geeignet für mich, um es zu illustrieren. Ich war sehr aufgeregt, Cornelia zu treffen und mehr zu erfahren über die Welt der Kinder- und Jugendliteratur.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthMalibu selbst war für mich Inspiration. Ich bin keine Fotografin, die sich oft nach draußen bewegt, um Bilder zu machen. In den letzten Jahren hatte ich sehr viel mit älteren Bildern aus meinem Archiv zu tun. Aber in Malibu fühlte ich mich regelrecht nach draußen gezogen, um Bilder zu machen. Ich fotografierte die Natur, die Maserungen der Steine, die Fußspuren des Meeres auf dem Strand.

Außerdem genoss ich die Farm sehr. Wir machten zusammen mit Cornelia Ausflüge in das Umland, in die Berge und ans Meer. Wir lernten auch einige der Organisationen kennen, die sie unterstützt, zum Beispiel das California Wildlife Center – wir waren dabei, als sie zwei Seelöwen wieder zurück in den Pazifik halfen– oder das Getty Research Institute, wo wir einen Vortrag besuchten.

Wir liebten den Sonnenuntergang an Point Dume, die Küstenspaziergänge, sahen Wale und Delfine vorbeiziehen. Ich habe dort viele, viele Bilder gemacht. Aber ich liebte es auch, einen ganzen ruhigen Nachmittag lang mit Adolfo in unserem Tiny House zu verbringen und über unser Projekt zu reden. Ich glaube, diese Erfahrung hat uns als kreatives Paar noch mehr zusammenwachsen lassen.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

So viele Bilder! Jedes einzelne kann eine eigene Geschichte erzählen. Das heißt, ich hatte zwei sehr produktive Wochen. Und natürlich den ersten Entwurf unseres Buchs, mit meinen Fotos und Adolfos Texten. Und viele besondere Momente. Uns hat die Zeit auf der Farm die ersehnte Ruhe geschenkt, um unsere Projekte weiter zu führen - eine Ruhe, die oft schwer zu finden ist in Mexiko Stadt. Wir fühlen uns außerdem sehr verbunden mit all den neuen Freunden, die wir dort gefunden haben. Wir freuen uns sehr auf unser zweites Kapitel am Saum des Himmels.

 

     Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fábrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Del álbum fotográfico de Mariela Sancari titulado "Moisés" y publivado en 2015 en "La Fábrica".

     Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'  Aus Mariela Sancaris Fotobuch "Moisés"; erschienen 2015 bei 'La Fabrica'

     "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)  "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)  "Mr & Dr", Marielas gemeinsames Buchprojekt mit ihrem Mann Adolfo Córdova ist ein Fotobuch für Kinder; erschienen 2017 bei 'This book is true' (Foto vom Buch: Arturo Laso)

 

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Helena Park

Helena Park

Helena ist freischaffende Malerin und Grafikerin aus Somerset, England. Seit ihrem Studienabschluss in Bildender Kunst an der Falmouth Universität zeigt und verkauft sie ihre Kunst in Galerien und auf Kunstmessen in Großbritannien und Kalifornien.

Helenas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich habe schon als Kind gezeichnet und mir Geschichten auf dem Papier ausgedacht. Die Begeisterung dafür wuchs, als ich mit 19 an der Falmouth Universität in Cornwall begann, Kunst zu studieren. Seitdem male und zeichne ich und habe meine Arbeiten auf Kunstmessen in Großbritannien und in LA verkauft.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthCornelia wurde vor ungefähr einem Jahr aufmerksam auf meine Webseite. Meine Kunst weckte ihre Neugier. Durch einen glücklichen Zufall war ich im Oktober 2018 in LA und konnte so Cornelia in Malibu besuchen. Damals fragte sie mich, ob ich 2019 im Rahmen ihres 'Artists in Residence Programms' eine Weile auf ihrer Farm wohnen und arbeiten möchte und ich war begeistert.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthDas Licht und die Farben in Malibu und in Kalifornien allgemein sind in meine Kunst hineingesickert und haben sie zum Leuchten gebracht. Mir gefiel auch die Gemeinschaft dort, dass Ideen und Gespräche so offen geteilt werden. Das war alles sehr inspirierend.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Ich hatte eine unglaubliche Zeit auf Cornelias Farm. Die Monate dort haben mich nicht nur als Künstlerin wachsen lassen, sondern auch als Person. Die Gespräche mit Cornelia über meine Kunst, der Einblick in ihre Arbeit und ihr Rat und Zuspruch waren von unschätzbarem Wert für mich. Und es war großartig, all die anderen Künstlerinnen und Künstler dort zu treffen, über Kunst und persönliche Erfahrungen zu sprechen. Ich werde ganz bestimmt mit ihnen in Kontakt bleiben.

 

      

   Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth 

   Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Cornelias Hund Jake hat Helena bei der Arbeit immer mal wiedr über die Schulter geguckt (Foto: Michael Orth)

 

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Rosie Anne Smith

Rosie Anne Smith

Rosie ist eine Künstlerin aus Birmingham, England. Sie hat zusammen mit Helena Park an der Falmouth Universität ihren Abschluss in Bildender Kunst gemacht. Rosie arbeitet in einer Kunstgalerie in Sydney und hat ihr eigenes kleines Atelier.

Rosies Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthIch habe mit der Kunst während meiner College-Zeit begonnen. Himmel, das war vor sieben Jahren! Ich beschäftigte mich mit der Fotografie, analoger Fotografie. Ich liebte, wie man das Licht beeinflussen konnte, liebte die Komposition, und selbst die Kontaktabzüge fand ich optisch faszinierend. Über die Jahre hat sich diese Faszination auf weitere Medien ausgebreitet.
Heute konzentriere ich mich auf die Malerei, aber zur Inspiration greife ich immer noch gerne auf Fotografien zurück.

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthEine gute Freundin von mir, die Künstlerin Helena Park, stand in Kontakt mit Cornelia wegen des Projekts. Sie hatte mich gefragt, ob ich mit ihr zusammen daran teilnehmen möchte. Cornelia kannte mich und meine Arbeit nicht. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie mich trotzdem eingeladen hat.


Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthMeine Zeit in Malibu war magisch. Die Farm und die Menschen dort haben einen unglaublichen Eindruck bei mir hinterlassen. Inmitten dieser wunderschönen, ruhigen Landschaft gibt es etwas Rebellisches und so viel Leben. Ich habe meine Arbeit jeden Tag hinterfragt. Was treibt mein Schaffen an? Was will ich ausdrücken? Muss meine Kunst überhaupt etwas zum Ausdruck bringen?  Diese Fragen hätte ich nicht beantworten können ohne die Zeit und die Gespräche bei Cornelia auf der Farm. Seitdem bemerke ich, dass sich meine Kunst sehr verändert hat. Ich habe ein neues Verständnis für mich und meine Kunst gefunden.

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Ich möchte nicht allzu romantisch klingen, aber mir ist die absolute Notwendigkeit der Kunst bewusst geworden. Sie schenkt uns allen einen Raum, in dem wir unsere Menschlichkeit begreifen und ausdrücken können. Die Kunst hebt das Herz oder macht es schwer und zwingt uns zu handeln. Oder sie befähigt uns, einfach etwas Schönes herzustellen. Wir brauchen die Kunst und ich bin froh, ein Teil von ihr zu sein.

 

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

 

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Miró Tiebe

Miró Tiebe

Miró ist Kunststudent an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.
Im Sauerland geboren und in der Nähe von Oldenburg bei Bremen aufgewachsen, zog er vor ein paar Jahren für das Studium nach Hamburg. Miró ist einer von zehn Künstlerinnen und Künstlern, denen Cornelia, der Hamburger Dressler Verlag und die HAW Hamburg 2019 mit einem Stipendium einen Aufenthalt auf Cornelias Farm in Malibu ermöglicht haben. Die Studierenden waren eingeladen, eine Illustration zu einer Geschichte aus der Reckless-Welt von Cornelia anzufertigen.

Mirós Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich habe schon immer gerne gezeichnet und gemalt. Zum Entspannen und zum Zeitvertreib. Mit sieben oder acht Jahren hab ich mal eine komplette Tapetenrolle vollgemalt, mit einer Reihe von irgendwelchen verrückten Drachen. In der vierten Klasse hat man bei mir Legasthenie diagnostiziert. Das scheint mir heute logisch, ich hab die Buchstaben eigentlich gemalt, ich wusste gar nicht, was ich da tue.Miró an seinem Zeichentisch zu Hause in Hamburg (Foto: Michael Orth)

Irgendwann hab ich für mich dann rausgefunden, dass die Kunst mein Ausdruckmittel ist. Und ich habe immer Unterstützung und positives Feedback erfahren. Von meiner Familie, von meinen Lehrern, von Mitschülern und Freunden.

Meiner Oma hab ich kürzlich mal eine Zeichnung gezeigt, die ich für meine Bachelor-Arbeit gemacht habe, und sie guckt sich das so ganz nüchtern an und meint: "Ach, Miró, ich find das klasse, dass du das alles so machst und ich stehe auf jeden Fall hinter dir, aber ich versteh das nicht. Ich muss das auch nicht verstehen, aber ich find das gut." "Oma", hab ich gesagt, "alles gut, mach dir keinen Kopf, es freut mich sehr, dass du so hinter mir stehst."

Meine Mutter ist für mich auch immer konstante Unterstützung gewesen. Ich bin Perfektionist, schneide aus meinen Skizzenbüchern Zeichnungen raus, die mir nicht gefallen. Meine Mutter hat sie früher dann immer wieder aus dem Müll gezogen und sicher verwahrt.

Mein Malerei- und Zeichenlehrer hat mich in der elften oder zwölften Klasse gefragt, ob ich ihm nicht mal helfen kann beim Unterricht. Ich hab also meine Klassenkameraden mit unterrichtet, die das alle gut aufgenommen haben.

Dann bin ich ein Jahr an der Kunstoberschule gewesen für das Fachabitur und hab auch dort tolles Feedback bekommen. Das stärkt natürlich die Entschlossenheit und das Durchhaltevermögen.

Miró mit einer seiner Schattenmasken (Foto: Michael Orth)Nach dem Fachabi hab ich mich an vielen Unis beworben und bin überall abgelehnt worden. Den meisten waren meine Mappen nicht spezifisch genug. Dann hörte ich, dass es in Hamburg Mappenvorstellungsgespräche gibt. Man geht hin, zeigt seine Mappe, bekommt Vorschläge von Studenten, was man machen kann. Dort hat man mir empfohlen, noch ein paar bunte Sachen, Aquarelle, reinzubringen, Portraits, etc. Schließlich wurde ich zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Und vor gut einem Jahr hab ich nun an der HAW meinen Bachelor gemacht. Im theoretischen Teil der Bachelor-Arbeit habe ich eine soziologische Abhandlung geschrieben, über die Deeskalation auf Demonstrationen. In diesem Rahmen sind auch meine transparenten Schattenmasken entstanden, die den Menschen hinter der Maske (Demonstrantenmaske oder eben auf der Gegenseite Polizeihelm) erkennen lassen.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthEs gab eine Ausschreibung an meiner Hochschule. Ich hatte das nur über einen Kommillitonen mitbekommen, der meinte: "Da gibt es einen Wettbewerb, das hört sich eigentlich nicht so nach unserer Richtung an, Miró, aber man kann nach LA reisen, und man kann Cornelia Funke kennen lernen!" Das fand ich natürlich reizvoll. Ich kannte Cornelia. Zwar war ich durch meine Legasthenie ihren Büchern nicht so verbunden, aber ich kannte die Hörbücher und die Filme. "Tintenherz". Ich fand die Geschichte, die Idee dahinter toll. Und auch Pans Labyrinth hat mich beeindruckt. Ich verschlinge, seit ich klein bin, fantastische Geschichten. Mit vier habe ich zum ersten Mal ein Hörspiel von "Herr der Ringe" gehört. Das ist noch heute mein Lieblingshörspiel. Das war unglaublich gut vertont. Und seitdem fresse ich eigentlich alles, was Fantasy ist. "Harry Potter", die Scheibenwelt von Terry Pratchett, "Game of Thrones", … .
Durch meine Legasthenie bin ich natürlich nicht der große Leser, aber ich habe trotzdem viele Bücher, weil ich das Buch als Medium liebe, als ästhetisches Ding, als Gegenstand. Und ich finde es bewundernswert, wie Menschen es schaffen, Bilder in Worte zu verpacken.

Als ich den Entwurf für Cornelias Wettbewerb gezeichnet habe, hab ich mich stark damit Mirós Entwurf für den Wettbewerb: Der Wassermann (Foto: Michael Orth)auseinandergesetzt, ob ich nicht mehr Emotion, mehr Gefühle in meinen Stil verpacken sollte. Ich hatte vorher sehr plakativ gearbeitet. Für meine Bachelorarbeit habe ich mich viel mit Techno-Kultur auseinandergesetzt, Plakate gezeichnet und auf 100 x 70 gesiebdruckt. Die sind eindrucksvoll und man sieht, worum es geht, aber sie sind eben sehr sachlich, es ist nie eine zwischenmenschliche Ebene zu sehen. Das hat mich gestört. Dann habe ich also die Arbeit für den Wettbewerb eingereicht und Cornelias Kommentar dazu war genau das, was ich mir wünschte. Sie hatte geschrieben, dass sie es beeindruckend findet, wie ich es durch mein organisiertes und grafisch-stilistisches Tun trotzdem schaffe, die Situation und das Mystische, Märchenhafte zu verpacken.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Das war richtig, richtig krass. Ich hab Cornelia, als ich wieder zurück in Hamburg war, auch einen langen Brief geschrieben. Nach meiner Ankunft in Malibu hatte ich plötzlich richtig Bock zu malen. Da war diese Energie. Und wenn ich male, bin ich energetisch, bleibe nächtelang wach. Cornelia hat mir eine alte Leinwand gegeben und ich hab angefangen. Und ich hab überhaupt nicht im Stil gearbeitet, wie ich in der Zeichnung gearbeitet hab. Ich hab einfach nicht mehr über die Stilistik nachgedacht, und das tat mir gut. Das war damals sehr inspirierend.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthIch bin in Hamburg wieder angekommen und war total im Film und dachte: Ich muss jetzt so weiter zeichnen und malen, wie ich es in Malibu begonnen habe. Das tut mir total gut. Ich habe seit meiner Rückkehr das Gefühl, das ist genau das, was ich bin. Vor Malibu hatte ich mich davor verschlossen.
Der Aufenthalt auf der Farm hat mir eine neue Kraft und den Willen dazu gegeben. Und seitdem läuft alles sehr gut.
Ich bekomme Anfragen für verschiedenste Projekte.

 

Foto: Michael Orth  Miró zeigt seinen ersten Entwurf für den Wettbewerb. Später entschied er sich doch für den Wassermann und nicht für ddie Szene, in der Fuchs in der Falle sitzt. (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

Keine Angst vor großen Flächen (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth 

    Foto: Michael Orth

 

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Anne Zaghow

Anne Zaghow

Anne wurde in Oldenburg (i. H.) geboren und ist in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Sie ist im Wesentlichen eher ein Landmensch geblieben, auch wenn sie heute in Hamburg lebt und dort an der HAW studiert. Annes Traum ist es, irgendwann einmal in einer Gemeinschaft mit anderen ("Menschen mit ähnlich 'krummen' Lebensläufen vielleicht", sagt Anne) zu leben und zu arbeiten, irgendwo in dieser Welt ...

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael Orth So weit ich zurückdenken kann, habe ich immer sehr gerne gezeichnet und gemalt. Als Kind konnte ich viele Stunden mit Stift und Papier verbringen und vollkommen in meine Bildwelten abtauchen. Ich habe noch den Geruch der roten Wachstuchdecke in der Nase, die über unseren Esstisch gebreitet wurde und erinnere noch den Korb mit einer Unzahl an Buntstiften, die schließlich über den ganzen Tisch verstreut waren. Das Zeichnen und Malen waren immer mein Weg, auf Eindrücke aus meiner Umwelt zu reagieren oder Gedanken und Ideen nach außen zu tragen. Besonders als Jugendliche wurden Bilder für mich auch Sprache, die alles das ausdrücken konnte, das ich nicht in Worte fassen konnte. Nach dem Abitur habe ich Kunstgeschichte studiert. Mit dem Abschluss stellt sich mir die Frage, ob ich den mit dem Studium begonnenen Pfad weitergehen kann oder ob ich vielleicht doch einen neuen Weg einschlagen und meinem Bedürfnis, künstlerisch zu arbeiten, folgen soll. Ich entschied mich für die Abzweigung: Allen Mut zusammennehmend habe ich mich an der HAW Hamburg für den Illustrationsstudiengang beworben und wurde angenommen. Ich arbeite nach wie vor ausschließlich analog, ich mag den Umgang mit unterschiedlichen Zeichenmedien und verschiedenen Papieren und das Wechseln zwischen künstlerischen (Denk-)Prozessen und handwerklicher Arbeit; zu meinen Lieblingsorten gehören die Werkstätten der Hochschule für Holzschnitt und Radierung.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Foto: Michael OrthWie Inga, Sara und Miró bin ich auf einen Wettbewerb aufmerksam geworden, der in Kooperation von Dressler mit dem Studiengang Illustration an der HAW ausgeschrieben war. Für einen von drei durch den Verlag zur Verfügung gestellten Texten sollte eine Illustration entwickelt werden; es gab keine Vorgaben oder Beschränkungen. Ich habe mich für einen Textauszug, „Der Anfang“, aus der „Reckless“-Reihe entschieden. Die Beschreibung von Fuchs gefangen in der Falle hat mich sehr berührt; besonders beeindruckte mich, wie Sprache es hier gelingt, die vielschichtige Befindlichkeit des Tieres – körperlicher Schmerz, Angst und Mut - in wenigen Worten so eindringlich zu schildern und für mich als Leserin nachfühlbar zu machen. Ich wollte versuchen, ein Bild zu finden, das das Tier, die Füchsin, und ihre ungebrochene Stärke visualisiert. Es war für mich eine große Herausforderung: Ich wollte einen Weg finden, ein Gefühl mit zeichnerischen Mitteln umzusetzen und so etwas nicht Sichtbares sichtbar zu machen. Vorher habe ich mich fast ausschließlich mit abstrakten Collagen und mit dem Buch als Objekt beschäftigt – eher freie als illustrative Arbeiten. Für dieses Projekt dagegen dachte ich von Beginn an an ein konkretes Motiv. So hatte ich lange nicht mehr gearbeitet. Ich war unheimlich glücklich, dass ich schließlich zu denen gehörte, die Cornelia auf ihrer Farm würden besuchen können.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Anne bei der Arbeit in Cornelias Scheune in MalibuDer Besuch auf der Farm war eine wunderbare Erfahrung. Es war ein Abtauchen in eine ganz neue Welt, in der ich mich gleich freundlich aufgenommen gefühlt habe. Ich habe in einer umgebauten Scheune gelebt und gearbeitet, die umgeben ist von der sie hochüberragenden, wuchernden Vegetation der Farm. Tagsüber war es auch im Oktober noch so mild, dass ich die Tür weit offen stehen lassen konnte und mich die verschiedenen Naturstimmen und -geräusche durch den Tag begleiteten. Ein Weg aus den Stammscheiben eines großen Eukalyptusbaums verbindet die Scheune mit dem Hauptgebäude. Ich mochte es sehr, diesen Weg zu gehen, der in der Wärme noch immer duftete und dessen Holzscheiben die Schritte in ihren Rhythmus zwingen und jeweils ihre eigene, andere Geschichte des Baums erzählen, zu dem sie einmal gehört haben. Die Farben, Formen und Linien der Natur, ihre Veränderung im Tagesverlauf und das Gewirr der Pflanzen haben mich fasziniert. Ich habe viel Zeit damit verbracht, durch den riesigen Garten zu gehen. Manchmal schien die Umgebung mich fast zu verschlucken, dann eröffneten sich je nach Standpunkt verschiedene Aus- und Rundblicke; jeder Platz hatte dabei seine ganz eigene Dynamik, Kraft und Ausstrahlung. Während meines Aufenthalts habe ich an einer Reihe von Linolschnitten gearbeitet, die mit verschiedenen Pflanzenformen spielen. Außerdem sind unzählige Fotos von verschiedenen pflanzlichen Formen und Strukturen entstanden und ich habe farbige Papiere und ein Skizzenbuch als „Farbarchiv“ erstellt.
Es war eine sehr produktive Zeit. Die Farm strahlte eine konzentrierte, kraftvolle Ruhe aus; für mich die wunderbarste Arbeitsatmosphäre. Ich konnte endlos arbeiten; die Stunden rannen nur so dahin – obwohl die Zeit eigentlich keine Rolle spielte. Der Zustand vollständig in einem Arbeitsprozess aufzugehen, ganz bei der Sache, die ich gerade tue, bei mir und meinen Gedanken zu sein, fehlt mir sonst oft.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthAbgesehen von meinem „Formen/Strukturen/Farben-Archiv“, das ich in meinem Koffer nach Hamburg nehmen konnte, werde ich besonders die Begegnung mit Cornelia und den Künstlerinnen, die gleichzeitig mit mir auf der Farm waren, und mit Angie und Maria in Erinnerung behalten. Es war spannend, eine Gemeinschaft zu erleben mit Menschen, denen man gerade erst begegnet ist. Die Farm ist ein unheimlich lebendiger und offener Ort. Es war schön, sich morgens und abends oder in den Arbeitspausen zusammenzufinden, um gemeinsam Kaffee zu trinken, zu kochen und zu essen und sich über alles Mögliche auszutauschen. Und einen Einblick in die Arbeit der anderen zu erhalten, in ihre vielfältigen Fragestellungen und die Dinge, die sie interessieren und Neues von ihnen zu lernen. Mir haben die Gespräche geholfen, mich selbst von einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Einschätzungen über mich selbst zu hinterfragen, mich selbst und meinen Weg mit freundlicheren Augen zu betrachten.
Die Zeit auf der Farm hat etwas Neues in mir geweckt, eine Veränderung begonnen, die ich zwar noch nicht greifen oder benennen kann, aber deutlich spüre.

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth


Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

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Inga Krause

Inga Krause

Inga kommt aus Nordrhein-Westfalen und hat an der Münster School of Design und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Illustration und Grafik studiert.
2019 wurde sie mit ihrem Bilderbuchkonzept "Petrichor" für den Hamburger Bilderbuchpreis nominiert. Sie arbeitet für ihr Masterprojekt in einem kleinen Gemeinschaftsatelier in Hamburg Rothenburgsort.

Ingas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Inga in ihrem Atelier in Hamburg Rothenburgsort (Foto: Michael Orth)Das ist eine Frage, die ich mir nie zuvor bewusst gestellt habe. Seitdem ich mich erinnern kann, habe ich mich kreativ mit meiner Umwelt auseinandergesetzt und ich denke, das ist Grundlage für meinen Drang zur Kunst. Meine Mutter und auch meine Oma sind kreative Menschen, sodass mein Interesse an der Kunst nie eine wirklich bewusste Entscheidung, sondern vielmehr eine natürliche Konsequenz war. Für mich ist das Interesse an der Kunst ein ganz normaler Zustand, der immer schon bestand und nun zu einem Feuer entfacht ist.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Inga zeigt ein Blatt aus ihrem für den Hamburger Bilderbuchpreis nominierten Bilderbuch "Petrichor" (Foto: Michael Orth)Ich studiere im Masterprogramm an der HAW in Hamburg Illustration und dort wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Wir durften eine Illustration zu Cornelias Geschichten entwickeln. Ich entschied mich für das Mädchen, welches gefangen ist in einem Körper einer Füchsin. Der kleine Textausschnitt ließ mich direkt in die Welt von "Reckless" eintauchen.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Ingas "Malibu-Palmen" (Foto: Michael Orth)Die Zeit in Malibu war für mich magisch. Der reflektierende Mondschein auf den Wellen, die Dornen der gigantischen Kakteen, das Schreien der Kojoten, all der Zauber dieses Ortes kommt mir heute vor wie ein Traum. Der Traum bleibt und mischt sich immer wieder durch Farben, Formen oder Gefühle in meine Arbeiten.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael Orth
Mutig sein!

Dankeschön Cornelia…

 

 

 

 

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Inga malt auch großformatig (Foto: Michael Orth)

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

 

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Sara-Christin Richter

Sara-Christin Richter

In Leipzig geboren, studiert Sara-Christin nach dem Abschluss eines Lehramtsstudiums mit den Fächern Kunst und Englisch in ihrer Heimatstadt Dresden seit 2017 an der HAW Hamburg Illustration. Ihr Herz gehört den Puppen und der Puppenschnitzerei. Ihr handgemachter Puppenfreund, der Uhrmacher Walter Jannovitz, hat sogar eine eigene Instagram-Seite und reist mit ihr um die Welt.

Sara-Christins Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Foto: Michael OrthSeit meiner Kindheit interessiere ich mich für Kunst und habe schon sehr früh Kurse besuchen dürfen. Meine Mutter hat durch ihr Kunstgeschichts-Studium sehr viele Bücher. Ich habe mir Kopien von den schönsten Bildern machen dürfen und diese dann sehr sorgfältig in Folien sortiert, um sie später abzuzeichnen. Meine Eltern sind mit mir sehr häufig in Museen und Kirchen gegangen.
Als Kind fand ich das wahrscheinlich langweilig, inzwischen glaube ich jedoch, dass ich extrem viel daraus mitgenommen habe. Zum Beispiel mein Interesse für das Mittelalter.
Als Jugendliche besuchte ich dann verschiedene Kunstkurse, bevor ich Kunstpädagogik und dann schließlich Illustration in Hamburg studiert habe.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

"Der Schneider", Sara-Christins Beitrag für den Wettbewerb.An unserer Uni, der HAW Hamburg wurde über den Dressler Verlag ein Wettbewerb ausgeschrieben. Dressler und Professoren der Hochschule haben dann die Arbeiten gesichtet. Als ich gehört habe, dass die Gewinner Cornelia besuchen dürfen, wollte ich unbedingt mitmachen.


 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Foto: Michael OrthDie Zeit auf Cornelias Farm hat mich inspiriert und beseelt.
Bei Cornelia ist es sehr, sehr gemütlich und man fühlt sich sofort wohl. Überall findet man kleine Dinge, aber auch Puppen und Holzfiguren. Und natürlich ist die Umgebung und Natur faszinierend. Man bekommt dort den Kopf ganz automatisch frei.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Foto: Michael OrthAus Malibu habe ich neben Fotos, Skizzen und modellierten Puppen vor allem viel Kraft und Motivation mitgenommen.
Cornelia hat mich unglaublich motiviert und inspiriert.
Die Gespräche mit ihr über Kunst, Literatur, Puppen und vieles andere nehme ich mit, und sie werden mich lange begleiten.

 

 Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth  Foto: Michael Orth

Walter Jannovitz... (Foto: Michael Orth)  Sara-Christins Uhrmacherfreund (Foto: Michael Orth)  Foto: Michael Orth

  

 

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Ayesha Gamiet

Ayesha Gamiet

Ayesha ist Künstlerin, Illustratorin und Kunstpädagogin aus London. Sie lebt und arbeitet im Südosten von England. Ihr Leben inmitten verschiedener Kulturen lässt sie in ihre Kunst einfließen. Ayesha unterrichtet in Großbritannien und im Ausland und arbeitet als freischaffende Künstlerin.

Ayeshas Webseite

Was hat dich zur Kunst gebracht?

Ich liebe das Malen und Zeichnen seit ich denken kann, und ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich in meiner Kreativität immer unterstützt und ermutigt haben. Meine Eltern kommen aus Südafrika. Mein Vater bekam sein Diplom in Bildender Kunst an der Universität von Kapstadt, konnte aber aufgrund des Apartheid Regimes einen weiteren Hochschul-Abschluss nicht machen. Als meine Eltern nach England auswanderten, wollten sie, dass ihre Kinder die Freiheit genießen konnten, ihren interessen und Talenten nachzugehen, weil sie selbst diese Möglichkeit in Südafrika nicht hatten. Ich bin aufgewachsen unter dem Einfluss vieler unterschiedlicher Kulturen. Muslimin mit südafrikanischer Herkunft, aufgewachsen in England, afrikanisch-asiatisch-europäische Ethnizität. Ich habe einen Abschluss in afrikanischer und asiatischer Kunstgeschichte und Archäologie und einen Master in den Visual Islamic and Traditional Arts. Während meines Studiums entdeckte ich meine Liebe für illuminierte Manuskripte und persische und indische Miniaturmalerei. Ich reiste nach Istanbul, um mehr zu lernen über die illuminierten islamischen Handschriften und es führte dazu, dass ich selbst zu meiner Lehrmeisterin wurde. Ich schloss meine Ausbildung 2018 ab und erhielt das Ijaza, ein traditionelles Diplom, während einer Zeremonie in der Süleymaniye-Moschee in Istanbul. Meine Leidenschaft für schöne Bücher brachte mich zur Kinderbuchillustration, wo ich die islamische Kunst mit traditionellen und zeitgenössischen Geschichten verbinden kann. Ich arbeite auch als bildende Künstlerin und unterrichte islamische Kunst in Großbritannien und weltweit.

 

Wie hat sich für dich die Möglichkeit ergeben, an Cornelias 'Artists in Residence Programm' teilzunehmen?

Auf ganz wundersame Weise durch einen glücklichen Zufall. Vor fünf oder sechs Jahren traf meine Freundin Rukhsana Khan Cornelia bei einem Literaturfestival in Indien. Rukhsana erwähnte mich und meine Arbeit und schickte Cornelia ein paar Fotos meiner Illustrationen. Rukhsana stellte den Email-Kontakt zwischen mir und Cornelia her, und als Cornelia für eine Lesereise nach London kam, lud sie mich auf einen Kaffee ein. Ich war überwältigt von ihrer Großzügigkeit und Freundlichkeit. Wir unterhielten uns über Bücher und Illustration und über meine Arbeit als Lehrerin (Ich war damals Kunst-Lehrerin an einer Schule). Cornelia ermutigte mich, die Kinderbuchillustration professionell weiter zu verfolgen und sie schlug vor, dass ich doch auch meine eigenen Geschichten schreiben sollte. Sie lud mich ein nach Los Angeles, aber damals war ich zu schüchtern. Fünf Jahre später beendete ich mein erstes Kinderbuchprojekt zusammen mit Rukhsana. Ich dachte so oft an mein Treffen mit Cornelia und an den Rat, den sie mir gab - es war alles wahr geworden. Ich beschloss, den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen, um "Dankeschön" zu sagen und ihr zu erzählen, dass ich nun wirklich im Kinderbuchbereich arbeitete. Ich war nicht sicher, ob Cornelia sich an mich erinnern würde, aber zu meiner Überraschung und Freude erinnerte sie sich gut. Und sie lud mich ein als Artist in Residence auf ihre Farm zu kommen.

 

Wie hat dir die Zeit auf der Farm gefallen? Hast du dort Inspiration gefunden?

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass meine Zeit auf der Farm eine lebensverändernde Erfahrung war. Es hat mich so sehr inspiriert und ich habe so viel gelernt. Das Leben inmitten der Natur, die bereichernden Gespräche, die wir hatten, die anderen Künstlerinnen und Künstler kennen zu lernen, deren Kunst und Handwerk. All das hat wahrscheinlich eine ganze Bibliothek an neuen Geschichten inspiriert. Meine Skizzen und Malereien, die auf der Farm entstanden sind, werden ganz sicher neue Landschaften in meiner Kunst und Illustration wecken. Die Gespräche, die ich mit Cornelia und den anderen Künstlerinnen und Künstlern hatte, haben neue Ideen geweckt und bereits bestehende weiter vorangebracht. Und es sind einige aufregende Zusammenarbeiten geplant.

 

Was hast du von dort mit nach Hause genommen?

Neben Ideen und Inspiration nehme ich auch ein größeres Zutrauen in meine Arbeit und meine Fähigkeiten mit nach Hause. Cornelia hat mir geholfen, meine Liebe zum Geschichten erzählen freizulegen. So denke ich, dass ich in der Zeit nach Malibu noch mehr schreiben und illustrieren werde. Dafür kann ich nicht oft genug Danke sagen. Es war eine große Ehre und ein Privileg, einer so begabten Geschichtenerzählerin und Illustratorin wie Cornelia bei der Arbeit zuzuschauen. Das hat mir geholfen, meinen eigenen Arbeitsprozess zu definieren. Einfache Tipps wie das Anlegen von Notiz- und Skizzenbüchern für jedes einzelne Projekt und das tägliche Ritual der Ideen- und Skizzensammlung, aber auch zu beobachten, dass Persönliches bei Cornelia immer Priorität hat ...  Ich habe so viel gelernt. Meine Erfahrungen in Malibu lassen mich den alltäglichen Zauber schätzen, und ich hoffe, ich kann davon auch etwas weiter geben.


Ayesha im Tiny House auf Cornelias Farm.  Ayesha und Cornelia zusammen mit Kindern von 826LA, für die Ayesha einen Workshop organisiert hat.

Ayesha malt zusammen mit den 826LA Kindern auf Cornelias Farm.

 

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