Illustration aus "Was bleibt, ist Licht. Ein Trostbuch" von Melanie Garanin, erschienen 2021, Ars Edition
Warum bist du Illustratorin geworden?
Ich glaube, weil ich gerne zeichne und weil ich gut in Bildern denken kann.
Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Denken kann ich am besten morgens unter der Dusche, während ich mir die Zähne putze. (Ja ja, drei Minuten reichen!) Muss ich das gerade viel, also Denken übers Arbeiten, kann es sein, dass ich die Ideen sofort notiere, um sie nicht zu vergessen, weil ich danach erstmal alles andere fertig mache: Mit den Hunden rausgehe, füttere, Kaffee und Frühstück mache, aufräume, Wäsche und so, die Ponys versorge, richtig mit den Hunden eine größere Runde laufe und dann selbst was esse. Falls ein Kind was will, wäre auch dafür nun der richtige Zeitpunkt. Aber dann! Fahre ich in mein Büro, mit dem Fahrrad oder Auto und arbeite bis zum Abend. Es kann allerdings auch sein, dass ich — vor allem im Sommer — früh ins Büro fahre, mit den Hunden zusammen, und den ganzen Rest (außer Frühstück) nach hinten schiebe. Ich wechsele meine Routinen häufig, das ist so schön am freiberuflichen Arbeiten.
Illustration aus "Was bleibt, ist Licht. Ein Trostbuch" von Melanie Garanin, erschienen 2021, Ars Edition
Gibt es Illustratoren, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Ich bin sehr leicht zu beeindrucken und lasse mich schnell einschüchtern vom Können anderer Illustrator*innen, daher versuche ich eher, mich nicht so viel beeinflussen zu lassen. Aber ich habe viel gelernt von Rolf Fänger, einem Wuppertaler Illustrator, bei dem ich während meiner Schulzeit ein Praktikum gemacht und danach auch länger gearbeitet habe. Stimmt: Er hat mich maßgeblich beeinflusst. Indem er mich immer ermutigt hat, "einfach mal zu machen".
Was war deine allererste Illustration?
Die früheste Zeichnung, die ich finden konnte, zeigt meine Familie. Mama, Papa, meinen großer Bruder (auf dem Blatt natürlich viel kleiner als ich) und den Kopf von Raya, unserem Hund damals. Meine erste richtige Auftrags-Illustration war, glaube ich, für eine Erziehungsratgeberzeitschrift.
"Kanadische Wildgänse"
Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Tiere inspirieren mich am meisten! Und Menschen. Ich beobachte gern und belausche Gespräche. (Ich gebe zu, dass ich in Restaurants manchmal gedanklich eher am Nebentisch sitze, wenn es da spannend zugeht. Oder im Zug mithöre, was andere reden!) Und dann scheint es in meinem Kopf so einen Ort zu geben, wo das alles gespeichert wird und irgendwann als Idee rauskommt. Oft sehr überraschend.
Hast du einen Lieblingsillustrator/-künstler?
"Ententanz"
Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher, oder soll es lieber still sein?
Wenn ich denkend zeichne, also Vorskizzen mache und dazu schreibe, dann höre ich Musik. Aber keine Songs, die zum Mitsingen verführen, klassische Musik, gern antreibend. Beim Reinzeichnen und Kolorieren liebe ich Hörbücher mit sehr langen Laufzeiten.
Illustration aus "Was bleibt, ist Licht. Ein Trostbuch" von Melanie Garanin, erschienen 2021, Ars Edition
Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Ja, mein Büro. Das ist ein kleiner, schlichter Raum in einem Gebäude mitten in einem Gewerbekomplex im Nachbardorf, sehr hell, sehr ruhig, wo nichts ist, außer meinen Arbeitsmaterialien.
Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Eigentlich nein.
Illustration aus "NILS - Eine Graphic Novel über Tod und Wut. Und von Mut.", erschienen 2020 im Carlsen Verlag
Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Alle in meinem Buch "NILS".
Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Ich bin gerne draußen. Im Wald mit den Hunden, auf der Wiese bei den Ponys. Ich reise auch gern herum.
Illustration aus "NILS - Eine Graphic Novel über Tod und Wut. Und von Mut.", erschienen 2020 im Carlsen Verlag
Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Dass man manchmal zu komplizierte Buchstaben in Bilder übersetzen kann.
Was macht deiner Meinung nach einen guten Illustrator aus?
Wenn das Bild mit dem Text oder der Geschichte, die es illustriert, im Einklang ist. Manchmal sollte sie sich zurücknehmen, um den Sätzen genug Raum zu geben, dann darf sie sich aber auch gern mal vordrängeln, wenn sie mehr sagen kann als jedes Wort. Gute Illustration ist wie ein Tanz zwischen Wort und Bild.
Illustration aus "Mein Freund Rilke"
Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch beim Illustrieren?
Ohweia. Ja! Ich habe ganz oft keine Lust zu zeichnen. Und ich kenne inzwischen auch die tiefsten Täler der Zeichenblockade. Oder Kreativblockade. Die gibt es bei mir absolut! Wie ich mich motiviere ... Einfach machen. (ha! Mein Beeinflusser!) Erstmal vielleicht was anderes. Alles ausschalten, Handy in ein anderes Zimmer (oder um die Ecke) bringen, Computer ausstöpseln, rumkritzeln, irgendwas zeichnen ohne Ziel. Das Wissen, dass es irgendwann vorbeigeht, hilft mir in solchen Momenten (was sage ich: Tagen, ... Wochen!) auch. So einigermaßen. Ich erinnere mich leider noch zu gut an meine letzte Blockade. Wenn kein Zeitdruck da ist, mache ich bewusst ein paar Tage Pause. Bis genug Zeitdruck da ist und der motiviert dann allerspätestens, hihi.