Belogen

Written by Moon

Kapitel 1

„Er lügt!“ brüllte Sie und ihre Stimme hallte von den Wänden des großen Saales wider.

„Du weißt dass er lügt!“ Sie rannte zu Ihm. Er sah Sie nicht an. Seine schönen Züge waren vor Schmerz verzerrt.

„Warum…?“, flüsterte Er mit zitternder Stimme.

„Weil er weiß wie gefährlich wir zusammen für ihn sind“, rief Sie. „Er hat Angst!“

Tränen rannen Ihr haltlos die Wangen herab. Er sah Sie immer noch nicht an.

„Du bist meine Schwester.“ Seine Stimme klang gequält. „Ich wusste es nicht. Es tut mir so leid.“

„Das ist eine Lüge! Es kann nicht wahr sein. Ich liebe Dich! Und das nicht wie einen Bruder…“, sagte Sie und die Verzweiflung ließ Ihre Stimme unmenschlich klingen. „Er verbreitet diese Geschichte weil er genau weiß, dass sie uns auseinander reißen wird!“

„Was, wenn das von Anfang an unser Schicksal war?“, raunte Er leise. Jetzt drehte Er sich zu Ihr um. Seine Augen waren schwarz vor Trauer.

„Er lügt… lass das nicht zu.“ Ihr Körper krümmte sich unter Schluchzen. 

Er hob die Hand, strich Ihr übers Haar. Seine Lippen berührten sanft Ihre Stirn. Er lächelte, doch das Lächeln schien in sich zusammenzufallen.

„Es tut mir leid.“

Dann trat Er durch das golden gerahmte Tor und verschwand. Tränen tropften auf den glatten Marmorboden. Sie spürte wie Ihr Herz brach.

Kapitel 2

„Für immer?“

„Nein, es ist nie für immer.“, antwortete Sie. „Wahrscheinlich gibt es das Für immer gar nicht.“

„Ewigkeit ist eine Sache der Ansicht. Man kann sie lieben, aber auch hassen, also sei froh, dass du nicht dazu verdonnert bist.“

„Ich hasse sie trotzdem.“

„Gestern warst du noch vom Gegenteil überzeugt.“

Tränen stiegen Ihr wieder in die Augen. Vertraute, nasse Tränen, die Ihr Gegenüber verschwimmen ließen.

„Lass dich nicht gehen“, sagte dieser.

Sie lachte freudlos. „Gehen lassen? Es lässt mich ja nichts gehen. Du nicht und.... Er auch nicht.“

„Er...“ Sein Nicken verwandelte sich in ein Kopfschütteln. „Er hat es getan damit du du selbst sein kannst und alles tust so wie es die Natur und das Leben bestimmt.“

„Ich bin nicht ich selbst!“, Sie brüllte ihn an, auch wenn Sie es nicht wollte. „Ich bin mein Schmerz, nichts anderes.“

„Bist du sicher?“

Sie sagte nichts. Sie weinte. Schon wieder viel zu viel. Viel zu dramatisch, doch Sie konnte nichts dagegen tun. Die große goldene Glocke hoch über ihren Köpfen begann zu Läuten. Laut und tief. Ein einziger Schlag.

„Wohin ist er gegangen?“, fragte Sie als es wieder still war. „Wohin...?!“ Ihre Stimme war flehend. Ihr Gegenüber zögerte.

„Er ist zu ihm gegangen.“

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