Emma und der Blaue Dschinn

Emma und der Blaue Dschinn

Ein Dschinn ohne Nasenring ist klein wie ein Wüstenigel und kann auch keine Wünsche erfüllen. Emma befreit Karîm aus seiner Flasche und will ihm helfen. Auf dem fliegenden Teppich geht es nach Barakasch, um Sahim zu finden, den Meister der Bosheit und Dieb des Rings. Jalla!

Eines Nachts findet Emmas Hund Tristan am Strand eine Flasche, und als Emma den Korken herauszieht, steigt eine Rauchsäule empor: Karîm, der Blaue Dschinn. Aber Emma hat einen traurigen Geist befreit, der keine Wünsche mehr erfüllen kann, seit ihm der heimtückischste aller Gelben Dschinns seinen Nasenring gestohlen hat. Also reisen Emma und Tristan mit dem Flaschengeist ins Morgenland - auf einem fliegenden Teppich! Und das ist erst der Anfang einer Reihe aufregender Abenteuer ...

Kornblumenblauer Rauch quoll aus der Flasche, mehr und immer mehr. Emma stolperte erschrocken zurück und Tristan steckte den Kopf in den Sand. Die blaue Rauchwolke bekam Arme und Beine und einen kahlen Kopf, auf dessen Glatze sich das Mondlicht spiegelte.

"Sssssalaaaam alaikum!", hauchte der Flaschengeist. "Sei gegrüüüüßt, o Befreierin! Mein Name ist Karîîîm, Karîm der Bartlose." Und er verneigte sich so tief dass sein kahler Kopf den Sand berührte. "Sehr ... sehr erfreut!", stammelte Emma und verbeugte sich ebenfalls (wenn auch nicht ganz so tief). Als sie sich wieder aufrichtete, stellte sie fest, dass der Flaschengeist gerade mal einen Kopf größer war als sie. "Entschuldigung", sagte Emma (schließlich wusste sie nicht, ob Flaschengeister schnell beleidigt sind), "aber — wächst du noch? Ich mein ... soweit ich mich erinnere, sind Flaschengeister in den Märchen immer riesengroß." Karîm seufzte so tief, dass der feuchte Sand aufwirbelte und seine nackten Zehen bedeckte. "Ooooh, du hast ja sooooo Recht, Meisterin!" rief er klagend. "Auch ich war einst viiiiiel größer! Ich konnte meinem Kalifen die Hand schütteln, wenn er auf dem höchsten Turm seines Palastes stand. Sein Dromedar legte sich in meiner Hand schlafen. Aber nun bin ich klein wie ein Wüstenigel und klein wie eine Nasenschrecke." Bei diesen Worten begann der Dschinn so heftig zu schluchzen, dass seine Tränen wie Regen auf den Sand prasselten. "Oje!", sagte Emma mitfühlend. "Und wie bist du so klein geworden?" Tristan zog den Kopf aus dem Sand und beschnüffelte Karîms Zehen, was Emma nicht sehr taktvoll fand. "Nun, siehst du das denn nicht?", schniefte der Dschinn. "Mein Nasenring ist fort! Heimtückisch geraubt! Ohne den Ring bin ich ein Nichts, eine Made, eine Spitzmaus, eine Schnecke, die die Sonne verbrennt!" "Aha!", murmelte Emma und musterte Karîms blassblaue Nase. Sie sah wirklich etwas nackt aus. "Und wer hat dir den Ring geraubt?", fragte sie. Karîm fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Sahiiiim!", hauchte er. "Sahim, der Meister der Bosheit, der heimtückischste aller Gelben Dschinns. Er hat meinen Ring gestohlen, mich in meine Flasche gestopft und ins Meer geworfen."

"Hm!", murmelte Emma und bohrte ihre Schuhspitze in den Sand. "Dann wird vermutlich auch nichts aus den drei Wünschen, oder? Ich mein ... diese drei Wünsche , von denen in den Märchen immer die Rede ist. Du weißt schon, die, die man erfüllt bekommt, wen man einen Flaschengeist befreit ..." Karîm schüttelte traurig den Kopf. "Ohne den Ring kann ich dir nicht einmal den käferkleinsten Wunsch erfüllen, Meisterin!" hauchte er. "Am besten wirfst du mich ins Meer zurück, damit ich in meinen Tränen ertrinke!" Und schon schluchzte er wieder los.